Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1913 Nr. 8

Spalte:

253

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Philostratus, The Life of Apollonius of Tyana. The Epistles of Apollonius and the Treatise of Eusebius 1913

Rezensent:

Krüger, Gustav

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

253

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 8.

254

fellfchaft zu Stettin. (82 S. m. 48 Lichtdr.-Taf. u. 2 eingedr.

Plänen.) gr. 8°. Berlin, O. Baumgärtel 1912. geb. M. 6 —
Eine allzu wortreiche Darftellung der in neuerer Zeit von vielen
Seiten eingefchlagenen Wege zur Hebung der Friedhof- und
Grabmalkunft, wie fie die Dürer-Gefellfchaft in Stettin im Jahre
1911 in einer umfangreichen, mit feinem Gefchmack geordneten
Ausftellung vor Auge geführt hat. Den Urteilen kann man zu-
ftimmen, befonders auch, wo die alte heimatliche Handwerkskunft
gerühmt wird. Befonders wertvoll durch zahlreiche (57) Abbildungen
.

KieL R. Härder.

Philostratus: The Life of Apollonius of Tyana. The Epistles of
Apolionius and the Treatise of Eusebius. With an English |
Translation by F. C. Conybeare. (The Loeb Classical Library. |
Edited by F. E. Page and W. H. D. Rouse). 2 Vols. (XV, 592
u. VI, 624 S.) London, Heinemann. — New York, The Mac-
millan Co. 1912. s- 10 —

Im Herbft des vergangenen Jahres ift in England ein Unternehmen
ans Licht getreten, deffen Zweck es ift, klaffifche Werke
in Urtext und guter Überfetzung einem weiteren Leferkreis zugänglich
zu machen. Auch die InterefTen von Theologie und
Religionsgefchichte werden dabei berückfichtigt. So find die
apoftolifchen Väter (in 2 Bänden hrsg. und überfetzt von Kir-
iopp Lake), Augurtins Konfeffionen (Text nach Knoell, Überfetzung
von W. Watts [1631], durchgefehen von W. H. D. Rouse, 2 Bände),
Julian und Lucian zur Aufnahme vorgefehen und die erftgenannten
Werke bereits erfchienen. Die Überfetzung der Vita des Apollonius
von Philostratus mit den oben genannten Zutaten befonders
hervorzuheben, bedarf keiner Rechtfertigung, da die deutfche Überfetzung
von E. Baltzer (1883) nicht fehr bekannt geworden ift,
und der Name Conybeare für die Güte der Arbeit bürgt. Text
(nach Kayfers Ausgabe in der Teubnerfchen Bibliothek) und Überfetzung
find neben einander gefiellt. Warum ift für die Apollonius-
und Eufebiusftücke in der Norm über den Seiten irreführend der
Autorname Philostratus verwendet worden? Die Ausftattung ift
fehr gefällig, der Preis jeden Bandes auf 5 Schilling angefetzt.
Gießen. G. Krüger.

Mitteilung.

11. D ie Ausgrabungen von Ain Shems. Über denBeginn
der Ausgrabungen des Palastine Exploration Fund zu Ain Shems in
Paläftina ift an diefer Stelle (f. Theologifche Literaturzeitung
19. Aug. 1911) fchon die Rede gewefen. Im Jahre 1912 wurden
diefe Ausgrabungen fortgefetzt und haben folche Erfolge gebracht,
daß man von einem neuen ,Gezer' dafür fprechen kann. Ausführlichen
Berichten in den ,QuarterIy Statements des P.E.F.,
und in der ,Revue Biblique Internationale' entnehmen wir das
Wichtigfte, was an diefer Stelle intereffieren könnte. Die Ausgräber
gaben die Arbeit an der zuerft unterfuchten Stätte innerhalb
der Mauern auf und konzentrierten ihre Unterfuchungen auf
die Nekropolen, die fie außerhalb der Mauern an den Seitenabhängen
des Teils fanden, und auf die Zentralpartie der Plattform
, auf der das ifraelitifche Beth-Shemefh ftand. Die Funde
ergaben drei große Perioden, eine eingeboren kananitifche, eine
philiftäifche und eine ifraelitifche. Die erfte erftreckt lieh von
dem entfernten Anfang des Bewohntseins der Stätte im 3. Jahr-
taufend bis zum Ende des 15. Jahrhunderts vor unferer Zeitrechnung
. Ein furchtbares Ereignis begrub damals für längere Zeit
die ganze Stadt unter Afche. Vom 14. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts
herrfchte die Philifterkultur. Dann pflanzte die ifraelitifche
Eroberung der Stadt, deren Beteiligungen für immer zerfrört
wurden, eine zwar andere, aber doch nicht neue Kultur ein,
die ganz aus den Traditionen der Vergangenheit beftand. — San-
herib zog eines Tages auf feinem Kriegszuge, als er von Lachifh
heraufkam, nach Beth-Shemefh und vernichtete die kleine ifraelitifche
Stadt, wo der Tod seit diefer Zeit herrfchte, bis in der
byzantinifchen Periode auf kurze Zeit wieder Leben begann. —
Die größte Entdeckung, die in der letzten Kampagne gemacht
worden ift, war die Aufdeckung eines Hochplatzes in der Art des
berühmten Heiligtums von Gezer. Aber die fünf großen Stelen, die
den Charakter des Hochplatzes bedingen, flehen nicht mehr auf
ihren Baien, fondern sie liegen in einem gewiffen Alignement auf
dem Boden. Im allgemeinen gleichen fie den Mazzeben von Gezer,
aber ihr oberes Ende hat doch eine gewiffe Regelmäßigkeit, durch
die fie den Grabftelen ähnlicher find. Die Fundamente, auf denen
die Stelen von Ain Shems aufgepflanzt find, gehen herunter unter
die Philifterfchicht. Von da aus gelangte man an die Mündung

