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Ausgabe:

1914

Spalte:

612-613

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Eduard

Titel/Untertitel:

Die moderne Pentateuchkritik und ihre neueste Bekämpfung, beurteilt 1914

Rezensent:

Holzinger, Heinrich

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6u

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 22/23.

612

barungsgläubigen Religionen. Zu den letzteren gehört i
das Judentum, der Iflam, das Chriftentum und der Zoroa- j
ftrismus, aber das Chriftentum allein entfaltet den Gedanken
wirklich zentral und innerlich. Das ift ,mehr ein
Art- als ein Grundunterfchied'. ,Diefe Spezies, welche im
Chriftentum am höchften entwickelt vorliegt, ift durch j
eine Hervorhebung der göttlichen Selbftmitteilung und j
Aktivität gekennzeichnet, welche der hohen Myftik der j
anderen Religionstypen fehr fremd bleibt'. Damit ift der 1
Betrachter vor eine Wahl geftellt, in der er fich ent-
fcheiden muß und deren Entfcheidung etwas durchaus
Perfönliches ift.

Diefe zweite Antwort ift genau das, was ich auch
meinerfeits zu dem Abfolutheitsproblem zu fagen weiß. Ihr
ftimme ich durchaus zu, während ich mit der erften Antwort
nichts anfangen kann. Im übrigen ift das Buch
reich an intereffanten Mitteilungen und feinen Beobachtungen
, klar und durch eine gewiffe Internationalität der
angeführten Literatur feffelnd. Ich hebe nur hervor, daß
S. die Probleme ,der Religionsgefchichte' natürlich eigentlich
in der ,Philofophie der Religionsgefchichte' und nicht
in der empirifchen Befchreibung aller Religionen überhaupt
fieht. Über die Unlösbarkeit und Zwecklofigkeit
der letzteren Aufgabe macht er fich keine Illufionen.
Das ift vielmehr ein Anliegen der Miffionare und be-
fchränkt fich bei diefen auf die ihr Miffionsgebot betreffenden
pofitiven Religionen, S. 73.

Heidelberg. Troeltfch.

Jeremias, Priv.-Doz. Pff. D. Dr. Alfred: Handbuch der
altorientalilchen Geifteskultur. Mit 215 Bildern nach
den Monumenten u. 2 Sternkarten. (XVI, 366 S. m.
I Bl. Erklärgn.) Lex. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1913.

M. 10 —; geb. M. 11.20

Es ift nicht fchade, daß ich erft jetzt zu einer Be-
fprechung diefes Buches komme. Es paßt wunderbar
in die gegenwärtige Zeit, die bereit ift, altes Gezänk zu
vergeffen, tüchtig umzulernen und die Grundfteine zu
einer neuen Zukunft zu legen. — Die Verketzerung der
Richtung des Verfaffers entfprang vielfach der Bequem-
lichkeitsfcheu vor dem ,orientalifch Umlernen', das nun
einmal unumgänglich ift, wenn man die altorientalifche
Geifteskultur und ihre zahlreichen Einwirkungen bis aut
unfere Tage herab wirklich geifteswiffenfchaftlich erfaffen
und nicht nur trockene Teile davon auf den philologifchen
Faden reihen will. Jene Ablehnung vom Standpunkte
eines fchulmäßigen ,horror novi' war (vgl. Vorrede S. VII)
größtenteils fchon überwunden, als der Verf. fein Buch
zu fchreiben begann. Die fich immer fiegreicher durchfetzende
Sache veranlaßte ihn leicht zum Verzicht auf
jede perfönliche Polemik (S. VIII). Um fo reiner ift der
Genuß des fchönen Buches, das auch dem, der an einer
anderen Grundanfchauung fefthält, klar und zuverläffig
eine Überfülle neuer Erkenntniffe und zugleich neue, fefte
Blickpunkte gewährt — ein Material, um zu zehn neuen
Büchern anzuregen! — Ich zähle nicht den Inhalt fämt-
licher 20 Kapitel des vorzüglich disponierten Werkes auf,
an dem m. E. .fortan keiner vorbeigehen kann, der in
irgend einer religionswiffenfchaftlichen Sache mitzureden
das Recht haben will; ich erwähne ebenfalls nur kurz
die 215 ungemein intereffanten, in diefer Reichhaltigkeit
nirgendwo beieinander zu findenden Abbildungen und
Ernft F. Weidners zum erften Male gezeichnete,
äußerft wertvolle Sternkarte für den Horizont von Babylon
um 3200 v. Chr. nebft den mit ihr zur Deckung gebrachten
infchriftlichen Tierkreisbilderfiguren. Den Schwerpunkt
des ganzen Buches fehe ich in den Kapiteln III
und IV: ,Die Lehre vom Kosmos' und ,Die Lehre vom
Kreislauf. Um nur an einem Beifpiele die Unentbehr-
lichkeit diefes Werkes für jeden tiefer fchürfenden Reli-
gionsforfcher anzudeuten, fei darauf hingewiefen, daß in

