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1915 Nr. 10

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238

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Soziale Ethik im Judentum. 2. Aufl 1915

Rezensent:

Fiebig, Paul

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237

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 10.

238

Abhandlung ,über die allgemeine fpekulativifche Philofophie'.
Das vorangestellte Bild ift der erwähnten Monographie entnommen
; Biographie, Bibliographie, Erläuterungen und Regifter
tollen im zweiten Bande folgen. Trotz des starken Intereffes, das
fich neuerdings Tetens zugewendet hat (f. d. Literatur bei Überweg
[Frifcheifen-Köhler] 11 Aufl. 1914S.66*) läßtfich die Neuausgabe
eines fo umfallenden Werkes (c. 1500 S.) als gewagt bezeichnen.
Doch bietet es nach der pfychologifchen underkenntnistheoretifchen
Seite, fowie durch feine Behandlung der Freiheit und der Entwicklung
(Perfektibilität) desMenfchen und die befonneneAbwägung desUnter-
fchiedes des Menfchen vom Tiere (befonders im zweiten Bande)
auch für die heutige philofophifche und theologische Arbeit reiche
Anregung.

Göttingen. Titius.

Herrmann, Prof. D. W.: Ethik. 5. Aufl. (Grundriß der Theolog.
WilTenfchaften. 5. Tl., 2. Bd.) (XV, 237 S.) gr. 8". Tübingen,
J. C. B. Mohr 1913. M. 4.50; geb. M. 5.50

Herrmanns Ethik liegt wieder in neuer Auflage vor. Daß ein
Buch, welches fo hohe Anfprüche an die geiltige Mitarbeit des
Lerers ftellt, fo regelmäßig fortfchreitenden Abfatz findet, ift ein
gutes Zeichen für das Intereffe und die Aufnahmefähigkeit des
theologifchen Publikums. In der Tat gibt das Buch demjenigen
v'el, der es ernftlich durcharbeitet. Denn es zwingt ihn zum
gründlichen Durchdenken der größten Tatfachen des fittlichen
und religiöfen Lebens: der Selbständigkeit und Eigenart der Sittlichkeit
, der Wurzeln und der Wirkungen des rechten chriftlichen
Glaubens und des inneren Zufammenhanges des chriftlichen Glaubens
mit der Entwicklung des felbftändigen fittlichen Charakters.
Über den Inhalt habe ich früher genaueren Bericht gegeben (vgl.
ThLz 1901, Nr. 14; 1902, Nr. 9; 1905, Nr. 7). Anlage und Grundgedanken
find immer die gleichen geblieben. Im einzelnen aber

ift der biologifche, d. h. die Wirklichkeitstreue ift nötig zur Lebenserhaltung
und Lebensförderung'.

Mehrere Druckfehler (,Invaviantel Z. 13; ,hinrichtlich' Z. 25)
find auf S. 15 Überfehn.
Bafel. Heinzelmann.

Seyfarth, Dr. Carly: Aberglaube u. Zauberei in der Volksmedizin
Saehfens. Ein Beitrag zur Volkskunde des Königr. Sachfen.
(XXIII,318S.)8». Leipzig, W.Heims 1913. M. 4 —; geb. M. 5 —
Diefes Buch ift mit viel Heimatliebe und großem Fleiß abgefaßt
und ift eine wertvolle Fundgrube für kulturelle Studien.
Der Vf. hat teils aus der Literatur, teils durch perfönliche Quellen-
forfchung und eigene Beobachtung gefammelt, was er ermitteln
konnte über die heute noch in Sachfen herrfchenden Anfchauungen
von der Entftehung und Heilung von Krankheiten. Wir finden alles
aufgezeichnet über Dämone, Hexen und Zauberer als Krankheitserreger
, ferner zahlreiche Zauber-, Segen- und Heilsfprüche, die
fich in mündlicher Überlieferung oder durch fchriftliche Tradition
und als Amulette erhalten und fortgeerbt haben, endlich Sympathie-
und Zauberkuren und als folche zu deutende Verrichtungen und
die dabei verwendeten Mittel. Dabei wird immer wieder auf den
hiftorirchen Urfprung, das Schickfal und die Abwandlungen, die
diefe Dinge im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben, hinge-
wiefen. Wenn wir manches fchon bekannte unter den alten
Zauberformeln treffen, fo betont der Vf., daß die Volksanfchau-
ungen in Sachfen fich nicht wefentlich von denen anderer deutfcher
Landesteile unterfcheiden. So gibt das Buch eine Darftellung des
ganzen Gebietes in feltner Vollftändigkeit.

