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1914

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253

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Grabreden hervorragender Kanzelredner der Gegenwart “Talithakumi”. Gesammelt u. hrsg. v. Pfr. Anton 1914

Rezensent:

Schian, Martin

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retifierende Dogmatiker den Wert ihrer Gedanken erproben. Es muß, gebrauchen, ilt vorhanden. Man darf daher annehmen, daß

wird ihnen nicht fchaden! die vorhandenen Fragmente nur die Überreite eines großen Kör-

Wer nach alle dem noch immer glaubt, er hätte es hier mit ! pers von Dichtungen find, die fich wahrfcheinlich durch eine

füßlicher banaler Erbauungsliteratur zu tun, der fei auf die Perfon j lange Periode hin erltreckt haben. — In den ,Schweich Lectures'

des Verfaffers aufmerkfam gemacht: Paul Seippel ift einer der i über die frühe Poefle von Israel, die G. A. Smith im Dezember

tüchtigftenfchweizerifchenliterarifchenKräfte.Hochfchulprofeiror; ' 1910 gehalten hat, handelte er von den Überreifen einer Poefle,

im übrigen religiös neutral ftehend. Wie großartig muß die Perfön- | welche er der Periode vor dem 8. Jahrhundert v. Chr. zuzu-

lichkeit Adele Kamm's gewefen fein, vom chriftlichen, aber auch ! fchreiben dachte, alfo in die Zeit der großen Propheten verfetzte,

vom allgemein menfchlichen Gefichtspunkte aus, daß er fleh | Bei ihrer Prüfung fand er, daß fie in jeder Stufe durch die alte

bewogen fühlte, dem kleinen Mädchen dies Denkmal zu fetzen! 1 arabifche Poeße illuftriert werden könnten. Lyall erfaßte das

Genf. Raoul Ho ff mann.

Grabreden hervorragender Kanzelredner der Gegenwart »TalithakumP.

Gefammelt u. hrsg. v. Pfr. Anton. (VIII, 224 S.) gr. 8°. Berlin
-Lichterfelde, E. Runge 1913. M. 2.75; geb. M. 3.75
Eine eigenartige Sammlung: 40 Grabreden, faft alle in Groß.
Berlin und Potsdam von 15 verfchiedenen Rednern, darunter weithin
bekannte (Dryander, Goens, Keßler, Lahufen, H. Scholz,
Stolte), gehalten. Eine ganze Anzahl gewinnt dadurch befonderes

Problem von der andern Seite, um Schlürfe aus der merkwürdigen
Ähnlichkeit der beiden Literaturen zu ziehen. Er legte befonderen
Wert auf das Beharren der Lebens-und Gefellfchaftsbedingungen
auf der arabifchen Halbinfel und in der fyrifchen Wüßte, die von
Jahrhundert zu Jahrhundert fleh fo ganz außergewöhnlich wenig
verändert haben. Wenn man die Lebensbedingungen betrachtet,
wie fie in den alten arabifchen Poefien erfcheinen, und fie mit
den Beobachtungen von Reifenden von heutzutage vergleicht, fo
Intereffe" daß die Verftorbenen, denen fie galten und die mit Namen j läßt ficn ^obl erkennen, daß in den 13 Jahrhunderten feit dem
angeführt find, gleichfalls hervorragende Perfönlichkeiten waren; i Erfcheinen Muhammeds die Lebensbedingungen in Arabien fich

O. von Leixner, Frhr. von Liliencron, Feldmarfchall von Hahnke,
Prof. Curtius, D. Wefer u. a. Eine Sammlung diefer Art gibt
felbftverftändlich unter dem Gefichtspunkt der Kafualrede viel
zu denken und zu lernen. Die Verfchiedenheit der Gaben und
der Methode der einzelnen Redner macht fleh bemerkbar, aber
auch gewifTe gemeinfame Züge treten hervor, namentlich der
Wunfeh, das perfönliche Moment fo energifch als möglich mit
der Evangeliumsbezeugung zu verbinden. Die Fälle, bei denen
das am fchwerften wird, fehlen freilich in der Sammlung; de
vertrüge, ja fie fordert eigentlich eine Ergänzung durch Reden bei
den böfen und fchlimmen Fällen der Großftadtpraxis.
Gießen. M. Schian.

