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Ausgabe:

1913 Nr. 5

Spalte:

143

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Güterbock, Carl

Titel/Untertitel:

Der Islam im Lichte der byzantinischen Polemik 1913

Rezensent:

Goldziher, Ignác

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Seite 1

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143

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 5.

144

Unterfuchungen find. Er zerlegt fich feinen Stoff finngemäß
in 3 Abfchnitte und behandelt im 1. die Zeit bis
zum Frieden von S. Germano 1230, im 2. die Zeit bis zum
Bruche zwifchen Kaifertum und Papfttum 1239, im 3- die
Zeit bis zum Regierungsantritt Innocenz' 1243. Während
in der Zeit bis 1239 die päpftliche Politik fich ohne Erfolg
bemühte, dem ftaufifchen Haufe in Deutfchland Gegner zu
erwecken, gelang es ihr feit 1239, die Antipathien gegen
Friedrich IL, der Deutfchland nur als ein Nebenland feiner

Handbuch der Kirchengefchichte für Studierende, in Verbindg.
m. Gerh. Ficker, Heinr. Hermelink, Erwin Preufchen,
Horft Stephan hrsg. v. Guft. Krüger. 3. Tl. Hermelink
, Priv.-Doz. Pfr. Lic. Dr. Heinr.: Reformation u.
Gegenreformation. (VIII, 328 S.) Tübingen,J. C. B. Mohr
19"- M. s—; geb. M. 6 —

Die vorliegende Reformationsgeschichte bildet den 3. Teil
von Krügers ,Handbuch der Kirchengefchichte'. Dadurch

Krone betrachtete, fich nutzbar zu machen; freilich wurden von >™"uu"7" uer rvircnengeicnicüte uaüurc

dadurch nur die Territorialgewalten in ihrem Einfluß auf war dem Verfaffer die Anlage des Ganzen (kurze Re

dadurch nur die Territorialgewalten in ihrem Einfluß auf
die Befetzung der Bistümer geftärkt; denn eine Aus

fumes an der Spitze der Paragraphen, alle Details in den

fchaltung des Einfluffes der weltlichen Faktoren, der Fürthen, Erlauterungen, ausgiebige Literaturangaben, Langsfchnitte
der Städte, hatte fleh fchon in der erften Zeit des Pon- ; Jatt Querfchnitte) gegeben; es kann, hier beim dritten
tifikats Gregors IX als unmöglich erwiefen. Ein weiteres ! Bande- der nacb dem Y1*?*?. und e/ft^n «fehlen, des
Ziel der päpftlichen Politik ift, den Machtbereich der j Re-ernKenten Aufgabe nicht fem diefe G zu
erzbifchöfhehen Gewalt zugunften der päpftlichen einzu- ■ kriüfieren für ein Lehrbuch diefer Art fche.nt fie mir
fchränken; es macht fleh aber auch fchon das Beftreben ! dl- gegebene zu fein um den ganzen Stoff wirklich
bemerkbar, das Wahlrecht der Domkapitel zu befchneiden. ! unterzubringen Ein Studentenbuch freilich wie Heuffis
In der Beurteilung des WormferKonkordats fchließt fleh der J Kompendium, das nachgerade unentbehrliches Examen-
Verf. D.Schäfer an und findet durch feine Unterfuchung die bucb geworden ift wird m. E. Krugers Handbuch nicht
Thefe betätigt, daß das Konkordat nicht als Reichsglfetz ÄÄ- rSXJElf ffÄÄ

gegolten haben könne.

Fuchs' Arbeit bietet einen beachtenswerten Beitrag
zur Kenntnis der päpftlichen Politik unter Friedrich II.
und zur Abfchätzung der Stärke der geiftlichen und weltlichen
Faktoren, die mit einander um die Herrfchaft rangen.

Kiel. G. Ficker.

Güterbock, Prof. Dr. Carl: Der Islam im Lichte der byzan-
tinilchen Polemik. (72 S.) gr. 8°. Berlin, J. Guttentag
1912. M. 1.50

Im VII. Bd. des ,Bessarione< hat der italienifche Affump- | JlÄJÄfÄJSÄ

das Wort ,Studierende' (nicht: Studenten) gewählt ift,
infofern als derjenige, der die Kirchengefchichte wirklich
durchftudieren will — was aber der Durchfchnitt der
Studenten nicht tut — hier die befte Anleitung findet.
Es fteckt in knappfter Form ein ungeheurer Stoff in
diefem ,Handbuch', weit mehr als Heuffl oder auch
K. Müller (im ,Grundriß') bieten konnten und wollten.
Den geheimen Wunfeh kann ich allerdings nicht unterdrücken
, es möchte nun der Kompendien, Lehrbücher
— deren die Firma Deichert jetzt wieder mehrere ankündigt
— Grundriffe zur Kirchengefchichte ufw. vor-

tioniftP. Aurelio Palmieri eine gut orientierende Über- I Meifterfchaft eine Gefamtkirchengefchichte auf der Grundficht
über die Literatur der byzantinifchen Polemik gegen lage akademifcher Vorlegungen geboter.: werden ein Buch,
den Islam geliefert. S. die deutfehe Überfetzung diefer ! das. ,man fch,,ger"lef" .rrde unddas alle Kre.fe
Arbeit von Valentin Holzer u. d. T. ,Die Polemik | Pltder. Entwicklung des Chnftentums bekannt zu machen
des Islam'(Salzburg 1902)S. IS—35- Wenigerfummarifch j Stande wäre.

