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Ausgabe:

1914 Nr. 16

Spalte:

484

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

King, Edw. G.

Titel/Untertitel:

The Poem of Job, translated in the metre of the Original 1914

Rezensent:

Volz, Paul

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483

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 16.

484

Fachorgane, zumal den ,Islam' (hrsgeg. von Prof. Becker)
ab. Die vorliegenden Artikel dienen in vorzüglicher
Weife diefem Zwecke, indem fie 1. den oftafrikanifchen
Islam behandeln (den literarifchen Charakter desfelben)
von Klamroth, 2. den in Weft- und Zentral-Sudan von
Wettermann, 3. die maurifchen Staaten von Schabinger,
4. Ägypten (altarabifcher Brauch in der ägyptifchen
Zigeunerjuftiz) von Wiener, 5. die Türkei (das Komitee
für Einheit und Fortfehritt) von Imhoff und fchließlich
6. den chinefifchen Islam von M. Hartmann. Das isla-
mifche Scheidungsrecht behandelt fehr klar Dr. Feder.
Das von Kampffmeyer (S. 1 f.) entworfene Programm
wird durch diefe Auffätze, ferner durch umfangreiche
Mitteilungen über die islamifchen Länder und Studien
fyftematifch verfolgt. Befondere Beachtung verdient das
Unternehmen, umfaffende Nachrichten über die Islamausbreitung
in Afrika aus den deutfehen Kolonien durch
Regierungsorgane und Miffionen zu fammeln. Das eingegangene
Material wird wiffenfehaftlich verarbeitet und
in diefer Zeitfchrift veröffentlicht werden.

Diefer erfte Band läßt zugleich erkennen, wie groß
die Probleme find, die noch gelöft werden müffen. Wo
der Europäer mit gebildeten Muslimen in Berührung tritt,
hat er Gelegenheit, eine eigenartige, in ihrer Weife hohe
Geifteskultur zu beobachten, die in ihren tieferen Ideen
und Gefügen noch wenig bekannt ift. Sie fteht heutigen
Tages mit der modernen Weltanfchauung im Kampfe
und ift gezwungen, fich weiter zu entwickeln (Muhammed
Abduh und verwandte Erfcheinungen). Es wäre im In-
tereffe unferer Überlegenheit über den Islam und der
Miffionstätigkeit unter den höher flehenden Muslimen von
Wichtigkeit, auch über die neueften Strömungen auf
diefem Gebiete unterrichtet zu werden.

Bonn. Horten.

Barth, Jakob: Die Pronominalbildung in den lemitirchen
Sprachen. (XV, 138 S.) 8». Leipzig, J. C. Hinrichs 1913.

M. 10—; geb. M. 13 —

Zu der vorliegenden Unterfuchung hat fich der Ver-
faffer beftimmen laffen durch die Tatfache, daß die
Pronominalbildung der femitifchen Sprachen eine Fülle
noch ungelöfter Probleme darbietet. Von den zunächft
liegenden Mitteln zu deren Löfung, der Analyfe und der
Sprachvergleichung, macht der Verfaffer ebenfo ausgiebig
wie methodifch und befonnen Gebrauch. Daß er alles nur
erreichbare Material von den älteften Sprachdenkmälern an
bis herab zu den Dialekten unferer Tage heranzieht, fichert
fchon allein feiner Unterfuchung einen bleibenden Wert.
Er begnügt fich nicht damit, die wirklich vorhandenen
Formen der verwandten Sprachen aus einander zu erklären, 1
fondern ift immer beftrebt, diefelben auf ihre einfachften
Elemente zurückzuführen. Diefe Elemente find, wie er
gezeigt hat, oft noch da nachzuweifen, wo die Sprache
bei der Pronominalbildung die früheren Komponenten
mit anderen vertaufcht hat. Kurz der Verfaffer ift zu
vielen unzweifelhaft richtigen Beobachtungen und Reful-
taten gelangt. Daß nicht alle Abfchnitte des Buches auf
gleicher Höhe flehen, und daß auch nicht wenige irrige
Schlüffe gezogen, oder falfche Auffaffungen vorgetragen
werden, ift bei der Schwierigkeit derartiger Unterfuchungen
unvermeidlich. Ich kann an diefer Stelle hiervon nur
einiges hervorheben. Die Heranziehung der hamitifchen
Idiome war nach dem Vorgange Reinifch's nicht gut zu
vermeiden, obwohl auf diefem Sprachgebiete nicht weniger
als alles noch immer höchft problematifch ift. Auch fonft
hat fich der Verf. nicht feiten dazu verleiten laffen, äußerlich
gleiche Elemente örtlich wie zeitlich weit entfernter
Dialekte ohne weiteres auf gleichen Urfprung
zurückzuführen. Solange die Entwickelungsgefchichte der
femitifchen und der hamitifchen Einzelfprachen noch nicht
näher erforfcht ift, muß fich der Sprachvergleicher der
größten Vorficht befleißigen. •

