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Ausgabe:

1914

Spalte:

210-211

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hold, Karl

Titel/Untertitel:

Austria Sancta. Die Heiligen u. Seligen Niederösterreichs. II. Seit dem Regierungsantritte der Habsburger 1914

Rezensent:

Völker, Karl

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 7.

210

peratorem' vom Jahr 1530: An der Übertragung der
erfteren Schrift aus dem Deutfchen ins Englifche war
fchon damals Lawrence A. McLouth als Überfetzer beteiligt
, der nun auch als Mitarbeiter zu der vorliegenden
engUfchen Ausgabe von Zwingiis Werken herbeigezogen
ift. Diefe englifche Biographie Zwingiis hat es feit ihrem
Erfcheinen zu einer 2. Auflage gebracht, was ausdrücklich
hier erwähnt werden foll, um das Intereffe zu zeichnen,
das die englifch-amerikanifche Welt an dem Unternehmen
der gelehrten Herausgeber und Verfaffer genommen hat.
Es mag fein, daß gerade diefer Erfolg den Herausgeber
der Biographie, Samuel Macauley Jackfon, ermutigt hat,
im Verein mit feinen wiffenfchaftlichen Freunden eine
englifche Überfetzung der Werke Zwingiis zu wagen und
dem Publikum vorzulegen.

Wie die von dem Herausgeber verfaßte Vorrede,
welche das Datum vom 20. Mai 1912 trägt, beweift, find
die Überfetzer und Herausgeber mit der größtmöglichften
Vorficht verfahren. DenndieVorredeorientiertinwünfchens-
wertefter Weife über alle feit dem 16. Jahrhundert er-
fchienenen Ausgaben von Zwingiis Werken, eine Leiftung,
die freilich durch G. Finslers meifter- und mufterhafte
Zwingli-Bibliographie fehr wefentlich erleichtert, ja eigentlich
erft möglich geworden ift. Begonnen wurden die
Vorarbeiten zu der vorliegenden englifchen Überfetzung
noch ehe die neue Zwingliausgabe von Egli und Finsler,
nun von Köhler und Finsler, zu erfcheinen anfing. Diefer
Umftand gab den Herausgebern die Veranlaffung, mit
den genannten Herausgebern fich ins Benehmen zu fetzen,
um die Erlaubnis zur Benutzung der neuen Ausgabe für
die englifche Überfetzung zu erlangen. Zur Urkunde
deffen ift nicht bloß ein gedruckter Abdruck des Schreibens
des Herrn D. G. Finsler beigegeben, worin den Herausgebern
die Mitteilung von der Erteilung diefer Erlaubnis
durch die Herausgeber und Verleger der deutfchen Ausgabe
gemacht wird, fondern auch eine fakfimilierte Nachbildung
des Schreibens des Herrn D. G. Finsler, durch
den diefe Verhandlungen geführt worden find. Leider
ift der Leiter und Herausgeber der englifch-amerikanifchen
Ausgabe, Sam. Macauley Jackfon, fchon am 2. Auguft 1912
als Profeffor der Kirchengefchichte in Newyork geftorben;
doch ift nach einer Mitteilung in den .Zwingliana' von
der Hand des Herrn Profeffors D. W. Köhler in Zürich
(Zwingliana II, S. 510) der Fortgang des Unternehmens
dadurch gefichert, daß Profeffor W. W. Rockwell, Verfaffer
einer Monographie über die Doppelehe des Landgrafen
Philipp von Heffen, die Leitung übernommen hat.

Es ift fehr verdienftlich, daß der Überfetzung der in
dem erften Bande enthaltenen Schriften Zwingiis eine
englifche Überfetzung der von Oswald Myconius im Jahr
1532 verfaßten und 1536 zum erftenmal gedruckten Schrift
,de Huldrichi Zwingiii fortissimi herois et theologi doc-
tissimii vita et obitu' vorangedruckt ift. Diefe ältefte
Biographie aus der Hand eines der vertrauteften Freunde
Zwingiis behält ihren bleibenden Wert und verdient heute
noch fo gut, wie Luthers Leben von Melanchthon, Me-
lanchthons Leben von Camerarius und Calvins Leben
von Beza, gelefen zu werden, wie denn auch A. Neander
diefe vier vitae fchon im Jahr 1841 zufammen herausgegeben
hat.

Der Herausgeber des vorliegenden Bandes folgt der
im 1. Bande der neuen Ausgabe von Egli eingehaltenen
Ordnung, jedoch mit folgenden Ausnahmen:

1. Der Dialogus (Egli und Finsler I, S. 38 in Klammer angeführt)
läuft bei Jackfon als Nr. III S. 48; 2. die Abfchrift der paulinifchen Briefe,
bei Egli u. Finsler in einer Anmerkung I, S. 61 befprochen, ift in der
engl. Ausgabe als V S. 55 befprochen; 3. das ,Consilium cujusdam, das,
als unrichtig Zwingli zugefchrieben, in der Ausgabe von Egli u. Finsler
weggelaffen ift (I, S. 434 Anm. 1), ift als VII unter Verweifung auf die
in der Vorrede S. IXf. gegebene Begründung aufgenommen; 4. der Brief
an Erasmus Fabricius (Egli u. Finsler I, 142 ff.) ift ohne die Einleitung
(Egli u. Finsler I, S. 137—141) eingefügt; als XI, XII, XIII und XIV
folgen dann in der englifchen Ausgabe noch die Nummern 10, ir, 12,
13 bei Egli und Finsler. Folglich erreicht der 1. Band der englifchen
Überfetzung durchaus nicht den Umfang des 1. Bandes der Ausgabe von

Egli u. Finsler, welcher noch die Schriften Zwingiis bis Mitte 1523 umfaßt
, darunter insbefondere auch die Verhandlungen der I. Züricher
Disputation.

