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Ausgabe:

1914 Nr. 10

Spalte:

314-315

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Laudien, Arthur

Titel/Untertitel:

Griechische Papyri aus Oxyrhynchos. Für den Schulgebrauch ausgewählt 1914

Rezensent:

Debrunner, Albert

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 10.

314

SachBe, Prof. D. theol. Eug.: Evangelifche Homiletik. Ein

Leitfaden für Studierende u. Kandidaten. (Sammlung
theologifcher Lehrbücher.) (IX, 182 S.) gr. 8°. Leipzig
, A. Deichert Nachf. 1913. M. 3.60; geb. M. 450

In der fast die Hälfte des Buches umfaffenden Einleitung
macht S. zuerft das Wefen der Rede und dann
im Unterfchiede von ihr das der Predigt klar; beides
durch kurze gefchichtliche Ausführungen. Dann kommt
eine eingehende Gefchichte der Homiletik (S. 13—48), in
der S. einen Theoretiker der Predigt nach dem andern
bis in die Gegenwart hinein behandelt. Darauf folgt ein
Abfchnitt über Wefen und Aufgabe der Predigt, die als
freie Verkündigung des göttlichen Wortes zur Erbauung
der Gemeinde auf Chriftum beftimmt und von der weltlichen
Rede als einer Beeinfluffung des Willens unterfchie-
den wird. In den Abfchnitt über den Prediger, der die
üblichen Anforderungen an feine geiftige und gemütliche
Ausbildung enthält, ift eine große Auseinanderfetzung
mit der modernen Theologie eingefügt, S. 60—72, die mit
den Worten fchließt: ,wer das Bekenntnis von der göttlichen
Würde Jefu Christi, von der Verföhnung durch
feinen Tod, von feiner Auferftehung verwirft, ift nicht
Prediger des Evangeliums'. Endlich beginnt der eigentlichen
Homiletik erfter Teil, die Lehre vom Stoff der
Predigt, welcher in der Offenbarung in Chrifto erkannt
wird, der im Unterfchied von der ganzen Schrift diefe
Offenbarung vorzüglich enthält. Außer der Schrift ift
noch das Studium von Mufterpredigten und der Verkehr
mit der Gemeinde für die Auffindung von Themata zu
empfehlen. Nach wohlüberlegtem Plane folche finden zu
lehren, ift die Aufgabe der Allgemeinen Topik. Nicht
die Dogmatik noch die fechs Arten des Hyperius, fondern
das Kirchenjahr hilft den Stoff für die Gemeindepredigt
finden. S. gibt auf S. 89—116 Texte und Gedanken
zu den Zeiten des Kirchenjahres, denen fich folche
für die Cafualien anfchließen. Die Befondere Topik behandelt
den Text und das Thema als folche unter den
üblichen Gefichtspunkten, und zwar mit manchen praktischen
Winken, darauf Beweis, Widerlegung und Befchluß;
diefer letztere, die conclusio wird ausführlicher behandelt,
indem eine gute willens-pfychologifche Erörterung anleitet,
die Fragen, was wir erkennen können, was wir tun follen
und was wir hoffen dürfen, zu beantworten. Der zweite
Teil S. 151—182 behandelt die Form der Predigt; die
üblichen loci werden hier klar und praktifch befprochen.

Aus diefer ausführlichen Skizze geht unfere Stellung
zu diefer jüngften Homiletik fchon hervor: es ift die alte
Homiletik, die, wie fie den alten dogmatifchen Standpunkt
vertritt, fo auch den alten homiletifchen Standpunkt nicht
verlaffen will. Studenten und Kandidaten, für die das
Buch beftimmt ift, dürften viel vermiffen oder entbehren,
wenn fie nur etwas von Fragen der Zeit berührt worden
find. Wir jüngeren Homiletiker find ganz anders gerichtet;
wir haben aus dem Geift der Zeit, nicht ohne der analogen
Art und befonders der homiletifchen Fragestellung
der Autklärung einen gefchichtlich verftändlichen Zoll zu
entrichten, wir haben ganz andere Ziele und Wege erwählt
. Wir find ganz anders für die Wirklichkeit des
Lebens eingenommen, wir fchwanken vielleicht zu fehr
von dem Wort-Gottes-Standpunkt, der auch S. die Rückficht
auf das äußere und innere Leben der Gegenwart
gleichgültiger betrachten lehrt, nach dem Leben hinüber;
doch fuchen wir die Vereinigung von Text und Leben.
Wir find ganz anders als S., aber ganz wie die Aufklärung,
eingestellt auf die Individualisierung der Predigt; von
Stadt- und Dorfpredigt, von Predigten in Großstädten
und in Induftriegemeinden, hört man bei ihm gar nichts.
Es fehlt ganz der Herzton des Werbens um die neue
Zeit, die Freude, heute fo modern zu fein, wie diefe Art
einmal modern war. Das ift ohne Zweifel der Schatten
von allmählich hiftorifch werdendem Hiftorizismus, daß er
nichts Neues zu fagen hat An Ausführungen über das,

