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Ausgabe:

1913

Spalte:

449

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dieterich, Albrecht

Titel/Untertitel:

Kleine Schriften 1913

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find au s f c h 1 ie ß 1 i c h an „ _ ir.,0

38 Tahrce Nr lr» ProfefforD. Titius in Göttingen, Nikolausbcrger Weg; 66, rufenden. Py. Jllll lylo

oamti- A»i « ±J Rezenfionsexempiare ausfchließhch an den Verlag.

Dieterich, Kleine Schriften (Bouffet).
Schefold u. Werner, Der Aberglaube im

Kechtsleben (Kulemann).
Dahfe, Textkritifche Materialien zur Hexateuch-

frage (König).
Eiblifche Zeitfchrift, io. Jahrg. 1912. (Greß-

mann).

Wallis, Sociological Study of the Bible
(Troeltfch).

Wetter, Der Vergeltungsgedanke bei Paulus
(Windifch).

Junglas, Die Irrlehre des Neftorius (Koch).
Brem, Papft Gregor IX. bis zum Beginn feines

Pontifikats (Ficker).
Vollmer, Materialien zurBibelgefchichte u. reli-

giöfen Volkskunde des Mittelalters (O. Clemen).

Wolff, Die Säkularifierungund Verwendung der
Stifts- und Kloftergüter in Heffen-Kaffel unter
Philipp dem Großmütigen und Wilhelm IV
(Diehl).

Bonet-Maury, Die Gewiffensfreiheit in Frankreich
vom Edikt von Nantes bis zur Gegenwart
(Lachenmann).

Brouwer, De moderne Richting (Regula).

Encyclopaedia of Religion and Ethics. Vol. V
(Lobftein).

Archives Sociologiques (Vorbrodt).

Gwinner, Schopenhauers Leben (Elfenhans).

Maurenbrecher, Das Leid (Niebergall).

Lachmann, Im Morgenrot (Schian).

Handbuch der deutfcheffevangelifchenSeemanns-
miffion (Ph. L. Meyer).

Langheinrich, Die Kirchengemeindeordnung
f. das Königr. Bayern (Sehling).

Referate: Deimel, ,Enuma Elis'. — Hommel,
Gefchichte des alten Morgenlandes.—D e i m e 1,
Veteris Testamenti chronologia monumentis
babylonico-assyriis illustrata. — Bach, Monatstag
und Jahr des Todes Chrifti. — Nager,
Die Trinitätslehre des hl. Bafilius des Großen.
— D y c k, Das Glaubensbekenntnis v. Johannes
Kepler vom Jahre 1623. — Weiß, Über die
Kraft.

Mitteilungen: (23) Quellen der Religions-
gefchichte. (24) ,Das fchöne Buch'. (25) Die
beste Katenen-Ausgabe. (26) Harnack-Stiftung.

Erklärung von Arnold Meyer.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Dieterich, Albrecht: Kleine Schriften. (XLII, 546 S. m. 2
Taf u. Bildnis.) gr. 8°. Leipzig, B. G. Teubner 1911.

M. 12—; geb. M. 14 —

Richard Wünfch hat in diefem Band die kleinen Schriften
des allzu früh verftorbenen Albrecht Dieterich gefam-
melt. Vorangefchickt ift eine kurze Skizze des Lebensganges,
des Wirkens und der Perfönlichkeit D.'s. Ich halte es für
gut und notwendig, daß bei diefer Gelegenheit auch die
Theologifche Literaturzeitung des Mannes noch einmal
befonders gedenkt, dem die Theologie, vor allem die Ge-
fchichtsfchreibung des neuteftamentlichen und frühchrift-
lichen Zeitalters To viel verdankt. Ich brauche, um daran
noch einmal zu erinnern, nur die Reihe von Titeln herauszuheben
, die den Religionsforfcher auf dem genannten

Bd., Heft 8.) (64 S.) gr. 8°. Halle a. S., C. Marhold
1912. M. 1.50

Der Aberglaube ift eine unheimliche Macht. Er be-
herrfcht die ihm Verfallenen mit kaum geringerer Gewalt,
als der religiöfe Fanatismus. In der Tat beliehen zwifchen
der Religion und dem Aberglauben gewiffe Berührungspunkte
und gemeinfame Züge, die nur bei diefem ins
Fratzenhafte verzerrt find. Man kann ihn vielleicht geradezu
als eine Art von Afterreligion bezeichnen. Daß
ein volkspfychologifcher Faktor von folcher Bedeutung
auch auf dem Gebiete des Rechtslebens feine Wirkungen
äußern muß, ift ohne weiteres einleuchtend. Es war
deshalb verdienltvoll, das Thema einer Erörterung zu
unterziehen. Die beiden von juriftifcher und ärztlicher

