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Ausgabe:

1914

Spalte:

90

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rogge, Christian

Titel/Untertitel:

Luther u. die Kirchenbilder seiner Zeit 1914

Rezensent:

Clemen, Otto

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8g

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 3.

90

ganifation der württembergifchen Klofterfchulen in der
Zeit von 1556—1806 dargestellt hat, gibt er in diefer neuen
Arbeit eine Überficht über den Unterricht in jenen Lehr-
und Erziehungsanftalten während derfelben Periode. Sie
beginnt mit einer Analyfe der ,Klofterordnung', welche
bekanntlich einen Teil der fogen. ,großen' württemberger
Kirchenordnung von 1559 bildet, S. 3—15, woran Sich die
Berichte über die Ordnungen 1556, 1582, 1663 ufw. bis
herab auf 1757 fchließen. Die Ziele, welche danach bei
der Unterweifung der Klofterfchüler erftrebt werden Sollen,
find diefelben, wie Sie etwa von Sturm in Straßburg bezeichnet
worden find; S. 42 werden Sie vom Verf. mit den
Worten ,erudita pietas' und ,pia eruditio' bezeichnet. Einen
fehr wertvollen Abfchnitt bietet die Schrift S. 17—44, wo
über die pädagogifche Bedeutung Joh. Albrecht Bengels,
den manche nur als den Verfaffer des Gnomon zum N. T.
kennen, eingehend berichtet wird. Als Pädagoge war er
bisher fo gut wie ganz unbekannt; Friedr. Paulfen z. B.
nennt ihn in feinem verdienstvollen Werke über die ,Ge-
fchichte des gelehrten Unterrichtes' als folchen nicht mit

des Judentums vermitteln — eine hohe, gewaltige wilfenfchaft-
liche Aufgaben in (ich Schließende Bestimmung! Erfreulich ilt
es, daß jetzt Schriften des Instituts erfcheinen. Das vorliegende
4. Heft bietet einen Teil des neuteftamentlichen Kommentarwerks,
das den ehrwürdigen, kürzlich verstorbenen, noch von Delitzfch
an das Inftitut berufenen Judenchriften L. zum Verfaffer hat.
Der Wert diefes Kommentars liegt in der rabbinifchen Bildung
feines Verfaffers, auch in dem Scharfsinn, mit dem er
exegetifche Probleme zu fehen und zu löfen versteht. Für
weitere Kreife wertvoll würde der Kommentar durch eine vollständige
Überfetzung ins Deutsche, mit der zugleich eine Bearbeitung
des von L. herangezogenen rabbinifchen Materials verbunden
fein müßte. Würde das Inftitut diefe Aufgabe bald löfen,
es könnte des lebhaften Dankes der neuteftamentlichen Wiffen-
fchaft Sicher fein.

Gotha. Fiebig.

Rogge, weil. Gen.-Superint. Lic. Chriftian: Luther u. die Kirchenbilder
feiner Zeit. (Schriften des Ver. f. Reformationsgefch.
29.Jahrg,4.) (III, 44 S.) gr.8«. Leipzig, R. Haupt 1912. M. —50
R. hat bei P. Lehfeldt, Luthers Verhältnis zu Kunft und

Künstlern, bei dem Abfchnitt ,Eindrücke von Kunstwerken' ,eine

Einem Worte, und doch hat fich Bengel in feiner Lehr- 8anze Reihe von Bildwerken' vermißt, ,die augenscheinlich nicht
tätigkeit zu Denkendorf 171 3—1741 und als pädagogifcher S fP"rl<>s an Luther vorübergegangen find'. Diefe Lücke will er

Schriftfteller durch feine ,Loci didactici' und fein ,Dic cur
hic' große Verdienste erworben. Diefe werden von Eitle
in verständnisvoller Weife gewürdigt S. SO—54, auch nach
der Richtung, daß Bengel an feine Alumnen offenbar zu
hohe Anforderungen geftellt hat.