Mitteilungen.

8. Um Kants Grab. Den neuerdings hervorgetretenen
Beftrebungen, die Grabftätte Kants in Königsberg — eine dürftige
und baufällige Kapelle — durch ein würdiges Monument zu
erfetzen, hat fich auch die Kant-Gefellfchaft mit folgender
Erklärung angefchloffen:

Der Verwaltungsausrchuß der K ant-Gef el lfch aft begrüßt
das neuerdings von Königsberg ausgehende Beftreben, für Kant
endlich eine würdige Grabftätte zu fchaffen, und wird es nach
Kräften unterftützen. Auf Grund der Tatfachen und ihrer Vor-
gefchichte geht die Meinung des Verwaltungsausrchuffes im Befonderen
dahin: Das Befte wäre, die Überrefte des großen Toten
an ihrem gegenwärtigen Orte zu belaffen: er bedeutet der Uni-

verfität wie der Stadtgemeinde Königsberg feit alten Zeiten eine ! Israels entftanden find, und ferner in das des ausgearbeiteten

kaum geändert haben. Geht man noch weiter zurück, fo findet
man auch, daß, was das alte Teftament aus der Patriarchenzeit
und aus dem Stammesleben Israels bis zur Errichtung des Königtums
erzählt, in ganz außergewöhnlicher Weife mit dem Status
der Gefellfchaft harmoniert, wie die alte arabifche Poefle ihn
zeigt. Da fich die Dinge fo verhalten, ift es keine gewagte Konjektur
, wenn man fagt, daß zur Zeit, als die alten hebräifchen
Poefien entftanden, ähnliche Poefieformen unter den Israel benachbarten
arabifchen Stämmen in Übung waren, unter den
Söhnen von Midian, Ismael und Edom. Zur Illuftration diefer
Hypothefe wurde Deborahs Sang und die Klage Davids über den
Tod von Saul und Jonathan geprüft und die Ähnlichkeiten mit
der arabifchen Poefle ausgelegt. — Von diefer Poetle natürlicher
Emotion weitergehend, betrachtete Lyall die hebräifche Poefle
von künftlerifcher Ausarbeitung, wie fie im Buch Hiob (Kap. 38.39)
vor uns liegt, und legte Wert auf die bemerkenswerte Ähnlichkeit
zwifchen den Befchreibungen der Wüftenfauna in diefen
Kapiteln und den Gemälden aus dem Tierleben, wie die Oden
klaffifcher arabifcher Dichter fie aufweiten. Diefe Ähnlichkeiten,
auf die Lyall bereits in einem Vortrag vom November 1911 gekommen
war, können unmöglich Entlehnungen fein; fie müffen
vielmehr der Exiftenz eines gleichzeitigen Stiles malerifcher
Poetle in Arabien zugefchrieben werden, in welches Land der
Autor das Drama von Hiob gelegt hat. Aus diefer arabifchen
Poetle ältefter Zeiten ift die der klaffifchen Periode entfprungen.
Die Urfprünge der arabirchen poetifchen Traditionen müffen in
das Zeitalter zurückgelegt werden, in dem die Poefien des frühen

Stätte pietätvollen Gedenkens; er ift geweiht durch die urfprüng- i Stiles, welcher in die Periode des Buches Hiob (500—400 v. Chr.)

liehe Beftattung Kants und durch die Verehrung von Generationen
Unerläßlich aber wäre es dann, diefe Stätte und ihre Umgebung
architektonifch auf das Gründlichfte umzugeftalten. Sollte das
technifch unmöglich fein, fo wären die Gebeine zu exhumieren
und an den künftlerifch wie menfehlich für die Dauer geeig-
netlt-n Ort Königsbergs zu verbringen. In jedem Falle gebührt
dem tiefiten Denker der Deutfchen eine eigene, aus ihrer Umgebung
klar hervorgehobene, monumentale Grabftätte.
Ferner ift es notwendig, daß Kants Grab auf Jahrhunderte
hinaus jedem Verehrer ohne Weiteres zugänglich
bleibe. Eine Beftattung im Inneren der Domkirche erfcheint
mit diefen Forderungen kaum vereinbar. Endlich follte zur Ge-

zu fetzen ift.

