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Ausgabe:

1914 Nr. 5

Spalte:

133-134

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Müller, Konrad

Titel/Untertitel:

Schellings Beziehungen zur alttestamentlichen Wissenschaft 1914

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Seite 1

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133

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 5.

134

von Sehr, am meiften derjenigen von Deuflen, daß die
Bh. eine Übergangsphilofophie zwifchen der Atman-Philo-
fophie der Upanisaden und dem klaffifchen Samkhya-Yoga
enthalte.

Zu bedauern ift das Fehlen eines Regifters. Ferner
würde die Angabe der Nummern der Gefänge am Rande
jeder einzelnen Seite die Bequemlichkeit der Benutzung
fehr erhöht haben.

Diefer erfterfchienene wohlgelungene Band der ,Reli-
giöfen Stimmen der Völker' inauguriert diefes Unternehmen
in fehr erfreulicher Weife. Ref., der feinerzeit wegen
anderweitiger Verpflichtung es fich verfagen mußte, der
Aufforderung, in allerengfte Beziehung zu demfelben zu
treten, zu folgen, wünfeht ihm aus dem Intereffe heraus,
das er nun zwiefach an deffen Gedeihen nimmt, einen
guten Fortgang.
Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Müller, Paft. Lic. Konrad: Schellings Beziehungen zur alt-
teltamentlichen Wiffenfchaft. Vortrag, gehalten in der
theolog. Sektion der Schief. Gefellfchaft f. Vaterland.
Cultur am 23. Januar 1912. (28S.) gr.8°. Breslau 1912.

Bertholet, Prof. D. Alb.: Die Eigenart der alttertament-
lichen Religion. Eine akadem. Antrittsrede. (32 S.)
8°. Tübingen, J. C. B. Mohr 1913. M. — 80

Einen mit außerordentlichem Fleiß und großer Sorgfalt
und Sachkenntnis gearbeiteten Beitrag zur Gefchichte
der altteftamentlichen WifTenfchaft bietet Müller. Er
weift auf zwei Perioden, in denen Sendling fich befonders
eingehend mit dem A. T. befchäftigt hat, beide Male
A Ar unter dem Einfluß der zeitgenöffifchen Literatur.

fenen Momente hervortritt, was B. fpeziell an der Flut-
gefchichte dartut. Treffend zeigt B., wie unter der Einwirkung
der Predigt eines Arnos und feiner Gefinnungs-
genoffen fich der wohl fchon von Mofe flammende Gedanke
vertieft, daß Jahve ein Gefchichte fchaffender Gott
fei: das ift der eigenartigfte Zug des altteft. Gottesglaubens
und bildet den Gegenfatz zu aller Naturbefangenheit der
Gottheit. Zugleich bahnt der Verkehr zwifchen Gott und
Prophet noch ein anderes an: diefer die Gefchichte fchaf-
fende Gott zieht nicht nur das Volksganze, fondern auch
das Individuum in die von ihm gewollte Gefchichte hinein:
der Glaube an den die Gefchichte fchaffenden Gott wird
im perfönlichen Verkehr diefer Propheten mit Jahve zum
individuellen Erlebnis, was uns am fchärfften bei Jeremja
entgegentritt. Wie weit find diefe Männer von den alten
Nebiim und den ihnen gleichartigen Erfcheinungen bei
andern Völkern entfernt 1 Zum Schluß weift B. auf den
Partikularismus und den Nomismus der israelit. Religion
und zeigt in feiner Weife, wie das Gefetz als Präfervativ-
mittel vor dem Gericht zuftande kommt, und wie diefe
innere Verbindung von Gefetz und Eschatologie für das
Verftändnis des gefamten jüdifchen Nomismus von grundlegender
Bedeutung ift. Der gefetzliche Kult felber wird
als Mittel zur Verwirklichung der Gefchichte Gottes mit
feinem Volk in Rechnung geftellt. Der eschatologifche
Glaube gibt der altteft. Religion zunehmend die Eigenart
ihrer Stimmung. Die Auffaflung Gottes als lebendigen
Schöpfers der Gefchichte, einer Gefchichte, durch die er
die Seinen einftiger Vollendung entgegenführt, das ift
das eigentlichfte Charakteriftikum der altteft. Religion.

Straßburg i/E. W. Nowack.

