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Ausgabe:

1913 Nr. 24

Spalte:

748-749

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

d‘Alès, Adhémar

Titel/Untertitel:

La Discipline pénitentielle d‘après le Pasteur d‘Hermas 1913

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 24.

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So ergibt das Büchlein neben manchem Vorfchlag,
der nicht durchdringen wird, allerlei Beachtenswertes;
z.B. die Änderung DM93 für ityi in 17,11 oder stfr; foija
Di'in in 20,10. Gut ift auch der Beitrag zu der vielum-
ftrittenen Stelle 19,26, deren Text der Vf. unter Beiziehung
derSeptuaginta forgfältig unterfucht; er lieft: insi
SgÜS« nrns inntean ins qpP ia"W (dann wird mein Bürge
mich aufrichten und als meinen Zeugen werde ich Gott
fchauen). Den Schluß der .Klage Hiobs' 31,35—37 erklärt der
Vf.in eigenartiger Weife; Hiob lege eine Verteidigungsfchrift
mit feiner Unterfchrift vor, 'isch ribi fei der Satan (nicht
Gott) und Hiob wünfche fich einen Freund, der von Gott
beauftragt die Sache unterfuche, diefem wolle er einen
Kranz auffetzen. Durch eine folche Erklärung wird die
Szene abgefchwächt und um ihren bedeutenden Inhalt gebracht
; der Höhepunkt der Klage wird in 31,35—37 eben
damit erreicht, daß Hiob von allen Menfchen verlaffen
nur noch Gott gegenüber und an Gott gewiefen dafteht
und in der Gewißheit feiner Unfchuld den Proteft gegen
fein Gefchick ausfpricht.

Tübingen. Volz.

Emmet, Rev. Cyril W., M. A.: St. Paul's Epistle to the
Galatians. (31, 68 S. m. 1 färb. Karte.) gr. 8°. London,
R. Scott 1912. s. 3.6

The Reader's Commentary of which this is a vo-
lume, is a populär Commentary on the books of the j
New Testament in English, the English Revised Version !
being printed as the Text. Thus it is designed to be
of use to those readers who know no Greek. If all the
volumes in the series are as good as this one, it will
certainly be very valuable. There is nothing original in
the book, but Mr. Emmet has made use of much
recent work on the subject of the Epistle, and has set
forth what he has to say in a lucid and readable form.
He has made great use of Professor Kirsopp Lake's
Earlier Epistles of St. Paul, and as a rule has ac- 1
cepted his conclusions. He also expresses his obligations !
to the work of Zahn and Lietzmann. And through !
out the commentary we see traces of the influence
of Sir William Ramsay.

There is a brief and lucid statement of the problem
of the destination of the Epistle, and the editor comes
to the conclusion that it was written to the Churches
in the South of the Province of Galatia. He goes at rather
greater length into the question of the date, which
is so important for the interpretation of the Epistle, as
indeed for the reconstruction of the course of events
in Apostolic times. He places the Epistle before the
Apostolic Council, here following Lake. Perhaps he does
not attach quite sufficient importance to the view of
some scholars that it cannot have been separated by a
long interval from the Epistle to the Romans. But there
is very much to be said for the view which he adopts. In
a new Edition he will be able to quote Sir William Ramsay
for this view, though in this edition he cites him
as dating the Epistle between the Second and Third
Missionary Journeys. For in a recent number of the Ex-
positor Ramsay has discussed the question afresh, and
come to the same conclusion as Lake.

The commentary is lucid and fresh throughout, and
likely to be intelligible to those who have not had a
theological training. There is an Index, and a conve-
nient map of Asia Minor.

Altogether the book is to be welcomed. It is just
the kind of book that is needed to bring the results of
recent study of the New Testament within the grasp of
the ordinary unprofessional reader of the Bible, who I
cannot be expected to read large books, but who wants
to be told the kind of thing which students are saying
today, and who ought not to be put off, as he so often
is in England, with an appeal to the authority, great

though it is, of Bishop Lightfoot. Perhaps the most admi-
rable feature of this book is that the writer has used
Lightfoot with discrimination. He has clearly made use
of him, but he sees where later study has made inevitable
a modification of Lightfoot's conclusions, and he has not
hesitated to use his own judgement.