Chemnitz. Weber.

Mitteilungen zur Jiidirchen Volkskunde. Hrsg. v. Rabb. Dr. M. Grun-
wald. 16.Jahrg. (1913). gr. 8». Wien (XV, Mariahilferftr. 167).

M. 5 —

hat H. bei jeder neuen Auflage gebeffert und geklärt. In diefer ^ .Diefe ,Mi«eilungen' find ^zugleich ^,Organ der Gelellfchaft
neueften Auflage fehlt das Regifter. H. erklärt das Fortfallen
im Vorwort: ,Diefes Buch kann nur nützen, wenn es im ganzen
gelefen wird, und jeder Lefer fich fein eigenes Regifter macht'.
Aber auch wer das Buch im ganzen gelefen und exzerpiert hat,
möchte doch manchmal eine Einzelheit in ihm auffuchen: z. B.
die Bemerkungen H.'s über H. Cohen oder über Troeltfch. Das
ift jetzt fehr errchwert. Darum befürworte ich Wiederaufnahme
des Regifters.

Jena. H. H. Wendt.

Blewett, Prof. George John: The chriftlan View ofthe World. (XVI,
349 S.) 8°. London, H. Frowde 1912. s. 8.6

Das Buch will die christliche Weltanfchauung begründen
durch den Nachweis, daß die Weltentwicklung von der Vernunft
in befriedigender Weife nur erklärt werden kann als ein Prozeß
der Rettung und Erlöfung, und daß das religiöfe Bewußtfein der

für jüdifche Volkskunde in Hamburg'. Auch der letzte Jahrgang
bietet wieder viel lehrreiches Material, z. B. Jüdifche Volkslieder
aus Rußland, die Fürther Megilla (ein Purimfpiel von J. Herz,
2. Aufl. 1854), Berl Broder (Beitrag zur Gefchichte der jüdifchen
Volksfänger).

Gotha. Fiebig.

Soziale Ethik im Judentum. Hrsg. vom Verband der deutfchen Juden.
2. Aufl. (135 S.) 8°. Frankfurt a. M., J. Kauffmann 1914. M. 1.50
Dies Buch ift zur 5. Hauptverfammlung des ,Verbandes der
deutfchen Juden' in Hamburg am 9.11.1913 herausgegeben worden.
Es enthält 9 Auffätze, deren Themata lauten: Die Schöpfung des
Mitmenfchen, Staat und Gefellfchaft, Recht und Rechtspflege, Mildtätigkeit
, die Frau imJudentum,Erziehungund Schule, Volksbildung,
der Sabbat, das Gottesreich. Die Lektüre diefer Auffätze ift allen
denen angelegentlich zu empfehlen, die noch keinen Eindruck von
den unter den heutigen gebildeten Juden lebendigen Idealen haben.

