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Ausgabe:

1913

Spalte:

258

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wiedemann, Alfred

Titel/Untertitel:

Die Amulette der alten Aegypter 1913

Rezensent:

Rusch, Adolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

0_ Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchheßlich an _ _ . «<vi#»

OO, Jahrff. Nr. 9 ProfefforD. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. £1q^ April 19iO

D Rezenfionseiemnlare ausfchheßlich an den Verlag. c

Jastrow jr., Aspects of Religious Belief and

Practice in Babylonia and Assyria (Meißner).
Wiedemann, Die Amulette der alten Aegypter

(Rufch).
Oldenberg, Rgveda (Reith).
Exner, Zum Klima v. Paläftina (Guthe).
Zerbe, The Antiquity of Hebrew Writing and

Literature (Steuernagel).
Renyon, Handbook to the Textual Criticism of

the New Testament (Bouffet).

Dante's Monarchie (Sander).
Baumgarten, Die Vulgata Sixtina von 1590

und ihre Einführungsbulle (W. Köhler).
Le Bachelet, Bellarmin et la Bible Sixto-Cle-
mentine (Derf.).

— Bellarmin avant son Cardinalat 1542—1598
(Derf.).

Kühnemann, Herder (Stephan).
White, Gefchichte der Fehde zwifchen Wiffen-
fchaft und Theologie in der Chriftenheit
I.ohmann, An die Heiligen in Rom (Pott). (Troeltfch). ronomium. —"The Old Testament in Greek

Euringer.DieÜberlieferungderarabifchenÜber- ! Drews, Die Philofophie im erflen Drittel des - Groffe-Brauckmann, DerPfaltertextbei

19. Jahrh. (Dorner). Theodoret. — Haß, Studien zum Heptateuch

Forberger, Moralftatiftik u. Konfeffion (Tönnies
).

— Moralftatiftik des Königr. Sachfen (Derf.).
Temple, The Kingdom of God (R. A. Hoffmann
).

fetzung des Diateffarons (Duenfing)
Meyboom, Clemens Alexandrinus (Koch).
Wensinck, Legends of Eastern Saints chiefly

from Syriac Sources (v. Dobfchütz).
Dahlmann u. Waitz, Quellenkunde der deut-

fchen Gefchichte (Ficker).

Straub, De ecclesia Christi (Wielaud).
Fuchs, Wiffenfchaft u. Religion iThimme).
Ritter, Der wahre Gott und feine Tafeln (Steinmann
).

Eugfter, Wir zeugen vom lebendigen Gott!

(Niebergall).
Taube, Gott in der Natur (Derf.).
Peabody, Sunday Evenings in the College

Chapel (Derf.).
Bungenberg, Gleichniffe Jefu (Bussmanu).
Referate: Euringer, Der Streit um das Deutedichter
Cyprian.
Mitteilungen: (12) Die Beftimmung der Dolmen.

(13) Quellen der Religionsgefchichte.
Erklärung der Redaktion.
Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Jastrow jr., Prof. Morris, Ph. D.: Aspects of Religious Belief
and Practice in Babylonia and Assyria. With 54 Illustr.

Wiedemann, Prof. Dr. Alfred: Die Amulette der alten Aegypter.

(Der Alte Orient. 12. Jahrg., Heft 1.) (32 S.) gr. 8°.

and a map and Chronological Lists of the Rulers of | Leipzig, J. C. Hinrichs 1910. M. — 60

Babylonia and Assyria. (American Lectures on the
History of Religions. 9. series, 1910.) (XXV, 471 S.)
8°. New York, G. P. Putnam & Sons 1911, s. 9 —

Aus feiner großen Gefchichte der babylonifch-affyri-
fchen Religion hat J. hier einen gefchickt gearbeiteten und
angenehm lesbaren Auszug in Form von Vorlefungen
gegeben, der dazu berufen fein foll, ein weiteres Publikum
in diefe verwickelte Materie einzuführen. Nach einer
Überficht über die Gefchichte des Zweiftromlandes führt
uns J. die hauptfächlichften Vertreter des babylonifchen
Pantheons vor. Probleme, die noch im Fluß find, können

