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1915

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214

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(ohne Kategorisierung)

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Philosophische Abhandlungen, Hermann Cohen zum 70. Geburtstag dargebracht 1915

Rezensent:

Kowalewski, Arnold

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Theologifche Literaturzeitung; 1915 Nr. 9.

214

Dieterich, Albr.: Nekyia. Beiträge zur Erklärg. der neuentdeckten
Petrusapokalypfe. 2. Aufl. (XVI, 238 S.) 8». Leipzig, B. G.
Teubner 1913. M. 6 —; geb. 7.50

Die erfte Auflage der Nekyia ift unverändert abgedruckt.
Doch hat Richard Wünfch mit bekannter Sachkunde auf S. IV—XIV
die inzwifchen erfchienene Literatur aufgeführt und in Nachträgen
gerammelt, was lieh aus Auffätzen und Befprechungen der Nekyia
ergab. Dabei konnte auch nichtveröffentlichtes Material von
Dieterich, Ufener und Rohde verwendet werden. Durch Sterne
am Rande (die nur S. 4.109 z. T. vergelfen find) wird im Text
auf die Nachträge verwiefen. Neben allerlei Ergänzungen und
Berichtigungen im Einzelnen ergibt fich naturgemäß im Ganzen
eine gewiffe Herabminderung des Einfluffes der Orphik und ein
etwas ftärkeres Geltenlaffen paralleler Entwicklungen.
Göttingen. Titius.

Pascals ,Pensees' (Gedanken). Hrsg. v. M. Laros. (XL, 291 S.)
kl. 8». Kempten, J. Kofel 1913. Geb. M. 2 —

Es ift das Verdienft diefer deutfehen Pascal-Ausgabe, daß
De endlich in Dispofition und Auswahl die Arbeit benutzt, die die
franzöfifche Gelehrfamkeit an dem Text der ,Pensees' erfolgreich
geleiftet hat. Laros folgt der Ausgabe von Brunfchvicg, die auch
|n Frankreich allgemein anerkannt wird: vgl. die neue Ausgabe
in der Collection Gallia, Paris, Georges Cres & Cie., mit Vorwort
von Boutroux und Einleitung von Giraud für 1 fr. 25. Die
deutfehe Überfetzung bemüht fich um gute fprachliche Wiedergabe
des Urtextes. Das Buch ift dem Freiherr von Hertling zum
^0. Geburtstag gewidmet.
Marburg i. H. Bornhaufen.

""andtmann, Karl: Die Adventiften vom 7. Tag (Sabbatiften). Eine
Darftellg. ihrer Gefchichte, Lehre u. Ausbreitg. (68 S.) 8».
Gütersloh, C. Bertelsmann 1913. M. 1.50; geb. M. 2 —

Das Buch foll weitere Kreife mit den Adventiften bekannt
machen, was um fo wünschenswerter ift, als diefelben mit großer
Energie in Deutfchland vordringen, wie fchon ein vergleichender
Blick auf die Zahlenangaben für 1903 und 1913 bei H. ergibt.
Sein überfichtlich gefchriebenes Heft bietet eine kurze Gefchichte
der Entftehung des Adventismus überhaupt, dann der für Deutfch-
Jand allein wichtigen Sabbatiften mit ihrer Prophetin White und
ihren drei Engelsbotfchaften, wobei zugleich die zugrunde liegende
Wunderliche Exegefe beleuchtet wird. Eingehend wird dann
die Sabbatfrage und kürzer die Eschatologie (Seelenfchlaf und
Seelenvernichtung) behandelt, endlich ihre Ausbreitung und Or-
ganifation, fowie die Art ihrer oft wenig lauteren Propaganda und
ihre Stellung zur Kirche befprochen. Als kurz und gut orientierend
wird die Schrift befonders Paftoren willkommen fein, die
mit den Adventiften in ihrer Gemeinde zu tun haben, aber zweckmäßig
auch Gemeindegliedern in die Hand gegeben werden können.
Eine Eingliederung der adventiftifchen Bewegung in größere Zusammenhänge
hat Verf. nicht vorgenommen, war auch vielleicht
für den Zweck des Büchleins nicht erforderlich. Doch hätte
man vielleicht ganz gern gefehen, wenn auf ihre Anknüpfungs-
Punkte in unferen Gemeinden eingegangen wäre.
Loccum. P. Fleifch.

