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Ausgabe:

1915

Spalte:

261

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schleiermacher, Friedrich

Titel/Untertitel:

Monologen, nebst den Vorarbeiten. 2., erweit. u. durchges. Aufl. v. Hermann Mulert 1915

Rezensent:

Titius, Arthur

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 11.

262

Predigtweife des Origenes, fondern auch die Überlieferungs-
gefchichte feiner Homilien erkannt werden kann; vgl. die ,Vor-
bemerkung', die aus technifchen Gründen zur .Schlußbemerkung'
geworden ift. Einige, befonders S. 17 ff., ftehen gebliebene Druckfehler
find leicht zu verbeffern. S. 18,12 ift doch wohl ,et quae
locutus est' zu fchreiben; ebenda Z. 23 korrigiert der Herausgeber
ayvorjziov zu öxvtjzeov.
Weimar. Paul Koetfchau.

Collection de la Bibliotheque des Exercices de Saint Ignace. Etudes
et Documents. Nr. 37 u. 39—43. gr. 8°. Enghien, Bibliotheque
des Exercices 1912/13. Jährlich 6 Hefte fr. 4 —

Nr. 37. Bellarmin et les exercices spirituels de saint Ignace.
Par le P. Xavier-Marie Le Bachelet, S. I. lere partie. (80 S.)

— Nr. 39/41. Les exercices spirituels ä la naissance des Se-
minaires. Recherches histor. sur Ieur part d'influence prin-
cipalement en France. Par le P. H. Watrigant, S. I. (130 S.)

— Nr. 42. Contemplatio ad amorem spiritualem. Möditations
inödites. (48 S.) — Nr. 43. Quel est l'auteur de la Priere
Anima Christi? Par Baesten, Dreves, Kehrein, Zeuner.
(56. S.)

Von den Techs Heftchen der Sammlung find die wert-
vollften die Nrn. 39. 40. 41, die (ich mit dem EinflufTe der jefu-
itifchen .Exerzitien' auf die feit dem Konzil von Trient errichteten
Priefterfem inarien befchäftigen und die veranfchaulichen,
wie gewaltig der Jefuitenorden durch feine ,Exerzitien' auf Welt-
und Ordensgeiftlichkeit einwirkte. Die Hefte 37. 42. 43. über
iBellarmin und die Exerzitien', ,die Betrachtung von der geift-
lichen Liebe', ,den Verfalfer des Gebetes Anima Chrifti' entbehren
auch nicht des Intereffes für die, welche an folchen Einzelfragen
römifcher Askefe und Myftik Intereffe nehmen, was wohl nicht
allzu viele tun werden. Überhaupt nimmt es Wunder, daß eine
ganze ,Bibliothek' über die Jefuiten-Exerzitien herausgegeben
wird. Ich fehe darin ein Zeichen der maßlofen Selbftüberhe-
bung, mit der die Jefuiten Alles, was ihren Orden betrifft, von jeher
behandelt haben.
Berlin. Graf Hoensbroech.

Schleiermacher, Friedrich: Monologen, nebft den Vorarbeiten.

Kritifche Ausgabe. Mit Einleitg., Bibliographie, Index u. An-

merkgn. v. Friedrich Michael Schiele. 2. erweit. u. durchgefeh.

Aufl. v. Hermann Mulert. (Philofophifche Bibliothek Bd. 84.)

