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Ausgabe:

1913 Nr. 24

Spalte:

763

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Herwegen, Ildefons

Titel/Untertitel:

Geschichte der benediktinischen Prozeßformel 1913

Rezensent:

Grützmacher, Georg

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Seite 1

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763 Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 24. 764

und Viteau zugänglich gemachten Handfchriften und direkter
Kenntnis des Vindobon. hift. 61 in eindringender Weife das fehr
verwickelte Verhältnis der verfchiedenen griechifchen Rezen-
fionen, die Beziehungen der Metaphraftifchen Vita, der Lobrede
des Johannes von Damaskus, der Kanones und Synaxartexte zu
diefen Rezenfionen, fchließlich das Verhältnis der griechifchen
und fyrifchen Legende. Das Hauptergebnis ift, daß die junge
Wiener Handfchrift die relativ ältefte Faffung bietet und daß der
fyrifche Text aus einer griechifchen Vorlage gefloffen ift, deren
nichterhaltener Typus ein merkwürdiges Kreuzungsprodukt darfteilt
. Intereffant ift der Nachweis, daß die Barbaralegende Entlehnungen
aus der Georgslegende aufweift und daß andrerfeits
die fyrifche Baffuslegende die meiften ihrer Motive der Barbaralegende
bzw. einer Vorlage derfelben entlehnt hat.

Straßburg. Anrieh.
Rothenhäusler, P. Matthäus: Zur Aufnahmeordnung der Regula
S. Benedicti.

Herwegen, P. Ildefons: Gefchichte der benediktinifchen Profeß-
formel. (In: Beiträge zur Gefchichte des alten Mönchtums
u. des Benediktinerordens,hrsg.v.l.Herwegen. Heft3. Studien
zur benediktinifchen Profeß.) (VIII, 96 u. 72 S.) gr. 8».
Münfter, Afchendorff 1912. M. 4.50; geb. M. 6 —

In dem erften Auffatz über die Aufnahmeordnung der Regel
Benedikts behandelt P. Rothenhäusler zunächft den formalen Akt
der Aufnahme. Die Ausftellung einer Urkunde ift das originellfte
Stück im Aufnahmeakt der Benediktinerregel, fie findet fich
weder bei Pachomius noch bei Kaffian. Ihr Sinn ift eine petitio,
eine Bittfchrift um Aufnahme in den Klofterverband. Im 2. Teil
wird das von Benedikt fogenannte Verfprechen der conver-
satio morum, befonders auch unter Berückfichtigung der ein-
fchlägigen Verordnungen Kaffians unterfucht. R. kommt zu dem
Refultat, daß unter der conversatio morum ein Verfprechen über
den ,Wandel der Sitten' zu verliehen ift, fei es als ,Bekehrung
der Sitten', fei es als Verfprechen in Bezug auf die fittliche
Lebensführung. Bei diefer conversatio morum oder, wie fie
fpäter genannt wird, der conversio morum handelt es fich um die
allgemeine Pflicht des Mönchtums. Um fie gruppieren fich die
2 anderen Gelübde, der Gehorfam gegen Regel und Abt, der die
Zönobiten von den Anachoreten unterfcheidet, und die Beftändig-
keit im Verbände die stabilitas loci, die das Sondergefetz der
benediktinifchen Zönobiten ift. Im 3. Teil wird das Wefen des
benediktinifchen Profeß und die rechtliche Natur des Aufnahmeaktes
erörtert.

In dem zweiten Auffatz gibt P. Herwegen eine Gefchichte
der Benediktinifchen Profeßformel, die in den älteften Zeiten
ftarke Wandlungen durchgemacht hat. Er zieht, nachdem er die
urfprüngliche Form nach der Regel Benedikts befprochen hat,
die ältefte Formel von Montecassino, die petitio monachorum der
Formelfammlung von Flavigny, das Profeßbuch von St. Gallen, die
Formel von Albi, des Paulus Diaconus und Hildemar und endlich
die promissio und petitio des Smaragd heran. Erft im karo-
lingifchen Zeitalter wurde die urfprüngliche Profeßform durch
die Mönchsreform Benedikts von Aniane wieder hergeftellt.

