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Ausgabe:

1914 Nr. 12

Spalte:

378-379

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ubbink, Johan Gerhard

Titel/Untertitel:

Het Pragmatisme van William James, vooral in zijne beteekenis voor de Theologie 1914

Rezensent:

Regula, ...

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 12.

378

Chriftus aber ift die lebendige erlöfende Kraft fortfchrei-
tender Menfchwerdung des verborgenen Gottes und die
Idee der Menfchlichkeit oder der Gottmenfchheit.

Diele Überficht fei kein Katalog der Ketzereien
von Jv fondern helfe zur Einficht, daß er jenes Ziel des
freien und glücklichen Menfchen durch eine Gefamtan-
fchauung erreichen will, in deren Mittelpunkt der werdende
und nahe Gott der Harmonie und Freude fleht; fo follte
man ftets die Dogmatik in engfter Verbindung mit der
Ethik und der Praxis verftehen. Ift uns auch fein Optimismus
zu flach und fein Gott felbft zu gebunden, um
befreien zu können, fo ift das Ganze doch ein Verfuch,
den beglückenden und erhebenden Frohgehalt des
Evangeliums aus der perfonaliftifch-transzendenten Einrahmung
herauszunehmen und in einen perfonaliftifch-
immanenten einzufügen, und Menfchen, wenn auch nicht
feiig, fo doch glücklich, wenn auch nicht erlöft, fo doch
frei zu machen. Ganz im Stil diefer hochgemuten Religion
ift die Sprache voll und hoch, oft dithyrambifch, voller
Glück und Sonnenfchein, in dem auch die vielen dunkeln
perfönlichen Erinnerungen an das Spruchgericht und den
Auszug aus dem Pfarrhaus verfchwinden, fie ift voller
Fülle und Glanz, befonders in den Andachten aus dem
Jahr 1910. Das Ganze fpiegelt den begeifterten und
und fonnigen Mann vortrefflich wieder, der Taufenden
eine Segensquelle und ein Führer zu Gott geworden war.

Heidelberg. F. Niebergalk

Temple, William: Repton School Sermons. Studies in the
religion of the incarnation. (XI, 335 S.) 8°. London,
Macmillan & Co. 1913. s. 3.6

Der Band enthält 30 Predigten, die 1910—1912 in
der Kapelle von Repton School gehalten find. Die Bezeichnung
als Studies entfpricht nicht unferem Gebrauch;
fie bieten durchaus nicht wiffenfchaftliche, fondern prak-
tifche Gedankengänge. Aber Gedanken flecken in dielen
Reden; manche muten den Schülern in diefer Richtung
fogar fehr viel zu; einige berühren Themen, die für
Schüler ficher zu hoch find (z. B. Nr. VII). Doch entfpricht
das der im Vorwort fcharf ausgefprochenen Überzeugung
: Boys..can understand a great deal more than
they get credit for. Die religiöfen Anfchauungen der
Predigten werden charakterifiert durch die Betonung der
One, Holy, Catholic and Apostolic Church und des Com-
munion Service, durch eine gewiffe myftifche Innerlichkeit
, fowie durch Marken ErnM in der Warnung vor
einem comfortable Christendom und in der Mahnung zu
praktifcher Betätigung der Frömmigkeit, auch zur Miffion.
Für die homiletifche Methode find bezeichnend der fortlaufende
Gedankengang ohne Markierung der Einteilung,
die ruhige, gehaltene Sprache, die oft benützte Erinnerung
an Daten der Gefchichte, die nicht feltene Bezugnahme
auf die befonderen Intereffen der Schüler (bef. Nr. XXVIII
mit den Worten S. 305 über die Bedeutung der Schulkapelle
, Nr. XXX School-Affection). Der Umfang iM
keineswegs viel geringer als der bei uns übliche.
Gießen. M. Schi an.

Referate.

Hei hing, Prof. Dr. Robert: Auswahl aus griechischen Papyri.

(Sammlung Göfchen 625.) (146 S.) kl. 8». Berlin, G.J. Göfehen
1912. Geb. M. — 90

Helbings Auswahl enthält nur 24 Nummern, dafür aber
gute Überfetzungen dazu und einen reichhaltigen fprachlichen und
fachlichen Kommentar, ferner einen knappen, aber trefflich orientierenden
allgemeinen Teil und ein grammatisches Regifter zu den
Anmerkungen. Daß man viele alte Bekannte aus andern kleinern
Sammlungen trifft, ift nur ein Beweis dafür, daß das Wichtigfte
ausgewählt ift. Jedenfalls ift Helbings Büchlein zum Privatftudium
und für Seminarübungen (philologifche u. theologifche) das ge-
eignetfte billige Hilfsmittel zur erften Einführung in die Papyri.
Bafel. A. Debrunner.

