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Ausgabe:

1914 Nr. 12

Spalte:

356-357

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ungnad, Arthur

Titel/Untertitel:

Syrische Grammatik. Mit Übungsbuch 1914

Rezensent:

Duensing, Hugo

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 12.

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difchen Altertums vorwiegend Kollektivarbeit' war, ein Hinweis, für deffen
nutzbringende weitere Verwertung wohl noch manche Gelegenheit fich
bieten wird, der Vorfchlag zum Ausgleich (S. 243) Zwilchen dem grie-
chifchen Lebensprinzip der Betonung, Steigerung der Perfönlichkeit und
dem buddhiflifchen der Aufgabe der Perfönlichkeit zu dem höheren Prinzip
der Verbindung beider, d. h., wie Ref. den Kompromiß formulieren möchte:
zu dem Prinzip, zugleich die Perfönlichkeit zur höchften Tüchtigkeit zu
fteigern und diefe Tüchtigkeit mit Aufopferung des Eigenintereffes in den
Dienft der Allgemeinheit zu ftellen.

Auf der andern Seite gibt es freilich auch manche
Einzelheit, der man nicht beipflichten kann. So S. 117
die Anficht, ,daß Buddha felbft unter dem Nirväna nichts
anderes verftanden' habe als die totale Aufhebung aller
Exiftenz'. Buddha hat fich gegen diefe Auffaffung, den
fogenannten ucchedaväda, vielmehr fort und fort ausdrücklich
verwahrt. Von der Aufhebung der Exiftenz
kann bei ihm deshalb überhaupt nicht die Rede fein, weil
er von Exiftenz gar nicht gefprochen wiffen will; es kommt
ihm darauf an, das Wort ,fein' oder ,nicht fein' auf etwas,
was kein Sein, fondern nur Erfcheinen ift, als nicht an-
gemeffen gar nicht anzuwenden. Nirväna ift das Aufhören
der Auffaffung der Erfcheinungen als realer Dinge
und des Intereffes dafür, nicht mehr und nicht weniger.

Der Satz von S. 137, daß ,Mythologie ältefle Poefie' fei, ift zu be-
ftreiten oder jedenfalls nur in genügend bedingtem Sinne gutzuheißen. Der
Hauptfache nach ift Mythologie, wie fie hier gemeint ift, nichts andres
als das Stadium des Nichtmehrverftehens, der Mißdeutung, fymbolifcher
Ausdrucksweife. — Der Ausfpruch von S. 211 ,Es ift höchft wahrfchein-
lich und meines Wiffens allgemein angenommen, daß fchon auf dem erften
buddhiftifchen Konzil, welches gleich nach des Meißens Tode ftattfand,
die direkten Ausfprüche Buddhas für den Kanon zufammengeftellt wurden'
und (S. 248) die Bezeichnung der Überlieferung vom ,erften buddhiftifchen
Konzil fchon wenige Monate nach dem Tode des Meifters' als .durchaus
vertrauenswürdige Tradition' dürfte fchwerlich vielfeitigen Beifall finden,
und das von Rechts wegen. — ,Das Rollen und Schleudern von Bällen
und Eiern' hat, fcheint es uns, nicht den ,Zweck, die Bewegung der Sonne
zu fördern' (S. 354), fondern ift eine Nachwirkung des Mythus vom Welte!.
Auch das Ofterei hängt wohl mit diefem zufammen. —

Über noch manche anderen religionsgefchichtlichen
Einzelheiten der Kapitel ,Altarifche Religion' und ,Über
den Glauben an ein höchftes gutes Wefen bei den Ariern'
ift, wie fchon bemerkt, Ref. anderer Meinung als der Ver-
faffer, das darf aber nicht hindern, den prinzipiell hohen
Wert namentlich diefer Kapitel nachdrücklichft anzuerkennen
.

Königsberg i/Pr. R. Otto Franke.

Baege, Wernerus: De Macedonum sacris. (Dissertationes
philologicae Haienses. XXII, i.) (IX, 244 S.) gr. 8°.
Halle, M. Niemeyer 1913. M. 7—

Die Götter werden der Reihe nach behandelt; für
jeden werden in der Folge der Kultorte die Zeugniffe
der Autoren, Infchriften, Denkmäler, Münzen aufgeführt.
Die Deutung bildlicher Darftellungen und die Beziehung
der Götterattribute ift mitunter ftrittig. Die Kenntnis der
Kulte wird öfter bereichert durch Schlüffe aus theophoren
Orts- und Perfonennamen. — Öfter wird den Göttern ein
vom Kultort abgeleitetes Attribut beigelegt. Heroenkulte
werden S. 201 ff. ausführlich behandelt, göttlicher Kult
makedonifcher Herrfcher und römifcher Kaifer gelegentlich
berührt.

