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Ausgabe:

1914 Nr. 6

Spalte:

176-177

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Verweyen, Johannes M.

Titel/Untertitel:

Philosophie und Theologie im Mittelalter 1914

Rezensent:

Scheel, Otto

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 6.

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fchrift - Bruchftücke aus der Sammlung D'Abbadie's j
(Nr. 20 Bl. 1 — 2 und Nr. 109 Bl. 6b—8a). In dem erfteren
hätte man früher ein Überbleibfei einer äthiopifchen Bearbeitung
des Ptolemäus fehen muffen, möglicherweife |
nicht nach dem Original, fondern nach einem Werke der j
chriftlich-arabifchen Literatur angefertigt. Aber die Herausgabe
des vollen Textes der Weltgefchichte des Agapius
von Menbidj zeige, daß er teils ein Extrakt, teils eine
genaue Überfetzung zweier Kapitel aus ihrem erften Teile
fei (von S. 49—63 in der Ausgabe A. Wafiljews). Viel
jünger fei das zweite Bruchftück. Ihm liege wahrfcheinlich
irgend ein europäifches Kompendium, möglicherweife von
einem Miffionar verfaßt, zugrunde.

Der zweite Artikel ,Zur Frage nach den koptifchen
Akten des 3. ökumenifchen Konzils zu Ephefus und nach
ihrem Helden, dem Archimandriten der Tabennifier
Viktor' (S. 146—202) von D. Lebedew verteidigt mit
einleuchtenden Gründen den Artikel W. Bölotows ,Der
Archimandrit der Tabennifier Viktor beim Konftantino-
poler Hofe im Jahre 431' gegen die ungünftige Beurteilung
, die er in W. Kraatzs ,Koptifchen Akten zum Ephe-
finifchen Konzil vom Jahre 431* (T. u. U. N. F. XI 2 1904)
gefunden, indem er freilich auch feinerfeits Bolotow allerlei
Fehler nachweift. Nicht in der Legende vom Archimandriten
Viktor fieht der Verf. die Bedeutung der koptifchen
Akten, fondern in der Möglichkeit, die er im Detail
zu beweifen fucht, nach ihnen mehrfach den griechifchen
Text zu korrigieren.

B.T u r äj e w bietet in ,Ein koptifchesPergament-Amulet'
Text, Überfetzung und Beurteilung vonNr.4773 in dem Moskauer
Mufeum der fchönen Künfte Kaifer Alexanders III.,
das aus der Sammlung W. Golenifchtfchews dorthin gelangt
. In deutfcher Überfetzung lautet es: ,Buch der
Geburt Jefu Chrifti, des Sohnes Davids. — Anfang des
Evangeliums Jefu Chrifti, des Sohnes Gottes. — Da viele
begonnen haben, die Worte von den unter ihnen (I) bekanntgewordenen
Dingen zu fchreiben. — Im Anfang war
das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das
Wort. Und als Jefus in das Haus Petri kam, fah er feine
Schwiegermutter liegen und von Hitze (Feuer) gebrannt
werden. Und er berührte ihre Hand. Und es verließ fie
die Hitze (das Feuer) und fie ftand auf und diente ihm.
Und als es fpat geworden, führten fie zu ihm alle an
verfchiedenen Übeln leidenden, und in welchen unreine
Geifter waren, die heilte er. Jefu Chrifte, hilf deinem
Knechte ... (?), dem Sohne Thaplus. Amen. Amen. Amen.
Gebete des Patriarchen Sever. Heiliger Theodor Strate-
lates, heilige Thekla, bete zu Gott, ja fchenke Gefundheit
The

G. Struve bietet Text, Überfetzung und Kommentar
zu einem ,Koptifchen Papyrus aus der Kollektion des
Prof. B. A. Turajew" (S. 207 — 211; in Luksor vom Grafen
1.1. Tolftoi erworben), den er aus paläographifchen Gründen
vor das 7. Jahrhundert anfetzt. In deutfcher Überfetzung
lautet er: ,f Im Namen des Vaters und Sohnes und Heiligen
Geiftes. -Gefchrieben im Monat Epiphi am 19. Datum.
Ich, Pamphilos, der Ifaak, dem Sohne Viktors, nach Trika
fchrieb: „da Not eingetreten ift, fo bitte ich dich, mir
Goldmünzen zu geben, damit ich fie zum Beften der
Armen meiner Stadt verteilen könnte — 12 Holokottinen.
So Gott will, werde ich fie dir im Monat Phamenoth
zurückgeben und je eine Trimiffie als Prozent auf einen
Holokottin — (im ganzen) 16 Holokottinen. Zu deiner
Vergewifferung beftätigte ich diefes Schriftftück und es
hat überall Kraft, wo man es vorzeigt. Wenn man mich
verhören wird, fo werde ich es bekräftigen. Ich, Pamphilos
, unterfchreibe diefes Schriftftück und alles was in ihm
gefchrieben ift. — f Ich, Johannes, der demütigfte Diakon,
bezeuge, f (Zwifchenraum von 5 Zeilen) — f Ich, Jakob,
der demütigfte Diakon. Pamphilos bat mich. Ich fchrieb
für ihn das Schriftftück, denn er ift Analphabet. — fleh,
Kolluthos, Sohn des feiigen Ananias, bezeuge j". —
Zum Schluß fpricht Struve feine Verwunderung darüber
aus, daß hier die 3 Kreuze des Analphabeten
fehlen.

