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Ausgabe:

1913 Nr. 3

Spalte:

69-71

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holtzmann, Oscar

Titel/Untertitel:

Der Tosephtatraktat Berakot 1913

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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69 Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 3. 70

the same 'unscientific' view as their contemporaries. It
was not the teaching of history, for experience seemed
to contradict them (see especia'lly Jeremiah xliv 15 — 19):
moreover the Prophets do not argue from history.
"Their confidence was based on an inner experience"
(1,144). H. argues here that this experience was real, i.e.
that it was a real Revelation from outside (chap. VI,
pp. 162—188). "This is the one instance in which we
can properly speak of the development of a religion into
a definite monotheism; the advance to monotheism was
everywhere eise fatal to the old religions, and it triumphed
by their downfall" (1,177).

In the second volume H. treats of the Church, start-
ing in effect from the same point of view as those Early
Christian writers who contributed to "the Jewish Contro-
versy". '"We are the Community of the Messiah and
therefore the true Israelites'. In this one sentence is
summed up the whole philosophy of the foundation of
the Church" (11,31). The Christian Church is thus no

more UmversahstlC than the Jewish, only the condltions j (Ue Regeln der hebräifchen Sprache fündigt oder auch zu falfcher Auf

hat Holtzmann aus der Zuckermandelfchen Ausgabe übernommen
, aber auch fehlerhafte Lefungen derfelben, die
hätten berichtigt werden muffen.

In II, 14 ift in dem Satze, welcher bedeutet: ,die Zeit (Stunde)
der Gefahr ift kein Beweis' bei Zuckermandel nach der Erfurter Hand-
fchrift gedruckt riJSÖri nrtün, was natürlich nur ein lapsus calami für
n:aDP! P.S'i) ift, welche richtige Lefung Zuckermandel auch verzeichnet.
Holtzmann aber behält den Lapsus der Erfurter Handfchrift, punktiert
nsisrt (hosa'at) — eigentlich wäre nj'fflin nötig — und überfetzt: ,Rettung
vor Gefahr ift kein Beweis' (S. 27 in der Anmerkung dazu: .nicht ift
Rettung aus der Gefahr ein Beweis'). Aber er begeht auch durch Un-
genauigkeit in dem Abdrucke des Zuckermandelfchen Textes Irrtümer. In
III, 6 findet fich viermal 1Ü11B, d. i. I31B (f. meine Terminologie I, 154).
Holtzmann fügt ein 1 vor dem letzten Buchftaben ein und punktiert:
»nifc (S. 36, 38). — S. 68, Z. 4 fehlt "IS, S. 70, Z. 5 O vor 5Vtä,
S. 88, Z. 17 fehlt man, eb. Z. 9 (VII, 7) hat Zuckermandel: nbsn
ns-BTi (sie) btt) (tefillä sei tiflä, Gebet der Abgefchmacktheit); Holtzmann
läßt das erfte der drei Wörter ftillfchweigend weg, punktiert das dritte:
nhEB, und überfetzt (S. 89): ,Gebetsverirrung' (f. auch feine Anmerkung).
Ich vermute, daß er itt) nach II Sam. 6, 7 erklärt. — Diese Beifpiele
für unrichtige Beibehaltung des Zuckermandelfchen Textes oder für irrige
Modifikation desfelben könnte ich noch vermehren; aber zahlreicher find
die Fälle, in denen Holtzmann falfch vokalifiert und damit gegen

of membership have been changed by authority. The
weakness in this part of the work appears to me to lie
in H.'s coneeption of the röle of the Messiah, who is
throughout regarded chiefly as the Institutor of a New
Covenant. The Church seems to be identified with the
Kingdom, not as the result of Christian experience, con-
sequent upon the delay of the Parusia, but as part of
the revealed plan. "The new Israel . . . had reeeived . ..
forgdveness of sins through the sacrificial offering on the

