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Ausgabe:

1913

Spalte:

715-716

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Papadopoulos, Chrysostomos A.

Titel/Untertitel:

Samouel Kapasoules papas kai patriarches Alexandreias (1661 - 1723) 1913

Rezensent:

Meyer, Philipp

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HS

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 23.

716

wort erfahren, eine Beweisführung an anderer Stelle antreten
. Eine folche ift nicht nur durch das Fehlen des
Kopfes der Handfchrift, fondern auch — wenigftens für
den, der die einen ähnlichen Text bietende und gewiffer-
maßen die Fortfetzung zum cod. Hamb, bilden follende
Handfchrift cod. Paris 303 nicht einfehen kann — durch
das Fehlen des zweiten Teiles erfchwert. In diefen
noch nicht publizierten Partien, die der Zeit des Severus
am nächften liegende Stoffe behandeln, wird man am
eheften deffen Eigenart faffen und von dort aus vielleicht
ziemlich ficher auch das andere beurteilen können. Immerhin
möchte ich, ohne der Seybold'fchen Unterfuchung
vorgreifen zu wollen, folgendes fagen. Wenn wir es hier
mit einem von Servus nur bearbeiteten Werke zu tun
hätten, wäre deffen Arbeitsanteil ein fehr dürftiger und
ginge nicht über die Stilifierung und fporadifche Ergänzung
des Textes hinaus. Nun wiffen wir ja, daß des
Severus Werk Bearbeitungen unterworfen worden ift, und
werden deshalb in dem vulgären Text leichter eine Bearbeitung
des Textes des Severus erblicken als eine von
Severus vorgenommene Bearbeitung eines fremden Werkes
. Außerdem kann man leicht in den Worten Corpus
S. 5 Z. 6: ,Es fagt der Verfaffer diefer Biographie, Severus
ufw.' einen Späteren reden hören, der das in den folgenden
Zeilen redende, aber nicht genannte ,Ich' feinen Le-
fern vorftellen und vor dem Unbekanntwerden fchützen
wollte. Ich bin deshalb von vornherein geneigt, dem
Urteile Seybold's beizutreten, will aber ein definitives Urteil
nicht fällen, bis deffen Beweisführung vorliegt. — Dem
Vorftande der hamburgifchen Averhoff-Stiftung, welcher
die Mittel zu einer fo fchönen, nur einem kleinen Kreis
von Fachgelehrten zugänglichen Publikation bewilligt hat,
gebührt die wärmfte Anerkennung.

Daffenfen, Kreis Einbeck. Hugo Duenfing.

Tlanad6JtovXoq, Xgvoöaxonoq A:. JIbqI xf}q ejtiGxrj-
fiovixrlq ctgdGevjq xov MeyäXov &oixfov, naxgiägxov
KmvoxavxivovjcöXecoq. (37 S.) 8°. Ev A&Tjvatq, xtvioig
Aq. E. AaXrjö/ia & 2a 19x2. Dr. 1 —

— JIsqI xtfq hXXrvix.r]q exxXxiGiaGxixf]q yQovoygatpiaq
xov iGx' aiötvoq. (48 S.) 8°. 'Ev AXe^avögeia ex xov
jtaxotaQXixov Tvjtoygaq>eiov 1912.

— XatiovviX KaxaGovXrq jtctJtaq xal jcaxgiagxr]? AXe-
gavdgeiaq (1661—1723). (98 S.) 8°. Ev AXegavögela
ex xov xaxQiaQxixov xvjcoygaqjlaq 1912.

Diefe drei Schriften hat der Verfaffer fchon in feiner
neuen Stellung, als öuvd-vvxrjq xrq PiCagetov öxoXfjg in
Athen verfaßt. Möge ihm fein neuer Beruf Zeit laffen,
noch weiter in der Gefchichte feiner Kirche zu arbeiten.

1. Die erfte ift eine Rede bei der Gründung des
wiffenfchaftlichen Vereins ,'0 Meyaq <Pa>xioq' und ftellt die
wiffenfchaftliche Arbeit des großen Patriarchen und Vorkämpfers
der Orthodoxie im Anfchluß an feinen Lebensgang
dar. Das Refultat: ,Evxevd-ev r ejiioxrjfiovixr] avxov
ögäoiq vjcfjgq~e d-e/ieXiov xov veov otvevfiaxixov olxoöourj-
fiaxoq xov rj/iexegov revovq' (S. 36) kann man gelten laffen,
wenn man dabei an die Begründung der Orthodoxie denkt,
die Photios allerdings feiner Kirche gegeben hat, denn
mit feinen Waffen hat fie den Kampf gegen die lateinifche
Kirche geführt. Über Photios haben in letzter Zeit
manche Griechen und Ruffen gefchrieben. Ob man ihn
zum /Thomas' der orthodoxen Kirche erheben will?

