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Ausgabe:

1914 Nr. 12

Spalte:

357-358

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hammer, Heinrich

Titel/Untertitel:

Traktat vom Samaritanermessias. Studien zur Frage der Existenz und Abstammung Jesu 1914

Rezensent:

Kahle, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 12.

358

der Brieftvechfel zwifchen Abgar und Tiberius. Die Quellen der Stücke
find, vielleicht grundfatzlich, nicht angegeben.

Als ausgezeichnete Neuerung ift aus der Grammatik
der § 37 h hervorzuheben, wo die Eigentümlichkeiten der
Verba mit b g d p k t zufammengeftellt find. Diefer
Paragraph kann den Anfänger zu fcharfer Beobachtung
und zu gründlichem Nachdenken erziehen. Unter den
Evangelientexten hätte man im Intereffe der Theologen,
aufweiche das Büchlein rechnet, einen Text aus der Syra
sinaitica gewünfcht und zwar einen recht ftark von der
Pefch. abweichenden.

In der Chreftomathie wären noch einige Erklärungen mehr am
Platze gewefen. So hätte S. 44* zu 1 »m B II 2 unbedingt bemerkt
werden müflen, daß der 1 Ti-v^Z L^tk, die LXX, gemeint ift, welche
in Gen. 1,2 bietet: ») äh yÜf ffv äöpatog xal axataaxtiaatoq. Ermüdend
wirken im Büchlein de überaus vielen Vcrweifiingen. Mehrere Paragraphen
der Satzlehre beliehen nur aus folchen, und namentlich auch die
Lautlehre ift damit überladen. In den fchon umfangreichen Druckfehler-
verzeichniflen find noch nicht alle Kleinigkeiten enthalten.

Daflenfen, Kr. Einbeck. Hugo Duenfing.

Apt, Naftali: Die Hiobserzählung in der arabifchen Literatur-

1. Tl.: Zwei arabifche Hiobhandfchriften der Kgl. Bibliothek
zu Berlin hrsg., verglichen u. überfetzt. Diff.
(Heidelberg). (71 S.) gr. 8°. Kirchhain N.-L. 1913.

Die bekannteften und am leichterten zugänglichen
Texte der arabifchen Prophetenlegenden finden fich in
den Weltchroniken des Tabarl und Ibn el-Athlr fowie in
des Th'älibi Spezialwerk. Die vorliegende Ausgabe der
Hiobslegende, die nach zwei Berliner Handfchriften der
Sammlung Petermann I gemacht ift, weicht von den oben
genannten Texten vielfach ab und bietet einige Züge, die
in jenen überhaupt nicht vorkommen. Die philologifche
Behandlung des vorliegenden Textes kann man im allgemeinen
billigen, ebenfo die Überfetzung, obwohl diefelbe
durch das Beftreben möglichft großer Wörtlichkeit vielfach
ungefchickt und fteif geraten ift.

Vgl. z. B. S. 15, Z. 13 f. ,Wi(Iet, daß mir die Macht zu einer fo
günftigen Gelegenheit gegeben worden ift', — S. 19, Z. 21 f. ,und trug
ihn zum äußerften Teile eines Feldes von diefem Lande', S. 23, 5 fr. jetzt
ift dein Lager von Erde nach den aus Indien Kämmenden Betten, und
dein Kiflen find die Steine nach den aufgefchichteten Polftcrn'. Das ift
geradezu fürchterliches Deutfch. Es müßte heißen: ,während du früher
indifche Matratzen (hohe Polfter) hatteft' ufw. Von falfch überfetzten Stellen
find mir folgende aufgefallen, obwohl ich längft nicht alles verglichen
habe: Die Worte iäarw»do ^^sz^^j «G'^Laj ^jLaaj S. 34 bedeuten
nicht ,indem fie mit ihm zufammen beteten und mit ihm zufammen
Gott priefen' (S. 13, Z. 13 v. u.), fondern .indem fie nach feinem Vorgange
Gebet und Lobpreis verrichteten'. Gemeint ift, daß bei dem Gottes-
dienft Hiob als Imäm (Vorbeter) fungierte. — S. 19, 14 muß es heißen: ,daß

du weißt', S. 19, 32 .indem fie ihm zuvor erzählt hatte'. i_2ujjl t-ira-zs S.
54, 2 heißt nicht: ,da fetzte fich Hiob in Bewegung', fondern ,da kroch
Hiob heran'. |^JlA»JI cAÄ* (J3 shjj-tö (j heißt nicht ,0 über diefe
beiden Männer', fondern ,wie lehne ich mich nach diefen beiden Männern'
(den Engeln Gabriel und Michael).

Königsberg i. Pr. F. Schwally.

Hammer, Heinrich: Traktat vom Samaritanermeflias. Studien
zur Frage der Exiftenz u. Abftammg. Jefu. (III, 101 S.)
8". Bonn, C. Georgi 1913. M. 2.50

Der Verf. will nichts geringeres als den Nachweis
führen, daß der famaritanifche Fanatiker, der, wie Jofephus
(Ant. 18, 4,1—2) berichtet, den Samaritanern verfprach,
er werde ihnen die auf dem Garizim von Mofe vergrabenen
Tempelgefäße zeigen, der dann im Kampfe mit den rö-
mifchen Soldaten des Pilatus gefangen und hingerichtet
wurde, niemand anders alsjefus fei. Jefus und feine Jünger
— außer Paulus — feien Samaritaner gewefen. H. ver-
fichert am Schluße feines Buches ausdrücklich, daß er
von dem, was er behaupte, felbft auch überzeugt fei, und
bittet feine Glaubensgenoffen, ihm zu verzeihen, wenn er
ihnen das Verdienft abfprechen muß, diefen Genius hervorgebracht
zu haben.

