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Ausgabe:

1913 Nr. 16

Spalte:

487-488

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rostalski, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Sprache der griechischen Paulusakten mit Berücksichtigung ihrer lateinischen Übersetzungen 1913

Rezensent:

Pfister, Friedrich

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487

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 16.

488

die Verbannung. Um den Chryfoftomos befonders empfindlich
zu treffen, fprach die Gegenpartei auch das
berühmte Buch ihm ab und erklärte, daß er es auf dem
Athos aus alten Handfchriften dem Lieblingsjünger des
Herrn geftohlen habe. Und der boshafte und auf den
Schriftftellerruhm des Chryfoftomos neidifche Hieronymus
hatte nichts Eiligeres zu tun, als die Schrift als eine aus
dem neuteftamentlichen Zeitalter flammende, in den
Kanon einzufchwindeln. Die Kirchenväter-Zeugniffe und
Zitate, die für die Exiftenz der Schrift vor 395 zu zeugen
fcheinen, find von der unermüdlichen Gegenpartei ge-
fälfcht. Und der Verfaffer fieht fich hier vor die neue
Aufgabe gefleht, auf Grund aftronomifcher Wiffenfchaft
die gefälfchte Literatur des Chriftentums durchgehend
zu berichtigen.

Ich glaube für theologifche Kreife genügt eine einfache
Berichterftattung. Jedes Wort der Kritik würde
die Wirkung abfchwächen. Für einen weiteren Leferkreis
habe ich eine Abwehr gegen diefe Löfung des apoka-
lyptifchen Rätfels für notwendig gehalten (Frankfurter
Zeitung, erftes Morgenblatt 20. November 1912). Was j
Morofow in derfelben Zeitung darauf geantwortet, find !
einige Quisquilien, welche die Hauptfache nicht treffen, j
und auch hinfichtlich diefer fühle ich mich an keinem
Punkt widerlegt (s. meine Duplik ebendort).

Zum Schluß möchte ich dem Sachwalter Morosows,
Drews, gegenüber und feinen wiederholten Hinweifen auf
das von der Theologie fo arg vernachläßigte Buch Dupuis'
(l'origine de tous les Cultes) auf das Urteil eines aner- 1
kannten Fachmannes auf diefem Gebiet hinweifen. F. Boll j
äußert fich in der Wochenfchrift für klaffifche Philologie i
1913 (Befprechung des Catalogus codicum Astrolog. j
VIII, 3); .Fordert doch neueftens A. Drews in der Frankfurter
Zeitung die Akademien auf, den alten Dupuis wieder
abzudrucken; tuts keine Akademie, fo wird es wohl ein
Buchhändler wagen. Und fo wird man uns all den lächerlichen
Unfinn, den Bayer durch lüderliche Benutzung von
Scaliger und Grotius ans Licht gebracht hatte und den, j
vermehrt durch Philipp von Zefens Lefefrüchte, Dupuis in
aller Unbefangenheit weitergibt (nachgewiefen Sphaera
S. 456 f.), noch einmal auftifchen und bei jeder Gelegen- i
heit als Beweife vorführen. Wenn ein vornehmer deut-
fcher Verlag fo übel beraten ift, ein von fo blamabler j
hiftorifcher (auch aftronomiehiftorifcher) Unwiffenheit er- j
fülltes Buch wie das des Ruffen Morofow ins Deutfche j
überfetzen zu laffen, fo kann man fich fchon auf allerlei j
gefaßt machen'. Ich habe dem nichts weiter hinzuzufügen, j

Göttingen. Bousset.

RoHalski, Oberlehrer Friedr.: Die Sprache der griechitchen

Paulusakten mit Berückfichtigung ihrer lateinifchen Über-
fetzungen. (Jahresbericht des Kgl. Gymnafiums in !
Myslowitz.) (16 S.) 40. Myslowitz, M. Rolle 1913.

Der Verf. ift bereits mehrere Male mit Arbeiten über ;
die Sprache der apokryphen Apoftelakten hervorgetreten
(Progr. Myslowitz 1910 und 1911; Feftfchr. zur Jahrhundertfeier
der Univerfität Breslau 1911). In vorliegender Arbeit
werden die apokryphen Paulusakten unterfucht. Daß
er auch den apokryphen Briefwechfel mit den Korinthern
in den Kreis feiner Unterfuchung gezogen hat, war ein j
Mißgriff, da ja hier die griechifche Faffung nicht erhalten j
ift, fondern der in Lietzmanns Kleinen Texten H. 12 vorliegende
griechifche Text eine, wenn auch auf ganz fefter
Balis beruhende Wiederherftellung durch Harnack (vgl.
Sitz.-Ber. der Berk Ak. 1905) ift; ihn zum Gegenftand
fprachlicher Unterfuchungen zu machen, geht doch
nicht an. Wenn R. alfo Abweichungen in der Sprache i
des Briefwechfels gegenüber dem Martyrium und den
Theklaakten feftftellt, fo richtet fich das an Harnacks
Adreffe, nicht aber an den Verf. des Briefwechfels felb film
übrigen ift auch diefe neue Arbeit des Verf.'s zu begrüßen
, da fie auf gründlicher Kenntnis der Texte beruht I