faflung der Texte gebracht wird. Ein eklatantes Beifpiel für letzteres
findet fich S. 52, Z. 16 (IV, 4). In dem Satze ,der diefe Feigen er-
fchuf lief! Holtzmann das Wort für ,diefe' (lifen), als hieße es ibfci"!,
überfetzt ,Lobfinget', und gibt dazu die Bemerkung: .Beachte das Fehlen
vou fli auch nach ibblT. In III, i, 3 (S. 32) kommt einigemal das Wort
31p vor; es ift das 31p, .dargebracht' (vom Opfer); Holtzmann lieft
31p, überfetzt ,nahe', fo z. B. im erften Satze: .Weil das tägliche Morgenopfer
war nahe dem Mittag.' Das will nach ihm fagen: feine Darbringung
fand nahe dem Mittag ftatt; daran knüpft fich natürlich die Bemerkung:
,das ift eine Behauptung der Tofephta, die durch die gefetzlichen Be-

rVne« anrl the assuranre of saWinn" (it 21) Ye« hnt i ftimmungen Exod. 29, 38—42, Num. 28, 3—8, ... widerlegt wird'. Selbft-
Lross, and tüe assurance 01 SaivaUOIl (11,31). Yes, DUt veiftändlich ift in dem betreffenden Satze der Mittag als terminus ad

quem für die Beendigung der täglichen Morgenopfer genannt. — Das
Wort DUbp in IV, 7, 15 lieft er DS3. — In dem Segensfpruch zur Be-
fchneidung (VII, 13) läßt Holtzmann aus ilR3!3 das R willkürlich aus
und lieft ilt)3; für den Imperativ hJJt lieft er das Perfektum n?X und
für 131R13 lieft er UIRttS und überfetzt dies: .unferes Reftes'. Diefe Beifpiele
für falfche Vokalifation, durch die der Sinn geftört wird, mögen
genügen; noch viel xahlreicher find diejenigen Fälle, in denen der
Vokalifator gegen elementare Regeln der Grammatik fündigt. Das weibliche
Zahlwort für zehn ift bei ihm ftets itoS, ftatt "llBS (f. S. 30, Z. 7;
S. 42, Z. 14; S. 92, Z. 6, 7). Den Plural von 12!B3 im Status absolutus
fchreibt er niiflB 3 (S. 70. Z. 6. das Richtige fteht S. 60, Z. 12). Das
Verbum .kochen'' (büJ3) fchreibt er in der Kaiform ftatt der Pielform
(S. 94, Z. II, 12). Das Perfektum Piel von "p3 punktiert er: 1(13
(S. 90, Z. 3). Das in II. Kön. 23,4 fich findende Wort für Sternbilder
punktiert er tlifelu (S. 86, Z. 17). Statt ITiinip, das einmal richtig
punktiert ift (S. 76/ Z. 8), hat er fonft ftets hMWpJ, S. 40, Z. 4 und oft.
Statt nvipB, Bitte, hat er ilttipB (S. 38, Z. 10).

Ich könnte noch eine fehr lange Lifte folcher fprach-
widriger Vokalifationen in Holtzmanns Tofephta-Texte
anführen, aber ich laffe es bei den angeführten bewenden;
fie genügen, um eine Vorftellung von der ärgerlichen und
irreführenden Unkorrektheit diefer Punktation zu bieten.
Merkwürdigerweife werden auch Bibelzitate falfch vokalifiert
, z.B. S.4.Z. 12 (Deut. 5,7); S.36, Z.9 (Daniel6,11);
S. 52, Z. 3 (Prov. 16, 4); S. 64, Z. 4 (I. Sam. 10, 2); S. 88,
Z. 7 (Pf. 35, 10, nicht 30, 5, wie die Anmerkung hat).

Was die Überfetzung betrifft, fo leidet ihre Korrektheit
nicht nur unter den aus der irrtümlichen Lefung der
Texte fich ergebenden Fehlern, fondern auch unter der
Lückenhaftigkeit des zur richtigen und präzifen Wiedergabe
der Tofephta-Texte erforderlichen Wiffens. So vor
allem, was die tannaitifche Terminologie betrifft.