Die Makedonen waren nach O. Hoffmann (Die Make-
donen, Göttingen 1905) ein griechifcher Stamm und feit dem
S.Jahrh. zufehends in die gemeingriechifche Kultur einbezogen
. Natürlich hatte auch diefer Stamm feine befonderen
Göttergeftalten wie AgavTiösc (= 'Eqivevc, nach Bechtel
gleichen Stammes S. 63), den Kriegsgott QavXioq (urfprüng-
lich theffalifchr S. 63h) den Schlafgott Towrjq {S. 181 f.),
die den Chariten ähnlichen EvöaXayZvsg (sv und Stamm
von fXeXyco S. 121 f.) und vor allem EaßaCwg den Gott
der Ekftafe, der aber in der Überlieferung faft ganz in
den griechifchen Aiövvoog aufgegangen ift (S. 77 ff). Aber
in diefes primäre Stratum dringen wir nur ausnahmsweife
vor, und nur vermuten können wir, daß andere griechifche
Hauptgötter auch den Makedonen eigen gewefen find.
Größer ift der Ertrag der fleißigen und forgfamen Arbeit

für die allgemeine Religionsgefchichte. Da finden wir in
verfchiedenen Schichten die phrygifche Göttermutter {Mä)
und mit ihr konkurrierend die Thrakerinnen Bendis und
Kotys, abftrakte Perfonifikationen verfchiedener Zeiten ufw.
Ich hebe noch ferner das merkwürdige Hundeopfer zur
Luftration des Heeres (S. 223 ff), die Darfteilung von Toten
in Göttergeftalt (S. 141a), den Zevg viptazog(S. 8.18) hervor.

Güttingen. P. Wendland.

Ungnad, Prof. Dr. Arth.: Syrifche Grammatik. Mit Übungsbuch
. (Clavis linguarum semiticarum, ed. Herrn. L.
Strack, pars VII.) (IX, 123 u. 100 S.) München, C. H.
Beck 1913. Geb. M. 5.50

Diefe neue Grammatik ift in erfter Linie für folche
beftimmt, die nicht die Sprache um der Sprache willen,
fondern als Schlüffel zur fyrifchen Literatur lernen wollen.
Früher hat wohl mancher fich an der Hand der Paradigmen
der Rödigerfchen Chreftomathie und unter Beihülfe
mündlicher Erklärungen eines Dozenten in diefes
Gebiet eingearbeitet. Das vorliegende Buch umfaßt neben
den erforderlichen Paradigmen alle nötigen Erklärungen.
Auf den Zweck hin angefehn, den Zugang zur Literatur
zu eröffnen, enthält es fogar manches Unnötige. Ich
würde felbft auf die Gefahr hin, unmodern zu erfcheinen,
das phonetifche Material gänzlich befeitigen, die Überficht
S. 12 ftreichen und die betreffenden Ausdrücke in der
Grammatik durch zufammenfaffende Buchftabenbezeich-
nung, eventuell durch Ausdrücke wie Hauchlaute ufw.
erfetzen. Denn dem Anfänger find jene phonetifchen
Bezeichnungen nicht geläufig, fondern er muß fich zu-
nächft um ein Verftändnis derfelben bemühen, um dann
das zu verliehen, was durch fie erläutert werden foll.
Überhaupt genügt die rein befchreibende Methode, welche
den vorliegenden Beftand und die vorkommenden Wandlungen
feftftellt, vollkommen. Es braucht nicht immer
erklärt zu werden, warum die vorkommenden Wandlungen
möglich find. Denn daß fie möglich find, fieht man fchon
daran, daß fie wirklich find. Neben der Ausmerzung der
phonetifchen Materien würde ich auch eine Befchränkung
der vielen hypothetifchen Urformen und Vorgänge, die
dem vorliegenden Sprachbeftande vorangegangen find,
im Intereffe des Anfängers für wünfehenswert halten.

Gewiß erklärt fich z. B. das 1 in nettel möglicher Weife fo, daß
ein urfprüngliches Schluß-Nun fich der häufig mit diefem Verbum verbundenen
Präpofition La affimilierte S. 67. Aber wer will beweifen, daß
es wirklich fo entftanden ift? Solche Sachen find m. E. beffer nicht als
felbftverftändliches Lehrmaterial, das mit allem Tatfächlichen auf gleicher
Linie liegt, zu bieten, fondern vielleicht in Kleindruck oder in Noten als
mögliche Erklärung der im Text gegebenen Formen einzuführen.

Solche Scheidung des Mutmaßlichen von dem Sicheren
würde noch größere Klarheit und Überfichtlichkeit ermöglichen
und außerdem auch eine Raumerfparnis bedeuten,
die zur Ergänzung durch anderes Tatfachenmaterial benutzt
werden könnte. Das alles foll nicht ein Tadel fein,
fondern die Andeutung eines Weges, auf dem diefes kleine
vortreffliche Buch vielleicht noch brauchbarer werden
könnte, nämlich in Anfehung des Zweckes, die Voraus-
fetzungen zur Lektüre zu befchaffen; denn rein fprach-
lichen Intereffen wird ein Büchlein von dem vorliegenden
Umfange kaum ausreichend dienen können. Die Grammatik
wird auf 98 Oktavfeiten gegeben. Auf der letzten
Seite find noch u Bücher zum Weiterftudium namhaft
gemacht. Von S. 99—123 folgen die Paradigmen und
endlich mit befonderer Paginierung die Übungen und
Lefeftücke mit angefchloffenem Gloffar auf 100 Seiten.

Die zusammenhängenden Lefeftücke umfaffen 6 Bibelkapitel (Gen. i,
Pfalm 120, Matth. 2 und 13, Luc. 5, und 1. Cor. 13), dann die Belagerung
von Amid durch die Perfer (502I3 n. Chr.), ein Stück aus der Doc-
trina Addai, eine Probe aus dem pfeudoephrämfehen Kommentar (zu Gen.
I, 1—5), das Martyrium des Timotheus aus Eufebs paläftiuifchen Märtyrern
Kap. III, ein Stück aus dem Leben des heiligen Salllta in nefto-
rianifcher Schrift, zu dem der Verfaffer zwei merkwürdigerweife nicht
namhaft gemachte Handfchrifteu verglichen hat, und endlich in Eftrangelo