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Ausgabe:

1914

Spalte:

578-579

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neckel, Gustav

Titel/Untertitel:

Walhall. Studien über germanischen Jenseitsglauben 1914

Rezensent:

Mogk, ...

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

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Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

nn » 1 -«y r,y Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find a u s fc hl i e ß 1 i c h an lA A1,(.v..„ lnw

OVJ, JanrS'. NT. 20/21 Profenor D. Titius inGöttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. HJ. UKlODer IVlf*

° ' Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Owen, The Iufancy of Religion (Wobbermin).
Meckel, Walhall (Mogk).

Hurwitz, Root-Determinatives in Semitic
Speech (König).

Baumgartner, Kennen Arnos und Hofea
eine Heilseschatologie f (Volz).

Heinrici, Paulinifche Probleme (Bauer).

Ei dem, Pauli Bildvärld (Scholander).

d'Ales, l'Edit de Calliste (Koch).

S t ö ck erl, Bruder David von Augsburg (Lempp).

Schairer, Das religiöfe Volksleben am Ausgang
des Mittelalters (Bollert).

Jahrbuch fuTBrandenburgifche Kirchengefchichte
9. u. 10. Jahrg. (O. Clemen).

Hermfen, Die Wiedertäufer zu Münder in der
deutfchen Dichtung (Barge).

Ernft, Nietzfche der falfche Prophet (Schwartz-
kopff).

Spindler, Nietzfches Persönlichkeit und Lehre
im Lichte seines ,Ecce homo' (Derf.).

Blocks, Das Verhältnis der Erkenntnis zur Unendlichkeit
der Welt bei Nietzfche (Derf.).

Schaffganz, Nietzfches Gefühlslehre (Derf).

Frehn, Nietzfche und das Problem der Moral
(Derf.).

Röfener, Der Kampf ums Ich (Derf.).
Sodeur, Kierkegaard und Nietzfche (Derf.).
Kade, Rudolf Euchens noologifche Methode

(E. W. Mayer).
Hobhouse, Development and Purpose (Roy).
Villtoft, Forfoningslaeren (Schmidt).

Wolff, 25 volkstümliche Predigten über die
ganze Augsburgifche Konfeffion (Bornemann).

Ihm eis, Siehe, ich mache alles neu! (Schian).

Referate: Aalders, Sporen van Animisme in
hetOudeTedament? —Kehrhahn, De Sancti
Athanasii quae fertur contra gentes oratione.
— Gobineau, Nachgeladene Schriften. I.—
llornhaufen, Das Studium der Religion,
Theologie und Kirchen Nordamerikas in
Deutfchland. — Gott und Menfch. Religiöfe
Vorträge. — Lobe r ,Das Apodolifche Glaubensbekenntnis
bei Taufe und Konfirmation. —
Schleffing's Deutfcher Wortfehatz.

Berichtigung.

Wichtige Rezenfionen. — Neuede. Literatur.

Owen, Rect. D. C, M. A.: The Infancy of Religion. (The
S. Deiniol's Series IV.) (VII, 143 S.) gr. 8°. London,
H. Milford 1914. s. 3.60

In fieben Kapiteln behandelt der Verfaffer die Frage
nach den Anfängen der Religion. In den drei erden
werden die allgemeinen Grundprobleme befprochen, wobei
Totemismus und Tabuvorftellungen befonders berück-
fichtigt werden; die vier letzten Kapitel befchäftigen fich
dann der Reihe nach mit dem Opfer, dem Gebet, dem
Totenkult und dem Verhältnis von Religion und fozialer
Entwicklung.

Es find keine felbdändigen Unterfuchungen, die
Owen vorlegt. Aber er gibt eine zum Zweck einer erden
Orientierung wohl geeignete Einführung in die For-
fchungen feiner Gewährsmänner, zu denen in erder Linie
Brinton, Codrington, Jevons, Frazer, Marett und Robertson
Smith gehören. Owens eigene Stellungnahme zu
den Problemen — derjenigen Maretts vielfach nahekommend
— id meid befonnen und daher durchaus
beachtenswert, wenn de auch teilweife mit rein äußerlichen
oder bloß hidorifchen Kriterien arbeitet und eine
wirklich religionspfychologifche d. h. die fpezififch
religiöfen Motive herausarbeitende Betrachtung nicht
durchführt.