Gebiet fpeziell intereffieren: Nr. 1 Papyrus magica musei [ Seite erltatteten Referate fowie ein kurzer Auszug aus
Luedun. Batavi; 3) de hymnis orphicis; 8) über den Ur- I der anfchließenden Befprechung werden in dem vor-

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fprung des Sarapis; 11) EvayyeXior^i;; IS und 16) Himmels
briefe (Hierzu eine kleine Bemerkung. Dieterich fprach
in der erften Abhandlung S. 241 den Satz aus ,Ich gebe

liegenden Hefte veröffentlicht.

Vielleicht noch wertvoller, als die Darlegung der
Beziehungen des Aberglaubens zum Rechtsleben wird es

einftweilen die Envartung nicht auf daß fich auch fchon j für die Lefer diefer Zeitfchrift fein, einen Einblick in die
im griechifch romifchen Altertum Himmelsbnefe' werden Rrfcheinung als folche zu erhalten, und hierfür ift das
aufzeigen Iahen.' Die^.Spuren die Dietench dann im zufammengeftellte umfaffendeMaterial vorzüglich geeignet,
nächften Auffatz für diefe Thefe beibringt (243 ff.), find Er werden u. a. behandelt: das Hexenwefen, die Geilter-
noch dürftiger Natur Jetzt befitzen wir die Schilderung befchwörung, der Glaube an Gefpenfter und Vampyre,
eines folchen Himmelsbnefes in der 23. Ode Salomos!); an die Heilkraft des Blutes und der Teile einer Leiche
17) Religion des Mithras; 18) die Weifen ausdem Morgen- oder der Sargnägel, die Schatzgräberei und die Mittel,
land; ig)XMr; 29) der Ritus der verhüllten Hände. Einige
andere religionsgefchichtliche Unterfuchungen, die fich
auf weiterem Gebiet bewegen, wären hier anzufchließen
(19—21). Rein Theologe follte die fchöne Skizze über
den Untergang der antiken Religion ungelefen laffen
(449— 539). Sie ift der einzige Auffatz, der hier zum erften
Mal veröffentlicht wird. Über die Schwierigkeiten, die
fich der Veröffentlichung entgegenftellten (es lag kein endgültiges
Manufkript vor), berichtet der Herausgeber S. III.
Wir freuen uns und find ihm dankbar, daß er die Herausgabe
dennoch gewagt hat.

Göttingen. _Bouffet.

Schefold, Landricht. Dr., u. Affift-Arzt Dr. Werner: Der
Aberglaube im Rechtsleben. Referate, erftattet in der
Verfammlg. v. Juriften u. Ärzten in Stuttgart am 19.
Mai 1912. (Juriftifch-pfychiatrifche Grenzfragen. VIII.

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fich unfichtbar zu machen oder zu fliegen, der Glaube an
die übernatürliche Kraft geftohlener Sachen, die Traum-
deuterei und die Wahrfagung aus Karten und Sternen,
der böfe Blick, das Totbeten und das Gefundbeten fowie
die Mittel, einem Menfchen dadurch Krankheit oder Tod
zu bringen, daß man fein Bild oder Gegenftände, die zu
ihm in Beziehung flehen, vernichtet, der Glaube an den
.kalten Eid' und andere Vorbeugungsmaßregeln gegen die
Wirkungen eines Meineides, endlich die fympathetifchen
Kuren und fonftigen Fälle der abergläubischen Kur-
pfufcherei fowie der Spiritismus, die Theofophie und die
.okkulten Wiffenfchaften'. Ja, felbft die Verwendung von
Gottesurteilen ift im Volksleben noch nicht ausgestorben.

Es ift ein trauriges Bild menfchlicher Unvernunft und
Bosheit, das uns hier entrollt wird, und es wird deshalb
bei den Verhandlungen auch die Frage erörtert, welche
Mittel fich bieten, um den Aberglauben zu bekämpfen,