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Ausgabe:

1915

Spalte:

241-242

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, G.

Titel/Untertitel:

La Révélation primitive et les données actuelles de la Science d’après l’ouvrage allemand 1915

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchiießlichan /-»/-vn/r- mt

40. JanriT. Nr. 11 Profenor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. AJ7. Meli 1915

" " Rezenfionsexempiare ausfchließiich an den Verlag.

S c h m i d t, La Revelation primitive et les donnees
actuelles de la Science (E. W. Mayer).

Fowler, Roman Ideas of Deity in the last Century
before the Christian Era (Bouflet).

Döller, Das Gebet im Alten Teftament in re-
ligionsgefchichtlicher Beleuchtung (Staerk).

Herford, Das phariläifche Judentum (Beer).

Ehrhard, Das Chriftusproblem der Gegenwart
(Thieme).

Walther, Unterfuchungen zur Gefchichte der
griechifchen Vaterunfer-Exegefe (von der
Goltz).

Hünermann, Die Bußlehre des heil. Auguftinus
(Scheel).

Hubert, Jeanne d'Arc a-t-elle abjur£? (Lo-
ferth).

Buchwald, Doktor Martin Luther (Kawerau).

Voretzfch, Das Parifer Reformationsfpiel von
1524 (Friesland).

Windelband, Staat und katholifche Kirche in
der Markgraffch. Baden zur Zeit Karl Friedrichs
(Eger).

Genfichen, Ein Schnitter nur .... (Knoke).

Jerufalem, Einleitung in die Philofophie (Ko-
walewski).

Pfifter,Die pfychoanalytifche Methode (Weber).
Stekel, Das liebe Ich (Derf.).
Fuchs, Ewiges Leben (Steinmann).
Wendland, Die neue Diefeitsreligion (Derf.).
Vermeerfch, Die Toleranz (Graf von Hoens-
broech).

Wehnert, Jefu Bergpredigt pfychologifch u.
philofophifch erklärt f. Lehrer u. Schüler (Nie-
bergall).

Referate: Knortz, Hexen, Teufel und Blocks-
bergfpuk. — The Cambridge Bible for Schools
and Colleges, JeremiahbyStreane. — Auf-
haufer, Antike Jefus-Zeugniffe. —Origenes,
Homilie X zum Jeremias, VII zum Lukas,
XXI zum Jofua, herausg. von E. Kl oftermann
. 2. Aufl. — Collection de la Bib-
liotheque des Exercices de Saint Ignace. —
Schleiermacher, Monologen, herausg. von
Schiele u. Mulert. — Wundt, Die Pfy-
chologie im Kampf ums Dafein.

Mitteilungen: (5) Die religiousgefchichtliche Bedeutung
der paläolithifchen Menfchendarftel-
lungen.

Zu Staerk's Anzeige in Nr. 8, Sp. 17 t, Erwiderung
von Rothftein.

Wichtige Rezenfionen — Neuefte Literatur.

Schmidt, G.: La Revelation primitive et les donnees actuelles
de la Science d'apres l'ouvrage allemand. (XV, 359 S.)
kl. 8°. Paris, V. Lecoffre I9I4. fr. 3.50

Das Buch befchäftigt fich mit der Frage, ob fich die
Lehre von einer göttlichen Uroffenbarung mit den ge-
ficherten Ergrebniffen der WiiTenfchaft vereinbaren laffe.