Das Studium der fogenannten primitiven Religion
darf gewiß in feiner Bedeutung für die religionswiffen-
fchaftliche und theologifche Gefamtaufgabe nicht über-
fchätzt werden. Aber in diefer Richtung bedeht auch
in der gegenwärtigen deutfeh-evangelifchen Theologie
keinerlei Gefahr. Wohl aber bedeht umgekehrt die Gefahr
der Unterfchätzung und Vernachläffigung diefes
Forfchungsgebietes. Daß gegen dasfelbe auch vom kirchlichen
und religiös-praktifchen Standpunkt aus keine berechtigten
Bedenken zu erheben find, belegt der Ver-
fafler der vorliegenden Schrift in fehr beachtenswerter
Weife. Er bekennt im Vorwort ausdrücklich, daß ihm
als Lehrer des Chridentums aus der Befchäftigung mit
der primitiven Religion neue und erhöhte Freudigkeit für
feine Berufsaufgabe erwachfen id.

Breslau. Georg Wobbermin.

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Neckel, Gud.: Walhall. Studien üb. german. Jenfeits-
glauben. (IV, 144 S.) gr. 8°. Dortmund, F. W. Ruhfus
1913. M. 4 —

Niemand wird der philologifchen Akribie und der
Kombinationsgabe Neckeis feine Anerkennung verfügen,
und Rhilologen werden an dem Buch ihre Freude haben.
Wer fich aber mit religionsgefchichtlichen Problemen befaßt
hat, der wird kopffchüttelnd vor diefem gelehrten
Aufbau dehen. So einig man heute id, daß Kritik des
Quellenmaterials die Grundlage aller religionsgefchichtlichen
Forfchung bilden muß, fo einig id man fich auch,
daß man mit diefer allein nicht mehr auskommt, zumal
wenn man, wie es N. getan, feine Hypothefen nur auf
dem Wortfehatz und einer zeitlich wie örtlich befchränkten
Literatur aufbaut. N. geht von der Tatfache aus, daß
Valhall, wie wir fie in Grimnismäl, Eiriksmäl und Häkon-
armäl finden, keine Halle des valr, d. h. der in der
Schlacht, Gefallenen, id, daß hier Goöheimr, dieBehaufung,
in die Oöinn nach dem Volksglauben nicht gedorbene,
fondern nur entrückte Helden (Einherjer) aufnimmt, eine
ältere Valhall verdrängt habe. In diefer älteren Walhalle
fieht er ein aus Schilden und Speeren errichtetes Obdach
auf dem Schlachtfeld Gefallener, die nach alt-
germanifchem Glauben mit ihren verwundeten Körpern
und zerhauenen ,Waffen nach dem Tode weiter vegetieren,
eine Halle, die Oöinn aus den herrenlofen Schilden und
Speeren erbaut haben foll. Valhall id demnach nach N.
urfprünglich ,ein als Halle dilifiertes Schlachtfeld' (S. 30).
So hat N. an Stelle der verfchwommenen Deutungen,
wie er die bisherigen Auslegungsverfuche nennt, die verschwommende
gefetzt, die je gemacht worden id, vor
der man wie vor einem futuridifchen Gemälde steht.
Wer hat diefes Bild gefchaffen? Wie aus den angeführten
Zeugniffen (S. 27 ff.) hervorgeht, muß man annehmen, daß
es N. dem Volksglauben zufchreibt. Diefer fchöpft aber
feine Objekte nicht aus phantadifchen Vordellungen, wie
es wohl ein einzelner Dichter tun kann, fondern aus Erfahrungen
und Erfcheinungen der Umwelt und des menfeh-
lichen Lebens. Und wo denkt fich N. diefe ältede Valhall ?
Über dem irdifchen Schlachtfeld errichtet? Ließe man
die Leichen auf dem Schlachtfeld liegen, fo zeigten fich

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