Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1913 Nr. 14

Spalte:

427-428

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Goodspeed, Edgar J.

Titel/Untertitel:

Index apologeticus sive clavis Justini martyris operum aliorumque apologetarum pristinorum 1913

Rezensent:

Koch, Hugo

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

427

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 14.

428

hinweifen, daß die fahidifche Überfetzung fpäter nach
anderen griechifchen Texttypen korrigiert ift. Die übrigen
Gefichtspunkte Horners beziehen fich fozufagen auf die
innerkoptifche Textgeftaltung und haben nur für Kopto-
logen Intereffe.

Dem koptifchen Texte find eine genaue englifche
Überfetzung und zwei Apparate beigegeben. Der erfte
Apparat zählt bei jedem Verfe zunächft die für ihn in
Betracht kommenden Handfchriften auf; das ift zwar etwas
umftändlich, aber durchaus zu billigen, denn bei dem
ungewöhnlich fragmentarifchen Zuftande der Handfchriften
kann man nur fo bequem fehen, welche Zeugen für jedes
einzelne Wort vorhanden find. Dann folgen jedesmal
die innerkoptifchen Varianten, d. h. Orthographika, Schreibfehler
und alles, was für die Retroverfion ins Griechifche
indifferent ift. Der zweite, weit umfangreichere Apparat
illuftriert die Stellung der fahidifchen Überfetzung zu den
übrigen Zeugen für den Text der Evangelien. Koptifche
Varianten werden hier nur dann angeführt, wenn fie eine
Parallele in einer griechifchen Handfchrift oder einer anderen
alten Überfetzung haben. Sonft handelt es fich
hier um die Lesarten, welche für den vom Sahiden vorgefundenen
Evangelientext irgendwie charakteriftifch find,
und es werden die übrigen Zeugen, welche diefelbe Lesart
vertreten, und die gegenüberftehenden Lesarten nebft
ihren Zeugen nach den Ausgaben des griechifchen Neuen
Teftaments von Tregelles und Tifchendorf oder nach
eigener Vergleichung Horners (Boh., verfchiedene fyrifche
Überfetzungen, Armen., Aeth.) angeführt. Horner gibt
hier alfo einen ausführlichen textkritifchen Apparat zu
den Evangelien, der allerdings fehr viel Platz in Anfpruch
nimmt, aber für den Benutzer fehr bequem ift.

Wir wünfchen dem vortrefflichen Werke den betten
Fortgang und würden uns ganz befonders freuen, wenn
der hochverdiente Verfaffer nach Vollendung des Neuen
Teftaments auch das Alte Teftament in derfelben mufter-
gültigen Weife bearbeiten würde.

Göttingen. A. Rahlfs.

Goodspeed, Dr. Edg. J.: Index apologeticus sive clavis Justini
martyris operum aliorumque apologetarum pri-
stinorum. (VIII, 300 S.) 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1912.

M.7—; geb. M.8 —

Prof. Goodspeed hat den ebenfo dankenswerten wie
entfagungsvollen Plan gefaßt, der wiffenfchaftlichen Welt
durch Indices der älteften griechifch-chriftlichen Literatur
die künftige Arbeit zu erleichtern. So veröffentlichte er
1907 einen Index Patristicus, worin der Wortfehatz der fog.
Apoftolifchen Väter gebucht ift. Ihm folgt nunmehr ein
Index Apologeticus, den G. mit Hilfe von vier Freunden
angelegt hat. Damit ift der weitaus größere Teil der vor-
katholifchen Literatur erfchöpft. Der Index umfaßt nämlich
die vor 180 gefchriebenen Apologien, alfo von Qua-
dratus (Fragment bei Eufebius), Aristides (Fragmente),
Justin (Apologie und Anhang — die fog. zweite Apologie-
Dialog mit Trypho), Tatian (Oratio ad Graecos), Melito
(Fragmente bei Eusebius), Athenagoras (Supplicatio pro
Christianis); die Schrift des Theophilus ad Autolycum,
die nach 180 fällt, ift bereits ausgefchloffen. Dabei werden
auch die wichtigften handfehriftlichen Varianten berück-
fichtigt. Natürlich wurde es fchmerzlich empfunden, daß
zum Teil der Text fchlecht erhalten ift, wie bei Athenagoras
, zum Teil, wie bei Justins Dialog, die Ausgabe an
Kritik fehr zu wünfchen übrig läßt. Und noch fchlimmer
liegt die Sache bei Aristides, da die in der Erzählung
von Barlaam und Joafaph erhaltenen griechifchen Fragmente
mit der einzigen fyrifchen Überfetzung faft gar nicht über-
einftimmen. Der Index hält fich hierbei an die Ausgabe
von Geffcken (Zwei griechifche Apologeten 1907). Die
Einteilung in Kapitel und Paragraphen ift bei den Jufti-
nifchen Apologien von Krüger, beim Dialog von Archam-

bault, bei Aristides von Geffcken herübergenommen; bei
Tatian und Athenagoras, die noch der Einteilung harren,
wurden Abfchnitte von je 100 Wörtern gemacht. Übrigens
Hellt G. felber für die nächfte Zeit ein Corpus Apo-
logeticum in Ausficht, das alle diefe Schriften und Fragmente
mit Kapiteln und Paragrapheneinteilung enthalten Poll.

