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Ausgabe:

1913 Nr. 21

Spalte:

667-668

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wagner, Anton

Titel/Untertitel:

Doctrina de gratia sufficiente 1913

Rezensent:

Scheel, Otto

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Seite 1

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667

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 21.

668

Jefus hat am Anfang und am Ende feiner öffentlichen Wirkfam- ! nem expositionibus diversissimis paratam, argumentum quoddam
keit den Tempel gereinigt (p. 53. 54. 141). Er ift (nach Joh.) am ab omnibus admissum vix hauriri possit'. Aber man hat doch
14. Nifan geftorben und hat doch (nach den Syn.) vorher ein in Thomas einen verläßlichen Führer, und im übrigen: credere
Paffahmahl gehalten. Petrus und Kephas, beide Beinamen Simons, , nequimus sententias principales systematum singulorum falsas
gehen auf Jefus zurück, denn diefer fprach nur gewöhnlich' Ära- | esse posse, cum tot ac tanti viri sanctitate et doctrina pollentes
mäifch (p. 111.). Schwierigkeiten fleht nur der Unglaube. Die | eas omnibus viribus defenderint et hucusque defendunt'. So wird
Schriftliche Überlieferung (über die Auferftehung) gibt keine Ver- j denn eine — nicht einwandfreie — Darlegung der thomiftifchen
anlaffung zu irgend einem Zweifel' (p. 184). Wenn Paulus I Kor. < Lehre vorangeftellt; und zwar im erften Hauptteil, der von der
15 die Erfcheinungen vor den Frauen und den Emmausjüngern j efficientia causarum secundarum handelt, die Lehre des Thomas
nicht erwähnte, fo tut er das mit Bewußtfein, ,weil er nur die über die efficientia creaturarum. Ihr folgt eine Darftellung der
für feine Verkündigung grundlegenden Offenbarungen aufzählen 1 moliniftifchen Anficht (der concursus dei ad actiones creaturarum
will' (p. 177). Die Auferftehungsberichte würden gerade dann generatim, der concursus dei generalis ad actiones Iiberi arbitrii
verdächtig fein, wenn fie in .allen Stücken genau übereinftimmten und eine Analyre der Schwierigkeiten des Molinismus). Das dritte
(p. 178). Die Bekämpfung der Gegner macht fleh B. allzu leicht- Kapitel fchildert die teilweife Rückkehr einiger Moliniften zum
Angeflchts der Auferftehungserzählungen gibt es nur die Alter- Thomismus (praemotio physica Moliniftarum quorundam miti-
native: entweder leibliche Neubelebung des Toten oder Betrug gata). Der zweite Hauptteil handelt von der gratia sufficiens.
der Jünger. ,Was man von Vifionen geredet hat ift fo unhaltbar, Das Schwergewicht liegt auch hier in der Darftellung der thomi-
daß ich darauf gar nicht weiter eingehe' (p. 184). Damit ift der Sieg , ftifchen Auffaffung. Dann folgt eine Darftellung und Kritik der
erfochten. Denn der Gedanke an Jüngerbetrug ift natürlich : Anfchauung der Auguftiner (de essentia et divisione gratiae ac-
fchnell ad absurdum geführt. Ja man muß leider erklären, es ■ tualis, de gratia efficacia et sufficientia, de difficultatibus systemangelt
B. in hohem Maße die Fähigkeit, um nicht zu fagen der j matis Auguftiniani, praesertim de insufficientia gratiae eius suffi-

