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Ausgabe:

1914 Nr. 6

Spalte:

180-181

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brieger, Theodor

Titel/Untertitel:

Die Reformation. Ein Stück aus Deutschlands Weltgeschichte 1914

Rezensent:

Virck, H.

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 6.

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ediert, erklärt fich zur Genüge aus feiner Sonderftellung.
Die hier gebotene Form der 17 Artikel kann zur Her-
ftellung des Textes der Schwabacher Artikel nicht weiter
in Betracht kommen. Intereffant ift es, daß wir bei der
neuen von Luther veranftalteten Ausgabe auf römifche j
Verunglimpfung hin ,auf das Schreien etlicher Papiften j
über die 17 Artikel, Antwort Martini Luthers' 1530 noch I
das Original der Vorrede in einem Nürnberger Codex
haben. Der Vergleich mit dem Druck ift lehrreich. —
Eine zufammengehörige Gruppe bilden: ,die Warnung an
feine lieben Deutfchen', die ,Gloffe auf das vermeinte
kaiferliche Edikt', die Schrift ,wider den Meuchler zu
Dresden' (alle 1531). Auch hier erhalten wir durch Clemen
eine Darfteilung und Darbietung des gefamten zur Beurteilung
und zum Verftändnis notwendigen Materials;
befonders fei hingewiefen auf den Abdruck der Schriften
Herzog Georgs und Franz Arnoldis. Für die ,Gloffe' und
die Schrift ,wider den Meuchler' haben fich auch die
Originale von Luthers Hand noch ausfindig machen laffen;
für die ,Warnung' ift nur noch ein Fragment von Luthers
Manufkript vorhanden; für Warnung und Gloffe haben
wir aber fogar noch Vorarbeiten (S. 390 u. 583). Gerade
bei diefen Schriften find die am Anfang erwähnten
minutiöfen Unterfuchungen fehr lehrreich. Die Abfaffung
der Warnung verfetzt Clemen in den Okt. 1530; aber
immer noch läßt fich nicht genügend aufklären, warum der
Druck erft ein gutes Vierteljahr fpäter erfchien. Clemen hat
diefe Arbeiten benutzt, um auch fonft manche Irrtümer
zu berichtigen (S. 203); wegen des inneren Zufammen-
hanges hat er eine kurze Notiz ,de energia Augustanae
confessionis' eingereiht. — Die Reformation hatte aufgeräumt
mit vielen alten Einrichtungen; aber noch nichts
neues an deren Stelle gefetzt. Der Willkür war keine
Schranke gezogen. Das zeigte fich befonders auf dem
Gebiete des Enerechts. In den evangelifchen Gebieten
wurde vielfach darüber verhandelt. Auch Luther griff
ein mit feiner Schrift ,von Ehefachen 1530'. Er ftellt fich
darin in Gegenfatz zu manchen Anfchauungen derjuriften.
Von der Ausgabe A ift ein Exemplar in Rothenburg
Nr. 452. (A. Georgii u. A. Schnizlein, Die Miscellanea
reformatoria der Rothenburger Bibliothek. Rothenburg o.T.
1910.) 1531 fchrieb Luther eine Vorrede zu der mit dem
gleichen Thema fich befaffenden Schrift von Brenz: ,Wie
in Ehefachen chriftlich zu handeln fei'. Druck C Rothenburg
453. Den Druck von Brenz, der am 27./7. 1529 nach
Ansbach abging, könnten wohl noch die Ansbacher
Religionsakten bergen; das Begleitfchreiben liegt A.R.A.
Tom. XI fol. 69. Produkt 16. Vielleicht ift es auch in
die ,markgräflichen Ordnungen' gekommen. Auch fonft
zeigt diefer Band noch manche folcher Vorreden Luthers:
fo eine Vorrede zur Göttinger Kirchenordnung, auf die
von Clemen zuerft wieder hingewiefen wurde; zu Krosners
Sermonen, die Luther gewiß nicht gefchrieben hätte, wenn
er über die Sachlage aufgeklärt gewefen wäre (beide
Schriften Rothenburg Nr. 473, 430); zu der Auslegung
des Pfalms Miferere des vielumhergeworfenen Ägidius
Faber (auch Rothenburg Nr. 885), zu Bugenhagens Ausgabe
der Athanafianifchen Schrift: Athanasii libri contra
idolatriam 1532, wofür Nürnberg noch das Ms. Luthers
befitzt, zu Brenz 22 Homilien gegen die Türken, zu Juftus
Menius ,in Samuelis librum priorem enarratio'. (1532).
— Nicht zur Ausführung gelangte ein Brief Luthers
an Albrecht von Mainz, als diefer fich anfchickte, dem
Augsburger Reichstagsabfchied in Halle Geltung zu ver-
fchaffen; Brück riet ab. Die Grundgedanken und Einfälle,
die Luther fich für diefe Schrift aufgezeichnet hatte, teilt
Clemen aus einem Kodex der Jenaer Univerfitätsbibliothek
mit. Hingeworfene Notizen bietet auch ein Exemplar
der Confessio und Apologia in Dresden; auf diefes hatte
allerdings fchon 1578 der Koburger Superintendent Maximilian
Mörlin fein Augenmerk gerichtet. Mitgeteilt wird
auch das Exemplum theologiae et doctrinae papisticae
d. h. eine Predigt des Dominikanerprovinzials Hermann

