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Ausgabe:

1915 Nr. 7

Spalte:

161

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brandt, Otto H. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Ulrichs von Richental Chronik des Konzils zu Konstanz 1414-1418 1915

Rezensent:

Holtzmann, Robert

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Seite 1

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l6i Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 7. i6:

Ulrichs v. Richental Chronik des Konzils zu Konftanz
1414—1418. Hrsg. v.Dr. Otto H. Brandt. (Voigtländers
Quellenbücher, Bd. 48.) (144 S. m. 18 Nachbildgn.)
M. 8°. Leipzig, R. Voigtländer (1914). Kart. M. 1.20

Das vorliegende Bändchen will die bekannte Chronik
des Konftanzer Konzils, die der Konftanzer Bürger Ulrich
von Richental (f 1437) verfaßt hat, weiteren Kreifen vermitteln
. Es ift durchaus feinem populären Zweck angepaßt
und entzieht fich damit eigentlich einer wiffenfchaft-
lichen Kritik. Der Herausgeber Brandt druckt den Text,
auf Grund der Aulendorfer Handfchrift, aber in neuhoch-
deutfcher Sprache und mit Stilifierungen und Kürzungen;
infonderheit hat er den zweiten Teil mit der wichtigen
Teilnehmerlifte weggelaffen. Erfreulicherweife find dagegen
einige der zahlreichen Bilder nach der Aulendorfer
Handfchrift wiedergegeben worden. Der Herausgeber hat
außerdem eine Einleitung über den Verfaffer und fein
Werk fowie kurze fachliche Anmerkungen zum Text geliefert
. Freilich ift er dabei nicht gerade glücklich, ja
nicht einmal immer richtig gewefen. Was er z. B. S. 7
und S. 66 Anm. 1 über die Abfaffungszeit der Chronik
bemerkt, ftimmt nicht überein; und die Erörterung S. 10
über die Zeit, aus der die Aulendorfer Handfchrift ftammt,
ift ganz finnlos. Auch von den Anmerkungen könnte man
mehr verlangen, z. B. für das Verftändnis der intereffanten
Geld- und Preisangaben in der Chronik. Dennoch wird,
wer fich einen rafchen Eindruck von dem (mehr die
Äußerlichkeiten als den inneren Hergang fchildernden)
Werk Ulrichs von Richental verfchaffen will, mit gutem
Erfolg zu dem handlichen und billigen Bändchen greifen.

Gießen. Robert Holtzmann.

Brandt, Prof. Dr. Aug.: Johann Ecks Predigttätigkeit an

U. L. Frau zu Ingolftadt (1525—1542). (Reformationsge-
fchichtliche Studien u. Texte 27. u. 28. Heft.) (XII, 239 S.)
gr. 8°. Münfter i. W, Afchendorff 1914. M. 6.40

Das rafche Vordringen des evangelifchen Glaubens
war nicht zuletzt bedingt durch die intenfive Predigttätigkeit
. In der katholifchen Kirche lag fie gegen Ausgang
des Mittelalters völlig darnieder; auch die zahlreichen
Prädikaturen, die im 15. Jahrhundert faft in allen Städten
entftanden waren, hatten verfagt. Eck hatte das mit
fcharfem Blick bald erkannt. In den Denkfchriften zur
Bekämpfung der luth. Lehre, die er unter Papft Hadrian VI.
und Klemens VII. niederfchrieb, drang er auf eine Neubelebung
der Predigt (B. B. K. II). Neben einer Auslegung
der Evangelien, die 1531 erfchien, hat er auch ein
größeres
herausgeg

gedrängter Weife wieder zu geben. Zeitumftände berührt
er wenig; der Kampf gegen die luth. Lehre verftand fich
von felbft; dagegen vermiffen wir ein näheres Eingehen
auf die Fehler feiner Gemeinde. Die Türkennot lag ihm
vor allem am Herzen; hier erhebt fich feine Sprache in
edler Begeifterung. Die Predigttexte find meift die herkömmlichen
; doch hat er es auch verfucht, feine Zuhörer
in ganze bibl. Bücher einzuführen; dabei verfchmäht er
auch nicht fchwere Stoffe, wie den Prolog des Johannesevangeliums
. Der Inhalt der Predigten gibt natürlich den
kath. Standpunkt korrekt wieder. Bemerkenswert ift neben
etlichen aus dem Mittelalter flammenden ariftotelifchen
Anfchauungen fein Eintreten für die immaculata con-
ceptio Mariae.

Brandt behandelt zunächft die formale Geftaltung der
Predigten, dann den Lehrgehalt derfelben. Umfichtig,
mit großer Akribie, auch Kleines berückfichtigend. Dann
gibt er noch 26 Predigtentwürfe oder Teile von folchen,
darunter auch eine von den wenigen in deutfcher Sprache
niedergefchriebenen Entwürfen. Es ift klar, daß hier das
Schwergewicht der ganzen Arbeit liegt. Bedeutfam aber
erfcheint diefe Arbeit auch zur Würdigung der Perfön-
lichkeit Ecks.

Bei einem wiffenfchaftlichen Werk, wie doch offenbar
diefe Arbeit gemeint ift, ftört es, wenn für eine Seite
Partei ergriffen wird; es müßte denn fein, daß auf S. 105
,Grundirrtümer Luthers' Ecks Gedanken zum Vortrag gekommen
find. Dies tritt um fo mehr hervor, als fonft
nur eine nüchterne, objektive Würdigung zu bemerken
ift, die auch offen wertlofes oder geringwertiges an den
Predigten Ecks anerkennt.