gute Wille, Vertretern entgegengefetzter Anflehten gerecht zu
werden. Oder ift wirklich die johannneifche Frage durch den
Satz zu erledigen:,Aber man wehrt fleh mit allen Kräftengegen
das Zugeftändnis, daß Johannes, der Jünger Jefu, fein Augen- und
Ohrenzeuge, das Evangelium gefchrieben hat, weil man fürchtet,
wenn dies zugegeben wird, zu einer folchen Auffaffung Jefu gezwungen
zu fein, welche die liberale Theologie nicht anerkennen
will — was freilich mit der Vorausfetzungsloflgkeit, deren man
fleh rühmt, nicht übereinftimmt' (p. 19). Auch Verfehen in Einzelheiten
begegnen nicht feiten, z. B. p. 120 die Profelyten des
Tores, p. 61 die Angabe, die Mifchna fei erft faft 2 Jahrtaufende
nach Jefus gefammelt, p. 152 Vergehen für Vorgehen, p. 174 Cru-
eifragium. Alles in allem werden die Vorträge das von B. ins
Auge gefaßte Ziel, die Glaubwürdigkeit der evangelifchen Ge-
fehichtfehreibung zu erhärten, nur bei denen erfüllen, die niemals
ernftiieh beunruhigt worden find, weil fie die Gründe, die vielen
eine andere Stellung zu den behandelten Gegenftänden aufzwingen,
nicht kennen.

Breslau. Walter Bauer.

Lammert. Fridericvs: De Hieronymo Donati discipvlo. (Commen-
tationes philologiae Ienensis.) (75 S.) gr. 8°. Leipzig, B. G.
Teubner 1912. M. 3.20

Nach dem eignen Zeugnis des Hieronymus war der berühmte
Grammatiker Donatus in Rom fein Lehrer. Lammert
hat nun verfucht, die Spuren der Benutzung des Donatus in den
Werken des Hieronymus zu erweifen. Wir befitzen noch zwei
im Mittelalter viel benutzte Grammatiken des Donatus, die Ars
minor und die Ars maior. Es finden fleh in den Werken des
Hieronymus eine Reihe von Sätzen, die fleh mit folchen in den
Grammatiken des Donatus oft wörtlich berühren; aber Hieronymus
hat diefe nicht den Grammatiken entnommen, fondern
fie Mammen aus dem mündlichen Unterricht feines Lehrers und
prägten fleh feinem Gedächtnis ein. Dagegen hat er die
Kommentare des Donatus zu Terenz und Vergil gekannt und
benutzt. Da aber nur der Terenzkommentar erhalten ift, läßt
fich nur für diefen ein direkter Beweis feiner Benutzung durch
Hieronymus führen. Der Vergilkommentar des Donatus ift mit
Ausnahme der Vita Vergilii und einiger Gloffen verloren. Seine
Benutzung erweift Lammert auf indirektem Wege, indem er die
Scholiaften des Vergil, die den verlorenen Kommentar des Donatus
benutzten, heranzieht. Die Unterfuchung ift mit großen Fleiß,
philologifcher Akribie und kombinatorifchem Scharffinn geführt,
To daß ihr ein m. M. abfchließender Charakter zukommt.
Heidelberg. G. Grützmacher.

Wagner, Sem. Subdir. D. Anton: Doctrina de gratia sufficiente.

(X, 484 S.) gr. 8°. Graz, U. Mofer 1911. M. 8.50

cientis), eine Darftellung und Kritik des Molinismus, Kongruismus,
der Theorie eines Pignataro (systema praemotionis congruae),
eines Alphons von Liguori und Johannes Herrmann (systema con-
gruismi Sorbonici). Deren Theorie bezeichnet die letzte Stufe der
Annäherung des Molinismus an den Thomismus: Tradit enim
praemotionem physicam et gratiam intrinsece et infallibiliter
efficacem ac rejicit scientiam mediam. Nihilo minus systematibus
Molinisticis magis, quam Thomisticis annumerandum esse nobis
videtur'.

Tübingen. Scheel.

