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Ausgabe:

1913 Nr. 13

Spalte:

408-409

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pank, Oskar

Titel/Untertitel:

Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht. Ein Jahrgang Predigten. 2., durchges. Aufl 1913

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 13.

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dahinter treten die vom Sittlichen her fich ergebenden I
Bezeichnungen der Gottesart als abgeleitete Prädikate an
zweite Stelle. Im Schlußabfchnitt: ,Unfere Hoffnung', der
am ftärkften die religiöfe Grundftimmung des Buches zum
Ausdruck bringt, überwiegt denn auch vollendete Unend-
lichkeitsftimmung und Unendlichkeitserkenntnis, und die
Idee der fittlichen Vollendung kommt kaum zu ihrem Recht.

In der modernen philofophifchen Literatur ift der
Verf. fehr belefen. Es fällt auch manches beherzigenswerte
Wort in feiner Auseinanderfetzung mit ihr. Nicht
umfonft ift er ein Mann der dialektifchen Klarheit. Jene
tiefergreifende Auseinanderfetzung, die den tiefften Tendenzen
des Gegners zugleich gerecht zu werden weiß, ift
ihm, bei der felbftverftändlichen Sicherheit der eigenen
Pofition, aber natürlich nicht gegeben. Das zeigt fich am
ftärkften bei der Auseinanderfetzung mit Kant, die fich
in kleinlicher Aufweifung begrifflicher Unfauberkeiten
erfchöpft, als ob das Prinzipielle der kantifchen Kritik an
den fcholaftifchen Gottesbeweifen damit erledigt wäre.
Für diefes Prinzipielle aber fehlt dem Verf. bei feiner
philofophifchen Einfchulung das Organ. Überhaupt fleht
alle Erwähnung der neueren Philofophie etwas unter dem
Eindruck, als werde nur ,etwas in einzelnen Philofophen
geblättert'.

Gnadenfeld. Th. Steinmann.

McDowall, Stewart A., M. A.: Evolution and the Need of
Atonement. (XVI, 155 S.) 8°. Cambridge, University
Press 1912. s. 3 —

The object of this brief yet earnest treatise is to show
that ,when the origin and history of man are studied from
the scientific, and especially the biological side, the Spiritual
life, its partial failure, and the need for Atonement,
are thrown into strong reliefi. The general argument
recals Bergson, though with a note of independence. It
is to the effect that the life-process, whether in sentient
or self-conscious beings, tends always to increase of free-
dom through struggle with the forces of limitation, the
vital impulse more and more prevailing against the dissi-
pation of energy which forms the essence of the deter-
mined material world. Sin, on the other hand, is failure
to move upward. By sin the will is warped and liberty
circumscribed, for essentially it consists in the conscious
checking of creative growth by actions which experience
has proved to be antagonistic to advance. A view of
Atonement harmonious with evolutionary science is attai-
ned when we see the death of Christ as a Divine act
resulting in man's reconciliation with the law of progress.
,In the mystery of the Passion, Christ identified Himself
in the name of the whole human race, as its rightful
representative and head, with the true principle of evo-
lution, its fundamental altruism, and took away the cir-
cumscribing wall that fettered the free development of
man' (149). Thus the consequences of sin are removed
without break in the continuity of the world-process.

In these sincere, if also partially opaque and difficult
suggestions, the author frequently tends to oscillate bet-
ween biological and ethical categories. It is not made
clear that freedom to attain perfection is attainable only
by a new personal relationship to God, and that escape
from the rigid forces of nature is the result of this, not
its cause. The exegesis is occasionally doubtful, and there
is an unpardonably incorrect statement on 89, where Luther
and his followers are said to teach that ,man's accep-
tance of Christ is based on terror'. Still, for all who
persist in the mistaken habit of using biology to explain
moral experience, the book will have a genuine interest.

Edinburgh. H. R. Mackintosh.

Balfermann, Prof. D. Heinrich: Was ift der Menfch, daß du
fein gedenkeft? Akademifche Predigten. (VI, 225 S.
m. Bildn.) Leipzig, M. Heinfius Nachf. 1911.

