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Ausgabe:

1913

Spalte:

133-134

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eerdmans, B. D.

Titel/Untertitel:

Alttestamentliche Studien. III. Das Buch Exodus 1913

Rezensent:

Herrmannn, Johannes

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Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 5.

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der Philofophen zur nationalen Religion erkannt, das j
Chriftentum als Analogie oder als Kontraft beigezogen j
wird.

Göttingen. Paul Wendland.

Eerdmans, Prof. B. D.: Altteftamentliche Studien. III. Das j

Buch Exodus. (III, 147 S.) gr.8°. Gießen, A. Töpel-
mann 1910. M. 4 —

Nachdem Eerdmans in zwei Heften feiner ,Alttefta-
mentlichen Studien' fich mit der Genefis befchäftigt hat, j
unterfucht er im dritten Hefte das Buch Exodus. Wie j
dort, fo erftrebt er auch hier die Analyfe nicht nach
Art der neueren Pentateuchkritik mit ihrer Scheidung
von P, J und E, die er für prinzipiell verfehlt anfleht.
Er feinerfeits fucht unabhängig von den für jene maßgebenden
Richtlinien die Kompofition des Pentateuchs j
aufzudecken. Seine Unterfuchung von Ex. gliedert fleh
in zwei Teile. Im erften befaßt er fich mit der Erzählung
. Für Ex. I—II kommt er zu folgenden Er-
gebniffen: In 1 — 5 liegt ein Erzählungsfaden in 1—2,25,
4,19. 20a. 24—26 vor, mit dem eine Reihe von Stücken
verbunden ift: 3,1—4, 18. 20b. 27—31; 5,1—6,1. In 6—11
iftein Grundftock, der 6,2—12; 7,1—13.19.20.22; 8,1—3,
Hb. 12—15; 9,8—12; 11,9.10 umfaßt und an den Erzählungsfaden
in 1—5 anfchließt, mit weiteren Wunderberichten
vermehrt worden 7, 14—18.20b. 21. 25.26—27;
8,4—11.16—28; 9,13,17—35; 10,1—29; 11,4-8, die im
Zufammenhang mit den andern Stücken von I—5 flehen.
Später wurden noch einige Stücke von unbekannter
Herkunft aufgenommen: 6, 13—28; 9,1—7. 14—16; Ii, I
bis 3. In den Abfchnitten über den Auszug wurden mit
einem Grundftock 12,29—39; 13,20—22; 14,5—7.8b.
10—14. 19. 20.21 (Mitte).24.25.27b.30.31; 15,20—253,27;
16a.; 17, 19,2; welcher den Erzählungsfaden von 1 — Ii
nicht fortfetzt, fondern an die eingetragenen Abfchnitte
über Wunder in Ägypten anfchließt, Abfchnitte fehr j
verfchiedener Herkunft verbunden. Aus andern Ge- I
fchichtsbüchern wurden ganze Perikopen famt Einleitung
und Schluß abgefchrieben: 12,1—14; 15,1—19. Erzählungen
zur Illuftrierung des Reifeberichts wurden ein-
gefchaltet: 14,1—4. 8a. 9. 15—18. 21a, c. 22. 23. 26.27a.28.
29; 16,2—36; 17,1b.—7.8—16.18. Gefetze wurden aufgenommen
, um ihre hiftorifche Motivierung zu erzählen: j
12, 15—20. 21—27. 43—50; 13,1—16. Kommentare I
wurden beigefügt: 13,17—19, 16, ib.4.5.8.35b.36, [8,2b,/?.
5b ß. So tritt in diefen Abchnitten der Charakter des j
Ex. als Sammelwerk befonders deutlich hervor. Der
Sinaierzählung liegt eine Erzählung zugrunde, die 19,2a.
3—8.9b—19; 20,18—21; 24,3—8.12—18; 31,18; 32,1—6,
15—24.30—35; 33,1—6.12—17; 34,1—10.29—33 umfaßt.
Eine abweichende Rezenfion liegt nicht vor. Viele Erläuterungen
find aber in den Text hineingetragen: 19,1.
2b.9a.20—25; 24,1.2.9—"; 32,7—J4-25-29; 33,7— u-|
18—23; 34,11—28.34.35. Eine kurzgefaßte vorexilifche
Erzählung innerhalb 25—29, welche 25,1 — 8; 28,1 — 4;
29, I—26 umfaßt, ift in der nachexilifchen Zeit durch
baggadifche und halachifche Einträge erweitert worden,
die nicht nur in den Abfchnitt felb'ft aufgenommen, fondern
auch in einem Anhange 30, 31 untergebracht wurden.
Zu jener vorexilifchen Erzählung gehören innerhalb 35—40
die Stücke 35,4—10. 21—29; 36,8a; 39, ib; das übrige find |
fehr junge Nachträge (LXX hat eine wefentlich andere
Anordnung des Textes). Es ift nicht wahrfcheinlich, daß
diefe vorexilifche Erzählung als Fortfetzung der in 19—24,
32—34 ermittelten anzufehen ift.