Die Ausführungen des Verf. zeugen im allgemeinen von
einer fo geringen Kenntnis des in Betracht kommenden

Materials, daß es an fich nicht nötig wäre, an diefer Stelle
überhaupt auf fein Buch einzugehen. Aber dies Buch hat
doch ein Verdienft: Es weift einige Stellen nach, an denen
Pentateuchzitate im NT. weder zu MT. noch zu LXX, wohl
aber zum Text der Samaritaner ftimmen. Befonders deutlich
ift das Act. 7,4, wo vorausgefetzt ift, daß Abraham
nach dem Tode feines Vaters aus Haran nach Kanaan
zog, eine Berechnung, die nur zu den in Sam. fich findenden
Zahlen ftimmt. Das ift keine neue Erkenntnis (vgl.
etwa Ed. Böhl, Die at.lichen Zitate im NT., Wien 1878
S. 126 — Dittmars ,Vetus Testamentum in Novo' verfagt
hier vollftändig —), aber fie fcheint neueren Kommentatoren
der Apoftelgefchichte unbekannt zu fein (vgl. z. B.
Preufchen!), trotzdem fie darauf hinweifen, daß Philo diefelbe
Berechnung vorausfetzt. Die Tatfache, daß Philo
und der Verf. der Apoftelgefchichte den Text von Gen.
an den in Betracht kommenden Stellen fo gelefen haben,
wie der Sam., weift doch darauf hin, daß diefer Text in
der Zeit des NT. auch außerhalb der famaritanifchen
Gemeinden noch verbreitet gewefen fein muß. Gewiß
haben die Samaritaner in ihrem Texte einige dogmatifche
Korrekturen angebracht. Daß fie aber an fich einen Text
angenommen haben follten, der bei den Juden nicht auch
in Anfehn ftand, ift von vornherein unwahrfcheinlich. Es
wäre fehr wohl möglich, daß auch die Auffüllungen aus
Parallelftellen und die Umftellungen, die der famaritanifche
Text bietet, wenigftens zum Teil in von Juden benutzten
Texten vorhanden waren. Mit Recht weift Hammer darauf
hin, daß z. B. das merkwürdige Mißverftändnis in
Hebr. 9, 3—4 fich leichter aus der Lektüre des jetzigen
famaritanifchen Textes erklärt, der Ex. 30,1—10 mit einer
charakteriftifchen Variante hinter Ex. 26,35 bringt, und
auch in Ex. 40, 27 ein fi1i"P iJSb einfügt, als aus der Lektüre
des jetzigen maforetifchen Textes. Ich möchte überhaupt
davor warnen, daß man die Einheitlichkeit des Konfonanten-
textes, wie er jetzt in MT. vorliegt, in zu frühe Zeit verlegt
; MT. ift ficher erft in nachchriftlicher Zeit endgültig
feftgeftellt worden, und daß er überall durchdrang, ift die
Folge der Arbeit der Maforeten. Eine gründliche Unter-
fuchung der neuteftamentlichen Pentateuchzitate — und
etwa auch der bei Philo — auf ihr Verhältnis zu der Text-
geftalt, die uns heute noch in Sam. vorliegt, wäre fehr zu
wünfchen. Aber auch an fich verdiente der Pentateuch
der Samaritaner eine erneute gründliche Unterfuchung. Seit
Gefenius' 181 5 erfchienener,Commentatio' hat fich nur Sam.
Kohn ex officio mit diefem Texte befchäftigt, und beider
Refultate verlangen dringend eine Revifion. Daß man eine
folche Textgeftalt lediglich zu gelegentlicher Verbefferung
einzelner Anftöße im maforetifchen Texte verwendet, im
übrigen aber in den gebräuchlichen Kommentaren, Gram
matiken und Lexika feine Varianten nie ernfthaft berückficht
, ift doch gewiß nicht das Richtige. Hoffentlich wird
die von Frh. von Gall vorbereitete neue Ausgabe diefes
Textes, deren erfte Lieferung eben erfchienen ift, zu erneuter
eingehender Befchäftigung mit ihm anregen.

Seitdem übrigens in Ägypten die erften Refte der
griechifchen Überfetzung diefes Textes gefunden find, und
damit die Exiftenz diefer Überfetzung ficher geftellt ift,
wird man mehr als bisher mit der Möglichkeit rechnen
müffen, daß feine Lesarten auch in griechifcher Geftalt
weitere Verbreitung gefunden haben könnten.

Halle (Saale).__P. Kahle.

Kühl, Prof. D. Dr. Ernft: Der Brief des Paulus an die Römer,

ausgelegt. (XV, 511 S.) Lex.-8°. Leipzig, Quelle &
Meyer 1913. M. 12-—; geb. M. 14 —

— Das Verhältnis des Apoftels Paulus zum Judentum und Ju-
denchriftentum. (16 S.) 8°. Ofterode a. H., Giebel &
Oehlfchläger 1913. M. —.40

Kühls Erklärung des Römerbriefs war urfprünglich für

die Kommentarreihe der Ev.-theol. Bibliothek (herausg.

von Beß) beftimmt und erfcheint nun, da fie dort aus