als Palmieri, vielmehr mit eingehender Charakteriftik der j Hermelink hat in den Literaturangaben m. E. ftellen-
betreffenden Schriften, ihres Inhaltes und ihrer Richtung, j weife des Guten zuviel getan; wozu z.B. die Erwähnung
fowie auch ihres Verhältnifles zu einander weiht uns G. 1 kleiner und kleinfter, in der Regel doch gar nicht feibin
den Verlauf diefer Literatur durch fleben Jahrhunderte, ; ftändiger Artikel aus ,Die Religion in Gefchichte und
ein. Sie nimmt ihren Anfang im 8. Jahrh. in Syrien Gegenwart'? Die Fickerfchen Reformatorenbiographien
(Johannes Damascenus, vgl. noch ZDMG. 42, 594) bald j in feinen ,Handfchriftenproben' (die als folche S. 60 ge-
nachdem die Feftfetzung der muslimifchen Herrfchaft in j bucht find) hätten viel eher eine Einzelangabe verdient;
diefer Provinz die dortigen chriftlichen Theologen zu dem , andere Defideria f. u. Die Stoffeinteilung bietet kaum
Islam in unmittelbare Beziehung fetzte, und wird durch [ Neues, nur daß die .Übergangszeit' (S. 304), d. h. die
den Verf. bis zu Eroberung von Konftantinopel fortgeführt, j Vorgefchichte des Pietismus mit behandelt ift, der .dritte
Hingegen überfchreitet Palmieri diefe untere Zeitgrenze, Zeitraum' heißt: die Gegenreformation und die Ortho-
indem fich feine Überficht über 1453 hinaus bis an die doxie von ca. 1560—1689; aber der Stoff ift felbftändig
Schwelle des 18. Jahrhunderts (a. a. O. S. 30—33) fort- und gründlich verarbeitet, fo daß das Ganze fich als eine
fetzt. Man muß dem Verf. dankbar dafür fein, daß er [ originale und wertvolle Leiftung präfentiert. Als einen

durch feine Schrift einen zuverläffigen Einblick in die
Beziehungen der byzantinifchen Theologie zu dem fie
bedrohenden Islam gewährt Der gefchätzte Rechtsgelehrte
hat dadurch eine Lücke unferer Islamliteratur in willkommener
Weife ausgefüllt. — Über die Stellung des
Johannes Damascenus und feines Vaters am omajjadifchen
Chalifenhofe (S. 10), können jetzt die ficherften Angaben
aus H. Lammens' Etudes sur le regne du Calife omaiyade

befonderen Vorzug empfinde ich das fichtliche Bemühen
H.'s, den .Studierenden' die Probleme klar zu machen;
das tritt namentlich in den §§ über die derzeitigen Grundfragen
der Reformationsgefchichte hervor, aber z. B. auch
gegenüber Barges Karlftadt (S. 83) oder in der Frage
des Landeskirchentums (S. 107). Irre ich nicht, fo ift H.'s
Stellung zu Troeltfch eine geklärtere, und zwar entgegenkommendere
geworden. Zwar heißt es S. 5, daß die

Mo'awia I (Beyrouth 1906) S. 387ff. 3946". gefchöpft ! .endgültige Antwort wohl wefentlich anders lauten wird,
werden. — Der Name des (Theodoros) Abucara (richtig | als fie von Troeltfch gegeben wird', und die Wertung
Abu Kurra) ift keineswegs aus der Stellung feines Trägers ; des Spiritualismus durch Troeltfch wird abgelehnt (S.46),
als Bifchof von Karrhae (S. 12) zu erklären (s. G. Graf, aber gerade der entfeheidende §40 über den .kulturellen
Die arabifchen Schriften des Th. in den .Forfchungen Ertrag der Reformationszeit' ift deutlich von Troeltfch
zur chriftl. Literatur- und Dogmengefchichte' X. Bd., : beeinflußt. Ob aber dem .Studierenden' die Kontroverfe
3/4 Heft, S. 5). — Bei der Panoplia des Euthymios Zi- : Troeltfch-Weber-Rachfahl (§40, 3) fo genau vorgeführt
gabenos (S. 34) wäre die Berückfichtigung der erfchöpfen- werden mußte? Dankenswert ift die gefchickt ausge-
den Monographie Jacob Wickerts im Oriens Christi- i wählte Anführung von Zitaten im Texte (§40,1 ift fogar
anus VIII, befonders S. 322 ff., am Platze gewefen. j faft ganz Zitat geworden), fie beleben nicht nur ftiliftifch,

•dj n. iv,r. r^ia,;^- fondern charakterifieren gut; auch die Art, Perfönlich-

BudaPeft" _ G°ld^her. kdten (z B Guftav Ado^ Maximilian „( 'EUfabeth v.