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Ausgabe:

1915 Nr. 13

Spalte:

291-292

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pilter, W. T.

Titel/Untertitel:

Eastern and Western Semitic Personal Names. The Equivalence of Hammurabi and Amraphel 1915

Rezensent:

König, Eduard

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 13.

292

Folgerung anerkannt wird, daß es dann auch kein Ende in Wirklichkeit
gebe, denn das muß der Buddhismus haben). Von der Klarheit des
philofophifchen Denkens gibt der Satz (S. 115) einen Beleg: ,Alle Prozeffe
teilen fich ein in folche, die unterhalten werden, und folche, die fich
felber unterhalten. Erflere nenne ich die rückwirklichen Prozeffe,
letztere die wirklichen'. Die wirklichen Prozeffe follen die Verbrennungsund
Ernährungsprozeffe fein. Das wären alfo Vorgänge, die nicht unterhalten
werden, fondern die fich felber unterhalten! -Wer die Naivitäten
von D.s Philofophieren näher kennen lernen will, möge dem 5- Kapitel
(,Muß der Menfch glauben?') oder dem 7. (,Das religiöfe Moment des
Buddhismus') feine Aufmerkfamkeit fchenken. —

Auch abgefehen von Philofophie und Religionsgefchichte ift das
Buch reich an Schiefheiten und Parteilichkeiten. Stark treten fie hervor
in dem Abfchnitt .Einzelne Kapitel aus der buddhiftifchen Moral'. Wenn
D. dort (S. 392) fagt: ,1m übrigen wird auch dem flüchtigen Reifenden
in buddhiftifchen Ländern die Schonung auffallen, welche alles Lebende
genießt', fo muß Ref. auf Grund feiner Kenntnis buddhiftifcher Länder
dem nachdrücklich widerfprechen. Dem .flüchtigen Reifenden' mag es
vielleicht einmal fo fcheinen. Was man bei längerem Aufenthalte und
Bereifung mehr abfeits liegender Gebiete erlebt, fleht ganz anders aus.
Die Art, wie D. dann der vermeintlichen Tierfchonung des Buddhismus
zwei Äußerungen aus Luthers Tifchreden gegenüber (teilt, bedaure ich
um des Autors willen. Solche Taktik ift nicht fein und wirft auf den
Streiter felbft ein trübes Licht.

Schlimm ift auch, daß in den abfälligen Äußerungen über das
Chriftentum (D. nimmt fich immer nur die landläufige orthodoxe Dog-
matik vor) gelegentlich eine Unkenntnis fich verrät, die dem Autor gewiß
kein Anrecht gibt, hier als Kritiker aufzutreten. S. 335 heißt es:
,In der Bergpredigt fagt Jefus zu den Apofteln: die euch abweifen, denen
wird es am jüngften Tage fchlimmer ergehen als Sodom und Gomorrha'.
Aber in der Bergrede fleht nichts davon; es fteht Mt. 10, 15. S. 19:
,Die fchulgemäße Definition [vom Glauben], wie Paulus fie gibt, ift bekannt
'. Es wird Hebr. 11, 1 gemeint fein; daß Paulus damit nichts zu
tun hat, follte ein Kritiker des Chriftentums wiffen. Welch tiefes Ver-
ftändnis der Reformation verrät fich in den Worten (S. 44); ,1m letzten
Grunde tat Luther ja nichts, als daß er an Stelle der Autorität der Perfon
ein Buch als Autorität fetzte'! Daß die Chriften ,diefe ganze Welt für
ein Jammertal erklären eben auf Grund ihrer Vergänglichkeit' (S. 112),
wüßte ich nicht. Das Motiv liegt im Gegenfatze zum Buddhismus anderswo.
.Gebet im gut chriftlichen Sinne ift ftets eine Bitte, und zwar eine Bitte
derart, daß fie notwendig einen Eingriff in das naturgefetzliche Welt-
gefchehen verlangt' (S. 423). Es ift, als hätte D. niemals etwas von dem
Vaterunfer gehört. —

Am beften wirkt D.s Buch in den Abfchnitten, wo
er fich von der Parteilichkeit des Apologeten naturgemäß
freier halten kann, indem er einfach Zuftände und Auf-
faffungen des Buddhismus darlegt. So in Kap. 13 (Mönch-
tum und Opfer), einer Schilderung des buddhiftifchen
Klofterlebens auf Ceylon. Den philofophifchen Gehalt der
buddhiftifchen Lehre aber richtig zu erheben oder gar
ihn unter dem Gefichtspunkt von Religion und Moral
unbefangen zu würdigen, ift D. wohl nicht der geeignete
Mann.

Amfterdam. H. Hackmann.

Pilter, W. T.: Some Amorite Personal Names in Genesis XIV:

Bera', Birsha', Shinab, and Shemeber. (Reprinted
from the ,Proceedings of the Society of Biblical Ar-
chaeology' Novbr. 1913, May and June 1914.) (59 S.) 8°.
— Eastern and Western Semitic Personal Names. The Equi-
valence of Hammurabi and Amräphel. (Reprinted
from the .Proceedings of the Society of Biblical
Archaeology', June 1913.) (S. 171 —186.) 8°.