Wiedemann erklärt die Entftehung der meiften ägyp-
tifchen Amulette daraus, daß Zauberformeln, die urfprüng-
lich nur gefprochen wurden, auf Nachbildungen entfpre-
chender Gegenftände gefchrieben wurden; fpäter hätten
diefe auch ohne Infchrift den gleichen Zwecken gedient.
Das mag für einzelne Amulette richtig fein; im allgemeinen
aber ift die Entwicklung eine umgekehrte, wie H. Schäfer
in der Ag. Zeitfchrift 1906, 66 für eine ganze Reihe von
Amuletten beweift (Verf. zeigt es übrigens bei einigen
felbft): Aus urfprünglichen Gebrauchsgegenftänden, die
den Toten in Abbildungen mitgegeben wurden, entwickelten
fich allmählich die mit myftifchen Kräften ausnaturgemäß
hier nicht erörtert, fondern müffen nach einer ! geftatteten Amulette. So erklärt es fich auch, daß die
Richtung hin entfchieden werden. Infolgedeffen ift gerade j Amulette erft in verhältnismäßig fpäter Zeit auftreten; fie
in diefer Vorlefung nicht alles fo ficher, als wie es den : löfen die alten Gerätefriefe der Särge und Grabwände
Anfchein hat. In III wird die Vorzeichenlehre dargeftellt, i ab. — Verf. behandelt dann, meift im Anfchluß an die
befonders die Leberfchau, die ja auch bei den Etruskern j betreffenden Kapitel des Totenbuches, einzelne Gruppen

und Römern eine große Rolle fpielte. Im folgenden
Kapitel folgt dann die Darfteilung der Aftrologie, die den
Einfluß der Sterne und des Wetters auf die Geftaltung
der Zukunft klarlegt. Das Kapitel über die Tempel und
die Kulte hätte nach meiner Meinung mehr bringen

von Totenamuletten — denn auf diefe befchränkt fich
eigentlich unfere Kenntnis — und die Vorftellungen, die
fich die Ägypter von der Kraft der einzelnen Stücke machten
. Von diefen Gruppen wären u. a. die Kronen,
Szepter ufw. hervorzuheben, die urfprünglich nur für den

können. Gerade die Ausgrabungen in Babylon und Affur , toten König beftimmt waren; wie aber viele andere Vorhaben
uns hier in architektonifcher Beziehung ein gut
Stück weiter gebracht. Auch über die verfchiedenen
Prieftergattungen und deren Funktionen find wir fchon
befler orientiert, als es nach J.s Buch den Anfchein haben
könnte. Vom ganzen Kult, für den auch die bildlichen
Darftellungen der Monumente hätten verwendet werden
können, erfahren wir faft nichts. Im letzten Abfchnitt

rechte des Königs, fo find im Laufe der Zeit auch diefe
Herrfchaftsfymbole auf die gewöhnlichen Toten übertragen.
Bei der Gruppe der zur Verteidigung dienenden Amulette
erklärt Verf. die Zauberftäbe aus Knochen oder Elfenbein
m. E. ganz richtig für alte Wurfhölzer, was übrigens
die oben angeführte Entftehungshypothefe beftätigt. Auch
die Herzfkarabäen haben zunächft keine fymbolifche Bebehandelt
J. die Lehre vom Leben nach dem Tode und I deutung: fie follen nur das richtige Herz erfetzen, das
von der babylonifchen Ethik. Chronologifche Liften, die I herausgenommen wurde. Berechtigter Nachdruck' wird
jetzt allerdings vielfach fchon antiquiert find, erhöhen die auf die fog. Knotenamulette gelegt, die im Zauber, beBrauchbarkeit
des Buches. fonders der fpäteren Zeit, eine bedeutende Rolle fpi'elen.

Alles in allem ift J. feiner Aufgabe, eine babylonifche j Erwähnenswert wäre übrigens die ägyptifche Lifte von
£• ^'ffjonsgefchichte in lesbarer Form einem größeren j Amuletten gewefen, die Capart in der Ag. Zeitfchrift 1908
Publikum vorzufetzen, vollauf gerecht geworden. 14 veröffentlicht hat.

Breslau- Bruno Meißner. Charlottenburg. Adolf Rufch.

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