Emmel, Dr. Felix: Wundts Stellung zum religiöfen Problem. Ein

Beitrag zur Religionsphilofophie der Gegenwart. (Studien zur
Philofophie u. Religion, 8. Heft.) (X, 116 S.) 8°. Paderborn,
F. Schöningh 1912. M. 3 —

Schumann, Ob.-Lehr. Dr. H.: Wundts Lehre vom Willen. (VIII,
97 S.) 8°. Leipzig, Quelle & Meyer 1912. M. 3 —

1) Ohne beftreiten zu wollen, daß in diefer Schrift den von
ihr benützten Einwendungen anderer einige beachtenswerte Beobachtungen
von Schwierigkeiten und Spannungen in Wundts
Religionswiffenfchaft und -philofophie hinzugefügt find, muß ich
fie doch als gefährlich für Anfänger im Studium Wundts bezeichnen
, weil fie nicht feiten an recht grobem Mißverftändnis,
ungenügender Kenntnis und fchwächlicher Kritik Wundts leidet.

2) Eine Greifswalder Doktorfchrift, in der nach allen Regeln
der Greifswalder Kunft (vgl. über fie in diefem Blatte 1911, 151 f.)
Wundts Willenslehre als abfurd abgefchlachtet wird. Ob am Verfahren
des Lehrlings irgend etwas neu ift oder alles aus den benützten
Schriften ftammt, vermag ich nicht zu beurteilen. Be-
rückfichtigung der neuften Pfychologie des Wollens (Meumann,
Ach ufw.) wäre fruchtbar gewefen. Aber fie ift ebenfo zu ver-
miffen wie die der neuften Darlegungen Wundts.

Leipzig. K. Thieme.

Im Kampf um die Weltanfchauung. Frankfurter Vorträge. 6. Reihe.
(102 S.) 8°. Frankfurt a. M., M. Diefterweg 1912. M. 1.60
W. Veit behandelt die Frage: Hat der Menfch eine Seele?
Kübel: Kümmert fich Gott um den Einzelnen? Lueken: Gibt
es eine fittliche Verantwortung? Zurhellen: Was willen wir vom
Leben nach dem Tode? Die Vorträge find alle geeignet, zum
minderten die Selbftverftändlichkeit einer negativen Beantwortung
jener Fragen zu erfchüttern. Und fie gehen gerade darin den
Weg einer brauchbaren Apologetik, daß fie nicht zu viel beweifen
wollen. Am meiften geht anftatt den Weg theoretifcher Widerlegung
den Weg praktifcher Zumutung der Vortrag über die
fittliche Verantwortung. Der wiffenfehaftliche Determinismus
,felbft wird benutzt als Motiv für die Verfchärfung des Verantwortlichkeitsgefühls
'. Es ift hierin aber doch wohl ein recht beWagner
legt keine dogmengefchichtliche Unterfuchung vor, deutfamerUnterfchied zwifchen ihm und dem religiöfen Determinis-

fondern eine von fyftematifchen Intereffen geleitete und fyfte-
matifch aufgebaute Arbeit. Allerdings enthält die Arbeit viel dogmen-
gefchichtliches Material; es fteht aber da um des dogmatifchen
Beweifes willen. Der Verfaffer weiß natürlich, daß die Tradition
gerade hier vor ganz erhebliche Schwierigkeiten ftellt: ,Difficilior
autem ex eo evadebat, quod documenta fidei: Scripturae, concilia,

mus. — Für denVorfehungsglauben möchte ich den,unerklärbaren
Reft'doch um einiges größer einfehätzen als der Vortragende. ,Nicht
Gott, fondern Napoleon' war fchuld an allem Elend des ruffifchen
Feldzugs: das ift für meine Empfindung ein Durchhauen des Knotens
trotz der ein Problem statuierenden Anmerkung dazu, die am
Ende der Vortrag felbft nicht enthielt. Dem Rückgang aber von

Patres, exegesim omnino contrariam in scholis diversis passa | den Rätfein des Einzellebens auf die unleugbare Entwickelung
sunt, ita ut ex istis fontibus, ex quibus in quaestionibus aliis der gefammten Menfchheit, durch welche ,der Zweck und die
theologicis maxima claritas et certitudo oritur, propter confusio- : Führung des einzelnen durch Gott glänzend gerechtfertigt' fei,