Beide Auffätze find mit mufterhafter wiffenfehaftlicher
Methode gearbeitet. Ihre fubtilen Einzelunterfuchungen, die nur
bisweilen im erften Auffatz von umftändlicher Breite find, verdienen
nach m. M. durchaus Zuftimmung.
Heidelberg. G. Grützmacher.

Mitteilungen.

37. Die Catenenhandfchrift des Meurfius. 1617 er-
fchien bei Elzevir in Leiden eine der vielen Publikationen des
damaligen Leidener Profeffors J. Meurfius unter dem Titel ,Eusebii,
Polychronii, Pselli, in Canticum Canticorum Expositiones Graece.
Ioannes Meursius Primus nunc e tenebris eruit, et publicavit'.
Dies Buch enthält außer der Widmung und einem kurzen Vorwort
1) S. 1—74 eine fälfehlich dem Eufebius zugefchriebene Catene
zum Cant. = Karo et Lietzmann, Catenarum graecarum catalogus
Typus V = Faulhaber, Hohelied-, Proverbien- und Prediger-
Catenen Typus E, 2) S. 75—112 eine andere, dem Polychronius
zugefchriebene Catene zum Cant. = Karo-Lietzmann Typus I ==
Faulh. Typus D, 3) S. 113-168 den poetifchen Kommentar des
Michael Pfellus zum Cant., über welchen Faulh. S. 13f. zu vergleichen
ift. Am Schluß folgen auf S. 169—186 ,Notae' von Meurfius
, befonders Verbefferungen der mannigfachen Fehler der Texte.
Über die Herkunft der beiden erften Texte, die uns hier allein
angehen, fagt Meurfius im Vorwort: ,Priorem utrumque e mea
Bibliotheca deprompsi'. Danach gibt Lietzm. S. 312 Z. 6 v. u.