der hier meifterhaft und erfchöpfend dargeftellten alt-
orientalifchen Kreislauflehre ebenfowohl die antiken Lehren
von der Präexiftenz, Unfterblichkeit, Auferftehung und
Palingenefie (fog. Seelenwanderung), wie auch Herbert
Spencers /Wiederkunft des Ähnlichen' und Friedrich
Nietzfches ,ewige Wiederkunft des Gleichen' ihre Wurzeln
haben! All das Unzureichende, das bis heute, z. B. bis
auf Falkes neufte Brofchüre herab (auch F. Laudowicz'
zwei Differtationen nur bedingt ausgenommen), über die
Präexiftenz- und Metempfychofenlehren gefchrieben worden
ift, wäre bei Kenntnis des vom Verf. dargelegten
Materials und Syftems ungefchrieben geblieben. — Zu
dem S. 195 Erörterten ift vielleicht die Bemerkung inter-
effant, daß nach Tacitus (Dialogus de oratoribus c. 16)
Cicero dem ,Weltjahre' 12954 Erdenjahre gab. — In der
,kuthäifchen Schöpfungslegende' (S. 182) fehe ich die erfte
infcbriftliche Bezeugung eines (vorausliegenden) Tote-
mismus. — Zu dem zerftückelten Ofiris (S. 2n) ift wohl
auch der zerftückelte Pelops der griechifchen Sage zu vergleichen
. — S. 69, Z. 5 v. o. lies ,babylonifchen'; S. 319, 3:
2. Mofe 20, 4; S. 231, 4: Alci (,Alcis' ift Dativ); ob das von
Tacitus Germ. c. 40 erwähnte ,vehiculum' von ihm als
Schiff gedacht ift, bezweifle ich wegen des eher auf einen
Wagen deutenden,(Hertha) vecta b ubus feminis'; übrigens
deutet Tacitus dafelbft: ,Hertha, id est terra'. — Die
vorftehenden geringen Ausftellungen zeigen, wie wenig
der Verf. zu wünfchen übrig gelaffen hat, abgefehen von
dem Wunfche, daß fein unentbehrliches Quellenwerk, das
für jeden Gebildeten leicht verftändlich gefchrieben ift,
alsbald Gemeingut aller derer fein möge, die fich vom
philofophifchen, theologifchen, religionsgefchichtlichen
oder kulturhiftorifchen Standpunkte aus mit der Geiftes-
welt des Altertums und ihres Einfluffes auf alle Folgezeit
zu befchäftigen haben.

Leipzig. Erich Bifchoff.

Wiener, Harold M., MA., LL. B.: The Pentateuchal Text,

a reply to Dr. Skinner. (Reprint from Bibliotheca
Sacra). (IV u. S. 217—268.) 8». London, E. Stock
1914. s. 6

König, Geh. Konfift.-R. Prof. D. Dr. Eduard: Die moderne
Pentateuchkritik u. ihre neuefte Bekämpfung, beurteilt.
(V, 106 S.) gr. 8°. Leipzig, A. Deichert 1914. M. 2.80

Wiener legt in einem Abdruck aus Bibliotheca
Sacra, April 1914 S. 218—268 eine Auseinanderfetzung
mit Skinner vor, der im Expositor April—September 1913
fich gegen ihn gewendet hatte. Im Vordergrund fteht
zuerft die Frage nach dem Verhältnis von Sam. und LXX,
in der zweiten Hälfte des Auffatzes wieder das Problem
der Gottesnamen.

Angefichts der Siegesgewißheit, mit der die neue
textkritifche Anfaffung des Pentateuchproblems auftritt,
ift es ein großes Verdienft von E. König, daß er in
einer gründlichen Auseinanderfetzung fpeziell mit Dahfe
ihren Wegen nachgeht. Mit unendlicher Sorgfalt, Geduld
und Sachlichkeit; perfönlich fcharf wird er nur bei Zu-
rückweifung hingeworfener Behauptungen, für die nicht
einmal ein Beweis verfucht wird. Der Gang feiner Unter-
fuchung ift folgender: ein erfter Haupteil prüft die textkritifche
Autorität des mafforetifchen Textes im allgemeinen
und fpeziell in Bezug auf die Gottesnamen nach;
der zweite unterfucht die textkritifche Autorität der LXX
und anderer Geftalten des AT, befonders hinfichtlich der
Gottesnamen; darauf folgt eine Beurteilung der neueften
Pentateuchhypothefen und endlich eine Skizzierung einer
pofitiven Begründung der richtigen literarifchen Auffaf-
fung des Pentateuchs.

Es ift hier nicht möglich, eine Vorftellung von dem
Reichtum an Details zu geben, die K. vorlegt. Beifpielsweife
fei die Einfügung einer Unterfuchung des Papyrus Nash