Szekely, Prof. Dr. Stephanus: Bibliotheca apoerypha. In-

troduetio historico-critica in libros apoerypha utriusque
m Anfang feiner wiffenfehaftlichen Tätigkeit fteht er Testamenti cum explanatione argumenti et doctrinae.
hierin deiP Einfluß der rationaliftifchen Kritik und der (2 voll.) Vol. I: Introductio generalis, Sibyllae et apo

------Schüler Eichhorns ~------------ — —

jpateren Periode beherrfcht ihn die ungeordnete Paralle-
hfierung der heidnifchen Religionen und der fpekulative
Uberfchwang jener Jahre, und er zeigt fich Mark von
Creuzer beeinflußt. An die Stelle der philologifchen
Exegefe tritt myftifche Theofophie, fo daß er Bleibendes
nicht gefchaflen hat. Treffend charakterifiert Müller den
Philofophen mit dem kurzen Wort: Sendling begann als
Kritiker und endete als Gnoftiker der altteftamentlichen
Wiffenfchaft.

Bertholets Vortrag ift nach Antritt feines Amtes in
Tübingen gehalten und zeigt einen klaren und feinfinnigen
Religionshiftoriker und Altteftamentler, der es verfteht,
im Rahmen einer Vorlefung in ausgezeichneter Weife
über das Problem zu orientieren und damit fich felbft
nach der Eigenart feiner wiffenfehaftlichen Arbeit und
Stellung zu charakterifieren. Er legt dar, wie mit dem Aufkommen
der religionsgefchichtlichen Betrachtungsweife
eine völlige Verfchiebung der Gefichtspunkte in Beziehung
auf die altteftamentliche Religion wie der Religionen überhaupt
eintrat, infofern man erkannte, daß die Frage nach
Wahrheit und Irrtum nicht der Ausgangspunkt der wiffenfehaftlichen
Betrachtung der Religion fein könne, daß diefe
Frage vielmehr einer dogmatifchen, nicht aber einer ge-
fchichtlichen Betrachtung angehöre. Allmählich wurde die
altteft. Religion auch aus ihrer bisherigen Ifolierung herausgehoben
, und man war beftrebt das, was Israel mit andern
Völkern und Religionen gemein hat, zu erkennen. Nach
kurzer Aufzählung der mannigfachen Berührungen zeigt
B. die Eigenart der isr. Religion an dem Verhältnis der
eschatologifchen Hoffhungen, die Israel mit andern Völkern
gemeinfam hat, zur isr. Prophetie: bei Arnos tritt die
völlige Umwertung diefer Erwartungen ein, wesentlich benimmt
durch die fittliche Natur feines Gottes, einen der
markanteren Züge der isr. Religion, der in ftärkfter Weife
bei der Übernahme der auf anderem Boden erwach-

burg i. B., Herder 1913. M. 11—; geb. M. 12.40

Ein von Fleiß und Gelehrfamkeit zeugendes Unternehmen
ift die alt- und neuteftamentliche Apokryphen-
Bibliothek, die Szekely vorführt. Hinfichtlich der
Wertung der Apokryphen teilt der Verf. den Standpunkt
der katholifchen Kirche S. V.

Das ganze Werk ift auf 2 Bände angelegt. Davon
enthält der bisher erfchienene erfte Band nach einer Introductio
generalis, in welcher u. a. der Begriff, die Einteilung
, Nutzen und Urfprung und Charakter der Apokryphen
, fpezieller auch der Apokalypfen, fodann die
Lehre der Apokryphen, näher ihre Eschatologie und die
Herkunft der Anfchauungswelt der Apokryphen erörtert
werden, eine allgemeine Einleitung zu den einzelnen
Apokryphen felbft. Näher wird dabei Rückficht auf Inhalt
, Entftehungszeit, Kompofition und Lehre genommen.
Der Inhalt wird durch Exzerpte umfehrieben und durch
längere und kürzere kommentarartige Notizen als
Anmerkungen beleuchtet. Den Reigen der Apokryphen
eröffnen die Oracula Sibyllina. Es folgen dann bis zum
Schluß des 1. Bandes als Apoerypha antiqui Testamenti
antiqua: die Apokalypfen: der äthiopifche und flavifche
Henoch, die Assumptio Mosis, der fyrifche Baruch und
Efra IV. Daran fchließen fich als ,libri apoeryphi hi-
storici': Jubiläen, Briefe Salomonis (gemeint find die Fl.
Jofephus Ant. VIII, 2. 6. 7 Eufebius Praep. ev. IX, 33fr.
31 ff. 1 Kön. 5,16ff. 2. Chron. 2,3 ff. erwähnten), 3. Efra
und 3. Macc. Ferner: libri apoeryphi morales: Teftamente
der 12 Patriarchen, Pfalmen Salomos, Gebet Manafles und
4. Maccab. Endlich als Apoerypha varia ac deperdita:
die Ascensio Jesajae und dann eine Spreu verlorener alter
Apokryphen, wie das ,Noahbuch, der ,liber Jannae et
Mambrae' etc.

Was bei diefer Dispofition auffallen muß, ift zunächft
die Losreißung der Oracula Sibyllina von den Apokalypfen.