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Ausgabe:

1913

Spalte:

65-66

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Negelein, Julius von

Titel/Untertitel:

Der Traumschlüssel des Jagaddeva. Ein Beitrag zur indischen Mantik 1913

Rezensent:

Strauß, Otto

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

OO T_ T_ t»t Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find au sf c h lie ß Ii c h an - ,__. _ iriin

00. Jaflrg, Nr, 3 ProfefforD. Titius in Göttingen, Nikolausbcrger Weg 66, rufenden. 1. FeDrllar lyio

Rezenfionsexemplare ausfchließlicb an den Verlag.

Negelein, Der Traumfchlüffel des Jagaddeva
(Strauß).

Hart mann, Fünf Vorträge üb. den Islam
(Horten).

Sellin, Zur Einleitung in das Alte Teftament
(Lohr).

Hamilton, The People of God (Burkitt).
Holtzmann.O, Der Tofephtatraktat Berakot
(Bacher).

Buchanan, The four Gospels from the Codex
Veronensis (Hans v. Soden).

Bolland, De groote Vraag voor de Christenheid
onzer dagen (W. Bauer).

Flamion. Les Actes Apocryphes de l'Apotre
Andr6 (Hennecke).

Thompson, The alleged persecution of the
Christians at Lyons in 177 (Harnack).

Corpus Script. Eccles. Lat. Rufini orationum

Gregorii Nazianzeni novem interpretatio, ed.

Engelbrecht (Jülicher).
Handbuch der Kirchengefchichte für Studierende.

I. Tl. Preufchen u. Krüger: Das Altertum (Rinn)
Pierron, Die katholifchen Armen (Lempp).
Generalfynodalbuch, herausg. von Ed. Simons

(Cohrs).

Sulanke u. Pokern, Georg Weißel, e. evangeli-
fcher SängerAltpreußeus 1590—i635(Benrath).

Luzzatti, Freiheit des Gewiffens u. Willens
(Mulert).

Oman, The Church and the Divine Order (Beth).
Richter, Die geiftige Bewegung der Gegenwart

(E. W. Mayer).
Skupnik, Perfönlichkeit (Derf.).
Wiffenfchaftliche Beilage zum 24. Jahresbericht

(1911) der philofoph. Gefellfchaft an der Uni-

vetfität zu Wien (Dorner).

W inkelmann.Die rechtliche Stellung der außerhalb
der Landeskirche flehenden Religions-
gemeinfchaften in Heffen (Eger).

Mott, Die Entfcheidungsftunde der Weltmiffion
u. wir (Boruemann).

Keppler, Homilien u. Predigten (Schian).

Referate: Les Peres apostoliques. IV. — Ma-
thew, The Life and Times of Rodrigo Borgia,
pope Alexander VI. — Lang, Die Domkirche
u. die Domgemeinde zu Halle a. S. 1283 —
I9,z- — Theill, Lectionum praxis. —
Grimmert, Die Paffion des Herrn.

Mitteilung: (4) Omont, Peintures d'un evange-
hare syriaque du XII« ou XIID siecle. (5) Ein
vergeffeuer Lutherpfalter.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefle Literatur.

Negelein, Julius v.: Der Traumlchlülfel des Jagaddeva. Ein

Beitrag zur ind. Mantik. (Religionsgefchichtl. Verfuche
u.Vorarbeiten. XI. Bd, 4. Heft.) (XXIV, 428 S.) gr. 8°.
Gießen, A. Töpelmann 1912. M. 17 —

Der Traumfchlüffel desjagaddeva ift religionsgefchicht-
lich ein äußerft intereffantes Werk. Es läßt uns einen
tiefen Einblick tun in den Aberglauben, der ,von jeher
der Erfatz für die meift in Priefterkreifen gepflegte Me-
taphyfik und die eigentliche Religion des Volkes ift'. Der
ganze Traktat, in einem komplizierten zweizeiligen Metrum
abgefaßt, behandelt in zwei Teilen erft die Glück verheißenden
und dann die Unglück bringenden Träume, und
zwar immer nur im Hinblick auf den Träumer felbft oder
gelegentlich feine nächfte Familie, nicht auf größere Ge-
meinfchaften. Ein auffallender Unterfchied in der Behandlung
zeigt fleh zwifchen den Trauminhalten und der
daraus abgeleiteten Prophezeiung. Jene find von buntefter
Mannigfaltigkeit, diefe meift ganz allgemein und fchema-
tifch: Geldgewinn, Herrfchaft, Glück find fall durchgehend
das Refultat der guten Träume; bei den fchlechten ent-
fprechend Kummer, Vermögensverluft, Krankheit oder
Tod. In der Deutung der Träume finden wir neben
manchen konfequenten Anfchauungen — die weiße Farbe
der gefchauten Gegenftände z. B. ift immer Glück verheißend
, die rote immer unglücklich — auch vieles Sonder