Cambridge, Engl. G. H. Clayton.

Thumb, Prof. Albert: Satzrhythmus und Satzmelodien. (Fort-
fchritte der Pfychologie I. Bd., Heft 3, S. 140—168)
Leipzig, B. G. Teubner.

Th. fucht die bisherige Forfchung über künftlerifch
rhytmifche Satzbildung zu ergänzen durch Unterfuchungen
über Rhythmus der natürlichen Sprache, indem er an Probe-
ftücken die relative Häufigkeit von Gebilden wie — —,
— ^ —, — ^ ^ — ftatiftifch darlegt, für die fpätere Zeit
nach Umwandlung des mufikalifchen in den dynamifchen
Akzent ftatt der Silbenquantität den Akzent zugrunde
legt. Schlüffe auf die Modulation im Schluß von Auslagen
und Fragefatz zieht Th., indem er die Frequenz
der verfchiedenen Akzente am Satzfchluß unterfucht.
Für das N. T. nimmt der Verf. akzentuierenden Rhythmus
an. In dem Satze S. 139. 140 wird nicht genügend beachtet
, daß die hebraifierende Färbung vor allen in der
Satzbildung fich zeigt. Wilamowitz' Bemerkung gegen
Litzika (Hermes XXXIV 216) fcheint S. 143 nicht be-
rückfichtigt zu fein. Eine knappe Zufammenfaffung diefes
Auffatzes gibt der Verf. im Anhange feiner neuen Auflage
von Brugmanns Griechifcher Grammatik (1913). Das
Intereffe moderner Pfychologen an den Methoden der
Sprachftatiftik ift erfreulich; hoffentlich äußern fie fich
auch zu der Frage, wie weit die Sprachentwicklung des
Kunftfchriftftellers unbewußt und gefetzmäßig, wie weit
fie durch den Willen des Individuums beftimmbar ift.

Göttingen. Paul Wendland.

Baumeilter, Repet. DD. Ansgar: Die Ethik des Paftor

Hermae. (Freiburger theolog. Studien 9.) (XIV, 146 S.)
gr. 8Ü. Freiburg i. B., Herder 1912. M. 3 —

d'Ales, Adhemar: La Discipline potentielle d'apres le Pa-
steur d'Hermas. Extrait des Recherches de Science
religieuse. Paris, Bureaux des ,Recherches' 1911. (60 S.)
gr. 80.

Eine Ethik des Paftor Hermae ift von vornherein
ein vergebliches Unternehmen (vgl. die richtige Einficht
S. 67). Der Verf. wird mit feinen breiten Ausführungen
und ftholaftifchenDiftinktionen der volkstümlichen Art des
Hirten nicht gerecht; er verkennt, daß deflen Sprache
getränkt ift mit biblifchen Wendungen und formelhaften
Phrafen, die keine Syftematifierung vertragen. Der zweite
Fehler ift die ungefchichtliche Betrachtungsweife: von der
befonderen Situation der Verfolgung, die allein Hermas'
Bußpredigt erklärt, ift kaum die Rede. Der Verf. ift
einerfeits intereffiert an dem Heiligkeitsideal der ,herma-
fianifchen Ethik': Bewahrung der in der Taufe gefchenkten
Reinheit; zum andern am Glaubensproblem: der Glaube
wird erft etwas durch die Werke. Man kann aus den
Ausführungen manches für Hermas lernen, der ja in der
Tat ftark katholifiert, muß aber die Gefamtbeurteilung doch
als unzutreffend ablehnen. Das Dilemma: theoretifch oder
ethifch beim Glauben ift falfch. ,Welker Glaube' fetzt
nicht voraus, daß er Lebensfaft aus den Werken empfängt
, fondern daß er bei Lebensfaft Werke triebe,
während er von den Schmarotzern Zweifel und Weltfinn
ausgefaugt, unfruchtbar bleibt. Was S. 50 zu Vis. III, 7.5
über den Strafort gefagt wird, ift fprachlich nicht zu
halten.

Auch die Arbeit von d'Ales, ein Sonderdruck aus
den Recherches de science religieuse, leidet an dem-
felben Fehler der ungefchichtlichen Auffaflung: er will