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Ausgabe:

1913 Nr. 11

Spalte:

347

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Walton, F. E.

Titel/Untertitel:

Development of the Logos-doctrine in Greek and Hebrew thought 1913

Rezensent:

Bauer, Walter

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347

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 11.

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der Anthologie übertroffen, die von Hub. Lindemann herausgegeben
worden ift. Ein folches Buch bringt natürlich für die
Gymnafiaften den Vorteil mit fleh, daß es leicht in die Schule
getragen werden kann, aber fein Gebrauch hat auch leicht die
Gefahr im Gefolge, daß die Schüler auch nicht einmal in Oberprima
zur Anfchaffung eines vollftändigen hebräifchen A. T. genötigt
werden, und es hat doch fein Gutes, daß der Theologie-
ftudierende fchon feine Biblia hebraica auf die Univerfität mitbringt.
Abgefehen davon aber ift das Buch lobenswert. Denn es ift
erftens mit großer Sorgfalt gearbeitet, denn z. B. wenn beim
letzten Worte von Gen. 37,6 neben dem Sillüq noch ein Strichlein
vor dem Soph Pasüq erfcheint, fo kann dies auch nur von
der Druckerei herrühren. Ferner find die mafforetifchen Randbemerkungen
, für deren Verftändnis ja jetzt in meinem Wörterbuch
ein vollftändiger Schlüffel vorliegt, mitgegeben. Endlich
gibt ein Anhang mehrere unpunktierte Abfchnitte, Teile vom
neuentdeckten Originaltext des Sirachbuches, die Siloah-Infchrift,
einen Abfchnitt mit fupralinearer Punktation aus dem Prophetenkodex
von 916 und einen Abfchnitt aus Goethes Fauft in Jüdifch-
Deutfch und rabbinifcher Schrift.
Bonn. Ed. König.

Wal ton, Rect. F. E., B. D.: Development of the Logos-doctrine in
Greek and Hebrew thought. (VII, 100 S.) 8". London, Simp-
kin, Marshall & Co. 1911. s. 4 —

Waltons Buch zerfällt entfprechend feinem Titel in zwei
Teile. Im erften macht uns Verf., erfüllt von der Idee, daß die
griechifche Philofophie auch der erleuchtendften Denker an den
Inhalt der hl. Schrift nicht heranreicht, mit den Elementen der
hellenifchen Geifteswelt bekannt, die ,auf Christus hinleiten'.
Der Logosbegriff wird dabei nur als Teil des Ganzen behandelt.
Mehr im Mittelpunkt fteht er im zweiten Abfchnitt der uns auf
jüdifchen Boden führt. Was hier über die Weisheits- und Memra-
lehre gefagt wird, ift zum Verftändnis der Logosidee unentbehrlich
. Den Schluß bildet eine kurze Erläuterung des johanneifchen
Prologes, fowie eine Aufzählung der Differenzen zwifchen dem
philonifchen und dem johanneifchen Logos.

Das Büchlein, das andere Forfcher fo gut wie gar nicht
namhaft macht, wendet fich offenbar an ein weiteres Publikum.
Ein folches wird auch für die eingeftreuten Notizen aus dem Leben
der behandelten Philofophen dankbar fein. Der wiffenrehaftlich
Arbeitende findet bei Walton nichts Neues. Er wird das Vorhandenfein
einzelner richtiger Beobachtungen anerkennen, in der
Hauptfache aber bedauern, daß Verf. die neueften Bemühungen
um den Gegenftand, wie fie fich vor allem an den Namen Reitzen-
ftein knüpfen, nicht zu fchätzen weiß: er gönnt ihnen kein Wort.
Breslau. Walter Bauer.

DauTch, Lyz.-Prof. D. P.: Die Infpiration des Neuen Teftamentes.

