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Ausgabe:

1913 Nr. 26

Spalte:

803-804

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Bruno

Titel/Untertitel:

De Cornuti theologiae graecae compendio capita duo 1913

Rezensent:

Goedeckemeyer, Albert

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8o3

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 26.

804

fogar fchon nach der Brhadäranyaka-Upanisad I, 4, 1 ff.
(Deuffen, ,Sechzig Upanishad's des Veda überfetzt' S. 392f.)
das höchfte uranfängliche Wefen Atman fich in eine
männliche und weibliche Hälfte zerlegte, womit auch der
altteftamentliche Adam-Mythus (vorläufig gefagt) irgendwie
zufammenhängt. Die Bezeichnung der Gottheit als
nirguna (attributlos) (Sch. S. 59) ift dem Vedänta und
dem Sämkhya gemein (f. Dahlmann a. a. O.).

Die in der Anm. S. 125 f. vorgetragene Legende aus dem Peria-
Puräna (,Der Sohn des Königs von Tiruvärür, einer Stadt in dem fruchtbaren
Tanjore-Diftrikt, überfuhr einft ein Kalb und tötete es. Die
Kuhmutter wandte üch klagend an den König, indem fie die Gerichtsglocke
vor dem Tore des Königspalaftes läutete. Sobald der König
den Sachverhalt erfahren hatte, verfügte er, daß fein Sohn in derfelben
Weife von einem Wagen überfahren werden folle wie er das Kalb
überfahren habe') findet fich, von einem ceylonefifcheu Könige erzählt,
fchon in der ceylonefifchen Chronik Mahävamsa (5. Jahrh. n. Chr.). Der
Satz, daß es vier Arten der Entftehung von Organismen gebe (S.141),
ift alt, er fteht ähnlich z. B. fchon in der ältcften buddhiftifchen Literatur
(Majjhimanikäya Nr. 12 etc.). Auch die Bilder .Schrift im Wasser', ,Traum'
und ,Fata morgana' für die empirifche Welt find alten Vorlagen entnommen
bezw. ihnen ähnlich, z. B. aus der altbuddhiftifchen Literatur
bekannt (Schaum, Wafferblafe und Fata morgana z. B. Dhammapada
46, 170; Samyutta-Nikäya XXII, 95).

Auf vereinzelte falfche Schreibungen von Sanskritworten, Druckfehler
und Inkonvenienzen des deutfchen Ausdruckes foll der Neben-
fächlichkeit diefer Dinge und der Raumerfparnis wegen nicht weiter eingegangen
werden. Die erfte Gruppe von Verfehen ift ja auch fehr ent-
fchuldbar und die letzte wahrfcheinlich aus langem Aufenthalte in Indien
und der Entwöhnung vom Deutfchen erklärlich, das Verdienft der von
den wenigen Entgleifungen abgefehen klaren und reinen Schreibweife
ift bei diefer Sachlage um fo größer.

In Summa: Das Buch erfcheint dem Ref. gut, und
infoweit es der Miffion zugute kommen foll, mag es wohl
feinen Zweck erfüllen; was die Wiffenfchaft anbetrifft, bedeutet
es aber natürlich keinen Abfchluß, fondern die Auf-
ftellung eines Problemes. Denn es ergibt fich ganz von
felbft die (nicht dem Verf. allein aufzubürdende) Forderung,
daß nachgewiefen wird, woher alle Elemente des Saiva-
Siddhänta flammen. Der Wiffenfchaft muß an de/ Beantwortung
diefer Frage mehr gelegen fein als am Saiva-
Siddhänta felbft. Es find nicht die fchlechteften Bücher,
die neue Rätfei aufgeben.

Königsberg i. Pr. R. O. Franke.

Schmidt, Bruno: De Cornuti theologiae graecae compendio
capita duo. (Differtationes phil. Hai. vol. XXI, p. i.)
(X, 106 S.) gr. 8°. Halle, M. Niemeyer 1912. M. 3.60

Die Arbeit befchäftigt fich mit des Cornutus Schrift
über die Götter, die für uns eine wichtige Quelle für die
fhoifche Götterlehre bildet. Sie ift durchweg philolo-
gifchen Charakters. Nach einer einleitenden Erörterung
über den Titel behandelt das erfte Kapitel die

Frage, ob die Schrift ein echtes Werk des Cornutus oder Koptifchen überfetzte Karwochenliturgie eingefügter Jere-
nur ein Auszug aus einem folchen ift. Nach Ablehnung miastexte. Als Modifikation ergibt fich dabei, daß der
anderer Auf faffungen — der Thefe Langes (p. 4) und Rein- äthiopifche Text Spuren koptifcher Beeinfluffung auf-
hardts (p. 21)—entfcheidet fich der Verfi auf Grund der An- weift. Diefes Refultat veranlaßt den Verfaffer zu einer
reden, die fich in dem zur Unterweifung eines Schülers fyftematifchen Unterfuchung über das Verhältnis des
gefchriebenen Werke finden, für die erfte Annahme (p. 30), Altäthiopen zum Griechen und Kopten, die außer kleineren

unmöglich hält (p. 92), und ein mythologifches Compen-
dium benutzt habe (p. 96), weift auch Spuren des Philo-
xenus nach (p. 97) und betont endlich, daß einiges von
Cornutus felbft hinzugefügt fei (98).