Zunächft wird auf Grund der Anfangskapitel der
Genefis, die als gefchichtliche Urkunde verwertet werden,
Inhalt und Umfang der Uroffenbarung, die fowohl eine
natürliche als auch eine übernatürliche gewefen fei, genauer
feftgeftellt Ein zweites Kapitel will dann dartun,
daß folche Uroffenbarung überhaupt möglich war, indem
es zeigt, daß, was Prähiftorie, Anthropologie und Ethnologie
über die Körper- und Geiftesbefchaffenheit der
älteften Menfchen zu fagen wiffen, damit nicht im Widerspruch
ftehe. In den einfchlägigen Erörterungen wird in
bezug auf den menfchlichen Körper die Frage offen ge-
laffen, ob er das Ergebnis einer Entwicklung fei oder
nicht; in bezug auf den menfchlichen Geift wird fie verneint
. Das dritte Kapitel geht einen Schritt weiter und
beweift, daß die Uroffenbarung auch wirklich ftattgefunden
habe: das bezeugen die Religiofität, die foziale Verfaffung,
der wirtfchaftliche Zuftand der primitivften Völker. Zugleich
wird die gefchichtliche Zuverläffigkeit der Anfangs-
hapitel der Genefis gegen Wellhaufen, die Affyriologen,
Gunkel in Schutz genommen. Das letzte Kapitel verteidigt
durch den Hinweis auf die körperliche Befchaffen-
heit der Menfchheit, auf die Entwicklung der Sprache
und der Kultur die Annahme von einem einheitlichen
Urfprung des Menfchengefchlechts und legt fchließlich
dar, daß Animismus, Manismus, Magie, Aftralmythologie
nnd Nationalreligionen fich, verglichen mit der Urreligion,
durchaus als Verkümmerungen oder fekundäre Erfchei-
"ungen begreifen laffen.

Der Verfaffer genießt als Ethnologe und Herausgeber
des ,Anthropos' einen guten Ruf. Er hat fich in
letzter Zeit um die Religionsgefchichte infofern ein Ver-
dienft erworben, als er kräftige Anregungen gegeben hat
211 erneuter Erörterung der Frage, wie fich der bei Naturvölkern
ziemlich weit verbreitete Glaube an einen höch-
ten Gott erklären laffe. So enthält denn auch das vor-
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liegende Buch, obwohl feine Vorausfetzungen über Wefen
und Art der göttlichen Offenbarung fowie feine Bibelkritik
für ein proteftantifches Bewußtfein unannehmbar
find, manches oder doch einiges Intereffante. Und noch
eins fei gerühmt: Schmidt und Wundt ftimmen wefent-
lich überein in dem Urteil darüber, welche Völker heutzutage
als typifche Repräfentanten der älteften Kultur
gelten können; und Schmidt iftnun wenigftens konfequent,
wenn er diefe Völker — bei denen eben der Glaube an
einen höchften Gott häufiger vorkommt — zugleich als
typifche Repräfentanten der älteften Religion auffaßt;
wahrend Wundt inkonfequent erfcheint, wenn er in bezug
auf die Religion eine Ausnahme macht und nicht die
betreffenden Völker fondern andere als typifche Vertreter
der älteften Religion betrachtet.

So bereitwillig man das alles anerkennen wird, fö
lebhaft wird man bedauern, daß der Autor in diefem
feinem Buch dogmatifche Ausfagen, und zwar folche "ganz
fpezieller Art, einerfeits, und wiffenfchaftliche Ausfagen,
die vorläufig doch nur hypothetifchen Wert beanfpruchen
können, anderfeits, vorfchnell mit einander verknüpft und
durch fein doch wohl übereiltes Streben nach Harmoni-
fierung auch feine an fich beachtenswerten ethnologifchen
Unterfuchungen mindeftens um den Schein ftrenger und
völliger Objektivität bringt.

Straßburg i. E. E.W.Mayer.

Fowler, W. Warde, M. A., Hon. LLD. Hon. D. Litt:
Roman Ideas of Deity in the last Century before the Christian
Era. Lectures delivered in Oxford for the
Common University Fund. (VII, 167 S.) 8°. London,
Macmillan & Co. 1914. s. 5 —

Diefer Überblick über die römifchen Gottesideen,
unmittelbar vor dem Aufkommen des Chriftentums ift
vortrefflich; auch wenn man hie und da ein ftärkeres Eingehen
ins Detail wünfchen möchte, fo find die Grundlinien
der Betrachtung großzügig und klar und fchön
herausgearbeitet. F. ftellt die Zuhörer in der erften feiner
Vorlefung vor Ciceros Natura Deorum. Er richtet an

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