Rabs, die Luther mit einer Vorrede 1531 edierte. An
eine Erfindung Luthers zu glauben, liegt gar kein Grund
vor. Daß der Vorname von Luther falfch mitgeteilt
wurde, erklärt fich leicht. Eine 2. Auflage fcheint diefe
Schrift nie erlebt zu haben. — Mit Sakramentierern oder
Wiedertäufern befchäftigen fich 2 Sendfehreiben in diefem
Band: ,Von den Schleichern und Winkelpredigern' 1532
und ,das Sendfehreiben an Herzog Albrecht 1532'. Die
Gefchichte der Schwärmer in Thüringen hat feit dem
Erfcheinen des Bandes manche Aufklärung erhalten, f.
P. Wappler, Die Stellung Kurfachfens und des Landgrafen
Philipps von Heffen zur Täuferbewegung. 1910, Münfter.
Der Führer Melchior Rink wird da deutlich beleuchtet.
Auf Grund von Mitteilungen des Predigers Johann Cellarius
warnte Luther die Frankfurter vor dem Abfall zu den
Schweizern. Von dem Brief Ausgabe A ein Exemplar
in Rothenburg Nr. 182. Als den Verfaffer der Verteidigung
der Frankfurter ift es gelungen Buzer nachzu-
weifen. — Zu der Auslegung Luthers über den aronitifchen
Segen ift das Original ebenfalls noch vorhanden. Thiele,
der glückliche Befitzer, hat es mitfamt den beiden Drucken
ediert. Da man in Roftock noch ein Ms. Luthers über
den Pf. 118 fand, ift diefem Bande der Abdruck desfelben
beigefügt worden. — Wie nicht anders zu erwarten, ent-
fpricht die Herausgabe allen Anforderungen. Eine Nach-
lefe in füddeutfehen Kirchenbibliotheken könnte vielleicht
noch manches Exemplar zum Vorfchein bringen. Bis
jetzt war es ja allerdings manchmal fchwer möglich,
Nachfchau zu halten. Doch find die Schätze Rothenburgs
jetzt leicht zu finden; in Schwabach, Neuftadt a. A.,
Weißenburg a. S., Windsheim, ift auch alles geordnet.
Ich empfehle diefe einer eingehenden Beachtung.

Alfeld bei Hersbruck. Schornbaum.

B rieger, Theodor: Die Reformation. Ein Stück aus Deutfch-
lands Weltgefchichte. (XV, 396 S.) gr.8°. Berlin, Ullftein
& Co. 1914. Geb. M. 5—

Briegers Reformation ift zuerft als ein Teil des vierten
Bandes der von Prof. v. Pflugk-Hartung herausgegebenen
Weltgefchichte erfchienen. Alle Lefer diefer erften Ausgabe
werden es mit Freude und Genugtuung begrüßen,
daß der Verlag fich entfchloffen hat, von diefem Werk
eine Sonderausgabe zu veranftalten. Denn nur fo kann
es feinen Zweck erfüllen, weiteren Kreifen des deutfchen
Volkes eine die Forfchungsergebniffe der letzten Jahrzehnte
zufammenfaffende zuverläffige Darftellung diefes
wichtigen Zeitabfchnittes zu bieten. Die Sonderausgabe
aber hat vor jener erften Ausgabe auch noch den Vorzug
voraus, daß das Manufkript, in dem aus Rückficht
auf den in der Weltgefchichte zur Verfügung flehenden
befchränkten Raum, große Streichungen vorgenommen
werden mußten, nunmehr unverkürzt zum Abdruck gelangt
ift. Es handelt fich dabei um die Abfchnitte, die
den Fortfehritt der Bewegung in Deutfchland von 1532
bis 1545 behandeln und die ganz vorzügliche Schilderung
der Anfänge der Reftauration des Katholizismus in Spanien
und Italien. Wer auch nur oberflächlich mit der
Forfchung über die Reformation in den letzten Jahrzehnten
bekannt ift, weiß, daß niemand mehr berufen war,
diefen Zeitraum zu fchildern als Brieger. Die von ihm
geleitete Zeitfchrift für Kirchengefchichte war die wich-
tigfte Sammelftelle für alle auf diefem Gebiete angeflehten
Unterfuchungen. In unzähligen Abhandlungen hat
er die Ergebniffe feiner eigenen Forfchungen niedergelegt
und die Anderer immer wieder von neuem auf ihre
Stichhaltigkeit geprüft. Um fo mehr muß man fich freuen,
daß es ihm am Abend feines Lebens vergönnt war, die
Ergebniffe feiner unausgefetzten Forfchertätigkeit in einem
Werke zufammenzufaffen, deffengleich unfere Gefchicht-
fchreibung nur wenige aufzuweifen hat. Man weiß nicht,
was man mehr bewundern foll: die das Kleinfte wie das