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Ausgabe:

1913 Nr. 19

Spalte:

591

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Némethy, E. v.

Titel/Untertitel:

Die mystische Hochzeit des hl. Franziskus mit der Frau Armut 1913

Rezensent:

Lempp, Eduard

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591

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 19.

592

Nemethy, E. v.: Die myftifche Hochzeit des hl. Franziskus
mit der Frau Armut. Nach e. Text des XIV. Jahrh. in
deutfcher Sprache hrsg. Mit Titelholzfchnitt v. F. H.
Ehmcke. (VIII, 57 S.) 8°. Jena, E. Diederichs 1913.

geb. M. 3 —; in Perg. M. 4.50

Eine Überfetzung des von P. Eduard d'Alengon
O. M. C. in den Analecta Ordinis Minorum Capuccinorum
imjahre 1900 herausgegebenen lateinifchen bzw.italienifchen
Textes, der auch in einem Sonderabdruck (Rom, Kleinbub
) zu haben war. Die von dAlengon vorausgefchickte
Unterfuchung, der wiffenfchaftliche Apparat und der Anhang
find weggelaffen. In der kurzen Vorrede N.'s find
die Refultate der Unterfuchung dAlengon's ohne weiteres
angenommen. Auf wiffenfchaftlichen Wert macht die
Arbeit offenbar keinen Anfpruch, fie will erbaulich wirken
und ift I. M. der Königin Marie Sophie von Sizilien gewidmet
. Wie die deutfche Sprache darin gehandhabt
ift, das zu zeigen, möge der Anfangsfatz des 1. Abfchnittes
S. 2 genügen, der lautet: ,Und daher, der glorreiche heilige
Franziskus, als wahrer Nachfolger und Jünger des Heilands
ergab er fich, zu Beginn feiner Bekehrung, mit allem Eifer
und mit jedem Wunfeh und mit allem Entfchluß dem
Streben, die heilige Armut zu fuchen, zu finden und zu
halten, keinerlei Mißgefchick beforgend noch befürchtend,
noch irgend eine unheilvolle oder ungünftige Sache,
keinerlei Mühe fliehend, noch fich einer körperlichen 1
Bangigkeit entziehend, nur daß er doch zu jener gelangen
könne, der der Herr die Schlüffel des Himmelreichs gab'.
Ich glaubte erft dem fremdländifchen Namen des Über-
fetzers die Schuld zufchieben zu follen, aber da die allerdings
kurze Vorrede in lesbarem Deutfch gefchrieben
ift, muß ich annehmen, daß der Verfaffer diele Art von
Lateinifch-Deutfch für befonders geiftvoll oder erbaulich
hält.

Stuttgart. Lempp.

Archiv für Reformationsgefchichte. Texte u. Unterfuchgn. In
Verbindg. m. dem Verein f. Reformationsgefchichte
hrsg. v. D. Walt. Friedensburg. 9. Jahrg. (III, 380 S.)
gr. 8°. Leipzig, M. Heinfius Nachf. 1912. M. 12.50

P. Kalkoff fährt in feinen Unterfuchungen über Luthers
römifchen Prozeß in feiner umfichtigen und gründlichen
Weife fort; er zeigt, daß alle Akten dank den Bemühungen
des Kurfürften Friedrich und dem hiftorifchen Sinn Luthers
und Aleanders in hinlänglich beglaubigter Form
erhalten find. Gegen Kreutzbergs Behauptung ,grenzen-
lofer Syftemlofigkeit des römifchen Verfahrens' nimmt
Kalkoff die Kurie in Schutz. Er findet das Prozeßverfahren,
abgefehen von den Wahlmanövern Leos X., in feiner
Folgerichtigkeit beftens gerechtfertigt. In helles Licht
tritt die Entftehung der Dekretale Leos X. über Wefen
und Kraft des Ablaffes.

