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Ausgabe:

1913 Nr. 12

Spalte:

377-378

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Langhaeuser, Jul.

Titel/Untertitel:

Das Militärkirchenwesen im kurbrandenburgischen u. königl. preußischen Heer. Seine Entwickelg. u. derzeitige Gestalt 1913

Rezensent:

Eger, Karl

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Seite 1

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377 Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 12. 378

foll an die 6. und 9. Stunde in der Leidensgefchichte
Chrifti Jon. 19, 24; Mc. 15, 33. 34 erinnern.

Göttingen. K. Knoke.

Langhaeufer, Div.-Pfr. Jul.: Das Militärkirchenwefen im kur-
brandenburgifchen u. königl. preußifchen Heer. Seine Ent-
wickelg. u. derzeitige Geftalt. Diff. (XVI, 271 S.) gr. 8°.
Metz, P. Müller 1912. M. 3.50

Die Arbeit, mit der Verfaffer bei der juriftifchen
Fakultät zu Straßburg promoviert hat, ftellt den erften
Verfuch dar, eine einheitliche zufammenfaffendeDarftellung
der Entwicklungsgefchichte des gefamten brandenburgifch-
preußifchen evangelifchen und katholifchen Militärkirchen-
wefens zu geben, und ift als folcher fehr verdienftlich. Die
evangelifche Militärfeelforge in Preußen hat bereits durch
Schild (Der preußifche Feldprediger, Eisleben und Halle
1888 und 1890) eine eingehende Bearbeitung erfahren,
doch mit vorwiegender Berückfichtigung der gefchicht-
lichen und paftoralen und unter verhältnismäßigem Zurücktreten
der rechtlichen Seite des Gegenftands. Für
daskatholifcheMilitärkirchenwefeninBrandenburg-Preußen
lagen überhaupt keine zufammenfaffenden Arbeiten vor.
Verf. ftellt nun zunächft die Gefchichte des evangelifchen
Militärkirchenwefens (S. 6—119), dann die des katholifchen
(S. 120—226), beides bis zu Ende des 19. Jahrhunderts
dar, und fchildert dann in einem dritten hlauptteil (S. 227
—267) den geltenden Rechtszuftand hinfichtlich der militärkirchlichen
Verhältniffe in Heer und Marine. Ob diefe
Dispofttion mit ihrer vollftändigen Trennung der Gefchichte
des evangelifchen und des katholifchen Militärkirchenwefens
ganz glücklich ift, ift fraglich. Da das katholifche
Militärkirchenwefen in Preußen fich nur am und neben
dem evangelifchen entwickelt hat, geht es auf dem vom
Vf. eingefchlagenen Weg ohne zahlreiche Wiederholungen
und ohne Zerreißung von Zufammengehörigem nicht ab.
Doch ift das nur ein formaler Mangel; inhaltlich gibt das
Dargebotene einen trefflichen Einblick in das Werden
der militärkirchlichen Verhältniffe. Mit befonderer Sympathie
ift die Entwicklung des katholifchen Militärkirchenwefens
gefchildert, das, noch in der Militär-Kirchenordnung
von 1832 ziemlich ftiefmütterlich behandelt (die .Militär-
kirchengemeinden' umfaßten noch die Angehörigen aller
chriftüchen Konfeffionen und gehörten zum evangelifchen
Parochus), fich feitdem bis zur vollftändigen rechtlichen
Gleichftellung mit dem evangelifchen entwickelt hat; die
definitive Errichtung der katholifchen Feldpropftei und
die im Zufammenhang damit erfolgte Exemtion der katholifchen
Militärfeelforge von der ordentlichen bifchöf-
lichenJurisdiktion(l868) bildet darin das wichtigfteEreignis.
Auch die Linien der Entwicklung des evangelifchen
Militär-Kirchenwefens find klar gezogen: Nach dem ganz
felbftändigen Militärkirchenwefen des 18. Jahrhunderts
(Militär-Konfiftorial-Reglement von 1711 und renoviertes
Militär-Konfiftorial-Reglement von 1750) kommt die engere
Verbindung der militärkirchlichen ürganifation mit den
landeskirchlichen Inftitutionen durch das Militär-Kirchen-
Reglement von 1811. Die Militär-Kirchenordnung von
1832 lockert zwar diefe Verbindung wieder, beläßt aber
(im Frieden) den Konfiftorien noch weitgehende Befugnifie
bei Anftellung und Beauffichtigung der Militärpfarrer —
wofür dann aber auch die Militär-Oberprediger Sitz und
Stimme im Konfiftorium der betr. Provinz erhielten (und
auch jetzt noch in den alten preußifchen Provinzen haben,
trotz wefentlicher Lockerung der Beziehungen zwifchen
Militärkirchenwefen und Landeskirche). Die neuere Entwicklung
feit Wilhelm I. geht wieder auf Verfelbftändigung
des Militärkirchenwefens, für die die Übertragung der
Berufungen von Geiftlichen von den Konfiftorien auf den
Feldpropft (1867) den bedeutfamften Schritt darftellt. Für
die verwickelten Rechtsverhältniffe zwifchen Preußen, Reich
und andern Bundesftaaten auf militärkirchlichem Gebiet,
für die Beziehungen zwifchen Staat und Kirche, fpeziell

