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Ausgabe:

1914 Nr. 4

Spalte:

121

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schultze, Joh.

Titel/Untertitel:

Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel 1914

Rezensent:

Lerche, Otto

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121

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 4.

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in dem oben genannten fchönen, mit 30 Tafeln ausgeMatteten,
gründlichen Werk, zunächM für ein befchränktes Stück KunM,
aber S. 38 in dem wichtigen, kurzen Überblick über die KunM-
pflege in W. 1534-1634 ein Bild regen KunMintereffes und KunM-

künMlich konMruierten Religionen, fondern dem ChriMentum.
,Es muß nur von mancherlei Schlacken gereinigt und in der
Fühlung mit dem geiMigen Leben unfrer Zeit weiterentwickelt
werden'. ZunächM iM es nötig, die chriMlichen Glaubenslehren

betriebs, das dem HiMoriker und befonders dem KirchenhiMoriker I den Forderungen des modernen Bewußtfeins anzupaflen. Man

willkommen fein muß und die Nachtreter Janffens zum Schweigen
bringt, aber auch zu ähnlichen Forfchungen in andern Gebieten
ermutigt.

Stuttgart. G. Boffert.

Schultze. Jon.: KlöMer. Stifter und HoTpitäler der Stadt Karret.

Marburg, N. G. Elwert 1913.
Von der neuen Publikationsreihe ,KloMerarchive' der heffi-
fchen hiMorifchen Kommiffion liegt hier der II. Bd. vor, während

kann das tun, ohne den Kern des ChriMentums preiszugeben.
Denn der Kern der chriMlichen Religion iM nicht Lehre fondern
Leben, Leben in Gemeinfchaft mit Gott, wie es in der Perfon
Jefu auf der Welt feinen Einzug hielt. So mag der äußerliche
Supranaturalismus fallen, eine wirkliche hiMorifche Betrachtung
und ein pfychologifches VerMändnis der inneren Vorgänge der
Religion Raum gewinnen. Nicht minder erforderlich aber iM es,
daß die chriMliche Ethik fleh den berechtigten Anfprüchen des
modernen fittlichen Bewußtfeins erfchließt. Sie braucht nur

der erMe von dem jetzigen Aachener Stadtarchivar Dr. Huyskens | Luthers geniale Einficht aufzunehmen und weiterzubilden, um
bearbeitete, die WerraklöMer enthaltende Bd. noch bis zum Frühjahr
ausMeht. Ehe wir daher zu einer etwas ausführlicheren
Würdigung diefer vom KirchenhiMoriker freudig zu begrüßenden
Publikation fchreiten, möchten wir dies der Stadt Kaffel zu ihrer
Taufendjahrfeier dargebrachte Werk kurz notieren. Nach Vorwort,
Einleitung und Literaturüberficht (S. I—XXIV) folgen S. 1—230
die RegeMen des KloMers Ahnaberg vom Jahre 1152—1527, fodann
die vom KarmeliterkloMer 1262—1529 (S. 231—288), die des
St. MartinsMifts auf der Freiheit 1284-1519 (S. 289—440), die des
St. GeorgenMifts im Weißenhofe 1440—1527 (S. 441—471) und der
Kaffeler Schloßkapelle 1300—1530 (S. 473 -477). Daran fchließen
fich die RegeMen des Elifabethhofpitals 1297—1515 (S. 481-492),

unbefchadet ihres fittlichen ErnMes, aber frei von aller pietiMifchen
Kopfhängerei ganz kulturoffen und wirklichkeitsfroh zu werden.
Wenn die chriMliche Religion auch nach wie vor Genuß- und
SelbMfucht entfehieden verurteilt, fo darf fie doch weder die
Lebensfreude noch das SelbMgefühl des Gegenwartsmenfchen
zerMören wollen und muß es lernen, ,das Prinzip der Innerlichkeit
und Freiheit, das Jefus gegenüber dem zeitgenöffifchen Judentum
geltend gemacht hat, auch auf feine eigenen Worte anzuwenden
'.