Sie ift das Werk Cajetans, das Ergebnis feiner Verhandlungen mit
Luther in Augsburg und doch eine Kathedralentfcheidung des infalliblen
Papftes(I), ein beachtenswertes Beifpiel für die Entftehung fchlechthin
bindender Lehren der römifchen Kirche. Wir fehen den Entwurf von
Cajetans Hand über die Alpen wandern, von Bembo wird er dem Scriptor
Albergati diktiert, mit den nötigen Formalien und dem Datum und nach
der Rückkehr des Papftes nach Rom mit dem Bleifiegel verfehen, um dann
Cajetan von Miltitz am 15. oder 16. Nov. in Augsburg zugeftellt zu werden,
damit er die Bulle unter notarieller Beglaubigung allen deutfehen Bifchöfen und
fonftigen kirchlichen Obrigkeiten mitteile. Diefe Beglaubigung ließ Cajetan
in Linz vollziehen. Sein dortiger Aufenthalt ift bisher unbekannt
gewefen. Denn ließ er die Dekretale in Plakatform zum Anfchlag an
den Kirchtüren drucken. Das einzige erhaltene Exemplar, das Cajetan
als Belegftück nach Rom fandte, fand K. im päpftlichen Archiv, während
das von Cajetan im Klofter S. Maria sopra Minerva deponierte Original
der Bulle famt dem notariellen Aktus mit dem Klofter verbrannte. Zugleich
ließ Cajetan durch Spiegel eine Überfetzung veranftalten, da er
den Pfarrern nicht allgemein die Fähigkeit zu richtiger Wiedergabe des
Sinnes der Bulle zutraute. Die Verfendung der Bulle machte Schwierigkeiten
. Deshalb findet fich nirgends in Deutfchland ein Exemplar des
lateinifchen Textes, für welchen man bisher auf Luthers Veröffentlichung
in den op. von 1545 angewiefen war. Auffallender Weife ift noch niemand
über die Unvollftändigkeit des Relativfatzes nach potestate clavium, ,quarum

est aperire', auch bei Hottinger hist. eccl. saec. XVI pars VI 183, deffen
Varianten Korrekturen eines humaniftifch gebildeten Abfchreibers find,
und in Spiegels Überfetzung, ftutzig geworden, während Bembo im Entwurf
am Rand regnum celorum beigefügt hatte. Der Wittenberger Text
ift zuverläffig. Kalkoff verfolgt den Weg Cajetans und feinen geringen
Erfolg mit Publikation der Bulle und wirft Schlaglichter auf Miltitz' Charakter
und ganzes Auftreten. Er ift ein unwiffender, unzuverläffiger, eitler,
vorwitziger Junker, der keineswegs zu Verhandlungen mit dem Kurfürften
und Luther ermächtigt, fondern dem Legaten ftreng untergeordnet war
und nur die Auslieferung, bezw. Ausweifung Luthers bewirken follte. War
er doch nur Kammerjunker (eubicularius extra cameram), nicht Kammerherr
, nur fubalterner nuntius et commissarius, nicht nuntius et orator, wie
die päpftlichen Diplomaten. Auch auf den Scriptor Albergati, auf die
Rolle des Kurfürften von Trier, auf Spiegel und auf Spalatins ,theologifche
Rückftändigkeit' fällt Licht.

K. Pallas beginnt mit der Veröffentlichung unbekannter
Akten, die den Reformationsverfuch des Gabriel
Didymus in Eilenburg und feine Folgen 1522—1525 aufhellen
und die bisherigen Quellen erfreulich ergänzen.

Er macht wahrfcheinlich, daß der von Kohle ZKG, 5, 327 aus dem
Thesaurus Baumianus veröffentlichte Bericht nicht von Ulscenius oder
einem andern Wittenberger Korrefpondenten Capitos flammt, fondern
eine von einem Freunde der Bewegung aufgefetzte Werbefchrift für die
von Didymus angekündigte Abendmahlsfeier sub utraque specie am 1.
Januar ift und in der Nacht des 29I30. Dez. gefchrieben und dann gedruckt
wurde. Jetzt wird Didymus Berufung nach Eilenburg, die Einwirkung
von Karlftadts Abendmahlsfeier auf den Auguftiner, die Vorgänge
in Eilenburg, Didymus Abberufung wohl durch das Generalkapitel, der
Sturm auf die Pfarrei, die Haltung des Rats, das behutfame Vorgehen
des Kurfürften und die Rolle Haugolds von Einfiedel verftändlich. Ganz
befonders wertvoll ift der Brief von Didymus im nächften Heft (1913).

