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Ausgabe:

1914 Nr. 1

Spalte:

6-8

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dreisner, Kurt

Titel/Untertitel:

Auferstehungshoffnung und Pneumagedanke bei Paulus 1914

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 1.

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lieh mit der Erklärung von Arnos und Hofea befchäf-
tigte, ihm ift jetzt endlich der zweite Teil gefolgt, der
die Erklärung von Micha, Zephanja und Nahum durch
J. M. P. Smith, die von Habakuk durch W. H. Ward und
endlich die von Obadja und Joel durch J. A. Bewer bringt.
Die Hauptarbeit in diefem Bande hat Smith geleiftet,
von dem etwa zwei Drittel des vorliegenden Bandes
flammen: die Arbeit zeichnet fich durch umfaffende Kenntnis
der gefamten Literatur, durch philologifche Akribie
und durch forgfam abwägendes Urteil aus. Als echten
Kern des Michabuches fieht er wefentlich nur c 1—3 an
(excl. 1, 7. 13b. 2, 12. 13), dazu kommen vielleicht 4, 14.
5, 9—12. 6, 9—16 und 7, 1—6. In C4 fcheidet er V4.5,
in c 5 die w 2 und 13. 14, die Zufätze zu 5, 9—12
find, als Gloffen aus. Aber auch abgefehen von ihnen
find c 4. 5 keine Einheit, fondern eine Reihe felbftändiger
Stücke: 4,1—3; 6—10; 11—13. 5, 1. 3; 4. 5; 6—8, von ihnen
haben nur 4, 11—13 und 5, 6—8 denfelben Hintergrund
und atmen denfelben Geilt, alle anderen Stücke flehen
felbftändig für fich. Auch in den beiden letzten Kapp,
liegt die Sache ähnlich: hier haben wir, abgefehen von
den fchon vorhererwähnten Stücken: 6, 1—5; 6—8.
7, 7—10; 11—13 und 14—20, von denen 7, 7—10 und
14—20 dieielbe Situation vorausfetzen: fie flammen aus
der Zeit nach der Wirkfamkeit des Esra und Nehemja,
während 7, 11—13 in die Zeit nach dem Fall Jerufalems
und vor Wiederaufrichtung feiner Mauern gehört. Man
mag im Einzelnen Bedenken tragen, Sm. zuzuftimmen, — fo
ift es mir zweifelhaft, ob 4, 4 wirklich als Gloffe anzufeilen
ift, ebenfo wird man betreffs der von Sm. angenommenen
Form der Darftellung des Buches M. da und
dort ein Fragezeichen zu machen haben, — in allem
Wefentlichen aber kann Ref. nur Sm. zuftimmen.

In Zeph. fieht Sm. in c i die vv 3 b. ilb. 13 b. 18b, in
c 2 die vv 2b. 3. 7a c als Gloffen an, ebenfo find in c 2
die vv 8. 9, zu denen 10. 11 eine Erweiterung bringen,
Zufätze aus dem Exil, auch v 15, der im Gegenfatz zu

2, 13. 14 die Zerftörung Ninivehs vorausfetzt, ift Zufatz.
In c 3 fieht Sm. nur 1—5 als urfprünglich an, in 3, 6, 7
liegt vielleicht altes Material vor, jedenfalls aber flehen
die w nicht an ihrer urfprünglichen Stelle. Die vv 3, 8.
11—13 flammen aus nachexil. Zeit, die dazwifchenflehenden
vv 9. 10 unterbrechen den Zufammenhang und nehmen
eine andere Stellung den Heiden gegenüber ein; auch

3, 14—20, in denen die v 16. 20 eine Erweiterung find,
gehören der nachexiiifchen Zeit an. Auch Sm. legt diefe
Kapp, in die erften Jahre der Regierung des Jofias vor
feine Reform, nur dürfte er dann gut tun, feine Auslegung
von 1, 4 zu revidieren: der MT, wie man ihn
auch erklären mag, bietet für diefe Zeitbeftimmung
Schwierigkeiten und es wird fich fragen, ob es nicht
doch geraten ift mit LXX 065 ft. 1«© zu lefen.

Das Buch des Nahum zerfällt nach Sm. in folgende
vier Teile: 1) 1, 2—10 Rache Jahves an feinen Feinden,
2) 1, 12. 13. 2, 1. 3 Worte des Troftes anjuda, 3) 1, II.
14. 2, 2. 4—14 Fall Ninives, 4) 3, 1—19 das drohende
und unvermeidliche Ende. Die Schrift flammt nach Sm.
aus der Zeit unmittelbar vor dem Fall Ninives. M. E.
ift diefe Anfchauung unhaltbar, weil 3, 8 ff. ihr fehr erhebliche
Schwierigkeiten bereiten, man wird wohl das
Buch um einige Jahrzehnte früher anfetzen müffen, was
nach den feiner Zeit von Kleinert St. Kr. 1910, S. 501 ff.
dargelegten Gründen keinerlei Schwierigkeiten bietet.