cahn, Prov.-Rabb. Dr. M.: Die religiöfen Strömungen in der zeit-
genöffifchen Judenheit. (XX, 448 S.) gr. 8«. Frankfurt a. M.,
Sänger & Friedberg 1912. M. 4—; geb. M. 5.50

Da dem chriftlichen Theologen Schriften von berufenen
Vertretern des heutigen gefetzestreuen Judentums weit feltener
jfu Geficht kommen als folche von reformjüdifchen Autoren,
J*' ganz befonders auf diefe tapfere Schrift des Fuldaer Pro-
ymziairabbiners hingewiefen, zumal auf Teil II (Die Gegenfätze
m der Auffaffung des Judentums) und auf Teil IV (Neue Darteilungen
des »liberalen' Judentums). Der Gegenfatz zwifchen
Qem noch heute lebendigen, wirklichen Judentum und einer kaum
n°eh halbjüdifchen Neologie ift fcharf und überzeugend herausgearbeitet
, f0 klar und ehrlich, wie man es feiten zu lefen bekommt
, die Kritik unbeftechlich, die Darfteilung gewinnend und
gewandt, ein großes Wiffensmaterial gemeinverftändlich verwertet,
en zähle das Buch zu den erfreulichften Bereicherungen meiner
Bucherei.

LeiPzig. Erich Bifchoff.

F lu9el, o.: Herbarts Lehren und Leben. 2. Aufl. (Aus Natur u.
Geifteswelt 164.) (IV, 138 S. m. Bildn.) Leipzig, B. G. Teubner
1912- M. 1 —; geb. M. 1.25

Die Anordnung des Büchleins, welche eigenfinnig die Le-

Iäßt, erfcheint auf den erften Blick etwas ftörend. Man gewöhnt
fich aber an die Abnormität, wenn man die zurückhaltende Art
des großen Denkers erwägt. ,Er hat es ja', wie F. treffend bemerkt
, ,abfichtlich vermieden, mit feiner Perfon oder mit feiner
Lehre in den äußeren Gang der EreigniiTe einzugreifen.' Nicht
nur die Syftemfchilderung, fondern auch die Biographie ift mit
reichhaltigen, trefflich ausgewählten Quellenauszügen durchfetzt,
fo daß der Lefer in unmittelbaren Kontakt mit dem Gegenftande
gelangt. Daß ein fo altbewährter Herbartianer wie der leider inzwifchen
verftorbene Verfaffer nur etwas Gediegenes über feinen
Meifter in diefem Bändchen bieten konnte, durfte man erwarten.
Königsberg i. Pr. Kowalewski.

Phllofophifche Abhandlungen, Hermann Cohen zum 70. Geburtstag
(4. Juli 1912) dargebracht. (VIII, 359 S.) gr.8°. Berlin, B. Caffirer
1912. M. 9 —