richtig an, daß die Ausgabe ,ex codice Meursii' flamme; S. 314
Z. 3 identifiziert er den Codex Meursii fragweife mit der Bafeler
Handfchrift A. VII. 6, aber diele Gleichung ift verfehlt. Faulh.
kommt S. 48 durch Kombination zweier falfch gedeuteter Äußerungen
des Meurfius zu dem irrigen Schluffe, daß Meurfius eine
Hf. der kurfürftlich bayrifchen Bibliothek benutzt habe. Richtig
aber fchließt er S. 48f. 53f. aus einer Vergleichung der ihm bekannten
HIT. mit der Ausgabe des Meurfius, daß keine von ihnen
die Quellenhandfchrift fein kann, aus der die Ausgabe des Meurfius
gefloffen ift. Und befonders wertvoll ift es, daß er bei diefer
Gelegenheit auf einige charakteriftifche Fehler in den von Meurfius
herausgegebenen Texten hinweift, an denen man die Quellenhandfchrift
erkennen kann. Denn hiernach läßt fich leicht be-
weifen, daß fie fich noch heutigen Tages in Leiden befindet und
zwar in der Univerfitäts-Bibliothek als Codex Vulcania-
nus 50. Schon in dem 1910 erfchienenen Katalog der Codices
Vulcaniani ift die Identität als möglich bezeichnet (,fortasse'), fie
ift aber nicht nur möglich, fondern ganz ficher. Denn der Cod.
Vulc. 50, eine Hf. des XV. oder vielleicht XVI. Jahrh., enthält
nicht nur im Unterfchied von allen bisher bekannten Hff. beide
Catenen in derfelben Reihenfolge, wie fie Meurfius herausgegeben
hat, fondern weift auch die von Faulh. bemerkten Charakteriftika,
die fich in anderen HIT. höchftens einzeln nachweifen laffen, vereint
auf. Die Pfeudo-Eufebius-Catene fchließt im Vulc. auf Bl. 47 b
unvollftändig mit fiia toxi x% LirjxgL Die Überfchrift der Poly-
chronius-Catene beginnt Bl. 48a mit den Worten vjio Ilolvxgoviov
Siaxövov avvax&ev (Meurfius hat dies hinter 'E^yyrjaig dicupÖQwv
elg xb 'Aatia xü>v äaituxajv geftellt und ovvayßtv in ovvax&ücsa
korrigiert). Bl. 63a fchließt mit der Auslegung von Cant. 4,3, die
Rückfeite desfelben Blattes beginnt unter Überfchlagung mehrerer
Kapitel mit Cant. 7,5. Auch der von Faulhaber hervorgehobene
Schreibfehler iv öcp&aX/zov ftatt iv by&aXpoTq avxov Cant. 8,10
findet fich Bl. 67b Z. 13f. Überhaupt flammen die Fehler der
beiden Catenentexte, welche Meurfius in den Notae S. 177—182
mehr oder weniger richtig verbeffert, fall fämtlich aus dem Cod.
Vulc; ich greife nur einige gravierende heraus: Meurfius S. 41
Z. 26 = Cod. Vulc. Bl. 27 b Z. 3 v. u. ävEvijOav ftatt ävxßrjoav,
S. 43 Z. 26 = Bl. 29a Z. 13 xqexqoI ftatt vsßgol, S. 44 Z. 1 =
Bl. 29a Z. 18 rexgoTg ftatt vsßgoig, S. 73 Z. 1 = Bl. 46b Z. 13 itbr
ftatt cetwv. Nur feiten hat Meurfius bloße Druckfehler zu ver-
beffern, zum Beifpiel S. 24 Z. 4 nagaxEio&ecoci ftatt nageixaaO-eTaa,
wie die Hf. Bl. 16a Z. 12f. richtig bietet. Es kann alfo keinem
Zweifel unterliegen, daß der Cod. Vulc. 50 in der Tat die Quelle
der Ausgabe des Meurfius ift. Nur ein Punkt ift dabei nicht ganz
klar. Aus den oben angeführten Worten in dem Vorwort des
Meurfius ,e mea Bibliotheca deprompsi' und aus einem parallelen
Ausdruck in der Widmung ,e mea (seil. Bibliotheca)' möchte man
fchließen, daß der Cod. Vulc. 50 damals im perfönlichen Befitz
des Meurfius gewefen wäre. Aber das ift unmöglich. Denn diefer
Codex ift mit den übrigen Vulcaniani fogleich nach dem Tode
ihres früheren Befitzers, des 1614 verftorbenen Bonaventura Vul-
canius, in die Univerfitäts-Bibliothek übergegangen und wird 1615
in einem von der Bibliotheks-Verwaltung aufgenommenen Inventar
, das im Vorwort des 1910 erfchienenen Katalogs der Codices
Vulcaniani abgedruckt ift, unzweideutig mit aufgeführt (S. IV Nr. 5).
Alfo kann er nicht zwei Jahre fpäter im Befitze des Meurfius gewefen
fein. Entweder hat Meurfius die Univerfitäts-Bibliothek,
die er gewiß eifrig benutzte, in etwas freier Weife als feine Bibliothek
bezeichnet, oder er hat fich eine ganz genaue Abfchrift
des Cod. Vulc. 50 verfchafft und nach diefer die Texte drucken
laffen.

Göttingen. A. Rahlfs.

38. Apokalypfe des Elias. In dem von Budge herausgegebenen
Coptic biblical texts in the dialect of Upper Egypt,
London 1912 befindet fich auf dem letzten Blatte des Papyruscodex
7594 des British Museum ein längerer Text von der Hand eines
Lefers, wie derartige fremde Zufätze häufig in koptifchen Hdfchrr.
auf unbenutzt gebliebenem Raum angebracht zu werden pflegten.
Auffällig ift hier die ftark an griechifchen Duktus erinnernde Kurfive
im Gegenfatz zu der Unzialfchrift des Kodex. Auf Grund forg-
fältiger Unterfuchungen der Schrift und des Textes der Acta datiert
Dr. Kenyon die Niederfchrift des Kolophon auf die Mitte des 4.
Jahrhunderts (Introd. LXlIIsq.), fo daß damit auch eine fichere
Datierung für den Kodex felbft gewonnen wäre, wenn der Kolophon
bald nach der Vollendung des Kodex hinzugefügt wäre. Den
Theologen intereffiert zunächft nicht die Paläographie, fondern die
Frage nach dem Inhalte des Stückes, denn diele Frage ift weder
von dem Herausgeber, noch von feinen Rezenfenten gelöft worden,