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Ausgabe:

1913 Nr. 14

Spalte:

441

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meincke, Rud.

Titel/Untertitel:

Leo Tolstoi. Eine Charakteristik seines Lebenswerkes 1913

Rezensent:

Titius, Arthur

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Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 14.

442

Meincke, Paft. Lic. Dr. Rud.: Leo TolTtoi. Eine Charakteriftik
feines Lebenswerkes. (47 S.) 8°. Hamburg, O. Meißner, 1911.

M. 1-

Eine gefchickte und verftändnis volle Charakteriftik des Lebens
und der Lebensanfchauung Tolftois, die freilich nicht eine tiefdringende
Analyfe der Gedanken Tolftois bietet, aber als Einführung
in feine Schriften dienlich fein kann. Sehr allgemein
gehalten find die Ausführungen über die Religion; von der Erkenntnis
aus, daß T. mit dem ruffifchen Kirchenwefen enger ver-
wachfen war, als er felbft wußte (36), hätten fie fleh fehr viel
lebensvoller geftalten laffen.
Göttingen. Titius.

Rohleder, Sexualarzt Dr. Hermann: Grundzüge der Sexualpädagogik
f. Ärzte, Pädagogen u. Eltern. Mit e. Geleitwort v.
Gymn.-Prof. Dr. Martin Hartmann. (XV, 118 S.) kl. 8». Berlin,
Fifcher's med. Buchh. 1912. M. 2.50

R. tritt fehr wirkfam für die Notwendigkeit fexualpädagogifcher
Aufklärung der Jugend ein; die von ihm für fexuelle Frühreife
mitgeteilten Tatfachen (S. 11—20) find, auch wenn man vorfchnelle
Verallgemeinerung ablehnt, zwingend. Er verlangt ein Zufammen-
wirken von Schule und Haus, von Lehrern und Ärzten (Schularzt
). Neben der fexuellen Belehrung verlangt er fexuelle Diä-
tetik, namentlich Enthaltung von Alkohol, der als Erreger der
libido nachgewiefen wird (S. 45—56). Auf Kräftigung des Willens,
gefunde Jugendlektüre ufw. wird, wie fich gehört, großer Wert
gelegt. Eingehende Vorfchläge werden für die Geftaltung der
Sexualpädagogik auf den Volks- und höheren Schulen, auch den
Univerfitäten gemacht. Über die Einzelheiten kann man ver-
fchiedener Meinung fein, das Ganze ift, darin ftimme ich Prof.
Hartmanns empfehlenden Worten voll zu ,eine überaus bedeut-
fame und wertvolle Anregung für Eltern wie für Lehrer' — und
auch für Seelforger.
Göttingen. Titius.

Mitteilungen.

19. Quellen der Religionsgefchichte. Die Königl.
Gefellfchaft der Wiflenfchaften zu Göttingen hat das neue Unternehmen
freudig begrüßt und fich bereit erklärt, eine Kommiffion
für die Herausgabe zu ernennen. Den Verlag haben die J. C.
Hinrichs'fche Buchhandlung in Leipzig und Vandenhoeck & Ruprecht
in Göttingen übernommen, in deren Belitz auch die bisher
von Pfr.Julius Böhmer herausgegebenen ,Religions-Urkunden der
Völker' (verlegt bei Dieterich in Leipzig) übergegangen find.
WifTenfchaftliche Mitteilungen oder Anfragen betreffs des Unternehmens
werden an die Adreffe der Proflf. Andreas, Otto oder
Titius (lämtlich in Göttingen) erbeten, die bis auf weiteres die
redaktionelle Arbeit übernommen haben.