Einer der bekannteften Termini ift i03nb, der angibt, daß ein
Ausdruck des Bibeltextes dazu dient, um in den Inhalt des letzteren
einen neuen Begriff oder eine neue Beziehung einzuführen. Holtzmann
läßt in feiner Cberfetzung von I, IO (S. Ii) die Bedeutung des Terminus
unberückfichtigt; in der Anmerkung aber (S. 10) leidet er fich eine
fonderbare Diftinktion zwifchen !> iOnnb (M. Berachoth I, 5) und HR Ri-3rV5
(Tof. Berachoth I, 10), ohne zu bedenken, daß auch das 5 der Mifchna
das Zeichen des Akkufativs ift. — Den feinem Urfprunge nach zwar
dunklen (f. Terminologie I, 75), jedoch feiner Bedeutung nach ganz
klaren Ausdruck 3 RSV3 (dem Vorhergehenden gleich) Uberfetzt Holtzmann
ftets unrichtig (,wie hervorgeht aus dem:' S. Ii und oft, f. be-
fonders S. 95, Z.7). — In einem auch in beiden Talmuden (j. Berach. 6 c, 39;
b. Berach. 22 a) fich findenden Satze unferes Tofephtatraktates (II, 12)
wird gelehrt, daß gewiffen mit ritueller Unreinheit behafteten Perfonen
trotzdem geftattet ift, zu ftudieren. ,Es ift ihnen erlaubt, die Thora

*

salvation from what? Had the Kingdom already come?
And if the Kingdom had not already come, was Jesus
already, properly speaking, the Messiah? To these ques-
tions, as it seems to me, H. gives no clear answer.

In passing, attention should be drawn to H.'s excellent
discussion of the bearing of Clements Epistle upon the
theory of Apostolic Succession (11,127—141). Further,
the last three chapters of vol. 11 (pp. 188—207) wm give
to Continental readers a very fair impression of the
feelings which lead Anglicans to cling to their historic
affiliation with the ancient Church of pre-Medieval times.
But the special value of H.'s book seems to me to lie
in the characterization of the essence of "Mono-Yahwism"
and its contrast with Greek philosophical monotheism.
Among other things it is an illustration of the energy
and determination with which convincedAnglicans, however
thoroughly they may have assimilated the methods and con-
clusions of historical criticism, continue to hold a really
supernatural theory of religion.

Cambrid ge. F. C. B u r k i 11.

Holtzmann, Prof. D. Ose: Der Tofephtatraktat Berakot.

Text, Überfetzung u. Erklärg. (Zeitfchrift f. die alt-
teftamentl. Wiffenfchaft. 23. Beiheft.) (XVI, 99 S.)
gr. 8°. Gießen, A. Töpelmann 1912. M. 7 —

Die Tofephta ift nicht — wie es in dem Vorwort
(S. IX) heißt — ,der frühefte Kommentar zur Mifchna',
fondern eine diefer parallele Sammlung tannaitifcher
Traditionen und Lehrmeinungen, die nicht in die Mifchna
aufgenommen wurden. In ihrer ganzen Einteilung fich
der Mifchna anfchließend, dient fie derfelben als Ergänzung
und enthält die wichtigften, zum Teil fehr alten, in beiden
■talmuden vielfach verwerteten Materialien für ihr Verständnis
. Darum ift das Studium der Tofephta für das
der Mifchna unentbehrlich, und es war ein verdienftliches
Unternehmen, den erften Tofephtatraktat durch Textbearbeitung
, Überfetzung und Erklärung einem weiteren
isj-eile der Fachgenoffen zugänglich zu machen. Aber
leider ift der Verfallen an feine Aufgabe ohne volle Be-
rw ug des Gegenftandes herangetreten. Dies zeigt
nen lchon im Texte und feiner Punktierung. Den Text