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Ausgabe:

1913

Spalte:

737-741

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Frischeisen-Köhler, Max (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Jahrbücher der Philosophie. 1. Jahrg 1913

Rezensent:

Jerusalem, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Llc. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrlchs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

~ Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlicb an _T _ li-tio

08. Jahrff Nr 24. ProfefibrD. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. 22. NOVeiTLDer PtTTO

O" *-ct: Rezenfionsexemplare ausfchließlicb an den Verlag.

Jahrbücher der Philofophie (Jerufalem).
Stübe, Confucius (Haas).

G r a p o w, Das 17.Kapitel des ägyptifchen Totenbuches
(Wiedemann).

frazer, The Belief in immortality and the Wor-
ship of the Dead (E. W. Mayer).

Gunkel, Genefis. 3. Aufl. (Bertholet).

Richter, Erläuterungen zu dunkeln Stellen im
Ruche Hiob (Volz).

Emmet, St. Paul's Epistle to the Galatians
(Clayton).

Thumb, Satzrhythmus und Satzmelodien (Paul
Wendland).

Baumeifter, Die Ethik des Paftor Hermae (v.
Dobfchütz).

d'Ales, La Discipline pehitentielle d'apres le

Pasteur d'Hermas (v. Dobfchütz).
Gli antichi vescovi d'Italia (Harnack).
Wiilk u. Funk, Die Kirchenpolitik der Grafen

v. Württemberg (Boffert).
Liebenau, Der Franziskaner Thomas Murner

(Lempp).

Müller, Luthers theologifche Quellen (Scheel).
Borrmann, Ermland und die Reformation
(Wotfchke).

See holzer, Staat u. römifch-katholifche Kirche
in den paritätischen Kantonen der Schweiz
(W. Köhler).

Heim, Das Gewißheitsproblem in der fyftema-
tifchen Theologie bis zu Schleiermacher (Johannes
Wendland).

Bonus, Zur religiöfen Krifis (Thimme).

Geyer u. Rittelmeyer, Warum bleiben wir
in der Kirche? (Niebergall).

Referate: Wilfon, The Origin and Aim of the
Acts of the Apostles. —Weyh, Die fyrifche
Barbara-Legende. — Rothenhäusler, Zur
Aufnahmeordnung der Regula S. Benedicti.
— Herwegen, Gefchichte der benedik-
tinifchen Profeßformel.

Mitteilungen: (37) Die Catenenhandfchrift des
Meurflus. — (38) Apokalypfe des Elias. —■
(39) Neue griechifch-fahidifche Evangelienfragmente
.

Wichtige Rczeufionen. — Neuefte Literatur.

Jahrbücher der Philofophie. Eine kritifche Überficht der ! richtung bemüht fich, eine eigene Geltungs-Sphäre des
Philofonhie der Gegenwart. Hrsg. in Gemeinfchaft m. i Logifchen abzuftecken, die fowohl gegenüber der Meta-

.... t- 1 ° n- a/iw -Rv;r,~b..;c=„ ! phyfik als befonders gegenüber der Pfychologie ihre

zahlre rhen Fachorenoflen von Max Pnlcneilen-Kohler. £ fu/li. ,. , .. , 6 °. , . A , 3 c. ,ö. .

zanireicnen x-dc,uaci v _ _ - _ , ; Selbftandigkeit zu wahren fucht. Aus der Struktur der

i. Jahrg. (XI, 384S.)gr. 8°. Berlin, E. S. Mittler & Sohn ; menfchlichen Vernunft follen durch .phänomenologifche'

1913. M. 8—; geb. M. 9.50 ! Unterfuchungen Sätze abgeleitet werden, die a priori feft-

Bei der geradezu unüberfehbar gewordenen Fülle der ftehen, unabhängig von jeder Erfahrung gelten und aller

philofophifchen Literatur find Jahresberichte, kritifche ; wiffenfchafthchen Forfchung zur Grundlage und Voraus-

Uberfichten und gut geordnete bibliographifcheZufammen- 1 fetzung dienen mühen.

ftellungen nicht nur dem philofophifch intereffierten Laien,
fondern auch dem Fachmann fehr willkommen. Die Jahrbücher
', von denen der erfte Band vorliegt, dürfen alfo
von vornherein auf eine fympathifche Aufnahme rechnen.
Der Erfol°" des Unternehmens wird ielbftverftändlich von

Daß ein derartiger logifcher Apriorismus eine latente Metaphyfik
enthalte und zu ontologifchem Spiritualismus führt, habe ich in meinem
auf dem Heidelberger Kongreß (1908) gehaltenen Vortrag über .Apriorismus
und Idealismus' (Kongr. Ber. 806 ff.) zu beweifen verflicht, und
dies ift auch jüngft von einem angefehenen Vertreter des Apriosismus,
von Windelband, zugegeben worden (Enzyklopädie philof. Wiffen-

der Gefchicklichkeit in der Anordnung, von der ftrengen ] fchaften hrsg. v. A. Rüge, S. 4). Gegen die Möglichkeit einer .reinen