Alfeld bei Hersbruck. Schornbaum.

S10 e c k i us, Herrn.: Ottaviano Cesare, e. Rechtsftreit zwifchen
Gefellfchaft Jefu u. Elternhaus. (Sitzungsberichte der
Heidelberger Akademie der Wiff. Philof.-hiftor. Kl.
Jahrg. 1914, 7. Abhandig.) (79 S.) gr. 8°. Heidelberg,
C. Winter 1914. M. 2.50

Eine mit großer Sorgfalt gearbeitete, reiche Belehrung
vermittelnde Schrift. Die ftarke und rückfichts-
lofe Gier des Jefuitenordens (hier verkörpert im Ordens-
ftifter felbft, Ignatius von Loyola, und in feinem Nachfolger
im Generalat) nach jungen, zur Mitgliedfchaft geeigneten
Leuten, tritt aus den Äkten lebendig hervor. Der Verfaffer
fchreibt mit Recht (S. 5):

,Nirgends wird uns ein fo genaues liild gezeichnet, wie in der Angelegenheit
eines jungen Neapolitaners, Ottaviano Cefare, die durch eine
Fülle von Urkunden erhellt wird. Diefer Fall ifl von um fo größerem
Intereffe, als Ignatius gerade an diefem Beifpiele feine Gruudfätze his zu

Predigtwerk in 4 Bänden in den Jahren 1534—42 | den äußcrften Konfequenzen durchzukämpfen im Sinne hatte. Er befaß
Teben, das eine Materialsammlung für Geiftliche I daher für ihn prinzipielle Wichtigkeit und befitzt fie auch für uns'.

fein follte. Er hat das Predigen aber auch felbft praktifch
geübt. Von Allerheiligen 1525 bis Lichtmeß 1532 bekleidete
er die Pfarrftelle U. L. Frau zu Ingolftadt; in
diefer Zeit hielt er 456 Predigten; etliche allerdings auch
auswärts. Aber auch nach feiner Refignation hat er noch
öfters die Kanzel beftiegen; bis zum Jahr 1542 vielleicht
n°ch 50 mal.

. Einen genauen Einblick in diefe Tätigkeit ermöglicht
,ei» .Skizzen-' oder ,Predigtbuch', das fich im Codex germ.
'25 der Münchener Hof- und Staatsbibliothek erhalten
üat- Da Eck nach diefer Richtung hin weder von prot.
"och kath. Seite gewürdigt wurde, muß die Forfchung
Brandt dankbar fein, daß er uns einen Einblick in Ecks
Predigen gewährt. Es find nicht fowohl ausgeführte
Predigten, als Skizzen; in manchen Fällen hat er nur kurz
d'e Richtpunkte aufgezeichnet, die er dem mündlichen Vorlage
zu gründe legte; öfters auch nur die Partition.
Aber dennoch können wir uns ein anfchauliches Bild von
aiefen Predigten machen. Bemerkt fei, daß eine aus
niuter Bibelfprüchen befteht (S. 36); in einem anderen
Pall fcheute er fich nicht, Ausführungen Joh. Gerfons in

Mit Mitteln der Gewalt und Lift verfuchte der Jefuiten-
orden Befchlag zu legen auf einen 15jährigen Knaben,
trotz des dauernd und fcharf ausgefprochenen Gegenwillens
der Eltern.

Das Hin und Her des Kampfes lieft fich wie ein fpannender Roman.
Die Verfchlagenheit des Ordensftifters erreicht ihren Höhepunkt in einem
für die Öffentlichkeit beftimmten Schreiben des Ignatius an Ottaviano,
worin er es als ,angemeffen' (conveniente) erklärt, daß Ottaviano zu einer
Zufammenkunft mit feinen Eltern nach Neapel komme, und in einer
gleichzeitig ergehenden Geh eimanweifung an den Oberen des Jefuiten-
kollegs zu Neapel, bei Ubergabe des Briefes dem Ottaviano zu fagen: ,Er
folle nicht denken, daß ihn folche Briefe irgendwie verpflichteten' (S. 45,
46). Man muß die beiden Schreiben lefen, um von ihrer Gegenfätzlich-
keit den richtigen Eindruck zu erhalten. Drei Jahre (1553—155°) 7°K
fich der Kampf zwifchen Eltern und Orden fchon hin. Da gab ihm
Ottaviano felbft eine überrafchende Wendung, indem er den Entfchluß
aufgab, dem Jefuitenorden weiter anzugehören, unter dem bemerkenswerten
Geftändniffe: er wäre verführt worden und alles, was er gefchriebeu,
hätte er unter dem Einfluffe der Ordensoberen gefchrieben (S. 71).
Nun entbrannte die Schlacht aufs Neue um die Gelübde: Ottaviano und
feine Eltern wollten fie gelöft haben, der Orden weigerte fich. Ignatius
ftarb iuzwifchen (31. Juli 1556) und Laynez trat als Ordensgeneral an
feine Stelle. Seine Briefe in Ottavianos Angelegenheit find nicht minder
charakteriftifch wie die des Ignatius: fcheinbar ftarres, durch Ewigkeitsfehrecken
(Hölle) genütztes ,Nein'; daneben ein aus rein äußerlichen