(XLVIII, 199 S.) 8". Leipzig, F. Meiner 1914. M. 1.40; geh. M.1.90
Es ift fehr erfreulich, daß Schieies vortreffliche Ausgabe der
Monologen, über deren Anlage in ThLz 1903,364 berichtet ift, eine
neue Auflage erlebt. Mulert hat die Einleitung und die Bibliographie
dem heutigen Stande der Forfchung angepaßt. Die aus Schieies
Nachlaß beigefügten Anmerkungen zeigen feine gründliche Vertiefung
in Schleiermachers Denken. Befonders lehrreich ift die
Parallele aus den ,Bekenntniffen einer fchönen Seele' zu dem bekannten
Satz der Monologen über das Gewiffen (S. 100 vgl. auch 99).
Im Anhang lind die Neujahrspredigt von 1792 und die Skizze,Über
den Wert des Lebens', die Vorftadien der Monologen abgedruckt.
Sehr willkommen wird vielen die Nachricht fein, daß eine Neuauflage
von Diltheys Schleiermacher-Biographie in Ausficht genommen
ift; möge fie bald erfcheinen.
Göttingen. Titius.

wundt, Wilh.: Die Ptychologie im Kampf ums Darein. (III, 38 S.)
8°. Leipzig, A. Kröner 1913. M. 1 —

Wundt nimmt hier Stellung zur Frage nach der Trennung
der experimentellen Pfychologie von der Philofophie im akade-
mifchen Unterricht. Er fpricht fich gegenüber der von Philofophen
und PTychologen geforderten Trennung mit fehr beachtenswerten
Gründen dahin aus, daß ,wenn der Prozeß nach dem Wunfeh der
Parteien ausginge, die Philofophie mehr verlieren als gewinnen,
die Pönologie aber auf das fchwerfte gefchädigt würde' (Vorwort).
Pabei tritt wieder zu Tage, wie wenig W. einer bloß experimentellen
Pfychologie das Wort redet, und wie ftark er ihren Zufammenhang
m'f der Erkenntnistheorie und Metaphyfik im Auge behält. Die
Schrift ift zugleich ein neuer Beweis, in welch vornehmer Art
aer Verf. auch auf heiß umftrittenen Boden den fachlichen Ge-
lcntspunkten zu ihrem Recht zu verhelfen weiß.
Bafel. Heinzelmann.

Mitteilung.

tn?" Diereligionsge rchi cht liehe Bedeutung der paläoli-
'ichen MenfchendarfteHungen. Bei der Publikation neueres
in den Belitz des Berliner Mufeums für Völkerkunde gelangter
Skulpturen der älteren Steinzeit aus Südfrankreich stellt
Karl Schuchhardt in den ,Amtlichen Berichten' (März 1915) eine
bemerkenswerte, aber keineswegs gelicherte, Hypothefe über
die Beftimmung der Darftellungen von nackten, fteatopygen
Frauengeftalten auf, von denen eine aus den Ausgrabungen in
dem Abri von Lauffei des Dr. Laianne in Bordeaux in den Befitz
des Berliner Mufeums gelangte. Diefe Skulpturen geben fchon durch
ihre technifche Ausführung einen hohen Begriff von dem Können
der paläolithifchen Künftler, fodaß man an den hohen Jahreszahlen,
die bisher das Paläolithikum in eine weltentfernte Einfamkeit entrücken
wollten, irre wird. Aber diefe Skulpturen erfchließen
uns auch neue Seiten in dem Wefen der damaligen Menfchen.
Die Fettleibigkeit dargeftellter weiblicher Geftalten findet fich, wie
bekannt ift, auch auf Malta, auf den Kykladen, in Ägypten; die
Frifur der Weiber wie der bloße Gürtel der Männer, der nur
zum Bauch- oder Bruftfchutz dient, in Ägypten. Das Senken des
Kopfes und Erheben der Hand vors Gefleht ift in den ganzen
folgenden Kulturen (Ägypten, Kreta, dem Chetitergebiet) der Gruß
an die Gottheit, wenn man zum Altare tritt um zu beten und
zu opfern. Genau wie die Berliner Frau aus Lauffel und die noch
im Befitz des Dr. Laianne befindlichen Frauengeftalten hält auch
eine Frau in Kreta eine große Mufchel, um daraus auf einen
Altar zu gießen. Kurz, alle Gebärden der Frauen von Lauffel,
das Neigen des Kopfes, das Erheben der Hand, das Halten des
Hornes bezeichnen ,beten und opfern'. In diefen Frauengeftalten
will nun Schuchhardt, gerade fo wie es bei den thronenden Heroen
der Griechen und den etruskifchen Laren der Fall ift, Bilder von
Verftorbenen, von Ahnen fehen. Diefe Ahnherrn refp. Ahnfrauen
feien als Mittler zwifchen Menfchen und Göttern anzufeilen; fie
werden von ihren Hinterbliebenen verehrt, können aber nicht
aus eigener Kraft helfen, fondern müffen ihrerfeits fich an die
Gottheit wenden; fo wären fie mittelbar die Vorläufer der katho-
lifchen Heiligen. Da der Jenfeits- und Götterglaube uns fchon
durch die Beftattungen im Moufterien und Aurignacien angedeutet
ift und durch den Menhir-Kult weiterhin genügend bewiefen
werden kann, fo meint Schuchhardt auch in den nackten Hänge-
brüftigen und fteatopygen Frauen von Lauffel und ähnlichen
Darftellungen betende und opfernde Verftorbene fehen zu dürfen.
München. Max Maas.

