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Ausgabe:

1914 Nr. 8

Spalte:

237

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Budge, E. A. Wallis

Titel/Untertitel:

Coptic Apocrypha in the Dialect of Upper Egypt 1914

Rezensent:

Rahlfs, Alfred

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237

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 8.

238

während Vallarsi für Alpinum canem, albinum canem las. Warum Te- werden, läßt fich vorausfehen. Intereflant war mir vor

lagius als ,wrißer' Hund von Hierouymus bezeichnet wurde, war mir aUem wie Wagner den Nachweifen Riemanns und

unerklärlich. Jetzt ift der Sinn klar, Pelagius wird von Hieronymus ein g , ' d ß dJ polyphonen Mellen der angegebenen

Uber die Alpen gekommener Hund genannt der aus Irland herftammt. / S > uXeiib yon Inltrurnenten begleitet ge-

Alle Forfcher auf dem Gebiet der alten Kirchen-
gefchichte find Reiter für feine mühevolle Neuausgabe
des Jeremiaskommentars des Hieronymus, die m. E. von
abfchließendem Charakter ift, zu wärmftem Dank verpflichtet
.

Heidelberg. G. Grützmacher.

Budge, E. A.Wallis, M. A., Litt. D.: Coptic Apocrypha in the

Dialect of Upper Egypt. Edited, with english translations

by B. (LXXVI, 404 S. m. 58 Taf.) 8°. London, British

Museum 1913.

Im vorigen Jahrgang Sp. 3—5 habe ich gezeigt, daß
Budge's Ausgabe der ,Coptic biblical Texts' von Fehlern j denklichen Freiheiten naturgemäß abhold erfcheinen. Daß

wefen find, teils zuftimmt, teils diefe Thefe noch verstärkt
(Tournaier Meffen). Andererfeits werden gewifle Übertreibungen
Scherings, fo weit ich fehen kann, mit Glück
abgelehnt, fo die Behauptung, die erften Meffen Paleftrinas
feien als Orgelmeffen zu betrachten. Das allmähliche
Vordringen vokalen Geiftes im 16. Jahrhundert wird überzeugend
zur Anfchauung gebracht. Für die begleitende
oder mit dem Chorgelang alternierende Tätigkeit der
Orgel an anderen Orten werden dagegen neue Belege
geboten. Das Urteil des Verfaffers ift allenthalben vor-
fichtig abwägend, gelegentlich (Heinrich Ifaak) wohl von
einigem Enthufiasmus beeinflußt. Seine korrekt kirchliche
Haltung läßt ihn allen Neigungen zu liturgifch be-

geradezu wimmelt, und Budge nicht imftande ift, einen | gewifle moderniftifche Wiener Ketzereien fchwerlich Gnade
koptifchen Text herauszugeben. Daß ich nicht zu fcharf I vor ihm finden werden, macht eine gelegentlich gegebene

geurteilt hatte, bewies bald darauf ein ,for private circu-
lation' gedrucktes Heft von Sir Herbert Thompson: ,The
new biblical Papyrus. A Sahidic Version of Deuteronomy,
Jonah, and Acts of the Apostles from MS. Or. 7594 of
the British Museum. Notes and a Collation. 1913', in

Kritik an Schuberts Meffen fchon heute deutlich. Übrigens
werden Vertreter der ,neuen Lehre' (Claude Goudimel,
Georg Rhau und vor allem Hans Leo Haßler) fympathifch
beurteilt. Auf ganz befondere Teilnahme darf bei pro-
teftantifchen Lehrern der Typus der Mufikmeffe zählen,

welchem der Verfaffer auf 31 Seiten Lex.-8° die haupt- der deutfche Choralmotive — oft den ganzen Beftand des
fächlichften Fehler der Ausgabe Budge's auf Grund einer 1 Ordinariums beherrfchend — aufweift. Es handelt fich

neuen Kollation der Hf. verbefferte. Jetzt habe ich fchon
wieder eine koptifche Publikation Budge's anzuzeigen.
Ihr Inhalt, der durch den Titel ,Coptic Apocrypha' nicht
recht zutreffend bezeichnet wird, ift wiederum fehr wichtig

z. B. um die Melodien von ,Wo der Herr nicht baut das
Haus', Jefus ift ein füßer Nam', ,Was mein. Gott will,
das g'fcheh allzeit' (II me suffit de tous mes maulx). Die
letzteren beiden finden fich in einer 6, bzw. 4ftimmigen

