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Ausgabe:

1914 Nr. 3

Spalte:

77-78

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Amann, Fridolin

Titel/Untertitel:

Die Vulgata sixtina v. 1590 1914

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 3.

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.Man muß (ich folche Bilder vor Augen halten, wenn man ; der Infallibilität für ein derartiges Werk und das Drucker-
wiffen will, wohin ihr innerffes Wefen die katholifche privileg für die typographia Vaticana. Bellarmins fpätere
Kirche führt, wenn fie die Macht in Händen hat oder die i Darftellung ift hiftorifch nicht richtig, doch fucht A. ihn
Machthaber wie Philipp IL, erfüllt von der Richtigkeit ! zu entlaffen, fofern ,die Umgebung des Papftes mit aller
und Unbeugfamkeit ihrer Prinzipien, ihr zu Willen find. ! Beftimmtheit darauf rechnete, Sixtus werde felber an-
Beuzarts Buch erhält nicht nur dadurch feinen be- gefichts der von mehrfacher Seite drohenden Schwierig-
fonderen Wert. Der Anhang der Belegftellen ift für den ! keiten fein Werk zurückziehen und durch ein anderes
Forfcher von großer Wichtigkeit. Für die Härefien des j erfetzen laffen'. Aber dafür vermiffe ich den Beweis,
Mittelalters werden die Angaben der gedruckten Quellen ; namentlich angefichts der S. 128 gegebenen Darftellung

geboten; für die Reformation und Gegenreformation teilt
B. reiche Auszüge aus Archivalien in Douai, Pas-de-Calais,
Tournai, Arras mit. Leider hat er verfäumt, ein Regiffer
beizugeben, das erft den reichen Inhalt feines Werkes
recht ausfchöpfen laffen würde. Das Verzeichnis der
benutzten Bücher ift fehr groß und wertvoll, weil es viele,
in Deutfchland wohl nicht häufige Werke enthält. Beigegeben
ift eine Karte des Artois von 1704.

Kiel. G. Ficker.

Hier harmonifiert A., ebenfo wie feine Ausführungen über
die Unfehlbarbeit S. 108 ff. fehr gequält erfcheinen (vgl.
befonders S. 114, daß die termini vera, legitima, authentica,
indubitata nicht die kritifche Vollkommenheit der Sixtina
behaupten follen). — Im Anhang wird das Freiburger
Exemplar der Sixtina befchrieben.

Zürich. Walther Köhler.

Beiträge zur tächlifchen Kirchengelchichte, hrsg. im Auftrage
der ,GefelIfchaft f. fächf. Kirchengefchichte' v. Franz
Dibelius u. Thdr. Brieger. 26. Heft. (Jahresheft f.
1912.) (III, 210S.) 8°. LeipzigJ. A.Barth 1913. M. 4 —

Amann, Gymn.-Lehr. Lehramtsprakt. Dr. Fridolin: Die
Vulgata sixtina v. 1590. Eine quellenmäß. Darftellg. ihrer
Gefchichte m. neuem Quellenmaterial aus dem venetian.
Staatsarchiv. (Freiburger theologifche Studien. 10. Heft.) ... /on den in diefem Hefte vereinigten Abhandlungen
__, . c on t— i_ • r> tt j t./t 1 fuhrt uns am weitelten in die Vergangenheit zurück die

(IX, 160S.) gr.8°. Freiburg 1. B., Herder 1912. M. 3.20 j yon Bönhoff: ;Wo fuchen wir die älteffen Kirchorte

In den durch Paul Maria Baumgartens Forfchungen ; Sachfens?' B. geht in der Weife vor, daß er zuerft die
lebhaft entbrannten Streit um die Vulgata Sixtina (vgl. ; Frage beantwortet: Wo dürfen wir die älteften Kirchen
diefe Ztg. 1913 Nr. 9) greift Amann durch eine überficht- Sachfens nicht fuchenf Welche Gegenden Sachfens find
liehe Darftellung der zahlreichen Ereigniffe fehr glücklich j als Neuland in kirchlicher Beziehung anzufehen, d. h. find
ein. Es vermag fein Buch darum in den Stand der ganzen erft ums 12.und I3.jhrh. miffioniert worden? Die Abhand-
Frage vortrefflich einzuführen. Wenn J. Ficker in der lung ift ein Extrakt aus den mühevollften Vorarbeiten
Einleitung zur Ausgabe von Luthers Römerbriefkommentar und fehr ergebnisreich. Nur wäre vielleicht in der Emden
Mangel einer Textgefchichte der Vulgata beklagen leitung angefichts der doch recht fpärlichen Überlieferung
mußte, fo bietet A. im Einleitungsparagraphen einige Bei- ; eine Warnung vor dem Trugfchluß: ,Quod non est in
fpiele für die Verworrenheit der Texte zu Beginn des 16. I actis, non est in mundo', am Platze gewefen. — Daran
Jahrhunderts (man vgl. nur S. 8 Anm. 2 den Luther be- [ fchließt fich ein Auffatz von vorwiegend lokalgefchicht-
deutfam gewefenen Vers Pf. 109,3). Das Tridentinum j licher Bedeutung von Benz: ,Die Anfänge des Kloffers
gab Anregung zur Vulgatarevifion, wollte auch die Arbeit j und der Propftei Riefa'. Er behandelt nicht nur die