und neben den Zeugniffen der Koivr) und des klaffifchen
Griechifch auch das Neugriechifche gelegentlich beizieht.
Dazu illuftriert R. die Erfcheinungen des Vulgärgriechifchen
auch durch entsprechende fprachliche Eigentümlichkeiten
des Vulgärlateins, nachdem O. Immifch (Neue Jahrbb.
f. d. klaff. Altert. 1912, 27 fr.) und der Ref. (Rhein. Mus.
1912, 195ff.; Berk phil. Wochenfchr. 1912 Sp. 1120ff.) unabhängig
voneinander auf die Nützlichkeit einer lolchen
vergleichenden Unterfuchung hingewiefen haben. Daher
find die Ausführungen R.s über die lateinifche Über-
fetzung der Paulusakten auch für den beachtenswert, der
fich mit der Sprache des Neuen Teftaments befchäftigt.

Heidelberg. Fr. P fi ft e r.

Curtis, Prof. William A., B.D., D. Litt: A History of Creeds
and Confessions of Faith in Christendom and beyond.
With historical Tables. (XIX, 502 S.) gr. 8°. Edinburgh
, T. & T. Clark 1911. s. 10.6

Ein fleißiges und kundiges Kompendium der .Einleitung
in die Symbole' etwa nach der Weife wie man
von einer .Einleitung in das Alte (oder Neue) Teftament'
fpricht. Alfo keine .Symbolik', fondern nur eine Überficht
über die Quellen einer folchen. Wir haben uns ja gewöhnt
, die .Konfeffionskunde' von der Symbolik zu unter-
fcheiden. Die Symbole find uns nur noch ein Teil der
Quellen, die für das Verftändnis der Konfeffionen in Betracht
kommen. Unter .Konfeffion' verftehen wir eben
gegenwärtig, in einem Sprachgebrauch, der ja etwas willkürlich
ift oder vielmehr die alte, überwundene An-
fchauung noch fpiegelt, daß die Lehre das Ein und Alles
in der Chriftenheit fei, die organifierten Einzelgruppen,
die Partikularkirchen, die das Chriftentum hat entfliehen
laffen. Im urfprünglichen Sinn ift zwifchen einem .Symbol'
und einer .Konfeffion' kein Unterfchied. Danach ift eine
Konfeffion alfo auch eine Formel. So wie wir den Ausdruck
Konfeffion (feit wann?) tatfächlich handhaben, ift
er die Bezeichnung der hiftorifchen Gefamterfcheinung
der Kirchen und Sekten, ihrer Lebenshaltung in Kultus,
Sitte, Verfaffung lbgut wie in Dogma und Theologie. Die
englifche Sprache hat neben .symbol' und .confession (of
faith)' noch den dritten Ausdruck ,creed' zur Verfügung.
Für unfer .Konfeffion' im oben berührten Sprachgebrauch
bietet fie .denomination'. Aber die englifche Theologie
hat noch keine .Konfeffionskunde' in unferem heutigen
Sinne entwickelt. Nicht als ob es in ihr an Werken über
die verfchiedenen chriftlichen Denominationen in jener
vollftändigeren Auffaffung ihrer Art, die uns unter dem
Ausdruck Konfeffionskunde vorfchwebt, ganz fehlte.
Aber fie hat noch keine derartige .Difziplin' (oder .Rubrik')
in ihr Schema eingefügt. Auch .Symbolik' ift in ihr
eigentlich noch bloß eine .Einleitung in die Symbole', nicht
zugleich eine .Theologie der Symbole' fo wie eine .Theologie
des Alten (oder Neuen) Teftaments' neben der .Einleitung
' fleht. Wieder ift zu lagen, daß es englifche
Bücher gibt, die den Inhalt der .Symbole' diefer oder
jener Kirche (meift doch bloß der eigenen Kirche, am
öfteften die der anglikanifchen, alfo der 39 Artikel) darfteilen
. Aber es gibt in der englifchen Theologie keine
.vergleichende Symbolik'. Das zur Orientierung über den
allgemeinen Charakter des trefflichen Werks von Curtis.
Der Verfaffer ift Profeffor in Aberdeen, alfo fchottifcher
Presbyterianer.

Das Werk ift fo veranlagt, daß die Längenentwicklung
der Gefchichte als Grundlage der Erörterung erfcheint.
Ja es fetzt noch vor dem Chriftentum ein und beleuchtet
auch kurz die in anderen Religionen, vor dem Chriften-
tume und dann neben ihm her bis in die Gegenwart,
aufgeftellten Glaubensformeln. Es geht aus von dem
allgemeinen Bedürfnis der Religion zu .bekennen'. Min-
deftens jede große Religionsgemeinfchaft hat auch das
Bedürfnis an gemeinfames Bekenntnis. Ein Creed kann
fich darftellen wie ein bloß perfönliches, vielleicht wie ein