Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1914

Spalte:

513-514

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bouvier, Frédéric

Titel/Untertitel:

Magie 1914

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find aus f c hl i c ß 1 i c h an /-»/-» 11 x TOI r

39. Jahr£T. Nr. 17 Profenor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. AA. AU.gU.St JLyJL4k

Ö" Rczcnfionscxcmplarc ausfchließlich an den Verlast.

Bouvier, Magie (E. W. Mayer).

— Religion et Magie (Derf.).
SteiDleitner, Die Beicht im Zufammenhange

mit der fakralen Rechtspflege in der Antike
(Paul Wendland).
Wiener, Pentateuchal Studies (Holzinger).

— ,Wie fleht's um den Pentateuch?' (Derf.).
Weismann, Talion und öffentliche Strafe im

Mofaifchen Rechte (Derf).

Brünnow, Arabifche Chreftomathie aus Profa-
fchriftftellern (Schwally).

Schweitzer, Gefchichte der Paulinifchen For-
fchung von der Reformation bis auf die Gegenwart
(Wernle).

Mofiman, Das Zungenreden (Arnold Meyer).

Fulliquet, Precis d'histoire des Dogmes (Lob-
ftein).

Hörle. Frühmittelalterliche Mönchs- u. Klerikerbildung
in Italien (Grützmacher).

Primrofe, Mediaeval Glasgow (MacEwen).
Hohenlohe, Kreuzbüchlein 1523 (lioffert).
Hamelmann's gefchichtliche Werke II (Lerche).
Kühler, Het Socinianisme in Nederland (W.
Köhler).

Peregrinus, Der Proteftantismus in Tirol (Loe-
fche).

Aumueller, Gefchichte der Evangelifchen im
Salzburger Lande vom 15. Jahrhundert an
(Derf).

Petras, Der Begriff des Böfen in Kants Kritizismus
(Dorner).

Sydow, Der Gedanke des Ideal-Reichs in der
idealiftifchen Philofophie von Kant bis Hegel
(Hirfch).

Bosanquet, The Value and Destiny of the
Individual (Niebergall).

Schmitt, Der Wert des Staates u. die Bedeutung
des Einzelnen (Kulemann).

Die Bibel in Auswahl fürs Haus, hrsg. von
Lehmann und Petersen (BornemaDn).

Fritfchi, Schremmer u. Holzinger, Bib-
lifches Lefebuch (Bornemann).

Schii fern. Krebs, Biblifches Lefebuch. Ausg. C
(Derf).

Referate: Tucker, 18 Jahre in Uganda u. Oftafrika
. — War neck, 50 Jahre Batakmiffion
in Sumatra. — Schlunk, Die norddeutfehe
Miffion in Togo. — Winstanley, Jesus and
the Future. —Heepe, Die Organifation der
Altarpfründen an den Pfarrkirchen der Stadt
Braunfchweig im Mittelalter. — Jacobi's
Spinoza-Büchlein. — Arnold, Schleiermachers
Anteil an der preußifchen Volkserhebung
v. 1813. — Hilbert, Erfatz für das
Chriftentum!

Wichtige Rezenfionen. — Xeuefte Literatur.

Bouvier, Frederic: Magie. A la Recherche d'une Definition
. Extrait des ,Recherches de Science relig'. 1912,
Xr. 5. (S. 393—427.) gr. 8°. Paris, Bureaux des
Recherches.

— Religion et Magie. Extrait des ,Recherches de Science

relig'. 1913, Nr. 2. (S. 109—147.) gr. 8°. Ebd.

Zwei ganz intereffante, jedenfalls einein recht aktuellen
Thema gewidmete Auffätze.

Der erfte bemüht fich um genauere Beftimmungen
über das Wefen der Magie und deren Verhältnis zur
Religion. Er lehnt die Frazerfche Anfchauung ab, wonach
die Magie eigentlich nur eine Art primitiver Technik
fei; desgleichen die noch von Jevons vertretene Auffaf-
fung, daß fie fich von der Religion lediglich durch ihren
antifozialen Charakter unterfcheide; aber auch die heute
hier und dort auftauchende Lehre, daß fie es mit un-
perfönlichen Mächten, die Religion dagegen mit perfön-
lichen zu tun habe. Er knüpft an die Thefe der beiden
Soziologen Hubert und Mauß an, daß in der Magie unter
allen Umftänden die Vorftellung einer geheimnisvollen,
mehr oder weniger übernatürlichen Macht, gleichviel ob
diefe perfönlich oder unperfönlich gedacht werde, eine
Rolle fpiele, ergänzt fie aber namentlich durch den Hinweis
darauf, daß das für die Magie Charakteriftifche die
hochmütige Abficht zu meiftern und zu zwingen fei,
während in der Religion ein Bewußtfein der Abhängigkeit
und ein Geift der demütigen Unterordnung und
moralifchen Gebundenheit herrfche.