Nicht weniger als 20 Abhandlungen find in diefem ftattlichen
Feftbande vereinigt, der ein erfreuliches Zeichen von der vielseitigen
Strebfamkeit in der,Marburger Schule' abgibt. Es wechfeln
fyftematifche Themata mit hiftorifchen aller Art. Sogar die
philofophifchen Grenzfragen der pofitiven Wiffenfchaften werden
geftreift. Die bekannte grüblerische Art der Marburger macht
fich überall geltend. Es feien wenigstens die Titel der einzelnen
Beiträge angeführt: ,N. Hartmann, Syftembildung u. Idealismus;
W. Tatarkiewicz, über die natürliche Weltanficht; M. Philipps
Mafon, Two Antiidealiftic Theories (womit die Theorien von James
und von den fog. ,6Realiften', Holt, Marvin, Montague, Perry, Pitkin
und Spaulding gemeint find); G. Falter, Inhalt und Umfang des
Begriffs; D. Gawronski, das Kontinuitätsproblem bei Poncelet;
E. Caffirer, das Problem des Unendlichen u. Renouviers ,Gefetz
der Zahl'; O. Buek, M. Faradays Syftem der Natur u. feine begrifflichen
Grundlagen; J.Paulfen, über das empirifche Verhältnis
von Reiz u. Empfindung; A. Buchenau, Idee u. Perzeption. Ein
Beitrag zur Ideenlehre Malebranches; B. Kellermann, das Nus-
problem; W. Sefemann, die Ethik Piatos und das Problem des
Böfen; B. Wifchelavzeff, Recht u. Moral; P. Natorp, Willensfreiheit
u. Verantwortlichkeit; M. Salomon, die Idee der Strafe;
H. Vorländer, Kants Stellung zur franzöflfchen Revolution;
R. Fritzfche, zu Herders Reifejournal; C. Horft, Etwas zur Ver-
föhnung zwifchen Kunft und Gemeinfchaft; M. Kinkel, Beiträge
zur Äfthetik des reinen Gefühls; H. Heimfoeth, die Objektfrage
in der Kantifchen Äfthetik; A. Görland, die Schickfalsidee in
der Gefchichte der Tragödie.
Königsberg i. Pr. Kowalewski.

Damkier, Oskar: Teologisk Stat (Ny gejftlig Stat). (V, 10 S.)
Lex. 8°. Kopenhagen, Gyldendal 1912. Kr. 3 —

Ein alphabetifch, chronologifch und geographifch geordnetes
Verzeichnis der dänifchen Geiftlichkeit.
Lauenburg a. Elbe. Schmidt.

Marie, Ieit. Arzt Prof. Dr. A.: Der Myftizismus in feinen Beziehungen
zurGeiftesfiörung. Berecht.Überfetzg.v.Ob.-ArztDr.Gg.Lomer.
(V, 250 S.) 8°. Leipzig, J. A. Barth 1913. M. 5 —; geb. 5.80
Der Gedankengang der diefem Buch zu Grunde liegt, fcheint
folgender zu fein: Bei aller Weiterentwicklung des menfchlichen
Geiftes wird es immer wieder Rückfchläge bei einzelnen Individuen
oder bei einer Gruppe geben. Diefe Rückbildungen, die
zum Teil pathologifchen Urfprungs find, lalfen die Betroffenen
auf tiefer liegende Geiftesftufen zurückfinken, die zu ihrer Zeit
die höchften von der menfchlichen Intelligenz erreichten Gipfel
waren. Ihnen entfprechen die ,myftifchen Verirrungen', die fich
im Völkerleben, wie bei Einzelindividuen in den verfchiedenen
religiös gefärbten Geiftesftörungen kund tun. Demgemäß fchildert
der Verfaffer im erften Teil feine Auffaffung von der Entftehung
der Religionen, erkennt den primären und hervorragenden
affektiven Anteil an jeder Religionsbildung, zeigt den Gang
vom ,Naturismus' zum ,Animismus' und definiert: ,Religion als die
Hyphothefe, durch welche die Gottheit dem Geifte begreiflich
wird, Myftizismus als die Ausübung diefes Glaubens vermittelndes
Hirns'.

In einem fpeziellen Teil werden dann einzelne klinifche
Formen von Geiftesftörungen mit religiöfen Zügen gefchildert:
Die Entarteten, bei denen auf dem Boden des angeborenen
Schwachfinns oder einer anderen Pfychopathie vorübergehend
oder dauernd religiöfe Wahnideen, ekftatifche Neigungen oder
Züge auftreten, die chronifchen Formen der religiöfen Paranoia
(fyftematifierter Delir), die depreffiven religiöfen Delirien und
die fekundären Verblödungszuftände mit religiöfer Färbung.

ensbefchreibung Herbarts der Darftellung feines Syftems folgen Chemnitz. Weber.