Das Buch Obadja fieht J. A. Bewer wie die deutfehen
Kritiker als aus einem älteren Teil v 1—14. 15b und
einem jüngeren v 15 a, 16—21 beflehend an, nur fcheidet
er fich dann von den meiften deutfehen Erklärern, daß
ihm v 6. 8. 9 nicht Gloffen, fondern urfprünglicher Beftand-
teil des Textes find. Aber feine Beweisführung S. 36
fcheint mir nicht überzeugend. In der Zeitbeftimmung
ift B. im Wefentlichen mit der der deutfehen kritifchen
Schule einig.

In Bezug auf Joel geht B. befondere Wege. Nach

ihm befteht das Buch aus c 1. 2 (excl. 1, 15. 2, ib. 2.
10. II. 26b. 27) und 3, 1—4a. 4, 2a. 9—14a. Aus diefen
beiden Stücken hat der Herausgeber unfer Buch her-
geftellt, indem er eine Reihe von Interpolationen einfügte
1, 15. 2, ib. 2act. 6. 10. 11. 26b. 27. 3, 4b. 5.
4, 14b—17. 18—21, zu denen in noch fpäterer Zeit
4, 4—8 kamen. Was die Zeit der Entftehung angeht,
fo fetzt B. Joel nach Nehemja, Maleachi und Obadja,
wahrfcheinlich fchrieb der Editor auch nach der Eroberung
Jerufalems unter Artaxerxes Ochus (352) und
vor dem Fall von Sidon. Zweifellos gibt B. mannigfache
Anregungen für die Erklärung des Buches, ob aber
namentlich feine Ausfcheidungen fich mit überzeugenden
Gründen verteidigen laffen, ift dem Ref. fehr fraglich,
gerade bei diefer apokalypt. eschatologifchen Literatur erfordert
die Anwendung diefes Mittels die äußerfte Vorficht
, die Annahme eines feilen gefchloffenen Zufammen-
hanges trifft für diefe Literatur nicht zu.

Die Erklärung des Habakuk hat W. H. Ward übernommen
. Im Gegenfatz zu Duhm, aber auch zu Giefe-
brecht, Wellhaufen, Budde u. a. fieht er das Buch wefentlich
als Einheit an. Es beginnt mit der Klage 1, 2—4, auf
die I, 5—II die Antwort geben. Auf die zweite Klage
I, 12—17 folgt nach der Mahnung, auf Jahves Antwort
zu warten 2,1 die Weifung Jahves in 2, 2. 3, an die fich
das Orakel 2, 4. 5 reiht, 2, 6ff. bringen die Flüche, an
die fich der Pfalm c 3 anfchließt.

Gewiß kann die Kürze einer Erklärung ein großer
Vorzug fein; wenn aber W. meint, auf 4 SS. die Fragen
der Abfaffung und der Zeit genügend befprechen zu
können, wenn er für die Erklärung des Buches, die Erörterung
der überaus fchwierigen Fragen des Zufammen-
hangs ufw. mit der Überfetzung gerade 20 SS. braucht,
fo beweift das doch, daß er feine Aufgabe fich zu leicht
gemacht und die Schwierigkeit der vorliegenden Probleme
nicht erkannt hat; eine Arbeit wie die Duhm's durfte
nicht mit fo wenigfagenden Wendungen abgetan werden.
Es ift bezeichnend, daß W. im Unterfchied von Smith
und Bewer eine Überficht über die Gefchichte der
Literatur bezw. eine Zufammenftellung derfelben ganz
unterlaffen hat. Vielleicht zieht er für eine Neubearbeitung
Kommentare, wie die von Katwijk u. a. heran,
die ihn auf die Größe der Schwierigkeiten aufmerkfam
machen können. Die Arbeit fleht nicht auf der Höhe
der Erklärungen von Smith und Bewer.

Straßburg. W. Nowack.

Deißner, Lic. Kurt: Auferltehungshoffnung und Pneumagedanke
bei Paulus. (VI, 157 S.) 8°. Leipzig, A.Deichert,
Nachf. 1912. M. 3.50

Das Hauptbeftreben des Verfaffers geht auf den
Nachweis, daß die Pneumalehre des Paulus nicht dazu
geführt habe, den Auferftehungsgedanken und feine Bedeutung
in feiner Theologie abzufchwächen oder gar zu
verdrängen. Vielmehr liege hier durchaus eine Einheit
im paulinifchen Denken vor. Das fucht D. durch eine
forgfältige Analyfe der betreffenden einfehlägigen Stellen
(I. Theff. 4, I. Kor. 15, II. Kor. 5) zu erweifen. Ich glaube,
daß es ihm wenigftens an einem Punkte gelungen ift, die
landläufige kritifche Vorftellung von einer Entwicklung
der Gedanken von I. Theff. 4 bis II. Kor. 5 zu erfchüttern.
Ich glaube mit D., daß P. II. Kor. 5,1 ff. nicht feine per-
fönliche Hoffnung, daß er fofort nach feinem Tode den
himmlifchen Leib empfangen werde, im Gegenfatz zu
feinen früheren Erwartungen ausfpricht, fondern daß er
auch hier nur die allgemeine Hoffnung der Gläubigen
zum Ausdruck bringt, daß der himmlifche Leib (auch
im Falle ihres Todes) für fie bereit liege und ihnen in
dem großen Moment der Auferftehung (refp. der Parufie
Chrifti) zu Teil werde.

Damit find nun freilich keineswegs die Rätfei der
paulinifchen Theologie alle gelöft. Eines diefer Rätfei

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