1. u. 2. Aufl. (Biblifche Zeitfragen. 5. Folge, 2. Heft.) (43 S.)

gr. 8". Münfter, Afchendorff 1912. M. — 50

In einer durch ihre Methode wie ihre Refultate den modernen
Menfchen gleich fremd anmutenden Schrift fpricht Daufch
über die Infpiration des NTs. Im Kampf mit den ,RationaIiften',
aber auch im Gegenfatz zu der ,albernen Überfpannung', der
fich die lutherifche Orthodoxie fchuldig gemacht hat, fucht D.
feftzuftellen, was an den hl. Schriften von Gott, was von den
menfehlichen Autoren ftammt. Gottes Einfluß macht fich nicht
nur auf dem Gebiet des Glaubens und der Sitte geltend, fondern
erftreckt fich auf alle Einzelheiten des Schriftinhaltes. Stil und
fprachliche Form gehören den Schriftftellern an, wobei Gott freilich
dafür forgt, daß das äußere Gewand dem herrlichen Gegenftand
entfpricht. Die Bedingungen, unter denen die neuteftament-
lichen Bücher entftanden find, garantieren ihnen abfolute Irrtums-
lofigkeit. ,Rafch find erledigt die fogenannten innerbiblifchen
Widerfprüche im NT' (S. 31). Aber auch zur Gefchichte und zur
wiffenfchaftlichen Naturbetrachtung fteht eine .richtige Erklärung
des Bibeltextes' nicht im Gegenfatz. — Uberzeugend wirken können
die Ausführungen nur auf folche Leute, die ebenfoviel von päpft-
lichen Erklärungen und dem Confenfus der Maffe der katholifchen
Theologen halten wie der Verfaffer.
Breslau. Walter Bauer.

Neuhaus, Wilh.: Die Klorterreform in Hersfeld durch Kaifer Heinrich
II. (31 S.) kl. 8>. Hersfeld, C. Vietor (1911). M. —50
Dies kleine Schriftchen bietet den Vortrag, den der Verfaffer
auf der 76. Mitglieder-Verfammlung des Vereins für heffifche Gefchichte
und Landeskunde in Hersfeld gehalten hat, in leicht
überarbeiteter Form. Der Charakter der Kirchenpolitik Heinrichs
IL, die Urfachen, die zu der Reform Hersfelds geführt |

haben, die Tätigkeit des nachmaligen Bifchofs von Hildesheim,
Godehard, für die Reform, fcheinen mir richtig gekennzeichnet
zu fein. Kritifche Erörterungen find vermieden; fonft wäre doch
wohl z. B. S. 14 ein Wort darüber gefagt worden, ob Godehard
vor oder nach dem Tode Bernhars zum Abt ernannt wurde;
zu den wörtlichen Zitaten gehört die Angabe der Fundftellen;
S. 17 muß es für: Chriftum zu Ehren heißen: Chrifto zu Ehren.
Kiel. g. Ficker.

Mitteilungen.

15. Der fyrifche Euagrius Ponticus, den Frankenberg in
den Abhandlungen d. Gefellfchaft d. Wiff. zu Göttingen herausgegeben
hat (Phil.-hift. Kl. N. F. Bd. 13,2: 48 M.!) enthält unter
den Briefen 21 (S. 565—581), die in derfelben Reihenfolge auch
von der von Frankenberg nicht berückfichtigten armenifchen Über-
fetzung geboten werden (ed. Sargifean, S. Lazzaro 1907 S. 334—355:
Preis der armenifchen Opera 6 Lire!). A nennt Melania als Empfängerin
(Verfafferin ?) in Nr. 1, 4, 5, 7, 9, 10, 12—15, 19. Daß
A nicht von S abhängig ift, mag eine Stelle aus Brief 2 Z. 4f.
zeigen, die in S wohl verderbt ift: A ,Aber wir wagen zu fagen,
wenn nicht bereit find die fleifchlichen Seelen Schuhe anzuziehen
f% ., können fie nicht ungeftochen bleiben von den böfer,