was gewefen ift, werden praktifche Ratfchläge geknüpft,
die nicht immer aus jenen hiftorifchen Ausführungen gewonnen
worden find. Darum fehlt die Einficht in die
Notwendigkeit all diefer homiletifchen Gedanken. Einen
ganz anderen, wirklich wiffenfehaftlichen und nicht fchein-
wiffenfchaftlichen Charakter bekäme die Lehre von einer
kirchlichen Tätigkeit, wenn fie aus dem Ziel, der Aufgabe
und dem erfahrungsmäßigen Bestand der wirklichen
und nicht der erträumten Gemeinde heraus, unterstützt
von einer geistvoll verwendeten Gefchichte, große
Grundfätze formte, deren Übertragung in bestimmte Ge-
meindeverhältniffe fie dem pfychologifch, praktifch und
gefchichtlich gefchulten Sinne des Pfarrers überlaffen
könnte.

Heidelberg. F. Niebergall.

Barnard, H. C, M. A., B. Litt: The Utile Schools of

Port-Royal. (X, 263 S. m. Abbildgn.) 8°. Cambridge,
University Press 1913. s. 7.6

Üder bie Erziehungsanftalten der .Einsiedler von Port-
Royal' waren wir bisher in der Hauptfache nur aus den
Werken von Sainte-Beuve, Port-Royal 5 Bde. 1846—
1860 und Carre, Les Pedagogues de Port-Royal 1868
unterrichtet. Die Darltellung in denfelben fußt auf
Mitteilungen, welche aus Quellen geflohen find, die unmittelbar
auf Port-Royal zurückgehen und darum im
Ganzen zuverläffig find. Der Verfaffer der vorstehend
genannten Schrift hat nicht nur diefe Quellen und jene
zufammenfaffenden Darftellungen benutzt, fondern ihm
stand außerdem eine umfangreiche Sammlung einfchläg-
licher Schriften für feine Ausarbeitung zu Gebote, die zum-
teil den Forfchern bisher unbekannt geblieben waren.
So hat er unfere Kenntnis des einst von janfeniftifchem
Geiste beeinflußten Erziehungswefens der petites ecoles
von Port-Royal 1643—1709 wefentlich erweitert. In
gründlichen Untersuchungen macht er mit den Erziehungszielen
, die in ihnen für Knaben und Mädchen
verfolgt wurden, und mit den Mitteln zu deren Erreichung
bekannt, und gibt einen genaueren Einblick in die Unterrichtsmethoden
, die verfolgt wurden und bei denen der
Einfluß von Ratke und Comenius in grundlegenden Prinzipien
, vielleicht auch von Ickelfamer, der freilich nicht
genannt wird, hinfichtlich der in diefen Schulen angewandten
Lautiermethode beim Lefenlernen, nachweisbar
ift. Wir erhalten durch den Verfaffer auch einen genaueren
Überblick über die verfchiedenen, durchweg tüchtigen
Lehrkräfte in diefen Anstalten und die in ihnen entstandenen
und gebrauchten Lehrbücher. So wird denjenigen
, die fich mit der Erforfchung der Gefchichte der
Pädagogik in Frankreich während der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts befchäftigen, von dem Verfaffer eine
gründlich orientierende Handhabe zu weitergehenden
Studien dargeboten, die ihrer Beachtung warm empfohlen
werden kann.

Göttingen. K. Knoke.

Referate.

Witkowski, Stanislaus: Epiftulae privatae Graecae, quae in papy-
ris aetatis Lagidarum servantur. Ed. altera auetior. (XXXVII,
194 S. m. 1 Taf.) kl. 8». Leipzig, B. G. Teubner 1911.

M. 2.25; geb. M. 3.40

Laudien, Oberlehr. Dr. Arthur: Griechirche Papyri aus Oxyrhynchos.

Für den Schulgebrauch ausgewählt. (VIII, 58 S.) 8°. Berlin,
Weidmann 1912. M- !-4°

Bei der anerkannten Wichtigkeit der Papyri für die fprach-
liche Erforfchung des Neuen Testaments wird fleh mancher Leier
gern über das Erfcheinen kleinerer Papyrus-Chreftomathien orientieren
laffen.

Witkowski's Sammlung hatte fchon in der erften Auflage
den Vorzug, von einem Kenner vieler Papyrusoriginale zu stammen
und durch einen Kommentar, einen Grammatikabriß und
ein Wortregister die fprachliche Ausbeutung außerordentlich zu