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Ausgabe:

1914 Nr. 24

Spalte:

644-645

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haury, Jakob

Titel/Untertitel:

Das Eleusische Fest ursprünglich identisch mit dem Laubhüttenfest der Juden 1914

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 24 25.

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Nach einem ethnologifchen Kapitel werden in Kapitel III
zuerft ,The Gods of Gaul and the Continental Celts' behandelt
. Da hier jeder Darfteller von der bekannten
Stelle bei Caefar, De bello Gallico VI 17 über die galli-
fchen Götter ausgehen muß, fo berührt fich diefes Kapitel
vielfach mit den entfprechenden Abfchnitten in meinem
gleichzeitig gefchriebenen Buche ,Das Keltifche Brittan-
nien'. Die auf den Infchriften fowie von den römifchen
und griechifchen Schriftftellern überlieferten Namen find
in A. Holders Altceltifchem Sprachfehatz gefammelt. In
der Deutung und in der Verteilung auf die römifchen
Göttertypen ift MacCulloch immer noch zu zuverficht-
lich, wenn er fich auch den Hauptmythologiften H. dÄr-
bois de Jubainville und John Rhys nicht ganz gefangen
gibt. Mit Recht bemerkt er, daß die Identifizierung einer
gallifchen Gottheit mit einer römifchen nur bedeuten
wird, daß die beiden irgend einen hervorftechenden Zug
gemeinfam haben.

Für die Infelcelten find Hauptquellen für unfere
Kenntnis der celtifchen Mythologie alte Sagen und Erzählungen
, die in Irland fchon recht früh von chriftlichen
Mönchen in den Klöftern aufgezeichnet worden find. Am
deutlichften enthalten Mythologie die irifchen Sagen von
den Tüatha De Danann, mit denen daher auch in Kapitel
IV und V begonnen wird. Hier fpielt der Gott Lug eine
große Rolle, den man in dem gallifchen Ortsnamen Lugu-
dunum wiederzuerkennen glaubt. Kapitel VI hat die
Überfchrift ,The Gods of the Brythons'. Für diefe kommen
in Betracht neben einigen Gedichten die cymrifchen Erzählungen
, die unter dem Namen Mabinogion durch die
Überfetzung von Lady Charlotte Gueft und die genauere
franzöfifche Überfetzung von J. Loth allgemein bekannt
geworden find. MacCulloch befpricht hier die Deutungen
von Rhys, Nutt und anderen, nicht ohne eine gewiffe
Kritik, oft mit Hervorhebung der Unficherheit. Es folgen
dann die beiden Hauptfagenkreife Irlands, in Kapitel VII
,The Cüchulainn Cycle', in Kapitel VIII ,The Fionn Saga'.
Mit den Gaelen find fie auch nach Schottland gekommen.
Ohne Frage enthalten auch fie mythologifche Züge. Mac
Culloch glaubt an die Möglichkeit, daß die Finnfage ihren
Urfprung bei den nichtceltifchen Bewohnern Irlands und
Schottlands gehabt habe. Daher die Übereinftimmung.
Selbft ein fonft fo unbefangen urteilender Schotte wie M.
kann nicht anerkennen, daß die Finnfage auch in der
Geftalt, in der fie in Schottland auftritt, aus Irland ftammt.
Mit Recht bekämpft er Zimmers Anficht vom nordifchen
Urfprung Finns. Aber er beachtet zu wenig, daß Finn
in den älteften Texten einen fagenhaft hiftorifchen, nicht
einen fagenhaft mythifchen Charakter hat. MacCulloch
ift nicht eigentlich celtifcher Philologe, fein celtifches
Sprachzentrum fcheint das fchottifche Gaelifch zu fein.
Der Name von Finns Vater ,Cumal' ift mit 11 zu fchreiben,
was fchlecht zu der behaupteten Identität mit dem alt-
celtifchen Götternamen Camulos ftimmt, ganz abgefehen
davon, daß nach Kuno Meyer die genealogifche Angabe
urfprünglich nicht mac Cumaill, fondern macc Umaill
lautete. Einen bekannten cymrifchen Namen fchreibt
M. immer ,Kulhwych', mit überflüffigem y.

MacCulloch hat mit großer Belefenheit und hifto-
rifcher Bildung ein intereffantes Bild von dem celtifchen
Sagenmaterial und den mythologifchen Deutungen gegeben
, aber wer auf diefen Gebieten nicht zu Haufe ift,
wird fich fchwer ein eigenes Urteil bilden können. Vielleicht
wäre es befler gewefen, wenn M. zuerft die wich-
tigften älteren Sagen ohne dazwifchen geworfene Vermutungen
kurz erzählt und erft dann ihre mythifchen
Züge befprochen hätte. In den cymrifchen und in den
irifchen Erzählungen kommt beides vor: alte Götter find
zu Menfchen geworden, und auf Helden der Gefchichte
oder Sagen find göttliche Züge übertragen worden. Mac
Culloch erwähnt beide Möglichkeiten, rechnet jedoch, im
Bann der .mythological school' flehend, vorwiegend mit
der erfteren. Man findet aber oft Grund zu der An-