in Verbindung mit dem Papft ausführen, tat aber tatfäch-
lich nichts. Eine erfte Vulgatakommiffion berief erft
Pius V, doch erreichte fie nichts. Sixtus V, energifch die
Revifion in die Hand nehmend, Hellte Caraffa an die
Spitze der Kommiffion; in dem fogen. Codex Caraffianus
liegt uns noch heute das Korrektionsexemplar der fix-
tinifchen Kommiffion vor, und A. Hellt an der Hand
desfelben fefl, daß weder nach den Grundtexten noch im
Intereffe einer reineren Diktion irgend eine Textesänderung
vorgenommen, vielmehr eine möglichH reine Wiederher -
Hellung des Hieronymustextes, zumeiH nach dem Amia-
tinus, erHrebt wurde. Wenn nun Sixtus V in brüsker

Genefis, fondern auch die wirtfehaftliche und kirchliche
Tätigkeit des KloHers bis Ende des 13. Jhrh.s. — Ins
15. Jahrh. verfetzt uns ein Artikel von G. Buchwald:
Johannes CapiHranos Predigten in Leipzig 1452'. Wir erhalten
hier eine eingehende Analyfe und CharakteriHik der
Predigten, die der bekannte Bußprediger während feines
Aufenthalts in Leipzig vom 20. Oktober bis zum 20. Dezember
1452 gehalten hat, foweit fie im Cod. 319 der Leipziger Uni-
verfitätsbibliothek aufgezeichnet find. Sie dienen zum großen
Teile der Verherrlichung der Askefe und des Mönchs-
tums. Befonders wichtige Abfchnitte werden in extenso
abgedruckt. Zum Schluß verfpricht B. Mitteilungen über

Weife — er drohte Caraffa mit der Inquifition — in die | zahlreiche lateinifche Univerfitätspredigten aus den erffen
Arbeit der Kommiffion eingriff, fo hatte diefe nicht etwa 1 drei Jahrzehnten der Leipziger Univerfität. — Sehr gehalt-
lhr Mandat überfchritten, vielmehr entfernte fich der her- i voll iff endlich auch die das Heft eröffnende Abhandlung
geffeilte Text für den Papff zu Hark von der Tradition von K. Toller: ,Das kirchliche Wefen in der Ephorie
— welche Waffe für die Ketzer, wenn in der Kirche | Großenhain im 16. Jhrh.' Sie iff ein Mufferbeifpiel dafür,
jahrhundertelang eine falfche Bibel verwendet worden i wie ein Landpfarrer durch archivalifche Studien fich mit
war! Diefer Papff zudem fchrieb fich felbff kraft des j der Gefchichte feiner Parochie und Ephorie vertraut
|^.™'smas der Unfehlbarkeit die Entfcheidung in Fragen 1 machenund über alle mit feinem Amte zufammenhängenden
bibhfcher Textkritik zu! Der von ihm hergeffellte Text ! Fragen mit gefchichtlichem Hintergrunde ein gefchichtlich

nun erweiff fich als Kompromis zwifchen der Kommiffions-
arbeit und der fogen. Löwener Bibel, der damals meiff-

orientiertes Urteil gewinnen kann. Wir werden aufs beffe
unterrichtet über den BeHand an Pfarrkirchen, Kapellen,

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verbreiteten; in 8 Monaten war fein Werk vollendet. Die Altären, Stiftungen im ausgehenden Mittelalter in der
Bulle Aeternus ille', deren Entffehungsgefchichte und In- ! jetzigen Ephorie Großenhain, über die Veränderungen, die
halt A. genau vorführt, läßt A. mit Baumgarten, geffützt | im BeHand der Parochien nach Einführung der Refor-
aVVJ, tim„ ^nha"^6 mitgeteilte) Depefchen des venezia- I mation infolge der Vifitationen eintraten, über die Einziehen
Gefandten Alberto Badoer und dieAvvisi de Roma, 1 kommensverhältniffe der Geifflichen, über den Wert und
wirklich exekutiert fem. Die Oppofition gegen das Werk die Bewirtfchaftung der Pfarrlehen, über die Kirchen-

des PapHes fetzte aber fchon fehr früh ein; fie kam von
Seiten der Indexkongregation, der diefer fo felbffändige

vermögen, über Verdienffe der mittelalterlichen Kirche
Förderung der Vieh- und Bienenzucht, über die

KirchenfurH doch als Sklave des Syffems feine Arbeit j Stellung der Kirchner und Lehrer, über die gottesdienff-
vorlegte, der Bibelkommiffion und Spaniens fowie Vene- liehen Handlungen: Taufe, Aufgebot, Hochzeit, Begräbnis,
digs. Beanffandet wurden vorab die Inanfpruchnahme | Den Befchluß macht eine kurze, durch nüchterne Sach-