Für die Erfchließung der primitiven Religionen find
nach Beratung mit Prof. Meinhof-Hamburg, Dr. Foy-Köln,
Prof. K. Th. Preuß-Berlin folgende Grundfätze aufgeftellt:

1) Die erfte Aufgabe ift in der Herausgabe möglichft zahlreichen
religionsgefchichtlichen Neumaterials aus den einzelnen
kleineren Kulturbezirken zu erblicken. Dies muß auf Grund
eines genügend langen Aufenthalts und eigner Kenntnis der
Sprache fachgemäß aufgenommen und nach wiffenfchaftlichen
Gerichts punkten überfichtlich geordnet fein. Neben mythifchen Erzählungen
, Liedern, Zauberfprüchen, Gebeten und allerlei Formeln
, auch Sprichwörtern, kommen Kulte und Kultgeräte fowie
Zeremonien im weiteften Sinne als wichtige Zeugniffe in Betracht.
Der Zufammenhang mit der primitiven Kultur und Pfychologie
ift nicht außer Acht zu laffen.

2) Soweit es möglich ift, muß auch die Sammlung von neuem
Material in der Richtung ange regt werden, daß a) auf Gebieten, die
bereits einigermaßen erforfcht find, Ergänzungen und auch Berichtigungen
durch erneute Forfchung gewonnen werden. Vielleicht
empfiehlt fich hier die Herftellung einer zufammenhän-
genden Anlei tung an der Hand von Beifpielen zur Aufnahme
neuen Materials für Miffionare, Beamte, Offiziere pp., die für die
Sache Intereffe haben und die nötige Sprachkenntnis befitzen,
b) noch unerforfchte Gebiete in Angriff genommen werden. In
beiden Fällen ift möglichft an den Punkten anzufetzen, an welchen
auf Grund der heutigen Forfchung befonders intereffante
ErgebnilTe vermutet werden können.

3) Das bereits vorhandene, aber unendlich zerftreute reli-
gionsgefchichtliche Material ift der Forfchung dadurch nutzbar
zu machen, daß (möglichft geographifch und nach ethnologifchen
Gefichtspunkten) die gefamte vorhandene Literatur zufam-
mengeftellt und gelichtet wird. Dabei dürfte es fich empfehlen
a) die alte und neuere Reife- und fonftige Literatur, namentlich
foweit fie entlegen und fchwer zugänglich ift, nicht nur
bibliographifch zu verzeichnen, fondern alle wichtigen Sätze abzudrucken
, b) längere Ausführungen fachlich zu verteilen, c) bei
genügend erforfchten Stämmen, insbefondere auch chriftianifierten
oder untergegangenen refp. des Namenszufammenhangs beraubten
alle vorhandenen Nachrichten in monographifchem, zufammen-
hängendem Bilde darzuftellen. In allen Fällen ift auf kritifche
Verarbeitung befondrer Nachdruck zu legen.

Als große Gebiete treten die primitiven Religionen Afrikas,
Amerikas, Nordafiens, Indiens und Indonefiens fowie der Südfee
hervor. Ein beftimmtes Programm läßt fich bei der beftändig
fortlaufenden Sammeltätigkeit nicht aufftellen, fondern nur auf
einige Arbeiten hinweifen, die zunächft in Betracht kommen.
Auf dem Gebiete der Südfee dürften für Polynefien bereits zu-
fammenfaffende Darftellungen lohnen (fo für Neufeeland, Samoa,
Havaii, die Gefellfchaftsinfeln u. a.). Für Mikronefien und große
Teile Melanefiens find zunächft noch ausftehende Expeditionsberichte
abzuwarten. Immerhin wäre eine Monographie für die
Oftftämme der Gazellenhalbinfel, Zufammenftellung des vorhandenen
Materials für die Salomo-Infeln und Neuguinea in Betracht
zu ziehen. Von Auftralien würde fich der Südoften für
monographifche Behandlung eignen, während der Norden und
das Zentrum gerade in der Erfchließung begriffen find. Als Gebiete
mehr oder weniger neuer Forfchungen würden fich befonders
die Salomoinfeln und viele Teile Neuguineas fowie Auftraliens
eignen. Die befonderen Kulturzufammenhänge von Südafien bis
zur Ofterinfel und bis Tasmanien erfordern es, daß die Erforschung
der Primitiv-Religionen Vorder- und Hinterindiens und
namentlich Indonefiens mit den Südfeeftudien Hand in Hand geht.