So dankenswert diefe Überfetzung ift, fofern fie auch
in den Ländern und Kirchen englifcher Zunge das Studium
der Werke Zwingiis und das Bekanntwerden mit der
Perfönlichkeit Zwingiis erleichtert, die immer noch unter
einer gewiffen Mißkennung und Unterfchätzung zu leiden
hat, fo kann natürlich davon keine Rede fein, daß eine
Überfetzung und auch die befte, die Lektüre des deutfchen
j oder lateinifchen Originals erfetzt. Das ift ja von den
[ Überfetzern und dem Herausgeber felber durch die einfache
Tatfache zugegeben, daß fie von den Zwinglifchen
Gedichten ,Fabelgedicht vom Ochfen' und ,das Labyrinth'
gar keine Überfetzung, fondern nur eine Inhaltsangabe
geliefert haben. Aber auch da, wo Zwingli lateinifch
fchreibt oder auch deutfch, wenn er auch hierin Luther
nicht erreicht, hat feine Sprache doch foviel Eigentümliches
, daß er nur von dem ganz richtig verftanden werden
kann, der das Original zu lefen vermag. Überdies find
die Einleitungen und Anmerkungen in der von Egli und
Finsler veranftalteten Ausgabe fo trefflich und für das
Verftändnis fo notwendig, daß fie gar nicht entbehrt
werden können und in den kurzen Notizen der englifchen
Ausgabe zum Anfang und unter dem Text gar keinen
Erfatz finden. Darum kann die englifche Ausgabe wohl
dem höheren populären Verftändnis und Gebrauch, nicht
aber dem gelehrten Studium genügen. Für das erftere
aber bietet die Überfetzung ein fehr willkommenes Hilfsmittel
, dem wir auf dem Gebiet der englifchen Sprache
recht fleißige Benutzung wünfchen, befonders aber in dem
Sinne, daß die Überfetzung Luft werben möge, Zwingli
in den urfprünglichen Quellen kennen zu lernen.

Cannftadt. Auguft Baur.

Hold, Karl: Austria Sancta. Die Heiligen u. Seligen Nieder-
ölterreichs. II. Seit dem Regierungsantritte der Habsburger
. 11. Heft der Studien U.Mitteilungen aus dem
kirchengefchichtl. Seminar der theol. Fakultät der k. k.
Univ. in Wien. (VIII, 149 S.) gr. 8°. Wien, Mayer &
Comp. 1913. M. 2 —

Der Verf. beurteilt die .Gottesgefandten Niederöfterreichs
' als ,Wellenbrecher der ofmanifchen Sturmflut und
Schutzdamm gegen die proteftantifche Hochflut'. Das
jofefinifche Chriftentum' erfcheint als Abfall von der
katholifchen Idee, wie jene beiden es auf den Untergang
des katholifchen Habsburgerreiches abgefehen haben. Die
Heiligen und Seligen werden demnach ebenfo als Retter
des Katholizismus wie der Donaumonarchie gepriefen.
Der Franziskaner Johannes von Capiftrano (i 386—-1456),
,Das Wunder des Jahrhunderts', kämpft an gegen die
Ketzerei des Hufitismus und bewirkt als ,Türkenhammer'
den Sieg der chriftlichen Waffen bei Belgrad (1456); der
Jefuit Petrus Canifius (1521—1597) ftählt ,als Prediger,
Katechet, Miffionar, Hochfchullehrer, Schriftfteller, Berater
der Prälaten, Fürften und Obern feiner Ordensprovinz'
die Widerftandskraft des Katholizismus; der kindlich
herzensreine Stanislaus Koftka (1550—1568) ftärkt die
Papftkirche durch das leuchtende Vorbild feines Tugendlebens
; der diplomatifch gewandte Kapuziner Laurentius
von Brindifi (1559—1619), der feinen Orden in Öfterreich
einführt, verhilft der Chriftenheit zum glänzenden Sieg
über die Türken bei Weißenburg (1601); der Karmeliter-
General Dominikus a Jefus-Maria (1559—1630) gilt als
der geiftige Urheber des Sieges Ferdinands II. auf dem
Weißen Berge; der wundertätige Kapuzinerpater Marco
d'Aviano (1631—1699) nimmt regen Anteil an dem Ent-
fatz Wiens 1683 und geleitet das kaiferliche Heer mit
feinem Segen von Sieg zu Sieg; der Generalvikar der
Gefellfchaft des allerhl. Erlöfers Klemens Maria Hofbauer
(1751 —1820) erweckt die Katholiken Wiens aus dem
lethargifchen Schlafe des aulgeklärten Jofephinismus zu