bis zu den modernen Berichten einheimifcher und fremder
Kenner. Und gerade diefe Digreffionen Rheinen mir das
Buch auch für fernerftehende Forfcher, dank der reichen
Belefenheit des Verfaffers, befonders wertvoll zu machen.
An eine Strophe Jagaddeva's über die Möglichkeit, böfe
Träume in gute zu verwandeln, knüpft v. Negelein z. B.
eine elf Seiten umfaffende Erörterung über Sühnezeremonien
nach böfen Träumen; an einer andern Stelle wird
die Rolle von Schatten, Spiegel und Bild im Aberglauben
kurz behandelt; dann wieder hören wir von der Bedeutung
des Regenbogens in der Ominakunde oder vom Baumkultus
, der in Indien feit Alters fehr verbreitet ift. Vor
allem aber hat die indifche Flora eine ungewöhnliche
Berückfichtigung erfahren; daß v. N. fich hier nicht wie
viele mit der einfachen Hinfetzung der lateinifchen Namen
begnügt, darf man befonders dankbar begrüßen.

So wird diefe Arbeit in verfchiedenfter Hinficht mit
Nutzen gebraucht werden können. In den von Wünfch
und Deubner herausgegebenen .religionsgefchichtlichen
Verfuchen und Vorarbeiten' ift nun auch die Indologie
würdig vertreten.

Kiel. Otto Strauß.

Hartmann, Mart: Fünf Vorträge üb. den Islam. (IV, 150 S.)
8°. Leipzig, O. Wigand 1912. Geb. M. 2.70

bare. Daß Waffer im allgemeinen von guter Vorbedeutung j Der bekannte Verfaffer, einer der beften Kenner der

ift, fchlimm aber als Uberfchwemmung, als fchmutziges
Trinkwaffer ufw., läßt fich wohl verliehen; aber andrer -
feits bringt Befteigen von Gegenftänden nicht nur Glück,
fondern auch Unglück, und blutige Verletzungen des
Träumers bedeuten nicht immer Unglück, fondern bieten
auch günftige Ausfichten. So liefert uns der indifche
Autor, deffen Tätigkeit zu unferm Nutzen wefentlich kom-
pilatorifch war, eine fall erdrückende Fülle von Material.

Der Herausgeber und Überfetzer des Traumfchlüffels
hat fich aber nicht damit begnügt, den transfkribierten
Sanskrittext unter Hinzufügung der Varianten zu drucken
und mit einer lesbaren Verdeutfchung zu verfehen, fondern
er hat auch noch ein reiches Parallelenmaterial beigebracht.
Er fchöpft zu diefem Zwecke aus einer größeren Zahl
von Traumtraktaten fowie aus dem weiten Gebiet der
ganzen übrigen indifchen Mantik, von den Brähmana's an
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islamifchen Kultur, will in diefen anfprechend und lebendig
fchildernden Vorträgen ein kurzes Bild des Islams von
feinen älteften Zeiten bis auf die Gegenwart entwerfen. In
allgemein verftändlicher Weife wird die ältefte hiftorifche
Entwicklung der muhammedanifchen Religion gefchildert,
dann der Koran und feine Lehre, die Glanzzeit des Kalifates
, die islamifchen Staatenfyfteme bis zur Neuzeit und,
was befonders dankenswert ift und Beachtung verdient,
der gegenwärtige Zuftand der Islamwelt.

Der eigenartige Gefichtswinkel, unter dem der Verfaffer
die Gefchehniffe im Islam betrachtet, ift ein fozio-
logifcher, der der Gruppenbildung und Gefellung. Das
einzelne Individuum ift für die Gefchichte meiftens wertlos.
Nur feile Gruppen von Individuen haben kulturhiftorifchen
Wert. Sicherlich find fie die Elemente, aus denen fich
das Kulturganze konftruiert. Es find daher neue, fehr

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