N. Sütfchew, ,Eine im Jahre 1892 ausgegrabene
Anifche Kirche'(S. 212—219), bietet einen Ausfchnitt aus
dem unveröffentlichten ,Tagebuch einer archäologifchen
Reife in das ruffifche Armenien im J. 1892' des Petersburger
Akademikers N. Marr. In diefem find 72 bemalte
und 46 Relieffteine genau befchrieben und ca. 70 Photographien
geboten, von denen N. S. 8 (auf 5 Tafeln) veröffentlicht
. Die dem hl. Gregorius geweihte Kirche hat
bei verkleinertem Maßftab die Geltalt der demfelben
Heiligen 1215 vom Fürften Tigranes h'Oneaz erbauten
Kirche (Ch. Texier, Description de l'Armenie, de la Perse
et de la Mesopotamie, Paris 1842, I. pl. 21; D.Grimm,
Monuments d'architecture en Georgie et en Armenie,
St.-Petersburg 1864, pl. VII, a), nämlich ein Rechteck mit
drei inneren Apfiden, welche Umwandlung des byzanti-
nifchen Zentralkuppelbaus in Armenien feit dem 10. bis
11. Jahrhundert verbreitet ift.

Ml. Grüneifen fucht in ,Das ägyptifch-helleniftifche
rituelle Porträt und die mittelalterlichen Porträts in Rom
mit der „tabula circa verticem'" (S. 220—236 mit Tafel VI
bis XIII) letztere in ihrer viereckigen Form (tabula vi-
ventis) aus dem Pylon des .Tempels der Wahrheit' des
Ofiris abzuleiten, welcher als Pforte in die himmlifchen
Sphären gedeutet, urfprünglich als Umrahmung der
Totenporträts auf ägyptifchen Sarkophagen zur Verwendung
gekommen.

Den Schluß bilden .Verfchiedene Nachrichten und
Bemerkungen' (S. 237—238) und Kritiken (S. 235 — 245:
N. Marr über .Archimandrit G. Owfepjan, Ein Beifpiel der
Goldfchmiedekunft im XIII. Jahrh.: das hl. (Kreuzes-)
Zeichen des Klofters Chotakeraz', Tiflis 1912; und
I. Kratfchkowski über ,Kitab al-lUnwan. Histoire universelle
ecrite par Agapius [Mahboub] de Menbidj. Editee
et traduite en frangais par A. Vasiljew, Paris' — unter Hinweis
darauf, daß Agapius von Menbidj erftmalig für die
Wiffenfchaft von dem Petersburger Arabiften Baron
W. Rofen entdeckt worden: .Bemerkungen über die
Chronik des Agapi von Menbidj', Journal des Minifteriums
der Volksaufklärung 1884, Januarheft, II. Abteilung S. 47
bis 75.

Die Hauptbedeutung der neuen Zeitfchrift für die
abendländifche Wiffenfchaft fcheint mir in der Veröffentlichung
von in Rußland oder von ruffifchen Gelehrten
gemachten Funden zu liegen.

Dorpat. K. Graß.

Verweyen, Priv.-Doz. Dr. Johs. Maria: Philofophie u. Theologie
im Mittelalter. (Die hiftor. Vorausfetzgn. des AntiModernismus
.) (136 S.) 8°. Bonn, F. Cohen 1911.

M. 2.50

In Verweyens Unterfuchung ftehen die Beziehungen
zum Antimodernismus der Gegenwart, wie das auch der
Untertitel andeutet, im Vordergrund des Intereffes und
verhindern letztlich eine ruhige hiftorifche Unterfuchung
über die Philofophie und Theologie im Mittelalter. Quellen-
ftudien in größerem Umfang Rheinen nicht vorgenommen
zu fein. Jedenfalls ift die Darfteilung in der Hauptfache
auf der bekannteren Literatur über den Gegenftand aufgebaut
; wichtiges ift manchmal jedoch unbeachtet geblieben
. Die Charakteriftik des Scotus Eriugena bewegt
fich in den üblichen Bahnen. Die vorgebrachten Zitate
decken keineswegs immer den der herrfchenden Annahme
folgenden Text. Die Unterfuchungen Edward Kennard
Rands und Traubes werden nicht berückfichtigt, obwohl
fie doch, falls fie fich bewähren, dem Problem Philofophie
und Theologie bei Eriugena eine neue Wendung geben
und Zufammenhänge mit der .kirchlichen' Löfung des
Problems anzunehmen nötigen. Abälard wird als .extrem
rationaliftifch' gekennzeichnet, obgleich er die Antithefe