Für die babylonifche Religion fchlägt Prof. Zimmern-
Leipzig nachftehendes Programm vor:

I. Mythen und Epen. 1) Das größere babyl. Weltfchöp-
fungsgedicht und verschiedene kleinere auf denselben Gegenftand
bezügliche Textftücke. 2) Texte über Drachen- und Dämonenkämpfe
in der Urzeit. 3) Der Adapa-Mythus. 4) Der Mythus
vom Gotte Zü. 5) Texte zur Sage von den Urkönigen (Berosus,
der keilfichriftl. Eumeduranki-Text). 6) Ea und Atrachasis. 7)
Das Gilgamesch-Epos und die Sintflutfage. 8) Unterweltsmythen:
,Höllen fahrt der Istar' und verwandte Textftücke, Nergal und
Ereschkigal. 9) Ninib-Mythen. 10) Urra und Ischum. 11) Der
König von Kutta. 12) Der Etana-Mythus. 13) Sargons Geburtslegende
. II. Hymnen und Gebete, Klagelieder, Kultlieder ufw.
III. Lehrgedichte, Weisheitsfprüche und Verwandtes. IV. Be-
fchwörungstexte, einschließlich der medizinifchenTexte. V.Omina-
Texte (Aftrologifche-, Leberfchautexte ufw.). VI. Orakelanfragen
und Orakelausfprüche. VII. Ritualtexte. VIII. Religiös wichtige
Abfchnitte innerhalb der hiftorifchen, juriftifchen ufw. Literatur.
IX. Die Briefliteratur religiöfen Inhalts. X. Philologifche Texte
religiösen Charakters (Götterliften u. ä.)

Allzu umfangreiche Texte find nur in Auswahl charakte-
riftifcher Proben mitzuteilen. Schon bearbeitete Texte find möglichft
zurückzuftellen, bis eine Neubearbeitung wünfehenswert
erfcheint.

Für die Myftik auf dem Gebiete des Islam fchlägt Prof.
Goldziher nach Vereinbarung mit Prof. Snouck Hurgronje-
Leiden vor, noch das Werk Al-insüm al-kämil (der vollkommene
Menfch) von 'Abdalkarim al Dschili (f gegen Mitte des XV. Jahrhunderts
) hinzuzunehmen. Titius.

20. New Manuscripts of Pelagius. The only complete
MS hitherto known of the Commentary of Pelagius on the
Epistles of St. Paul in its original uninterpolated form is cod.
Augiensis (saec. IX in.) at Karlsruhe. I have had the good for-
tune within these last days to find two other examples: — Cod.
Coli. Ball. Oxon. 157 (saec. XV), written in a beautiful Italian
hand, and Cod. Coli. Mert. Oxon. 26 (saec. XV) written in an
English hand. The Merton MS is, however, a copy of the Balliol
MS. The Karlsruhe MS is anonymous, but the two Oxford MSS
have the name of Jerome attached. They are the only uninterpolated
MSS known to me with this attribution.

Aberdeen, Scotland. Alex. Souter.

21. Als ein Bücherkleinod befchreibt v. Dobfchütz in
dem Jahresbericht der Schief. Gefellfchaft für vaterländische
Kultur 1913' einen Band aus der Bibliotheca Rehdigerana. Der
jung verftorbene Humanift Thomas Rehdiger, ein Schüler Melanch-
thons und Freund des Cujaz (1540—1576), hatte auf feinen Reifen
durch Italien, Frankreich und die Niederlande eine prächtige
Bücherfammlung erworben und feiner Vaterftadt Breslau ver-