Wenn z. B. im Marokkanifchen und fonft im Maghrib vereinzelt
neben ana (ich) fich ana-ja findet, fo ift es doch fehr bedenklich, diefes affigierte
ja mit dem Anlaut des maltefifchen jynä (§ 2b), oder mit dem
Anlaut der dritten Perfon des femitifchen Imperfects (S. 90) für identifch
auszugeben. Ebenfo unerlaubt fcheint es mir, das t des fpanifch-arabifchen
henat (wir) mit dem t des affyrifchen Casus obliquus nia-ti zufammenzu-
ftellen (S. 7). Ebenfowenig kann das Suffix des Bagdad- und Moful-
Arabifchen abu-nu ,fein Vater' mit dem gleichbedeutenden ni der AgO-
fprachen urverwandt fein. Ein fehr komifches Verfehen ift dem Verf. auf
S. 128 begegnet, wo er das in den arabifchen Texten aus Mardiu öfter
vorkommende ,sultanym' mit der altarabifchen Vokativform allä-humma auf
gleiche Stufe ftellt. In Wirklichkeit ift jenes sultanym eine türkifche Form
und bedeutet ,mein Sultan'.

Diefe und viele andere Ausftellungen können aber
nicht den Dank beeinträchtigen, der dem gelehrten und
fcharffinnigen Verfaffer für feine unter allen Umftänden
wertvolle Unterfuchung gebührt.

Königsberg, i. Pr. Fr. Schwally.

Köberle, fweil. Prof. D. Juftus: Das Rätfei des Leidens.

Eine Einführung in das Buch Hiob. 2., unveränd.
Aufl. (Biblifche Zeit- u. Streitfragen, I, 1.) (32 S.) 8°.
Berlin-Lichterfelde, E.Runge 1914. M. —50

King, Edw. G., D. D.: The Poem of Job, translated in the
metre of the Original. (XII, 116 S.) 8°. Cambridge,
University Press 1914. s. 5 —

Indem Köberle den Gang der Hiobdichtung nacherzählt
und einzelne Stellen in dichterifcher Überfetzung
wiedergibt, läßt er den Lefer die unvergängliche Größe
wie die Mängel des Hiobbuches verliehen; die fchmerz-
liche Löfung der Jahwe-rede: fchweige anbetend! wird
im urfprünglichen Hiobbuch felbft durch die Ahnung
ewiger Herrlichkeit (19, 25—27) und durch die Rechtfertigung
Hiobs gegenüber den Freunden (42, 7), von
Elihu durch die Erkenntnis vom Erziehungswert des
Leidens ergänzt.

King gibt nach einer kurzen Einleitung eine Überfetzung
mit erklärenden Noten, die Überfetzung ahmt
das hebräifche Versmaß nach; die Elihu-reden find als
Anhang beigefügt. Prolog und Epilog find ältere Profa-
erzählung, aber fpäter erweitert, da die Figur des Satan
erft der perfifchen Periode angehöre.

Köberle und King fehen das Buch Hiob als ein
Lehrgedicht an, das fich bemühe, das ,Rätfei des Leidens'
zu löfen, ohne eine einheitliche oder befriedigende Löfung
geben zu können. Dies ift unrichtig, und befonders in
Köb.'s feinfinniger Brofchüre macht es fich geltend, wie
wenig diefe Auffaffung dem Dichter gerecht wird. Der
Dichter fchrieb nicht über das ,Rätfel des Leidens', er
fchrieb einen Proteft gegen das Leiden. Der Proteft
beruht darauf, daß das Leiden allgemein als die Folge
von Sünde angefehen wurde; diefe unglückliche Anficht
ift auch Hiobs Anficht und wird durch die Reden der
Freunde klar und fcharf herausgeftellt. Der Proteft
fteigert fich dadurch, daß die Freunde Hiob wehtun und
die Theorie vom Schuldleiden ganz perfönlich auf ihn
anwenden. Hiob erhebt fich zu der Hoffnung der
Wiedergenefung durch Gottes Güte und, nachdem er
diefe Hoffnung wieder fallen gelaffen hat, zur Forderung
der Gerechtigkeit.

Diefer aus dem unmittelbaren Erleben eines Frommen
herausdringende Proteft war in feiner Zeit der belle
Kämpfer gegen jene allgemeine unglückfelige Meinung
vom Schuldleiden.

Tübingen. Volz.

Feine, Geh. Konfift.-R. Prof. D. theol. Paul: Einleitung in
dasNeueTeftament. (Evangelifch-theologifcheBibliothek.)
(VIII, 271 S.) 8°. Leipzig, Quelle & Meyer 1913.

M. 4.40; geb. M. 5 —

Die evangelifch-theologifche Bibliothek bietet im vorliegenden
Bande ein knappes Lehrbuch des wichtigen