2. Die zweite Schrift ift der Chronographie der grie-
chifchen Kirche im 16. Jahrhundert gewidmet. Im 16. und
17. Jahrhundert namentlich hatten die Griechen nur in dem
ßißliov iöxogixöv', das unter dem Namen des Dorotheos
von Monembasia ging, eine Darftellung der Gefchichte
ihrer Kirche. Das Dunkel, das über der Herkunft diefer
Chronik lagerte, hat zuerft Th. Preger mit feinem Auffatz
,Die Chronik vom Jahre 1570' (Byzant. Zeitfchr. Jahrg. XI

1902) gelichtet, in dem er nachwies, daß die zuerft 1631
herausgegebene Chronik des fog. Dorotheos v. Monembasia
wenigftens dem Hauptinhalt nach fchon in der ,Chronik
von 1570' enthalten fei, von der man ziemlich viele Hand-
fchriften kennt. Die Frage nach dem Verfaffer, die Preger
unentfchieden läßt, greift nun Papadopulos auf. Er
fchreibt fie dem aus der Turcograecia des M. Crufius als
Verfaffer einer kürzeren gefchichtlichen Zufammenftellung
bekannten Manuil Malaxos zu, der allerdings in einigen
Handfchriften als Verfaffer erfcheint. Die Beteiligung des
Studiten Damaskinos, auch die des Theodoros Zygomalas
lehnt er ab. Die letzte Redaktion verdanke fie dem
Hierotheos v. Monembasia. ,Dorotheos' fei ein Irrtum.
Das Letztere ftimmt, ift auch fchon von Sathas nach-
gewiefen. In den übrigen Aufftellungen kann ich dem
Verfaffer nicht recht zuftimmen. Ich bin mit Preger der
Anficht, daß für die Löfung der Frage nach dem Verfaffer
der Chronik noch nicht genug Material vorliegt.
Über die Einzelfragen habe ich mich in meiner ,Theo-
logifchen Literatur der griech. Kirche im 16. Jahrhundert',
Leipzig 1899, ausgefprochen. Immerhin verdient Papadopulos
unferen Dank dafür, daß er feit Preger zum erften
Male die Frage wieder zufammenhängend behandelt hat.

3. Samuil Kapafulis, nach dem die dritte Veröffentlichung
benannt ift, war Patriarch von Alexandrien 1710
—1723, und um ihn konzentriert fich die kirchliche Entwicklung
von Alexandrien in den letzten Jahrzehnten des
17. und den erften des 18. Jahrhunderts. Neben einigen
fchriftftellerifchen Leiftungen, z. B. einem Leitfaden der
Rhetorik, hat Samuil namentlich für die innere Ordnung
feiner Kirche gearbeitet. Die Nachricht, daß er katho-
lifiert habe, wie fie von gleichzeitigen Zeugen ausgegangen
ift, beftreitet der Verfaffer. Übrigens hätte das .Leben
und die Taten' des Samuil wohl nicht eine befondere
Darftellung gerechtfertigt, wenn nicht eine Sammlung von
38 Briefen und anderen Aufzeichnungen, die von ihm
herrühren, an ihn gerichtet find oder feinem Kreife entflammen
, das kirchliche Leben in den Patriarchaten Alexandrien
und Jerufalem ganz intereffant und ziemlich deutlich
erkennen ließen. Diefe Stücke, die in der Schrift die
Seiten 40—98 füllen, rechtfertigen allerdings wohl die
Abfaffung des .Samuil Kapafulis'.

Hannover. Ph. Meyer.

Weile, Dr. Geo.: Königtum u. Bifchofswahl im fränküchen
u. deutlchen Reich vor dem Inveftiturltreit. (V, 148 S.)

gr. 8°. Berlin, Weidmann 1912. M. 5 —

Der Verf. beginnt feine Vorrede gleichfam mit einer
Entfchuldigung, daß er es wage, ein fchon fo oft und
fcheinbar gründlich behandeltes Thema noch einmal zu
Unteraichen. Freilich flehen demjenigen, der fich über
die Beziehungen zwifchen Bifchofswahl und Königtum
unterrichten will, nicht nur ausführliche Abfchnitte in
unferen angefehenen Handbüchern der Rechts- und Ver-
faffungsgefchichte, fondern auch mancherlei gute Monographien
zur Verfügung. Von den letzteren feien be-
fonders genannt Laehns, die Bifchofswahlen in Deutfch-
land 936—1086, Diff. Greifswald 1909, und Martini, die
Trierer Bifchofswahlen vom Beginne des 10. bis zum
Ausgang des 12. Jhdts., Berlin 1909, zwei Arbeiten, die
auch in mancher Hinficht ergänzt werden und Berichtigung
finden. Doch mit folchen Kleinigkeiten gibt fich
W. glücklicherweife wenig ab: er erftrebt es in erfter Linie,
das Rechtsverhältnis zwifchen König und deutfchen Bistümern
einer Prüfung zu unterziehen und daneben auch
einmal näher auf den eigentümlichen Entwickelungsgang
kirchenrechtlicher Verhältniffe in Frankreich einzugehen.
Das Hervorragende an Weifes Arbeit ift die finngemäße
Anwendung der von Stutz aufgeftellten Theorie von der
Eigenkirche. Die Darftellung W's weicht in den erften
beiden Kapiteln kaum von dem Stande der bisherigen
I Forfchung ab; vielleicht ift die Trennung von E i n f e t z u n gs-