Das etwa find die Hauptgedanken unferes Schriftchens, das
in feiner anfpruchslofen Schlichtheit durchaus anfprechend anmutet
. Es fagt außerdem noch manches beherzigenswerte Wort,

Über die Zurechnungsfähigkeit. I. Behandlung der fog. vermindert
Zurechnungsfähigen. Von Landger.-Prä f. Dr. D. O. Engelen.
II. Der Stand der europäifchen Gefetzgebung über verminderte
Zurechnungsfähigkeit. Von Prof. Dr. jur. et med. Wilhelm
Kahl. III. Die Klippe des Zurechnungsproblems. Von
Dr. E.Mezger. (JuriMifch-pfychiatrifche Grenzfragen. IX. Bd.,
Uebmann, Otto: Kant und die Epigonen. Eine krit. Abhandig. »eft 1.) (50 S.) gr. 8«. Halle C Marhold 1913 M 1.20

fcheint, nicht unbeachtet bleiben!
Iburg. W. T h i m m e.

des Siechenhofs 1383—1514 (S. 492 -495), der SchweMernhäufer ; Z-B. s. 8 gegen die orthodoxen Kritiker Lahufens. Möge es in
auf der Freiheit und in der NeuMadt 1340-1519 (S. 495 -497). j den Kreifen der kirchlichen Mitte, für die es beMimmt zu fein
Das KloMer WeißenMein — jetzt Wilhelmshöhe — macht den
Befchluß 1143-1527 (S. 499 - 608). Dielen 1658 RegeMennummern
folgen S. 611—661 34 Urkundendrucke von 1152—1480 und ein
'25 Seiten langes, ausführliches Regifier. Ohne Frage haben
wir es hier mit einem recht bedeutenden Unternehmen zu tun,
aus dem auch die Kirchengefchichte reichen Nutzen ziehen wird.
Ein weiteres über diefe wefentlich aus dem Marburger Staatsarchiv
gehobenen Urkundenfchätze demnächM.
Wolfenbüttel. Otto Lerche.

Beforgt v. Bruno Bauch. (Neudrucke feltener philofophifcher
Werke. (2. Bd.) (XIII, 240 S.) gr. 8«. Berlin, Reuther & Reichard
1912. M. 4 —

Otto Liebmann (25. Febr. 1840—14. Jan. 1912) gehört durch
die Anfchaulichkeit, Vorficht, Schärfe und Klarheit feiner Schriften
zu den eindrucksvollMen Arbeitern an einer Transzendental-
philofophie im Sinne Kants. Neben der mehrfach aufgelegten
,AnaIyfis der Wirklichkeit', der lichtvollMen Einführung in die
theoretifchen Probleme des Kritizismus, die ich kenne, der Klimax
der Theorien' (1884) und den ,Gedanken und Tatfachen,
(1899—1904) verdient auch die vorliegende Jugendfchrift (von
1864) aufmerkfamMe Beachtung und dürfte mit einem großen
Teil ihrer Ausführungen, die neben Kant den ,idealiMifchen'
«Fichte, Schelling, Hegel), .realiMifchen' (Herbart), .empiriMifchen, Äg^TY^ T W'^urhchketten auszu-

(Fries,, .transcendenten' Schopenhauer) Richtungen gelten, heute ^^"L ? I fB^™mUng ^T^c ^""".T
kaum minder aktuell fein, als in der Zeit ihrer EntMehung. Eine derunf der Zurechnungsfah.gke.t e.ne Ermaßtgung der Strafe und
.vergleichende Anatomie' des Kantifchen und der Nachkantifchen j welchem Umfange einzutreten habe, dem Gerichte freigeMellt