j nähme, daß die Helden der Sage urfprünglich Menfchen
| waren. Dann beruht das Übermenfchliche auf einer
; fpäteren Verherrlichung, bei der Vorftellungen, die man
j von den Göttern hatte, verwendet wurden. Es ift kaum
| daran zu zweifeln, daß fowohl der irifche Cüchulainn als
auch der Brittannier Arthur eine hiftorifche Grundlage
| haben. Auch MacCulloch ftellt das nicht ganz in Abrede
, aber er kommt nicht zu einer klaren Anfchauung.
Er fagt, Cüchulainn war ,the ideal warrior', aber möglicher
: Weife könnte er ein Kriegsgott gewefen fein, er hat aber
! auch einige Züge eines ,culture hero' (S. 136). Ähnlich
wird Arthur beurteilt. Neben dem hiftorifchen dux bel-
J lorum diefes Namens foll es einen brittannifchen Gott
! deffelben Namens gegeben haben, beide im Arthur der
Sage zufammengefloffen (S. 119). Der Gott Arthur, älter
! ,Artor', könne ein ,god of agriculture' gewefen fein, der
I fpäter zu einem Knegsgott wurde (S. 121). Von einem
j Gott Arthur wiffen wir nichts. Der Gott des Ackerbaus
I beruht nur auf der Etymologie, daß nämlich ,Artor' von
! der in lat. arare enthaltenen Wurzel abftamme. Eine
j ganz unfichere Etymologie, da es auch noch andere Ab-
! leitungsmöglichkeiten gibt, und wir überhaupt nicht wiffen,
j woher der Name kommt. Der Kei der Arthurfage foll
j auch ein urfprünglicher Kriegsgott fein (S. 123), wobei
j der Cajus dapifer der hiftorifchen Sage unberückfichtigt
■ bleibt. An die Stelle des Sonnengottes und der Morgen-
I röte einer älteren mythifchen Schule, vedifchen Urfprungs,
find die Kategorien Kriegsgott, Kulturgott, Gott der
Fruchtbarkeit getreten, die letzteren beiden wefenlofe
j Abftraktionen.

Nachdem in der erften Hälfte des Werks die Quellen
der celtifchen Mythologie vorgeführt worden find, und
i die Namen, die für die Mythologie in Betracht kommen,
folgt in der zweiten Hälfte ein Oberblick über die reli-
! giöfen Vorftellungen, die als celtifch bezeichnet werden
j können: über die Abdämmung der Menfchen von den
I Göttern, die Totenverehrung, die Naturverehrung, Ver-
I ehrung von Flüffen und Quellen, Baum- und Pflanzen-
! Verehrung, Tierkult, Kosmogonie, Opfer, Gebet und Wahr-
I fagung, Tabu, Fefte. Zum Schluß wird dann unter der
I allgemeinen Überfchrift ,Accessories of Cult' gehandelt
über Tempel und Altäre, Götterbilder, Verehrung der
Waffen, über die Druiden (der Verf. bleibt mit Recht
dabei, daß fie echt celtifch, und nicht den myfteriöfen
Urbevölkerungen zuzufchieben find), über Zauberei, den
Zuftand nach dem Tode, die Wiedergeburt und Seelenwanderung
, das Elyfium. Die Literaturangaben finden
fich unter dem Text in den Anmerkungen.

Wenn wir befonders in der erften Hälfte hinter
Manches ein Fragezeichen fetzen müffen, fo ift zu be-
rückfichtigen, daß die Mythologie, befonders die vergleichende
, ein fchwieriges, nebelreiches Gebiet ift, auf
dem es fchwer ift zu wiffenfehaftlicher Sicherheit zu gelangen
, und auf dem eine vorfichtige kritifche Methode
erft noch mehr ausgebildet werden muß. Im Allgemeinen
dürfen wir fagen, daß in keinem zweiten Werke eine
folche in gleicher Weife Gallien, Brittannien und Irland
umfaffende Gefamtdarftellung der Mythologie und Religion
der celtifchen Stämme gegeben ift, wie in diefem
Buche MacCullochs.

Leipzig. E. Windifch.

Haury, Gymn.-Konrekt. Dr. J.: Das Eleufifche Fett urfprünglich
identifch m. dem Laubhüttenfeft der Juden. (25 S.)

gr. 8°. München, J. Lindauer 1914. M. 1.50

Wie der Titel des Heftes fagt, glaubt fein Verf. die
urfprüngliche Identität des jüdifchen Laubhüttenfeftes mit
dem eleufifchen Fefte beweifen zu können und bewiefen
zu haben. Beide Fefte flammen aus Ägypten (S. 23).
Die dort übliche Feier haben die Juden kennen gelernt
und fie ihrerfeits an die Griechen weitergegeben, und