zur katholifchen, bietet das Buch eine Fülle intereflanten
Materials. Der konfeffionelle Standpunkt des (katholifchen)
Vf. ift außer an der Sympathie, mit der die Entwicklung
des katholifchen Militärkirchenwefens gefchildert ift, noch
an manchem andern Punkt zu erkennen (Stellungnahme
zu den Vorgängen bei Abfetzung des katholifchen Feld-
propftes Namszanowski; die ,fogenannten' Altkatholiken;
die Namen der im Feldzug 1864 geftorbenen und verwundeten
katholifchen Feldgeiftlichen werden genannt, die
der evangelifchen nicht) — doch ohne daß er die Objektivität
der Darftellung beeinträchtigte. Irgend nennenswerte
Irrtümer find mir nicht aufgefallen; ungenau ift die
Notiz S. 10S, wonach das großh. heffifche Oberkonfiftorium
,die Rechte des Feldpropfts' ausübt. Die ganz nichts-
fagende Einleitung I (Die Militärfeelforge im allgemeinen,
im Altertum und im Mittelalter) hätte wegfallen, die Einleitung
II (Die Militärfeelforge in Deutfchland zur Zeit
der Reformation und des dreißigjährigen Krieges) hätte
mehr in die Tiefe gehen follen. Im allgemeinen ift die
gediegene, forgfältige Schrift, auch wegen ihres billigen
Preifes, fehr zu empfehlen; gerade unter den heutigen
Verhältniffen bietet fie auch dem Theologen viel Wiffens-
würdiges.

Halle a. S.' K. Eger.

o

Referate.

Lindberg, Prof. O. E.: De religiösa och etiska ideerna. (Guds-
ordets utvecklingsgäng i världen II.) (IV, 639 S.) 8". Kr. 7 —
Der Verfaffer hat früher als erften Teil feines breit geplanten
Werkes ein 570 S. starkes Volumen: De olika religionernas
biblar (Die Bibeln der verfchiedenen Religionen) erfcheinen laffen.
Im jetzt vorliegenden Teile verfucht er eine Überficht der Entwicklung
der großen religiöfen Ideen der Welt zu geben, und
zwar 1. Unfterblichkeit, 2. Gott, 3. Gut und Böfe nebft verwandten
Ideen, 4. Erlöfung. Das Werk zeugt von reicher Belefenheit
befonders in der religionsgefchichtlichen Literatur. Seine Tendenz
ift als eine rationaliftifch-proteftantifche zu bezeichnen. Der
Verfaffer übt an manchen Seiten religiöfer Tradition eine herbe
Kritik. Opfer, Sakramente, ftellvertretende Verföhnung, Dreieinigkeit
, Gottmenfchheit find ihm nicht wohlgefällig. Befonders
das Opfer fowie der Altar, auch wenn er unblutigen Zwecken
dient, find ihm ein Greuel, als eine Bezeichnung der tiefften
religiöfen Verirrung der Menfchheit. Überhaupt mangelt es ihm
an gefchichtlichem Sinne. Dagegen meint er den Lefer zu bereichern
durch neue Auffchlüffe der psychifchen Forfchung, wobei
zuweilen die Ausführungen an's Lächerliche ftreifen (z. B.
S. 249). Der Stil ift überaus weitfchweifig — auf Kotten des
Inhalts.

Fulltofta/Schweden. H. Scholander.

Schmidt, P. Leopold: Der hl. Ivo, Bifchof v. Chartres. (7. Heft
der ,Studien u. Mitteilgn. a. d. kirchengefch. Seminar d. theol.
Fakultät d. k. k. Univ. in Wien'.) (VII, 129 S.) gr. 8». Wien,
Mayer & Co. 1911. M. 2 —

Eine Biographie Ivos von Chartres und eine Darlegung feiner
literarifchen oder juriftifchen Bedeutung ift gewiß eine fehr
dankenswerte Aufgabe, da Ivo in die feine Zeit bewegenden Fragen
eingegriffen und an dem Streit zwischen Sacerdotium und Imperium
als nichtdeuticher Bifchof fich beteiligt hat. Die vorliegende
Arbeit kann ich fchon deswegen nicht für eine befriedigende
Löfung diefer Aufgabe halten, weil fie in der Verwertung der
Quellen nicht forgfältig und auch nur mangelhaft ftilifiert ift,
ganz abgefehen davon, daß der Verfaffer es nicht verftanden hat,
die Geftalt Ivos von dem zeitgenöffifchen Hintergrund fich fcharf
abheben zu laffen, auch mancherlei beibringt, was gar nicht zur
Sache gehört, fich als Parteigänger der päpftlichen mittelalterlichen
Gedankenwelt erweift und mitunter in den erbaulichen
Ton der Hagiographen verfällt. Früher war es üblich, daß Erft-
lingsarbeiten eine Unterfuchung über die zur Verfügung flehenden
Quellen enthielten, damit der Verfaffer Gelegenheit hätte, die
Sicherheit feiner hiftorifchen Methode darzulegen. Hätte auch
Schmidt dies getan, fo würde er fich nicht für die Anfänge Ivos
auf die Vita berufen haben, die Johannes Fronto 1647 herausgegeben
hat; fondern hätte fich nach den Quellen umgefehen,
aus denen diefer gefchöpft hat. Es macht auch einen höchft bedenklichen
Eindruck, daß S. feiner Arbeit ein Porträt Ivos bei-