Im zweiten Teil unterfucht E. die Gefetze. Zunächft
die in 12 und 13. In 12,1 —14 ift der gefetzliche Charakter
des Abfchnitts nicht Hauptfache, fondern Nebenfache
; Hauptfache ift die Verbindung des Pefach mit
dem Auszuge, und zwar haben wir es hier nicht mit der
nachexilifchen Pefachfeier zu tun, fondern mit einer alter-
tümlichen vorexilifchen Feier, einer Praxis, welche die I

Tiere zu Haufe fchlachtete und mit dem Tempelkultus
nichts zu tun hatte. Auch 12,25—27 ift vorexilifch; der
Verf. ift beftrebt, nachzuholen, was 1—14 noch übergangen
war. 12,43—50 ift ein in fpätnachexilifcher Zeit
nachgetragenes altes Gefetz. Die beiden Gefetze in
13, 1 —16 sind verwandt mit 12, 1 —14 und vermutlich
gleichzeitig mit der Erzählung verbunden worden, wahrfcheinlich
noch im 8. Jahrhundert. Das Bundesbuch, ein
verhältnismäßig wohlgeordnetes Ganzes, ift in der vorköniglichen
Zeit kodifiziert. Es fpricht nichts dagegen,
daß fchon in der mofaifchen Zeit der Feftkalender von
Ex. 23,14t. feftgelegt werden konnte, und daß das Recht
des Bundesbuches als das von dem Gotte des Stämmebundes
gewollte Recht proklamiert wurde. Wenn der
Aufenthalt Israels in Ägypten nur kurz, etwa 80 Jahre,
dauerte, fo wird es wahrfcheinlich, daß im Bundesbuch
das unvergeffene, von altersher geltende Recht kodifiziert
wurde, woraus fich auch die Verwandtfchaft mit dem
Codex Hammurabi ungezwungen erklärt. Vielleicht war
das Bundesbuch auf Steintafeln gefchrieben. Der Dekalog
Ex. 20, 1 —17 gehört nicht zu den urfprünglichen
Beftandteilen der Tradition in Ex., fondern ift ihr fpäter
beigefügt worden. Mit geringen Abftrichen läßt fich
gegen feinen mofaifchen Urfprung jnhaltlich nichts einwenden
. Nach dem Auszuge aus Ägypten bildete fich
eine neue Gemeinfchaft. Was der Dekalog gibt, ift, was
das Sittliche anbetrifft, das, was an erfter Stelle und unbedingt
für fie nötig ift. Was das Religiöfe anbetrifft,
fo unterwirft man fich dem Gotte, dem man die Rettung
aus Ägypten verdankt, als dem Bundesgotte. Des weiteren
wird die altertümliche Inftitution des Sabbattages,
der wahrfcheinlich ein den Hebräern eigentümlicher
Feiertag war, beibehalten und als durch Jahve geboten
eingefchärft. Monotheismus und Monolatrie wird nicht
gefordert; 20, 5 geht nur auf das Verbot der Kombination
des Jahvekultes mit andern Kulten. Ex. 34,11—28 ift
nachexilifch und enthält keinen Dekalog.

An diefen Einblick in den Inhalt des 3. Hefts der
Eerdmans'fchen Unterfuchungen eine Diskuffion zu
knüpfen, ift bei der Fülle der Probleme und bei der
Abhängigkeit der Hauptergebniffe von taufend einzelnen
Elementen im Rahmen einer kurzen Befprechung fo gut
wie unmöglich. Die literarifche Analyfe Eerdmans ift
ebenfo kompliziert, wie die der Wellhaufenfchen Schule,
oder fagen wir ruhig der neueren Peutateuchkritik. Das
fubjektive Moment tritt bei Eerdmans mindeftens ebenfo
ftark hervor wie dort, und die Frage nach der metho-
difchen Zuläffigkeit und Zuverläffigkeit der Analyfe verläßt
uns keinen Augenblick. Durch beftimmte prinzipielle
Anfchauungen über die Religion Israels und ihre Entwicklung
find naturgemäß auch bei Eerdmans die Urteile
beeinflußt. Trotzdem kann man fich nicht dem Eindruck
entziehen, daß auch in diefem 3. Hefte Unterfuchungen
vorliegen, die der ernfteften Beachtung wert
und für die weitere Löfung der Pentateuchprobleme in
hohem Maße bedeutungsvoll sind. Denn das bleiben
fie auch dann, wenn von dem Ertrag der bisherigen Pen-
tateuchforfchung fich, was auch die Uberzeugung des Referenten
ift, viel mehr, als es Eerdmans fcheint, als bleibend
bewährt.

Breslau. J. Herrmann.

Johann Georg, Herzog zu Sachfen: Tagebuchblätter aus Nord-

fyrien. Mit 85 Abbildgn. (VIII, 71 S.) gr. 8°. Leipzig,
B. G. Teubner 1912. M. 4.80

Der Verfaffer berichtet hier über eine vierzehntägige
Reife, die ihn von Horns über Hama nach Aleppo führte.
Von dort aus befuchte er die Kirchenruinen von Kalaat-
Siman, die er über die Tempelruinen von Baalbek ftellt.
Sein Intereffe galt vornehmlich den Kirchen, die am
Wege lagen und mancherlei Intereffantes bieten für den
Kenner altchriftlicher Kunft. Die Befchreibung hat faft