G. Böhmer weift die Unhaltbarkeit eines Aufenthalts
Karlftadts in Tirol im Oktober 1525 nach, den noch
Loferth, Sinnacher folgend, annahm. Brentiana aus dem
Codex Suevo — Hallensis der Stuttgarter Bibliothek gibt
W. Köhler. Sie entflammen der Haller Zeit und geben
meift frühe Organifationsentwürfe und zeigen den ruhigen,
nüchternen Mann der Ordnung und überzeugten Lutheraner.

Nr. 1 ift der Befchluß der Kirchenordnung von 1526, den Richter
nicht kannte. Er zeigt, daß für Brenz die K. O. nur ,äußerlich Ordnung
und Zucht' ift, deren Beobachtung Züchtigkeit, d. h. Ordnungsfinn und
Anftand, aber noch nicht Frömmigkeit beweift. In Nr. 2 beleuchtet
Köhler die von ihm in der Bibliographia Brentiana 390ff. veröffentlichte
chriftliche Sendordnung, welche ein Zuchtordnung für die chriftliche Gemeinde
fein follte, die ihre Bedürfniffe felbft deckt, Vergehen gegen Gebote
und Sitte der Kirche felbft rügt, ohne die weltliche Obrigkeit als mem-
brum praeeipuum heranzuziehen. Aber fchließlich wird ihr doch eine
Türe aufgetan, denn die vier oder wenigftens drei erwählten und verordneten
Männer, die den Send oder die Landzucht halten und den abgetanen
Sendrichtern des Bifchofs entfprechen, können nur Deputierte der
Obrigkeit fein, ,welcher die Regierung wohl gebührt und ziemt'. Nr. 3
De restitutione bonorum ablatorum dürfte ein Rat für Beichtväter zur
richtigen Behandlung der Frage des Erfatzes durch angefochtene Beichtkinder
fein. Die folgenden Stücke behandeln Fragen der Tauf- und Abendmahlspraxis
, auf welche hier des Raums wegen nicht näher eingegangen
werden kann. (Zwangstaufe der Juden- und Täuferkinder f Taufe vor
völliger Geburt, Ausfchluß vom Abendmahl etc.).

Neu ift eine Äußerung Luthers über die Frage, ob
Fürften bei der Meffe anwefend fein können, die mit ja
beantwortet wird, nachdem fie ihr Bekenntnis dem Kaifer
dargelegt hätten (S. in). Die ganze Mitteilung Köhlers
erweckt die Hoffnung auf die fehr erwünfehte Theologie
von Brenz, den wir in den letzten Stücken aufs neue als
treuen Schüler Luthers kennen lernen. Die Rüftungen der
katholifchen Theologen auf dem Reichstag in Augsburg
1530 beleuchtet ein Mandat Ferdinands an die Univerfität
Tübingen, auf das G. Boffert aufmerkfam macht. Für
die allmähliche Entftehung der Auguftana geben die Beiträge
zur Reformationsgefchichte aus Drucken und Hand-
fchriften der Univerfitätsbibliothek in Jena von B. Willkomm
neue Anhangspunkte.

Er gibt neben einem Spottgedicht von J. Sauermann (NB. Über-
fetzer von Luthers kleinem Katechismus) auf die Leipziger Theologen
einen Brief Melanchthons an den Polen And. Tricefius mit einem kurzen
Bericht über das Marburger Gefpräch, den Entwurf einer Mahnung zur
Fürbitte für den Reichstag 1530, den Entwurf einer Einleitung und eines
Befchluffes des Bekenntniffes und eine Vergleichung des dreifachen Entwurfs
für das Bedenken über die Mißbräuche. Wir fehen ganz Melanchthons
nie raftende Art, an dem Bekenntnis zu beffern.

O. Clemen veröffentlicht 26 Briefe von Ant. Mufa,
dem Merfeburger Domprediger an den geiftlichen Leiter
des erledigten Bistums Merfeburg Fürft Georg von An-