Von dem in Gen. 14 liegenden Gefamtproblem hat
Pilter fich die Deutung eines Teiles der Namen ausgewählt
, die nur oder faft nur in diefem Kriegsbericht auftreten
. Zuerft hat er noch einmal die Identität von 'Amräphel
mit Hammurapivallfeitig beleuchtet, dann die Ausdrück
e Bora, Birsa', Sin'ab, Sem'eber und Malkisedek
unter allen möglichen Gefichtspunkten betrachtet. Etwas
wefentlich Neues hat er darüber nicht gebracht, ja es
würde deffen noch weniger fein, wenn er alle Vorarbeiten
beachtet hätte. Denn die Ableitung des Namens Bera'
von arab, bära'a ,fich auszeichnen, fiegen' ift auch in
meinem WB, das ja die Eigennamen deutet, gegeben.
Übrigens ein pofitives Recht, die vier Namen Bera',
Birsa', Sin'ab und Sem'eber als amoritifch zu bezeichnen,

hatte er nicht, und es ift auch zu beachten, daß im Un-
terfchied von diefen Königen der vier Städte Sodom,
Gomorrha, Adma und Sebojfm, die Bundesgenoffen Abrahams
Mamre', 'Aner und 'Eskol ausdrücklich ,Amoriter'
genannt find (V. 13). P. hat nicht bemerkt, daß, wenn
die Könige der vier Städte Sodom ufw. auch Amoriter
gewefen wären, dann 'Amraphel-Hammurapi mit gegen
Amoriter gezogen wäre. Die Zugehörigkeit des letztge-
genannten Herrfchers zum amoritifchen Zweige der Se-

: miten nimmt auch P. an, nur läßt er wenig klar diefe
Semiten, zu denen die Hammurapi-Dynaftie gehörte, erft

! mit Hommel, dem er überhaupt in vielen Stücken folgt,

j aus Arabien flammen (1913, 177), fetzt aber dann auf
einmal ,Amorite — Syria and Palestine' (p. 205), während
er ,amoritifch' und ,arabifch' in 1914, 224. 226. 229 f. wie-

! der identifiziert. Wahrhaft köftlich ift, was er über Mafi-
ßQtj fagt, die ,Variante weife auf eine alte Textkorruption
, wahrfcheinlich auf Seiten der griechifchen Abfchrei-
ber, hin, da eine Wurzel anntt oder auch -Qzj im Hebrä-
ifchen nicht bekannt' fei (1914, 128). Als wenn es nicht
ein häufiger Vorgang in der Sprachgefchichte wäre, daß
zur leichteren Verknüpfung von mr ein b, wie zwifchen
nr ein d, eingefchaltet wird: "Omri in der LXX 'JfjßQi;
Alhambra; avrQ, avÖQoq ufw. das ganze ihm unbekannt
gebliebene Kapitel von den überleitenden Artikulationen'
in meinem Lehrgebäude II, 472 f. Daß viermal ftatt "ito
,Fürft' "iti mit Schin gedruckt ift (1914, 225), ift auch ein
ziemlich ftarkes Stück.

Bonn. Ed. König.

Biblifche Zeitfchrift. In Verbindg. m. der Redaktion der
,Biblifchen Studien' hrsg. v. Proff. Drs. Joh. Göttsberger
u. Jof. Sickenberger. 12. Jahrg. 1914. (448 S.) gr. 8°.
Freiburg i. B., Herder. M. 12 —

Diefe katholifche Zeitfchrift, die in der Theol. Litztg.
fchon mehrfach gerühmt werden konnte, (vgl. zuletzt 1914,
281 f.) erfcheint jetzt auf befferem Papier, was freilich den
[ Nachteil hat, daß fie bei gleicher Seitenzahl die doppelte
Stärke des Ümfangs aufweift.

Unter den altteft. Artikeln erfcheint mir der wich-
tigfte ein Auffatz des Mitherausgebers Göttsberger:
,Eine katholifche hebräifche Bibel?' (S. 1 —13 cf. S. 113 bis
115), die umfichtige Erörterung eines neuen Editionsplanes,
dem wir nur wünfehen können, daß er feine Durchführung
finde. Natürlich ift R. Kittels Bibel Vorbild; das Eigenartige
wie Wertvolle ift der Paralleldruck der Vulgata mit
Variantenapparat. Proben (Ez 1, Pf 110) erläutern den
Text.

Weiter nenne ich noch eine Artikelferie des Löwener
Profeffors van Sande über Le psaume no (S. 22—28;
155—141; 238—250), einen Auffatz von Amann über: ,Die
römifche Septuaginta-Revifion im 16. Jahrhundert' (S. 116
bis 124), eine Unterfuchung von Grimme über: ,Das
ältefte hebräifche Manufkript' (S. 225—234) — nach ihm
ift das in Zentralafien gefundene Manufkript zwar hinficht-
lich feiner Konfonantfchreibung älter als alle bisher bekannten
hebräifchen Manufkripte, kann jedoch, da an
entlegenem Ort gefchrieben, nach veralteter Weife ge-
fchrieben auch noch fpäter entftanden fein; endlich fei
erwähnt Eberharter, ,Die hebräifchen Nomina auf yi fprach-
gefchichtlich unterfucht' (S. 337~352) und eine Notiz von
Döller ,Zu 3 Kg 20, 31 f.', die das Ümlegen eines Strickes
als vielfach belegtes Abzeichen der Trauer deutet

Unter den neuteft. Artikeln nehmen hauptfächlich
die Beiträge zur Textkritik unfer Intereffe in Anfpruch.

In einem Auffatz ,Zur „afrikanifchen" Evangelienüber-
j fetzung' fetzt fich Vogels mit Hans v. Soden auseinander
und tadelt befonders, daß er aus Cyprian k und e einen
afrikanifchen Text zu konfluieren gewagt habe (S. 251
bis 268). Derfelbe facht S. 369—390 an dem Beifpiel von
Mt 20, 28 von neuem darzulegen, daß ein apokrypher