Der zweite Auffatz befchäftigt fich mit dem zeitlichen
Verhältnis von Religion und Magie. Er lehnt

— wiederum — eine Frazerfche Theorie, nämlich die
von der Priorität der Magie ab; ebenfo die Meinung
Maretts und anderer, daß das Ursprüngliche ein Zuftand
gewefen fei, in dem fich Religion und Magie noch nicht
differenziert hatten. Auch die Behauptungen des Pater
Schmidt über einen primitiven Monotheismus hält der
Autor doch nicht für hinreichend wiffenfehaftlich ge-
fichert, wenn fchon er ihnen fympathifch gegenüberfteht.
Am wahrfcheinlichflen dünkt es ihn, daß Magie und
Religion, als zwei entgegengefetzten Geiftesrichtungen

513

entfprechend, von je her nebeneinander und im Kampf
miteinander beftanden haben.

Bouvier erweift fich alles in allem als nicht fchlecht
unterrichtet und befticht, obwohl er feines Herzens
Neigungen nicht verbirgt, durch eine wohltuende Be-
fcheidenheit und Befonnenheit im Urteil.

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Steinleitner, Dr. Franz: Die Beicht im Zufammenhange mit
der fakralen Rechtspflege in der Antike. Ein Beitrag zur
näheren Kenntnis kleinafiatifch-oriental. Kulte der
Kaiferzeit. (135 S.) 8°. Leipzig, Dieterich 1913. M. 3 —

Diefe für die Religionsgefchichte überhaupt wie für
Motive und Ausdrucksmittel urchriftlicher Frömmigkeit
gleich bedeutungsvolle Arbeit nimmt zurGrundlagelydifche
und phrygifche Infchriften der Kaiferzeit, die den unteren
Schichten des Volkes angehören, vulgäre Orthographie
und viele Schreibfehler der Steinmetzen zeigen. In diefen
Infchriften bekennt (e§o(io?.oytlo9-ai) der Sünder, der fich
irgendwie gegen die Gottheit (Men, Anaitis, Apollo BoC?]-
vöc, Zeus, Sabazios u. a.) vergangen oder fonft verfehlt hat
(a/jagraveiv; auoQtla), feine Schuld, nachdem die Priefter
eine Art Beichte abgehalten haben. Dazu kommen als
Zeugen uralter fakraler Gebundenheit des Rechtes die
knidifchen Bleitafeln, die den Miffetäter durch Fluch der
Gottheit, durch die der Gefchädigte Genugtuung erlangen
will, als Anwalt und Richter überantworten. Auf einigen
maionifchen Infchriften hat die angerufene Gottheit den
Übeltäter zum Bekenntnis genötigt. Die zugrundeliegende
orientalifche Vorftellung des Verhältniffes des Gottes als
Herrn zu den Menfchen als Knechten wird gründlich erörtert
. Die Urkunden find neu ediert und kommentiert,
auf beftätigende litterarifche Zeugniffe wird hingewiefen;
ein Nachtrag weift in Auguftins 322. Sermo verwandte
Motive nach.

Einige dem N. T gemeinfame Begriffe habe ich fchon erwähnt und
verweile noch (f. Regifter) auf die Ausführungen über äo&eveia als
Sündenftrafe, rliVor/t?, innpavi'jt; und imipävEia, eiloyelv und evXoyia,
svxaqiazetv, xo).ät,(iv und xuXaazc, xi-gio*, Xitgov, Lt(y(9oe (toT &eov).
Aaßavaq wird S. 14 von n:ab „Mond", (Db/v) Tiüfiov S. 24 aus dem
Babylonifchen hergeleitet. S. 38 Analogien zu Paulus' Erlöfungsbegriff,

514