Die hier zufammengefaßten Arbeiten behandeln gemeinfam
die Stellung, welche die Gefetzgebung gegenüber den vermindert
zurechnungsfähigen Verbrechern einzunehmen hat. Ausge-
fchloffen iM deshalb die ebenfalls viel erörterte Frage nach der
Behandlung geiMesfchwacher Perfonen, die bisher eine Straftat
noch nicht begangen haben, alfo nur als gefährlich anzufehen
find. Engelen will von einer BegriffsbeMimmung der verminderten
Zurechnungsfähigkeit im Gefetze abfeilen und lediglich dem
Richter überlaffen, ihr Vorhandenfein im Einzelfalle feMzuMellen.
Ebenfo will er dem Richter die Befugnis geben, nach feinem Er-
meffen zu entfeheiden, ob Strafe oder Sicherungsmaßregeln anzuwenden
oder beide Wege nebeneinander einzufchlagen find. In
dem erfieren Punkte iM Kahl entgegengefetzter Anficht, er fordert

SyMeme foll erweifen, daß alle ,an demfelben Herzfehler gelitten
haben und gefiorben find', an dem von Kant ,urfprünglich als
Warnungsfignal gegenüber dem Dogmatismus aufgeMellten Un-
begriff des .Dinges an fich', der fchließlich überall zum Dogmatismus
zurückgeführt hat. Eine Neubearbeitung hätte L. nur
zu noch fchärferer Herausarbeitung des logifchen Transcenden-
talismus gegenüber dem Pfychologismus, aber auch, was allerdings
fehr notwendig iM, zu noch allfeitigerer Würdigung der unvergänglichen
LeiMungen der genannten Philofophen Anlaßgegeben.

Bauch hat den Neudruck durch gut orientierende Bemerkungen
im .Vorwort' (S. V-XII) und eine leider nur allzu kurze Skizze
aes Lebens und der Gedanken Liebmanns im .Anhang' (223-39)
r ,rv.erlCLert,', r Abdruck der erMen Ausgabe iM fo fehr wörtlich, daß
relbM die Verweile auf frühere Ausführungen der Schrift nicht den .

Seitenzahlen der vorliegenden Auseabe aneetiaßt find. Von (Inn- : des neueMen Matißifchen Materials. Das WichtigMe aber find die

bleiben. Im übrigen liegt der Schwerpunkt diefer Arbeit in einer
Wiedergabe der einfehlägigen Gefetze der einzelnen Länder. Der
Auffatz von Mezger verbreitet fich eingehend über die auch von
den beiden anderen Verfalle™ geMreifte Frage der Willensfreiheit
und entfeheidet fie, abweichend von Kahl, im Sinne des Determinismus
.

Göttingen. w/. Kulemann.

Müller, Pfr. Heinrich: Die Lage des holländirchen ProteMantismus.

(31 S.) gr. 8». Berlin, Verlag d. Evang. Bundes 1913. M. —50
Eine kleine, aber fehr intereffante und lehrreiche Schrift.
An der Hand der Gefchichte fchildert der VerfalTer die Verhält-
niffe der proteMantifchen Kirche in Holland mit ihren bedauerlichen
Spaltungen und Parteibildungen, unter Meter Benützung

Mörenden Druckfehlern fei .nöthig' Matt ,nöthigt< (S. 59 Zeile 15) be
merkt. 6
Göttingen. Titius.

Schulze, Prof. D. Mart.: Die Forderung e. Zukunftsreligion u. das

Chnrtentum. Vortrag. (Aus: .Deutfch-Evangelifch'.) (16S.)
8". Leipzig, J. C. Hinrichs 1913. M. — 50

Die Zukunft gehört nicht irgend welchen neumodifchen,

guten Lehren, die wir aus der dortigen kirchlichen Lage für uns
felber zu ziehen haben. Denn in Holland find Fragen gelöM,
an deren Löfung bei uns in Deutrchland noch eifrig gearbeitet
wird, als da find: Trennung von Kirche und Staat, konfeffionslofe
Volksfchule, völlige SelbMändigkeit der Gemeinde und un-
befchränkte Lehrfreiheit, Austritt aus der Kirche und Bildung
neuer Gemeinfchaften, befonders aber das Bündnis der konservativen
Partei mit dem Ultramontanismus. In allen diefen