Daß der vorliegende Index Stichproben ftandhält, ift
fchon von anderen Rezenfenten bemerkt worden. Er gibt
aber auch Gelegenheit, etwas Begriffs- und Wortftatiftik
anzuflehen, aus der freilich, wie aus jeder Statiftik, nur
cum grano salis Schlüffe gezogen werden können, die aber
immerhin geeignet fein dürften, was wir auch fonft wiffen
ziffernmäßig zu beleuchten. Wir flehen noch in vor-
katholifcher Zeit und den Apologeten ift es hauptfächlich
darum zu tun, dem Polytheismus gegenüber den chrift-
lichen Monotheismus zu verteidigen: das Wort ExxX/jGia
kommt nur 6 mal vor und nur im Dialogus, xafroXcxo-
nur 2 mal (im Dialogus), {teoq umfaßt beinahe 4 Spalten, freoi
beinahe 1 Spalte, öcdfiojv, öaif/ovsc. daifioviov und öai-
fiöviu beinahe 1 Spalte, 'ItjGovgund IfjGovg Xgioxöq 1 Spalte.
AXrjd-Eia, aXrjd-rjq und ah/frivog 1 Spalte; xlgxeveiv, moxig
und mGxög 2 Spalten; yivcÖGxEiv V2 Spalte, yvmoig 22 mal;
ctfiagxavsiv, afiagxrifia, afiagxia und a/iagxcoXog 1 Spalte;
yäoig 58 mal; vöjiog V2 Spalte; <pcög41 mal, rpcoxi^siv 11 mal,
(pcoxiGfiog 1 mal (Justin Apol. 61, 12); Gxöxog 23 ma.1; öiöay-
[laxa, öiöaGxaXia, diöaGxaXoc, ÖiÖclGxeiv und didayi)
2 Spalten; dixaiojigacgia, öixatog und öixaioGvvrj 11j2 Spalten;
syxgüxeia 2 mal, syxgaxeveg&cci 3 mal, jcag&evta 2 mal,
jcagd-EVtxög 1 mal, jiag&EVog und jtag&Evoi 59 mal; yäfiog
7 mal, yafiElv 9mal, yafiExrj 3 mal; fioiyEia 9 mal, fiotyäG&ai
2 mal, fioiXEvsiv 13 mal jioixög 13 mal, fioixaXig 3 mal; yij
iSpalte, ovgavioq, ovgavog und ovgavol 1 Spalte.

München Hugo Koch.

Trzcinski, Prieft. Dr. T.: Die dogmatifchen Schriften des h.

Hieronymus. Eine literärhiftor. Unterfuchg. (XV, 413 S.)
gr. 8°. Pofen, Drukarnia i Ksiegarnia fw. Wojciecha
1912. M.6 —

Die vorliegende Arbeit ift aus einer Doktorarbeit
der theologifchen Fakultät in Freiburg i/Br. entftanden.
Trzcinski behandelt die 7 dogmatifchen Schriften des
Hieronymus, die Altercatio Luciferiani et orthodoxi, die
Schrift über die beftändige Jungfräulichkeit der Maria
gegen Helvidius, die 2 Bücher gegen Iovinian, die Schrift
gegen Johannes, den Bifchof von Jerufalem, die Selbft-
verteidigung des Hieronymus gegen Rufin, die Schrift
gegen Vigilantius und den Dialog gegen die Pelagianer.
Er unterfucht die Zeit und den Ort der Abfaffung der
einzelnen Schriften, referiert ausführlich über ihren Inhalt
und gibt eine dogmengefchichtliche Würdigung desfelben.
Die Abfaffüngszeit aller 7 Schriften fteht mit Ausnahme
des Dialogs gegen die Luciferianer feft. Trzcinski fucht
mir gegenüber die ältere Anfetzung des Dialogs in dem
antiochenifchen Aufenthalt des Hieronymus im Jahre 3 78/79
zu verteidigen, während ich den Dialog in den römilchen
Aufenthalt 382—85 gefetzt hatte. Wenn auch eine ab-
folut fichere Datierung unmöglich ift, fo erfcheint mir
doch meine Anfetzung trotz der Gegengründe des Ver-
faffers die wahrfcheinlichere. Das Wertvollfte an der
Arbeit von Trzcinski ift die gründliche Analyfe der dogmatifchen
Schriften des Hieronymus. Hier hat fich der
Verfaffer durch eingehende und zutreffende Inhaltsangabe
ein wirkliches Verdienft erworben. Es gilt dies von allen
Schriften, befonders von der Schrift gegen Johannes von
Jerufalem, gegen Vigilantius und von dem Dialog gegen
die Pelagianer. Viel Neues läßt fich hier naturgemäß
nicht fagen. Nur was Vigilantius betrifft, ift T. der
Meinung, daß diefer nur die Anbetung, nicht die Verehrung
der Reliquien der Märtyrer bekämpft habe Er
habe vor allem an dem volkstümlichen Brauch der fo-
genannten brandea Anftoß genommen. Es waren dies