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Ausgabe:

1913 Nr. 12

Spalte:

379

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peters, Ulr.

Titel/Untertitel:

Franz von Assisi 1913

Rezensent:

Lempp, Eduard

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379

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 12.

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gegeben hat, das einem Werke vom Jahre 1584 entnommen ift
und fehr deutlich die Züge einer Künftlerhand des 16.Jahrh. zeigt.
Kiel. G. Ficker.

Peters, Dr. Ulr.: Franz v. AffiN. 1.—5.Tauf. (Religionsgefchicht-
liche Volksbücher f. die deutfche chriftliche Gegenwart. Hrsg.
v. F. M. Schiele. IV. Reihe. [Kirchengefchichte]. 18. Heft.)
(42 S.), Tübingen 8°. J. C. B. Mohr 1912. M. — 50; geb. M. — 80
Eine populäre Lebensbefchreibung des h. Franz zu geben,
dafür ift fchwerlich jetzt fchon die Zeit gekommen, da noch allzuviel
ftrittig ift unter den Sachkundigen. Das war aber wohl
auch nicht eigentlich die Ablicht des vorliegenden Volksbuches,
das vielmehr die Unterlagen für ein richtiges Verftändnis der Bedeutung
des Heiligen uns darbieten will. Das ift gelungen.
Ob aber nicht doch zuviel moderne Äfthetik hineingetragen ift,
das ift mir eine Frage. Befonders in der Charakteriftik, die im
Schlußkapitel gegeben ift, ift mir zu fehr die Äfthetik an die
Stelle der Religion gefetzt. Daß Franz in erfter Linie katholifcher
Chrift war und fein wollte, das darf man nicht ignorieren.
Stuttgart. Lempp.

Widmann, Dr. Simon Peter: Die Archendorfffche Prerre 1762—1912.

Ein Beitrag zur Buchdruckergefchichte Münfters. (VIII, 176
u. 151 S. m. Fkfms. u. 1 Beilage.) gr. 8°. Münfter, Afchen-
dorff 1912. M. 13—; geb. M. 14.50

Diefe Feftfchrift zum Gedenken an die vor 150 Jahren erfolgte
Gründung einer angefehenen katholifcheh Verlagsbuchhandlung
und Druckerei verdient kurze Erwähnung, da die Firma
als Verlegerin verfchiedener auch auf proteftantifcher Seite ge-
fchätzter Sammlungen bekannt ift; ich nenne die atl. Abhandlungen
, hrsg. von Nikel, die ntl. Abhandlungen, hrsg. von Meinertz,
die Beiträge zur Gefchichte der Philofophie des M.-A., hrsg. von
Baeumker, die Vorref.-gefchichtlichen Forfchungen, hrsg. von
Finke. — Aus der Gründungsgefchichte der Firma ift erwähnenswert
, daß Afchendorff genötigt war, wegen der Konzeffion zum
Betriebe feiner Druckerei langwierige Verhandlungen mit dem
Domkapitel zu pflegen, das eine andere Druckerei bevorzugte,
bis der Nachweis der Leiftungsunfähigkeit jener Druckerei und
die um jene Zeit bevorftehende Neuwahl des Fürftbifchofs das
Domkapitel zur Nachgiebigkeit veranlaßte. So erhielt A. am
13. September 1762 endlich die Erlaubnis zum Betriebe der
freien Druckerei', welches Privileg der am 16. September gewählte
Fürftbifchof und Kurfürft von Köln, Maximilian Friedrich,
am 24. November beftätigte, der A. am 28. Mai 1773 auch als
Univerfitätsbuchdrucker beftellte. — Den Schluß des fchönen
Bandes, dem mehrere Fakfimiles beigegeben find, bildet das ausführliche
Verlagsverzeichnis. Schfr.