M. 5 —; geb. M. 6.50
Pank, Ehrenbürger Geh. Kirchenr. Superint. Pfr.D.Oskar:
Ich fchäme mich des Evangeliums von Chrifto nicht. Ein
Jahrg. Predigten. 2. durchgefeh. Aufl. (IX, 565 S.
m. Bildn.) Halle, R. Mühlmann. — Leipzig, J. C.
Hinrichs 1912. M. 8 —; geb. M. 9 —

Wie auf jedem Gebiet ift auch auf dem homiletifchen
der Vergleich ein gutes Mittel zum Erkennen und zum
Lehren. Trifft man die Vergleichungspunkte, auf die es
ankommt, fo fchenkt der Vergleich neben Einfichten in
das Wefen der verglichenen Gegenftände einen Blick in
Möglichkeiten und Ideale. Bei Predigten empfiehlt es
fich, zuerft auf den Typus und dann auf das perfönliche
Sondereigentum zu achten.

Ohne Zweifel haben wir in den genannten Predigten
zwei verfchiedene Typen vor uns. Sie vertreten zunächft
einen ganz verfchiedenen religiös-theologifchen Standpunkt
. Pank fleht mit wohltuender Selbftverftändlichkeit,
die ihn jeder Hervorhebung feiner Stellung überhebt, auf
dem Boden des alten Glaubens. Ungebrochener Bibelglaube
bildet die Grundlage feiner Predigten; keine kritifche
Andeutung, keine pfychologifche Umdeutung verrät eine
fchwache Stelle an ihnen; aber gerade diefe Naivität hat
etwas überaus Beruhigendes und Anziehendes auch für
anders gerichtete Lefer, zumal da die häufigen Ausfälle
gegen die moderne Zeit ihr Ziel weit über die theologifche
Linke hinaus fuchen und über einen unfchädlichen
Schematismus nicht hinauskommen. Von diefer Grundlage
aus erfaßt man den Geift der ganzen Sammlung:
es ift der treuherzige Bibel- und Kirchenduft, der fie
durchzieht. Das verrät fich in einer gewiffen herkömmlichen
Idealifierung und Typifierung der Geftalten,
in einer leifen Neigung zu Gefühlsfteigerungen und
zu Superlativierung des Ausdrucks, in beftändigem Gebrauch
von Bibel- und Kirchenworten oder im Anklang
daran. Es herrfchen die Vorausfetzungen und Ideale des
herkömmlichen Bibelglaubens, wie auch Ton und Sprache
den ,Galiläer' verraten . . . daß dies alles nicht anders,
denn als Lob gemeint ift, verlieht fich von felbft.

Baffermann fleht auf dem Boden eines freien Chriften-
tums, aber auch mit derfelben wohltuenden Selbftverftändlichkeit
, die es für ganz unangebracht hält, das
irgendwie zu betonen. Die gehaltene Kraft und Wärme
eines Gott- und Jefus-Chriftentums, wie es theologifch aus
Schleiermacher und aus der tief in den Schacht der
Schrift hineingrabenden Kritik entfpringt, verbindet fich
mit dem Geift eines edlen Humanismus, dem nichts fremd
ift in der Welt als die Gemeinheit. Von da aus verlieht
man den Geift und Ton, die Gedankenwelt und Sprache
diefes Predigers: es ift alles hier am bellen mit dem
Worte ,edel' zu bezeichnen. Von da aus erklärt fich auch
der Wunfeh, der viele feiner Predigten durchzieht, Chriften-
tum und edle Zeitkultur zufammenzubringen, fo etwa
Glauben und Wiffenfchaft, Chriftentum und Freude.

Hier macht fich fchon der Univerfitätsprediger
in B. geltend. Der ift er ganz und gar. Zwar hat er Grund
gehabt zu der Frage, ob denn auch von der fluden-
tifchen Jugend fich eine genügende Zahl an dem Gottes-
dienfte beteiligte, um den Namen Univerfitätsgottesdienft
zu rechtfertigen; aber nichtsdeftoweniger fleckt unter dem
Talar der edle, warme Profeffor. B. ift ganz in feinem
Elemente, wenn er ein großes Lebensproblem in einer Predigt
anfaßt. Die meiften Predigten der Sammlung haben
diefen Typ: anknüpfend an Text oder Zeit wird eine
Frage aufgeworfen, dann folgt eine feine dialektifch gehaltene
Abhandlung, die dann mit einem ,So' oder ,Alfo'
zum Schluß übergeht, der dann fein und warm meift in
der Form des kommunikativen Imperativs in eine feelforger-