einer doppelten Höhle, die vollftändig der in Gezer gefundenen
gleicht. Man hat das Adytum diefer Höhle noch kurz unterfuchen
können. Die beiden Höhlen sind voll von noch unberührten
Gräbern mit reichem Mobiliar, das bis in die älteften hifto-
rifchen Zeiten diefer Gegend zurückgeht. Die nunmehr beginnende
weitere Ausgrabungsarbeit hat ficher hier noch große Entdeckungen
vor fleh. Soweit man bis jetzt fehen konnte, wurde
die doppelte Höhle erft im Laufe der Jahrhunderte getrennt, indem
die älteften Gräber durch die Mauer abgefchloffen wurden.
Es fcheint, daß die ifraelitifche Orthodoxie der Entwicklung diefes
Hochplatzes ein fchroffes Ende gefetzt hat, welcher mehr als ein
Jahrtaufend lang fchon einen Kult befeffen hatte.

Der Leiter der Ausgrabungen von Ain Shems, Dr. Duncan
Mackenzie, fchöpft aus den bisherigen Funden religionsgefchicht-
liche Ideen, die fleh nicht viel von denen entfernen, die Toutain
aus der Ausgrabung des Dolmenheiligtums von Alefia gefchöpft
hat (f. Theologifche Literaturzeitung Nr. 9). Urfprünglich ift die Maz-
zeba (Baetylum) nichts anderes, als der in dem Stein inkarnierte
Vorfahre. In einer zweiten Periode wird das Heiligtum das des
Clans; es ift mit den Gemeindeversammlungen affoziiert, und mit
magifchen Riten vor dem Stein werden die Vorfahren einer jeden
Familie zur Gegenwart gerufen. Endlich nach mehreren Zwifchen-
ftufen verliert das Baetylum feinen urfprünglichen Charakter ganz
und wird das Heiligtum eines Gottes, an dem niemals etwas
Irdifches gewefen ift. Selbftverftändlich fcheinen die entdeckten
und noch nicht genau unterfuchten Gräber im Zufammenhang
mit der erften urfprünglichen Phafe der Entwicklung zu flehen,
in denen das Grab des Vorfahren durch den aufrechten Stein
notifiziert ift und feine Seele in ihn eingefchloffen gedacht wird.
— Anzeichen find auch fchon vorhanden, daß man auch in Ain
Shems in dem Hügel V/afferanlagen finden wird, wie fie zujeru-
falem, Gabaon, Gezer gefunden worden find und die durch Tunnels
und unterirdifche Treppen zugänglich waren. —

M. Maas.

Erklärung.

Troeltfchs Befprechung meines Buchs ,Theologie und Philo-
fophie' in Nr. 4 des laufenden Jahrgangs veranlaßt mich zu folgenden
Bemerkungen:

1) Der Herr Rezenfent zitiert meinen Satz, daß die Geltung
der Religion nicht theoretifch lehrbar, fondern praktifch erlebbar
fei, und fügt zu den Worten ,Geltung der Religion' in Paren-
thefe hinzu: ,d. h. natürlich wieder lediglich des Ritfchlfchen
Luthertums'. Ich lehne diefe Interpretation meiner Worte ab.
Diefe ganz ungeheuerliche Gleichfetzung von Religion und Ritfeh 1-
fchem Luthertum ift von dem Herrn Rezenfenten rein eingetragen.
Auf Grund feiner Eintragung kommt er dann zu dem Urteil, daß
mit jenem Satze jede Konkurrenz mit andern pofitiven Religionen
und philofophifchen Weltanfchauungen ausgefchloffen fei.
Natürlich, wenn Religion — Ritfchlfches Luthertum ift! Aber mit
diefer willkürlichen Unterftellung fallen alle daraus abgeleiteten
Anklagen auf Engherzigkeit und Befchränktheit dahin. Auch
ich bin mit dem Herrn Rezenfenten der Meinung, daß das
Chriftentum den Kampf mit den konkurrierenden Weltreligionen
und Weltanfchauungen aufzunehmen hat. Letzteres wird S. 7
meines Buchs ausdrücklich gefagt: Die Frömmigkeit des Einzelnen
könne zur Not der Auseinanderfetzung mit der Philofophie
fleh entfchlagen; aber die Theologie könne und dürfe es nicht.
Wenn ich alfo den Theologen innerhalb des chriftlichen Gottesglaubens
Stellung nehmen laffe, fo meine ich, daß er das nur
tun darf, nachdem er vorher die Auseinanderfetzung mit Religionsgefchichte
und Philofophie vollzogen hat. Letzteres verruchte
ich in meinem Buch.

2) Die Entfcheidung zwifchen den konkurrierenden Werten
fcheint mir allerdings in letzter Inftanz eine perfönliche Tat zu
fein — genau fo, wie Troeltfch fich wiederholt und mit Nachdruck
ausgebrochen hat. Wenn nun diefe perfönliche Entfcheidung
für das Chriftentum als die höchftgeltende Religion den Aus-
fchlag gibt, fo braucht das für die anderen Religionen nicht
blind zu machen. Im Gegenteil, dabei fchließt fich mir der
Wert auch der anderen Religionen erft recht auf. Gerade von
der Höchftftufe aus lerne ich auch fie als Ausdruck göttlicher
Offenbarung verliehen. Ich bin wirklich nicht fo borniert, nur
das Ritfchlfche Luthertum für Religion zu halten. Die Freiheit

[ und Weite des Blicks für das Gefamtgebiet der Religion dürfen
I auch andere für fich in Anfpruch nehmen, und Troeltfch hat kein
Recht, durch jene ganz unglaubliche Gleichfetzung fie ihnen
' abzufprechen.