Zum Gedächtnis an den am 18. Februar in Mentone heimgegange-
nen Generalfuperintendenten, Wirkl. Oberkonfiftorialrat D.
Theodor Braun. Reden bei der Leichenfeier in Gütersloh
am 27. Februar 1911, mit 1 Bildnis des Entfchlafenen. (32 S.)
8°. Gütersloh, C. Bertelsmann (1911). M. — 40

Zander, Prof. Hellm.: Erinnerungen an D. Theodor Braun, weil,
wirkl. Ober-Konf.-Rat u. Gen.-Sup. (194 S. m. 1 Bildnis.)
8°. Ebenda 1911. M. 2—; geb. M. 2.50

Die Leichenreden von Dryander, J. Möller-Gütersloh, Keßler-
Berlin, Zöllner-Münfter,Kaufch-Berlin,Siebold-Gütersloh zeichnen
nach verfchiedenften Seiten hin Wirkfamkeitund Perfönlichkeit des
Berliner Generalfuperintendenten Theodor Braun (5. Febr. 1833 bis
18. Febr. 1911). Ein kurzer Lebenslauf und ein Nachruf des Kuratoriums
des evangelifchen Gymnafiums' in Gütersloh, an dem
Braun 25 Jahre lang als Religionslehrer und Seelforger wirkte, be-
fchließen das kleine Heft. — Die zweite Publikation bringt zwar keine
Biographie, aber intim gehaltene Erinnerungen an Braun namentlich
an die Gütersloher Zeit, von einem Mann, der ihm in 50jäh-
riger Freundfchaft verbunden war. An der fchriftftellerifchen
Leiftung als folcher mag manches auszufetzen fein, aber Brauns
Perfönlichkeit tritt hier in helles Licht. Wir lernen einen Lutheraner
kennen, der fleh als jugendlicher Heißfporn die Affiftenz
eines Reformierten bei feiner Ordination verbittet (56) und als
Generalfuperintendent fich nicht in Kögels ,unioniftifches Netz'
will fangen laffen (155), der gegen die Umbildung der Kirche zu
einem ,Verein für freie Forfchung' kämpft (124), ftolz darauf ift,
,keinen Benderianer unter feinen Paftoren zu haben' (157) und persönlich
felbft an der Wortinfpiration der hl. Schrift fefthält (143).
Aber B. hat doch mit der neueren Theologie gegenüber der alten
gelernt, das ,Menfchliche, Relative, Vermittelte' zu betonen (40). Namentlich
folgt er Hofmann in der gefchichtlichen Auffaffung
des Heils (133 f. 23); fein Luthertum ift pietiftifcher Provenienz

(34ff. 50). Er hielt freilich nichts von einer Religion Subjektiver
Stimmungen (39); den Willen zu packen, die Gewiffen zu treffen,
war fein Hauptanliegen (29. 134). Darauf beruhte auch der ,dämo-
nifche' Einfluß, der ihm namentlich in früheren Jahren nachgerühmt
wurde (30.71), fo daß die eigenartige Verbindung von Erziehung
und Seelforge, die ihm feine Doppelftellung in Gütersloh
ermöglichte, lieh überaus wirkfam geftaltete. Der goldene Humor,
den er mit feinem tiefen Ernft zu verbinden wußte, wie die Scheu
vor aller Schablone bewahrten ihn vor gefetzlicher Treiberei
(131 vgl. Leichenreden 19. 21). Um fo mehr Beachtung verdient
feine Überzeugung, ,daß es für die Schule ein Bedürfnis ift, einen
fpeziellen Seelforger zu haben' (75).
Göttingen. Titius.

Stein mann, G.: Die Abttammungslehre. Was fte bieten kann, u.
was fie bietet. Vortrag. (17 S.) gr. 8". Leipzig, W. Engelmann
1911. M. —60