Eitle Sagt darüber S. 53: .Jedenfalls hat IJengel für die Klofterfchulen
den Rahmen des humaniftifchen Unterrichtes nur zu weit gefpannt,
das Ziel nach damaliger AulTaffung nur zu hoch gefleckt, wenn er in dem
Stundenplan für Denkendorf auch die chaldäifche Sprache, das Syrifche
und Rabbinifche, das Lefen von Valerius Maximus, Vellejus, Seneca, Florus.
Sueton, Juftin, Phädrus, Silius Italicus, Senecas Tragödien, Lucan, Perl
fius verlangt, ferner die Lektüre der Septuaginta und Apokrypha, der
Briefe des Clemens Romanus, des Ignatius, endlich das Lefen nicht nur
von Xenophon, Herodot, Thucydides, Ifokrates, Demofthenes, Plato, Aristoteles
, fondern auch von Herodian, Älian, Cebes, Philo Judäus, nicht
bloß von Homer, Hefiod, Pindar, fondern auch von Ariftophanes; ja,
wenn einer und der andre gelefen fei, nehme man die Väter und Kircheu-
hiftoriker, Sokrates, Sozomenes, Eufcbiusund Jofephus. Unmöglich konnten
die Alumni das bewältigen'. —

Eitle gibt auch Sehr intereffante Nachrichten über
eine Reihe von Alumnen, welche aus den württembergifchen

ausfüllen. Nach einigen hübfchen Bemerkungen über die Pla-
ftik der Sprache Luthers und über deffen Verhältnis zur bildenden
Kunft im allgemeinen zitiert er zahlreiche Stellen aus Luthers
Werken, in denen diefer entweder fchildernd mit zeitgenöffifchen
oder früheren künftlerifchen Darftellungen zufammentrifft oder
ablehnend über folche (ich äußert. Aber nur in ganz wenig
Fällen läßt fleh dasjenige einzelne Bild beltimmt angeben, das
Luther im Auge haben könnte. Infofern leidet der Auffatz
doch eigentlich nicht recht, was er verheißt. Zu S. 10: Das
Schlußbild des Blockbuchs Ars moriendi fchwebt Luther im 18.
Abfchnitt des Sermons von der Bereitung zum Sterben vor
(Bonner Lutherausg. I 171, 25ff.). Zu S. 15 f. (Kirche als Schiff) vgl.
noch W. A. 303,407, 3f., 38,104, 24ff. Zu S. 18 (Maria die Leute mit
ihrem Mantel gegen die Pfeile Chrifti deckend — Peftbilder!) vgl. St.
BeilTel, Gefchichte der Verehrung Marias in Deutfchland während
des MA.s (1909) S. 358ff. Zu S. 18 (Maria vor St. Bernhard, Chrifto
ihre Brüfte weifend) ebd. S. 358f. Zu S. 19f. (Holzfchnitte, auf
denen aus Chrifti Wunden die Sakramente fließen) vgl. W. A.
302, 527, 17f. Zu S. 21: Über die Darftellung der Maler, daß
Chriftus das vorderfte, Simon das hinterfte Teil am Kreuz ge-

Klofterfchulen in dem angegebenen Zeiträume hervor- j tragen, hat fleh auch Joh. Sylvius Egranus aufgehalten (vgl. deffen
gegangen find, über ihre Leiftungen und über Urteile, die von G. Buchwald 1911 herausgegebene Predigten S. 110). Ein feines
fie über den dort genoffenen Unterricht gefällt haben. I Thema, etwa für eine Doktordiffertation, wäre: Melanchthons
Ich greife einiges heraus. Es exiftieren ,mehr als ein Dutzend hand- Verhältnis zu Kunft und Künftlern (Dürer, Cranach, Grünwald),
fchrifüiche Gedichte, deutfeh, lateinifch, griechifch von Denkendorfer j Briefe, Poftille, Kolleghefte, Dicta-Sammlungen müßten dazu
Schülern'; zu Neujahr 1740 gratuliert dem Albrecht Bengel mit einer j ausgebeutet werden.

,Strena votiva' in 9 griechifchen Diftichen, 7 deutfehen und 6 lateinifchen ! Zwickau i. S. O. C lernen.