und intereffant: I. The Book of the Resurrection of Jesus , Meffe von Laffus, in denen er allen Teilen des Ordinariums
Christ, bv Bartholomew the Apostle (mit Anhang: The Life den hedmaßigen Charakter bewahrt oder vielmehr gibt,
of Saint Bartholomew. From the Ethiopic Synaxarium). Ift Wagners Buch mit zahllofenNotenbeifpielenausgeftattet,
II. The Repose of Saint John the Evangelist and Apostle. i fo bietet es, nach einer umfänglichen Würdigung Paleftrinas
IU. The Mysteries of Saint John the Apostle and Holy als des Gipfels der gefamten Entwicklung, in einem An-
Virgin. IV. The Life of Bishop Pisentius, by John the : hange zum erftenmal die 4ftimmige Meffe de beata virgine
Eider. V. Encomium on John the Baptist, by Saint John des Morales (als Beifpiel eines polyphonen Choraldinariums)
Chrvsostom. VI. The Instructions of Apa Pachomius. I und die Missa dominicalis des Viadana (als erfte Meffe
Bei' der Kritik der Ausgabe brauche ich mich diesmal ' in konzertierendem Stil für eine Singftimme mit Begleitung),
nicht aufzuhalten, denn fchon S. Gaselee hat im Journal j Das vornehm ausgeftattete Werk ift nicht frei von Druck-
of Theological Studies Bd. 15 (Oct. 1913), S. 129—132 verfehen f.lapidal'S. 347; ,nach feinem Tote'349; .könenn'
gezeigt, daß fowohl die koptifchen Texte als die eng- 35L .ecclesiam apostolicum' 383; .Italiäner'451), auch in
lifchen Überfetzungen durch viele Fehler entftellt find, ; den Notenbeifpielen (z. B. S. 401, 2. Takt: lies e ftatt d).
und ift zu dem Schluß gekommen, ,that in the present Straßburg i. E. J. Smend.

publication the British Museum has not done justice either__

to itself or to the public'. Einen Vorzug diefer Publi- i

kation vor der früheren muß ich jedoch hervorheben: Prou, M.: Chancel carolingien orne d'entre lacs ä Schaennis

das erfte, befonders intereffante Stück ift auf Anordnung J (Canton de Saint-Gall). (Extrait.) (18 S. mit 7 Taf.)
der Trustees des British Museum außer im Typendruck Lex.-8°. Paris, C. Klinckfieck 1912. Fr. 3.20

auch in einem vollftändigen Fakfimile herausgegeben i _. , , . . . , . , ,. ,

(48 Tafeln). Die Trustees mögen auf diefem Wege nur Die letzten Jahre haben in der Oftfchweiz anfehnhche

fortfchreiten und alle wichtigen Texte in Fakfimiles her- ; Ausbeute für den Beftand und für die Erkenntnis der kirchausgeben
; auf Budge's Abdruck und Überfetzung der ! hc^.en Denkmäler des frühen Mittelalters gebracht. Die

Texte wollen wir dann gern verzichten

Göttingen. A. Rahlfs.

Wagner, Pet: Gefchichte der Melle. 1. TL: Bis 1600.
(Kleine Handbücher der Mufikgefchichte nach Gattungen
. XL Bd., 1.) (VIII, 548 S.) Leipzig, Breitkopf
& Härtel 1913. M. 12—; geb. M. 14 —

Der bekannte Mufikhiftoriker in Freiburg (Schweiz), .
Schüler von Jacobsthal, Bellermann und Spitta, bietet in j bringt, läßt erkennen, wie wenig ficher die Schlüffe hier

in Schännis, an der Grenze des alten Rhätien, gefundenen
Reliefplatten, Teile von Chorfchranken, haben eine befondere
Befprechung durch den ausgezeichnetften Kenner
der merowingifchen Denkmäler erhalten. Prou ftellt fie
mit ähnlichen, datierten zufammen und gewinnt für ihre
Entftehung durch inhaltliche und ftiliftifche Vergleichung
die Zeit Karls des Großen. Ich halte diefe Anfetzung für
wahrfcheinlich, aber auch nicht für mehr als das. Allein
fchon die Verfchiedenheit der zeitlich fixierbaren Ver-
gleichsftücke, deren er einige feltenere in Abbildung bei-

diefem ausgezeichneten Buche als erfter eine Darftellung j nur fein können. Der inhaltlich wertvollfte der Funde ift
der Gefchichte der Meffe in ihrer mufikalifchen Form, die Platte mit dem Kreuze im Weinftocke, der aus einem
zunachft für das 15. und 16. Jahrhundert. Er benutzt da- | Gefäß herauswächft; das ornamentale Prachtftück ift die

bei in großem Umfange bisher nicht veröffentlichte Quellen
und kommt infolgedeffen zu gutenteils neuen Ergebniffen
oder doch zu wertvollen Berichtigungen und Ergänzungen
unferer Erkenntniffe. Daß diefe Forfchungen zugleich zu

Darftellung eines sog. .Korbbodens'. Diefe ift wie hier
unweit vom Walenfee und gleicherweife am Comerfee
außer den vom Verf. angeführten Beifpielen auch in Mals
(Südtirol) und in Ferentino (Latium) nachzuweifen. Auch

einer ganzen Reihe weiterer Arbeiten die Anregung bieten | jenes für die religiöfe Empfindung wie für die künftlerifche