Die Anftalt8erziehung m. befond. Berückficht, der Magdalenenftifte.
Frauenheime u. Verforgungshäufer. Beiträge zur Gefchichte
u. Pädagogik der Anftalten. Hrsg. im Auftrage der deutfchen
evangel. Afylkonferenz v. Paft. Lic. Thimm. gr. 8°. Kaiferswerth
, Buchhandlung der Diakoniffenanftalt 1912.
I. Zur Gefchichte der Anftaltserziehung. Mit Beiträgen v.
Prov.-Schulr. Superint. Schultz, Sem.-Dir. Uttendörfer, Paft.
DifTelhoff, Paft. Nicklas, Oberin Berta v. Maffow, Mrs. Ruppini
u. Paft. Pfeifer. (VII, 109 S.) M. 1.80. — II. Gefchichte der
Anftalten f. die gefährdete u. gefallene weibliche Jugend
(Magdalenenftifte, Frauenheime, Verforgungshäufer), v. Ober-
pred. Hinze. (VI, 187 S.) M. 3 —. — III. Gefetzliche Be-
ftimmungen, v. LandesaffelT. Dr. jur. Goeze. (51 S.) M. — 90
Der Herausgeber hat mit diefen Heften den Anfang gemacht
zur Behandlung einer fehr wichtigen Frage: die Anftaltspädagogik
erfordert eine befondere wiffenfchaftliche Behandlung, weil fie
mit anderen Verhältniffen rechnet als die Familie und die Schule,
Es ift deshalb ein verdienftvolles Unternehmen, der Anftaltserziehung
eine befondere Darftellung zu widmen. Freilich gefchieht
dies in den vorliegenden Heften nur in gefchichtlicher und ftati-
ftifcher Form: es fehlt beinahe ganz die fyftematifche Zufammen-
faffung und bei der Verfchiedenheit der Mitarbeiter und ihrer
Leiftungen hat dieSammlung noch etwasfehrungleiches. Während
im erften Heft die Aufmerkfamkeit auf die gefchichtliche Entwicklung
der Anftaltserziehung überhaupt gerichtet ift(Kloftererziehung
des Mittelalters —Jefuitenfchulen — Pietismus — Brüdergemeinde
Fliedner — Wichern — Chriftliche Internate — Englifche Anftalten
[ganz kurz] — Licht und Schattenfeiten der Anftaltserziehung
), fo befchränkt fich das zweite Heft auf eine
Gefchichte der Magdalenenafyle und Verforgungshäufer für gefallene
Mädchen. Hierbei ift die Darfteilung der Gefchichte diefer
Arbeit in der katholifchen Kirche nur ganz kurz und allgemein gehalten
; nachher ift eine fehr dankenswerte und ausführliche Charakterisierung
aller evangelifchen Anftalten gegeben, die fleh allerdings
mehr in dem Stil von Jahresberichten1 bewegt und größere
Gefichtspunkte meift vermilfen läßt. Nach Meinung des Referenten
hätten weder Schilderungen der Not noch die ihrer Entftehung
hierher gehört, noch weniger Erörterungen, was an folchen Mißständen
die Schuld trage, fondern eine Charakteriftik der verfchie-
denen Arbeitsmethoden. Das ftatiftifche Vielerlei der Bericht-
erftattung über einzelne Anftalten mußte unter fachlichen GeSichts-
punkten gruppiert werden, wie es wenigftens durch Unterfcheidung
der drei Hauptperioden gefchehen ift. Ein Adreßbuch aller be-
ftehenden Anftalten konnte dagegen fehlen. Der allgemeine Überblick
am Anfang und der Rückblick am Schluß faffen die ent-
fcheidenden Gefichtspunkte gut zufammen. Das dritte Heft bringt
eine dankenswerte Darfteilung der für folche Anftalten wichtigen
gefetzlichen Beftimmungen.

Der Referent fpricht den lebhaften Wunfeh aus, daß die
Sammlung fortgefetzt werde, aber fo, daß wirklich die Hauptge-
flehtspunkte einheitlich in den Vordergrund treten, dagegen auf
alle ftatiftifchen Referate verzichtet wird. Wir bedürfen einer
Anftaltspädagogik und der große Reichtum praktifcher Erfahrung,
den die Anftalten der inneren Million gefammelt haben, muß in
ihr zur Darftellung kommen. Dierer Grundgedanke der Sammlung
ift wertvoll, wenn auch nicht alle Beiträge, die bis jetzt vorliegen
, der Höhe der vom Herausgeber gekennzeichneten Aufgabe
entfprechen.

Greifswald. Ed. von der Goltz.

Ubbink, Johan Gerhard: Het Pragmatisme van William James,

vooral in zijne beteekenis voor de Theologie. (Auf dem Einband
: De pragmatifche Philofophie van William James en
haar begrip van waarheit.) Academifch proeffchrift. (V, XIII,
377 S.) gr. 8«. Arnhem 1912.
Eine sehr umfangreiche Differtation zur Erlangung der
theol. Doktorwürde bei der freien Univerfität in Amfterdam.
In der Einleitung wird der James'fche Pragmatismus erklärt als
,Wirklichkeitsphilofophie gegenüber der Hegel'fchen Abftraktion'.
Oder wie La Sauflaye fich ausdrückt: ,die Vertreter diefer Richtung
wenden fich ab von der Abftraktion, wollen das Leben tiefer
gründen und treten ein für die Rechte des Willens und Glaubens1.
Kapitel 1 handelt von J.'s Perfönlichkeit und feiner meifterhaften,
bezaubernden Schreibweife, 2 von der Methode und den Refultaten
feiner wiffenfehaftlichen Arbeit. Mit Kapitel 3 geht der Verf. zur
Religion über und fpricht von dem Willen zum Glauben und in
4 von J.'s Pragmatismus in feinem neuen Begriff von der Wahrheit
. Der letztere Gedanke wird in Kapitel 5 weiter verfolgt, indem
der Urfprung und die Verwandtschaft des pragmatifchen Wahr-