Steinmanns Vortrag gewährt einen ausgezeichneten Einblick
in die heutigen Probleme der Abftammungslehre. Als rein natur-
wiffenfchaftliche Theorie müffe diefe vor allem den Gang und den
Mechanismus der organischen Entwicklung klarlegen. Das fei
nicht möglich, wenn man von den komplizierteften Organismen
ausgehe und zu ihrem Verftändnis mit hochgradig zusammengesetzten
oder nur relativ faßbaren Begriffen wie Nützlichkeit, Zweckmäßigkeit
, Inftinkt, Bewußtfein u. dgl. operiere (S. 5); auch fei es
falfch, von dem fog. .natürlichen' Syftem der heutigen Tiere und
Pflanzen, das ohne phylogenetifche Geflchtspunkte aufgeftellt fei,
auf die wirklichen Abftammungslinien zurückfchließen zu wollen;
vielmehr müffe fleh die Phylogenie auf die tatsächlichen Befunde
der Urzeit gründen. In Wirklichkeit reiht fleh nun ,ein fo erheblicher
Teil der anfeheinend ausgestorbenen Formen in die noch
heute bestehenden Stammreihen ein', daß im Gegenfatz zur Theorie
einer allfeitigen Variabilität der Entwicklungsgang der Schöpfung
vielmehr ,einen ausgesprochen orthogenetischen [geradlinigen]
Charakter erhält' (14). In der Entstehung der komplizierten
Organismentypen will St. nicht mit der üblichen Auffaffung einen
»einmaligen, gelegentlichen und zufälligen Vorgang', fondern ,einen
oft wiederholten und gefetzmäßigen' erblicken, der ,auf zahlreichen
Abftammungslinien erreicht' wird (S. 11. 12). Diefe ,orthogene-
tifche' Theorie, die fchon Eimer vertreten hat, foll ,rein mecha-
niftifch', unter Ablehnung jedes .vitaliftifchen Elementes' durchgeführt
werden (12. 13). Da heute die erbliche Übertragung
erworbener Eigenschaften, ja felbft die Übertragung der durch
äußere Einwirkungen auf das Sorna erfolgten Veränderungen
auf das Keimplasma gesichert fei, müße fleh — unter Voraussetzung
der befonderen Eigenfchaften der lebenden Substanz —
die getarnte Entwicklung als ,ein einziger großer Anpaffungsvor-
gang' begreifen laffen (13).
Göttingen. Titius.

Fidler, Fritz: Vom Zuge der Menfchheit. I. Tl.: Die log. Konstruktion
des Hauptproblems der Metaphylik. 1. bis 25. Tauf. (298 S.)
gr. 8". Hamburg, C. E. Behrens 1912. M. 3—; geb. M. 4 —
F. ift ohne Frage ein gewandter Schriftsteller. Die Klarheit
und Prägnanz feines Stiles verdient alles Lob. Er weiß feine Gedanken
durch zahlreiche treffende, plaftifch ausgeführte Gleich-
niffe zu illustrieren. Seine Schreibweife wirkt trotz der vielen
absichtlich nicht vermiedenen Wiederholungen, trotz ihrer ebenfalls
beabsichtigten ausmalenden Breite Stark fuggeftiv. Aber mit
der Philofophie und leider auch der Logik fcheint es denn doch
nicht unbedenklich zu hapern. F. will zeigen, daß das .Problem
der Probleme', die Frage, ob ein Gott ift oder nicht, wiffenfehaft-
licta zu löfen und zwar allein in bejahendem Sinne zu löfen ift.
Sein Hauptangriff richtet fleh deshalb gegen die .Kant'fche
Erkenntnisfehranke', gegen den verfuchten Nachweis des Königsberger
Denkers nämlich, daß dies Problem mit wiffenfehaftlichen
Mitteln unlösbar fei. Die Schranke zu durchbrechen, gelingt ihm
ohne große Mühe auf folgende Weife. Er fagt, man kann dem
Problem der Probleme gegenüber einen dreifachen Standpunkt
einnehmen. Entweder man behauptet ,es gibt einen Gott' (Standpunkt
A), oder aber ,es gibt keinen Gott' (Standpunkt B), oder
endlich ,es läßt fleh weder erkennen, daß es einen, noch daß es
keinen Gott gibt' (Standpunkt C). Nun Stehen aber A und B in
kontradiktorischem Gegenfatz, die Wahrheit muß demnach entweder
bei A oder bei B fein. Folglich kann fie nicht bei C fein.
Diefer Beweis gefällt dem Verf. fo gut, daß er ihn dem Lefer
in dreimaliger Variation als Beweis Nr. 1, 2 und 3 vorführt.
Durch ein graphisches Schema wird das Iogifche Kunftftück ad
i oculos demonstriert. Diefe unglückfelige Zeichnung kann in der