Objektivität in der Darftellung und Beurteilung fowie von L°g'k' überhaupt habe ich in meinem Buche ,der kritifche Idealismus

der Genauigkeit und Verläßlichkeit in den bibliographifchen ^ -^g' ^^0^0%^

Angaben abhängen. Der Herausgeber lagt in den ein- fe;nc Betrachtungsweife hineingedacht, daß es ihm unmöglich geworden

führenden Worten, daß die Jahrbücher' keine Populari- ! ift, einen anderen Standpunkt zu verftehen. Dies zeigen deutlich feine

fieruns- der Philofophie beabfichtigen, aber doch auch Bemerkungen über den Pragmatismus (35fr.). Die .fpezififche Thefe' des

j rir r l 11 j___a:<* mi fl-oirrpnriW 7 oh] .rr.n Pragmatismus ift keineswegs die Behauptung: ,daß „Wahrheit' und

,den Wunfchen aller derer die m lteigender Zahl von iiXntzen.. infammenfaileil.. Der Grundgedanke diefer neuen Forfchungs-

andern Wilfenfchaften aus Puhlung mit der gegenwartigen ; raethode ift vielmehr der, daß das Denken nicht aus dem Denken fondern

Philofophie fuchen, fo denjuriften, Medizinern, Phyflkern, ; aus dem Leben erklärt werden mUffe. Die Auffaffung des Denkprozeffes

Theologen ufw entgegenkommen' wollen. Der Heraus- j als Lebensvorgang hat zweifellos auf neue Beziehungen des Urteils zum

geber bemerkt ferner daß die Mitarbeiter ,auf dem j H?nd.eI° a"fTerkfam gemacht und hat fleh zum minderten als heuriftifches

Keuer pemerKI ieTucr' ■ c;n ' , npupn ' P™ztp bewährt. Von Freytags und Schwartzkopffs fcharfflnnigen Unter-

Boden einer kntifchen Philofophie in weitem Sinne ftehen, fuchungen erfährt roan eh^eD^ wie von deHm neuen RealfsmuSi auf

Und glaubt, daß dadurch JoWOhl der Geiahr der Zer- , den flch fechs amerikanifche Philofophen geeinigt haben (Journal of

fplitteruno- als auch der Gefahr, zu dem Organ einer be- 1 Philofophy etc. Bd. 7. (1910) S. 393 ff.). Der Beitrag ift mehr ein Plai-

fondern Schule zu werden, vorgebeugt' fei. Die Jahr- doyer, als ein Bericht.

bücher' follen fo angeordnet werden, daß nicht jeder
Jahrgang alle Gebiete umfaffe, fondern daß die einzelnen
Bände einander ergänzen.

Hönigswald fcheidet in feinem Bericht über Naturphilosophie
fcharf zwifchen der Erforfchung der Natur
und dem Nachdenken über den Sinn und die Bedeutung

Der vorliegende Band bringt folgende Berichte: Er- j diefer Erforfchung. Das letztere ift Aufgabe der Natur
kenntnistheoi-ie nebft den Grundzügen der Logik , philofophie. In diefem Sinne befpricht er fehr klar und
(Ernft Caffierer), Naturphilofophie (Rieh. Hönigswald), lichtvoll die Probleme der Trägheit, der Energie, der vir-
Das Relativitätsproblem (M.Laue), DasZeitproblem ! tuellen Gefchwindigkeiten, der relativen und abfoluten
(Max Frifcheifen-Köhler), Die Philofophie des Orga- Bewegung, die Begriffe des abfoluten Raumes und der
nifchen (JuliusSchultz),GrundfragenderPfychologie abfoluten Zeit, die Atomiftik, die Natur der Qualität und
(Jonas Cohn), Die experimentelle Pfychologie im gibt uns einen fehr dankenswerten Einblick in den jetzigen
Jahre 191 1 (Auguft Meffer), Gefchichtsphilpfophie 1 Stand diefer Fragen. Innerhalb der felbftgefteckten Grenzen
(Georg Mehlis), Soziologie (Othmar Spann), Afthetik J orientiert Hönigswald vortreftlieh. AlsftrammerAnhänger
und allgemeine Kunftwiffenfchaft (Emil Utitz). I des logifchen Apriorismus verfpürt er offenbar keine
Ernft Caffierer gibt in feinem Bericht eine fcharf- Neigung, über neuere kosmologifche Spekulationen, wie
finnige und energifche Verteidigung des .logifchen Idealis- I fie z. B. Th. Lipps in der 2. Aufl. der Philofophie zu Be-
mus'. Diefe jetzt in Deutfchland fehr verbreitete Denk- ginn des zwanzigften Jahrhunderts angeftellt hat, zu be-

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