Menschheit fich begreifen läßt als ein wachfendes Bewußtfein der Es lebt hier der Gedanke der einen Menfchheit, der dem Glauben
Sünde und der Befreiung von der Sünde. | an den einen Gott notwendig entfpricht. Es lebt im Judentum

Straßburg i. E. B. W. Mayer. von jeher fozialer Sinn, man denke an die Fürforge der Propheten

für Witwen und Waifen und an die Fürforge des Gefetzes für die

Muller, Dr. Aloys: Wahrheit und Wirklichkeit. Unterruchungen
zum realiltifchen Wahrheitsproblem. (64 S.) 8°. Bonn, A. Marcus
u. E.Webers Verl. 1913. M. 2—
Man muß diefer knappen, aber inhaltsreichen Abhandlung
nachragen, daß fie in durchaus felbftändiger, fcharffinniger Weife
eine logifche Aufhellung des Wahrheitsproblems verflicht. Zwar
lofl fie nicht im geringften das Realitätsproblem, fetzt vielmehr
Qen ideal-realiftifchen Standpunkt von vornherein voraus. Aber
*as fie unter Vorausfetzung diefes S:andpunktes über Wahrheit
UnQ (phänomenale) Wirklichkeit ausmacht, erweift den Verf. als
e,nen in der gegenwärtigen erkenntnistheoretifchen Kontroverfe
erfahrenen und gefchulten Geift, deffen Bestreben es ift, möglichft
m,t mathematischer Exaktheit zu arbeiten. Daher auch die Einführung
mathematifcher Termini wie, Wahrheitsinvariante',Konformi-
at'der Wahrheit u. ä. Der dogmatifche Realismus ift in diefer Schrift
tr°tz der gefährlichen ,Abbild'-TerminoIogie, die aber hier durch-
aus im Tynthetifchen Sinn verftanden fein will, völlig überwunden,
f-weifellos richtig erfcheinen mir ErgebnifTe wie die: ,derWahrheits-
«?nff darf nicht als Wahrheitskriterium gebraucht werden' (S. 9),
Qer: ,Es ift ein Widerfpruch in fich, zu fagen, die Wahrheit habe
lologirchen Wert im engeren Sinne, ohne logifchen Wert zu be-
,zen; fie hat ja den biologifchen nur durch den logifchen' (S. 42)-
. echten müßte ich trotz der Unterfcheidung von Wirklichkeitseue
und Wahrheit die Konzeffion an den Pragmatismus S. 12:
• r alleinige Zweck der Wirklichkeitstreue unferer Erkenntniffe

Armen. Es lebt im Judentum von jeher der Sinn für den Wert
der Bildung, der Sinn für die Familie. Die Auffätze haben wiffen-
fchaftlichen Wert, es ift auch ein Stellenregifter beigegeben. Bekannte
Rabbiner find die Verfaffer, z.B. L. Baeck-Berlin, Güde-
mann-Wien. Der letzte Auffatz ftammt von Geh.-Rat Prof. Cohen,
dem bekannten Philofophen.
Gotha. Fiebig.

Friedrich, Ref. W. A.: Die BeriickRchtigung der konfeffionellen
Verhältniffe in der Einrichtung, Verwaltung und Beauffichtigung
der öffentlichen Volksrchulen in Preußen. Dilf. (Jena). (XIII, 101S.)
gr. 8». Borna 1913. M. 2 —

Allen, welche fich über das in Preußen geltende Recht hin-
fichtlich der Berückfichtigung der konfenffionellen VerhältnifTe
in Einrichtung, Verwaltung und Beauffichtigung der öffentlichen
Volksfchulen nach Erlaß des Volksfchulunterhaltungsgefetzes
vom 28. 7. 1906 fchnell und zuverläffig unterrichten wollen,
kann diefe Inaugural-Differtation beftens empfohlen werden.
Göttingen. K. Knoke.

Faut, Prof. Lic. Dr. A. S.: Die Religion des Alten und Neuen Tefta-
ments. Diktate f. den Unterricht an KlafTe VI u. VII (Sekunda)
der höheren Lehranstalten. (III, 66 S.) 8". Tübingen, J. C. B.
Mohr 1914. M. 1 —; geb. M. 1.20

,Der Lehrplan für den e vgl. Religionsunterricht an den höheren

Schulen Württembergs fchreibt vor für Klaffe VI (Unterfekunda):