Zu Staerk's Anzeige in Nr. 8, Sp. 171.

Ich beabnehtige nicht, an diefer Stelle auf Staerk's Ausführungen
im einzelnen einzugehen. Nur möchte ich zu dem mir
indirekt erteilten Rat, um meiner angeblich radikalen kritifchen
Stellung gegenüber dem überlieferten Texte willen auf die Behandlung
von Problemen der Metrik und Rhythmik lieber zu verzichten
, erklären, daß ich diefem Rate zu folgen zu meinem Bedauern
nicht in der Lage bin. Meine kritifche Stellung zum überlieferten
Texte des alten Teftaments beruht auf einer jahrzehntelangen
eindringenden Arbeit an ihm und ift wohl begründet, auch
in bezug auf die poetifchen Texte, für die ich allerdings erft nach
und nach die Rhythmik als ein wertvolles kritifches Hilfsmittel
erkennen und würdigen lernte. Wer vorurteilsfrei meine Arbeiten,
auch die in der von Staerk angezeigten kleinen Schrift, lieft
und prüft, wird mir auch zugeftehen, daß es mir fern liegt, die
überlieferten Texte ohne forgfame philologifche (,grammatifche
und logifche') Überlegung einfach nach meiner vorgefaßten rhyth-
mologifchen Meinung zu vergewaltigen. Ich werde darum auch
— um meines wiffenfehaftlichen Gewiffens willen — nicht aufhören
, auf meiner Pofition zu beharren und die entgegenftehende
zu bekämpfen, wer immer auch diefe letztere vertritt, denn auch
König's Urteil, auf das Staerk in einer Note hinweift, oder auch
Kitte l's Ausführungen vermögen mich nicht an meiner Stellung
und meiner Methode irre zu machen. An anderer Stelle hoffe
ich dazu Weiteres fagen zu können. Schließlich glaube ich den
Lefer der Anzeige Staerk's, der mein Büchlein nicht kennt,
bitten zu dürfen, fleh durch die naturgemäß fehr einfeitige, um
nicht zu fagen tendenziöfe,Ausführung desfelben nicht abfehrecken
zu laffen, das Büchlein zu Iefen und das gefamte dort behandelte
Material, nicht bloß das, das mit Staerk's Auffatz in Beziehung
fleht, daraufhin zu prüfen, ob meine kritifche Behandlung der
poetifchen Texte wirklich fo willkürlich, eine ,Bekrittelung' anftatt
einer ernfthaften, auf forgfamen Erwägungen fußenden Kritik ift.
Eine volle Beurteilung meiner Methode ift freilich nur dann möglich
, wenn man zugleich Rückficht nimmt auf die längft von kompetenten
Forfchern feftgeftellten und durch die fortfehreitende
Arbeit nur beftätigten und nur noch vermehrten Möglichkeiten