Einige Konjekturen — auch zu Kleanth fr. 503 Arn.
p. 103 — (p. IOI) und Bemerkungen über ungewöhnliche
Ausdrücke (p. 103) bilden den Schluß.

Die Literatur ift vollftändig benutzt, die Durchführung
der Arbeit klar und frei von gewagten Hypothefen, die
Argumente beachtenswert.

Königsberg-Pr. Goedeckemeyer.

Schäfers, Pfr. Dr. Jofeph: Die äthiopifche Überfetzung des

Propheten Jeremias. (VIII, 206 S.) gr. 8°. Freiburg i. B.,
Herder 1912. M. 10 —

Das Hauptverdienft diefer ausgezeichneten Unterfuchung
befteht darin, daß 1. unter den verfchiedenen
Texttypen der äthiopifchen Jeremiasüberfetzung der Alt-
äthiope ficher erkannt und daß 2. der Charakter feiner
griechifchen Vorlage in der Hauptfache richtig, nämlich
als zum Typus des unkorrigierten Cod Sinaiticus gehörig,
beftimmt ift.

Von den beiden Aufgaben, die in den eben fixierten
Refultaten befchloffen liegen, war die erfte die fchwierigere,
weil fie nur nach Durchforfchung umfangreichen hand-
fchriftlichen Materiales und mit Überwindung verkehrter,
von anderer Seite aufgeftellter Thefen zu löfen war. Der
Verfaffer weift nach, daß der Text der Hf. der Berliner
Königl. Bibliothek Peterm. II Nachtr. 42 nicht, wie man
gemeint hat, den Altäthiopen repräfentiere, fondern den
Altäthiopen vermehrt um zahlreiche Lesarten eines arabi-
fchen Bibeltextes, wie er fich in einer arabifchen Hf. zu
Berlin findet und der feinerfeits mit der fyrifchen Jere-
miasverfion verwandt ift. Diefen Text bezeichnet er als
den .vulgären'. Davon zu unterfcheiden ift der ,akade-
mifche', will fagen der von den fpäteren abeffinifchen
Gelehrten revidierte Text, der eine auf Grund von griechifchen
Mff. und mit Zuhilfenahme des hebräifchen
Textes vorgenommene Korrektur des Altäthiopen darfteilt
. Von beiden, dem .vulgären' wie dem .akademi-
fchen' Texte, wieder zu unterfcheiden ift der echte alt-
äthiopifche, der fich in der d'Abbadiefchen Hf. 55 und
dem ms. Orient, berolin. Fol. 3067 Geez erhalten hat.
Diefem gilt die weitere Unterfuchung. Es wird feftgeftellt,
daß der Altäthiope unmittelbar aus der alten nicht hexa-
plarifch beeinflußten LXX, alfo auch nicht aus der
lukianifchen Rezenfion flammt. Diefes Refultat wird dann
beitätigt und zugleich modifiziert durch Vergleichung
einiger aus der altäthiopifchen Bibel in die aus dem

und fucht diefe Entfcheidung fodann mit Hülfe einer kri
tifchen Erörterung der Kompofition wie des Inhalts fio-
wohl zu ftützen (p. 32), als auch dahin zu ergänzen, daß
es fich um einen Auszug aus verfchiedenen Quellen
handle (43).

Mit ihnen befchäftigt fich der zweite Teil der Arbeit.
Als Hauptquelle betrachtet auch Sch. Apollodors Bücher

Nebenrefultaten die Beflätigung abwirft, daß der Altäthiope
ficher nicht = Lukian, fondern direkt aus der
LXX gefloffen ift. Aber aus welchem Texttypus derfelben
? Der folgende Abfchnitt gibt die Antwort: aus
dem Typus des unkorrigierten Sinaiticus, mit dem ja
aber — fo füge ich hinzu — der Vaticanus zufammen-
gehört. Hier ift zur Ergänzung hinzuzunehmen, daß

über die Götter und bemüht fich, diefe allgemein an- j nach S. 187 der Altäthiope einige Male in charakterifti
erkannte Thefe fo genau wie möglich zu fpezialifieren (p. 44). I ficher Art mit B zufammentrifft, nach dem Urteil des
Doch vertritt auch er die Anficht, daß diefe Quelle nicht : Verfaffers jedoch bei weitem nicht fo oft, wie das beim
die einzige ift, und fucht im Folgenden den Nachweis zu ! Altäthiopen und X der Fall ift, und daß nach S. 170
führen, daß Cornutus außerdem zwar nicht unmittelbar ; unter den Beifpielen, die der Verfaffer für die Herkunftaus
Pofidonius, Chryfippus und Kleanthes (gegen fr. 514 des Altäthiopen unmittelbar aus griechifcher Vorlage auf-
Arn.), aber doch aus einem nicht näher zu beftimmenden j geftellt hat, einige derart find, daß fie eher zugunften der
ftoifchen Werke gefchöpft (p. 79), ferner den Commentar I Abftammung von B als wie von X zu fprechen fcheinen.
zur Theogonie des Hefiod, deffen Zeit und Autor ficher | — Der Altäthiope muß, da feine Revifion nicht fpäter
zu beftimmen er freilich im Gegenfatz zu anderen für ! als die erfte Hälfte des 7. Jahrhunderts anzufetzen ift,