Strophen fein Schüler Clemmius S. 44. Ein andrer Schüler, Gottlob

David Hartmann, nennt feinen Aufenhalt in Blaubeuren und liebenhaufeu
eine .vierjährige Marter' S. 60 ufw. Zu denjenigen Alumnen der Württemberger
Klofterfchulen, welche diefen Bildungsanftalten großen Ruf eingetragen
haben, gehören u. a. Reinhard, der franzöfifche Gefandte am
Hofe Jeromes, der Philofoph Schelling, der Heidelberger Theologe Paulus
, der Pädagoge Klumpp, den auch Paulfeu erwähnt. Im großen äußern
fich diefe Männer dankbar über das, was ihnen ihre Bilduugsanftalten
geboten haben; und mit Recht, wenn man diefe zeitgefchichtlich beurteilt.
Dies gefchieht auch von Eitle. Er fpricht fich über fie S. 77 mit folgenden
\ orten aus: Die württembergifchen Klofterfchulen waren ,im Grunde
gediegen und tüchtig, darum die rechte Pflanzftätte kernhafter Menfchen,
aber für die Ideale und Forderungen einer neuen Zeit veraltet, ein Bild von
Altwürttemberg im kleinen mit ihrer großen Einfeitigkeit, vielen Mängeln
im einzelnen, einem fchweren Ballaft von überlebten Unterrichtsformen'.

. J?es Urteil findet feine volle Begründung in dem, was
die Eitlefche Schrift vom Anfang bis zum Ende bietet; diefe
kann darum als tüchtige gefchichtliche Einzelunterfuchung
bezeichnet werden.
Göttingen.__K. Knoke.

Referate.

Lichtenftein. f J-: Commentar zum Matthäus-Evangelium. Nach
der Neubearbeitg. des Verf. hrsg. v. Prof. H. Laible u. Paul
Levertoff. (In hebr. Sprache.) (Schriften des Institutum De-
htzschianum zu Leipzig, (4. Heft.) (144 S.) 8". Leipzig, J. C.
Hinrichs 1912. jyj, 2.50

Das von Franz Delitzfch, dem berühmten Leipziger Alttefta-
mentler, begründete Institutum Delitzfchianum foll den Juden
die Kenntnis des Chriftentums und den Chriften die Kenntnis

Blafel, Carl: Gefchichte v. Kirche u. Klofter St. Adalbert zu Breslau.

(Darftellungen u. Quellen zur fchlef. Gefchichte. 16. Bd.)

(VI, 116 S.) gr. 8". Breslau, F. Hirt 1912. M. 3 —

Die fleißige Arbeit, die zum erften Male eine Gefchichte von
Kirche und Klofter St. Adalbert in Breslau darbietet, behandelt
in 6 Kapiteln: St. A. als polnifche Eigenkirche und im Befitze
der Auguftiner Chorherren (1112—1226), die Kirche im Befitze
des Dominikanerordens bis zur Reformation des Klofters
(1226-1432), die erfte Blütezeit des Klofters (1432—1525), deffen
Zufammenbruch und Tiefftand (1525—1648), die zweite Blütezeit
(1648—1810) u. zw. während der Zugehörigkeit zur Provinz Polen
(1648-1706), als Konvent der Provinz Böhmen (1706-1754) und
feit Friedrich d. Gr. als Haupt der Congregatio S. Ceslai [nach
dem erften Breslauer Prior, der 1713 felig gefprochen wurde
und delfen Gebeine jetzt in der 1730 eingeweihten Kapelle
an der Südwand des Langhaufes des Kirche ruhen, benannt]
(1754—1810), endlich die Schickfale der Kirche feit Aufhebung
der klöfterlichen Gemeinfchaft im 19. Jahrhundert. Die Breslauer
,Neuftadt' war die Stadt der Polen. Für diefe ift die St. A.Kirche
1112 von Boleslaus, dem Bruder des Grafen Peter Wlaft,
erbaut worden. Etwa 1146 hat er fie dann den Auguftiner Chorherren
von Gorkau am Zobten gefchenkt. 1226 wurde fie unter
Loslöfung faft der gefamten Seelforgetätigkeit den Söhnen des
heiligen Dominikus übertragen. 1241 fielen Kirche und Klofter
dem Mongolenfturm zum Opfer. Nur allmählich und in ver-
fchiedenen Abfätzen erfolgt der Neubau beider. InterefTant find
die jahrhundertelangen Streitigkeiten zwirnen dem Bettelorden
und dem ftädtifchen Seelforgeklerus wie die der Nationalitäten