München. M. Maas.

10. Die ,unbekannte Salomo-Schrift', von der Harnack in Nr. 7
der ThLZ Sp. 222 fpricht, aus der die Worte Itammen ,Felix vir,
qui post aurum non abiit, qui potuit transgredi et non est trans-
gressus et facere male et non fecit. quis est hic. . . et conlauda-
bimus eum', ilt wohlbekannt, nämlich Sirach 31,8—10.

München. Hugo Koch.

Wichtige Rezenfionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Blumenthalftr. 18
Raltung des Raumes und gegebenenfalls fchon zur Auswahl des Bezügl Hinweist und Sendungen sind jederzeit erwünscht.

Platzes einer der künftlerifch bewährteften Architekten
Deutfchlands herangezogen werden. Die notwendigen Geldmittel
werden in Kurzem aufzubringen fein. Das Unternehmen ilt nicht
befenrankt auf die zunächlt Verpflichteten. Alle Deutfchen geht
es an. Ja, die gefamte Kulturwelt ift dafür aufzurufen.

Meurer: Das kathol. Ordenswefen (v. Rönnecke: ThLtber 1913, 2; v.
G: LtZtrbl 1913, 4; v. FGiefe: DtfchLtz 1913, 2; v. Linneborn: Lt-
RdichKathDtfchT 1913, 9; v. CFey: ThLtbl 1913, 20).
Mezger: Die Abfolutheit d. Chriftentums i. d. Relgefch. (v. PAlfaric:
RevCrit 1913, 9; v. FTraub: DtfchLtz 1913, 36; v. WKoch: ThQuartfch
9. In der Januarfitzung der Royal Asiatic Society fprach Sir I 4, v. JMausbach: ThRev ,913, «9; *. ThSchoell: AnnBiblTb

I it erVf .ir^'d e sA D eö T ' ^' ^ h 6 Poefie und d i e h e b r äif ch e ! Milligan: The N. Test, documents (SaturdRev 1913, r9»PG Athen 19.3,

,."e/- I o t " Te,ftaments. Lyall ging davon aus, daß 1 zgmarch; v. JGMachen: PrincetThRev 1913, 4).

die truhelten Reite der alten arabifchen Poefie, die auf uns ge- Mitchell: Comm. on Haggai and Zecariah (v. EKönig: ThLtbl 1913, 1;

kommen find, obwohl fie nicht weiter zurückreichen als in das 1 v. HMWiener: BibliothScr 1913, apr; v. JTouzard: RevBibl 1913, 2;

Ende des 5. oder Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr., doch in I v.SACook:JouinThStudi9i3,july;v.HCreelman: AmerJournTh 1913 3).

einer Form zu uns gekommen find, welche auf eine lange vorher- ~ Jhe f1 icsT of *? °- Test" (*■ ^Th 191 O

penanoene Fntwicklune fchließen ISP.» aii„ •■/■ u v Jordan: AmerJournTh 1913, 2; v. YVbtaerk: AWicnin 1913, 3).

gegangene Entwicklung lcniieuen laßt. Alle poetifchen Konven- N/( ß. D Ezechid in Theol. u. Kunft (v. JAEndres: ThRev 1913, 3;

tionen Itehen dann feit, die Metren und Reimregeln find fixiert "vs-LlzirMwV 5 v OScheel: ZWfchTh 1913, 2; v. CMKauf-

und eine gemeinfame poetifche Sprachform, welche alle Dichter mann-.'LtRdfchKathDtfchl 1913, 5; BiblZ 1913, 3)-

ohne Rückficht auf den Stammesdialekt, der doch exiftiert haben Niebergall: Prakt. Auslegung d. A. Ted. (v. MPeters: ThLtbl 1913, 4;