Schlangen (jzoL.) und find beklagenswert.' In A folgt als Nr. 22
,der Unterricht über die Jungfrauen' = S 563; dann andere Briefe,
von denen noch Nr. 27 — S Nr. 39 ift. — A 12-22 (fchlechter
Text) — S 546—553. A hat keine Zählung der Abfchnitte und
die Uberfchrift rvmaxixdq Kai ngaxxixbq. Es folgen nämlich in
A die Capita practica ad Anatolium mit verfchiedenen Untertiteln:
zuerft ,Des Euagrius über die Kleider der Mönche' (Cap. 1—25),
dann .Über die 8 Gedanken' (Cap. 26—53), bis Cap. 100. Eine
armenifche Hf. hat am Schluß des rvioaxixöq die Bemerkung
(Ausg. S. 22 Anm.), Sokrates habe das Werk Movaytxöv genannt,
doch die Sammler der Schriften des Euagrius hätten es Aöyoq
ngaxxixbq betitelt. — A 217—322 ,Antirrheticus aus der HI. Schrift
wider die Dämonen, die uns verfuchen' —- S 472—545. A hat
ein geringes Plus gegen S. In A ift der Preis Gottes am Schluß
befonders gezählt: I A 71 (S 69) II 64 (65) III 66 (58) IV 81 (76)
V 69 (64) VI 60 (57) VII 45 (43) VIII 67 (60). — Die Überfetzung
der Centurien A 143—216 ift im Vergleich mit S 49 -471 fehr
ungenau; z. B. II 21 A:,Alles, was geworden ift, verkündigt den
Herrn, und es ift keine Natur, die ihn erreicht.' Auch A hat
hinter jeder Centurie die Notiz, daß 10 fehlen, weicht aber in der Zählung
etwas von S ab: fo ift V 86—90 A = 90 S. Die Reihenfolge
der fehlenden 60 ift in A ganz anders: S 1—42 (= A 23—53)
43 (14) 44-49 (1—6) 50+52 (8) 53—56 (9—12) 58—60 (18-21).
Die Sprache von A macht in den Centurien ganz den Eindruck,
als ob fie von einem fyrifchen Original abhängig fei (z. B. in
den Relativfätzen). S II 80 III 10 hat auch A khnar (b'gyavov
Frankenberg). S II 59 hat auch A gemacht entgegen dem
Guten. I 18,71 hat A ftatt nigaq /Werk' ^ai); I 27 S oxonöq:

A die unter fich (^4»l) haben alles Wiffen; II 82 S iv
xotq xöaitotq avxwv: A und der Bemühungen (^oai-^ia^o); A
ftatt Chriftus öfter der Gefalbte. Alles Eigentümlichkeiten, die
fich durch Annahme der Abhängigkeit von S leicht erklären laffen.
II 86 fcheint A ftatt S äßlaßsq das richtige voll Duft (jhe
bewahrt zu haben: vgl. Eccl. 10,1. Freilich lautet S I 30
(A 33): ,Allein das Feuer nimmt weg (vernichtet) die fubftantiellen
Wefen, welche beliehen in vier.' Das fcheint auf eine abweichende
griechifche Vorlage (<ha<p0e/gsi ftatt _S (hanget) hinzuweifen
. Vielleicht hat A eine andere fyrifche Überfetzung benutzt,
als die von Babhai kommentierte. — Das 1911 Sp. 827 erwähnte
Irenaeus-Fragment über den Nus, das A überliefert,wird H.Jordan
nächftens in den Texten und Unterfuchungen vorlegen; es ift
ficher aus dem Griechifchen überfetzt, wie ein Vergleich mit dem
von mir gefundenen Original zeigt.
Kiel. W. Lüdtke.

16. Quellen der Religionsgefchichte. Für den Islam
verdanken wir Prof. Goldziher in Budapeft einen vorläufigen
Programmabriß, wie folgt:

,1) Für den Koran ift — wie ich fehe — vorteilhaft geforgt.

2) Dogmatifch bedeutfame Stücke aus Buchäri's Tradition s-
fammlung (ed. Iuynboll), Bd. IV, z. B. Kitäb al-i'tisäm, K. al-
tauhid und vielleicht noch das eine und andere Buch aus diefer
Sammlung.