Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1913 Nr. 7

Spalte:

222

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Wie ich meinen Glauben verlor! Das Bekenntnis e. Atheistin, v. Anna Dorothea 1913

Rezensent:

Steinmann, Theophil

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

221

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 7.

222

Bewegung im Anfang des Jahres 1522 betrachtet werden. Barge
fammelt das von Müller unberückfichtigt gelaflene Quellenmaterial
, das fleh auf die Haltung des Nürnberger Reichsregiments

Rohrbach, Dr. Paul: Deutfchland in China voranl (78 S. m. Ab-
bildgn.) Berlin-Schöneberg, Proteftantifcher Schriftenvertrieb
1912. M. 1 —

und des Bifchofs von Meißen bezieht, weil beide nicht zum min- Wer R. Wilhelms Lunyü-Verdeutfchung mit ihren Erläute-

deften Friedrich den Weifen in feiner Stellungnahme beeinflußten, rungen ftudiert hat, Profeffor O. Frankes neues Werk ,Oftafiatifche

Die Aktenftücke find mit einem reichhaltigen Kommentar j Neubildungen' kennt, etwa noch Ku Hung Mings, eines chine-

in dankenswerter Weife verfehen. Die Rückficht auf etwaigen 1 ßfchen Literaten, Schrift ,Chinas Verteidigung gegen die europä-

Gebrauch bei Übungen in kirchenhiftorifchen Seminaren hat 1 ifchen Ideen' gelefen, dazu weiter, wenigftens durch die letzten

wohl zu manchen Erklärungen veranlaßt, die fonft überflüfflg
erfcheinen müßten. Das Rückgehen auf die Originale hätte vielleicht
manche zwiefpältige Lesart aufgeklärt.
Alfeld bei Hersbruck. Schornbaum.

Maier, Heinrich: Briefe von David Friedrich Strauß an L. Georgii,

hrsg. (Univerfität Tübingen, Beilage zum Doktoren-Verzeichnis
der philofoph. Fakultät 1905.) (IV, 52 S.) Lex. 8". Tübingen
, J. C. B. Mohr 1912. M. 1.50

Die Schrift enthält das Wichtigfte aus den Briefen, die Strauß
von 1830 bis 49 an feinen Freund, den fpäteren Tübinger Prälaten
Georgii, gefchrieben hat, außerdem zahlreiche erläuternde und verbindende
Bemerkungen des Herausgebers. Die Briefe an Georgii
zeichnen fich dadurch aus, daß fie mehr als die meiften früher gedruckten
Briefe von Strauß ,den Schreiber im Werktagsgewand zeigen
'. Zu dem Bilde von Strauß geben fle manchen bisher nicht fo
deutlichen Zug. Bemerkenswert ift z. B. die Schärfe, mit der
Strauß fleh felbft jedes ,rein hiltorifche Intereffe' abfpricht (S. 37.
46), oder die Klarheit, mit der er fich als Vertreter eines Schönheitskultus
weiß (.Kultusnarr'; S. 40); oder der in Berlin am
11. März 1832 gefchriebene Satz: ,Diefer wunderbare Schleiermacher
, den lernt man doch genauer kennen, wenn man feine
Vorlefungen hört, feine Predigten befucht, oder wenn man, was
aber feiten, das Glück hat, mit ihm in Gefellfchaft zu fein'. Bedeutung
haben ferner die Bemerkungen, die Maier auf Grund
der Briefe und feiner ganzen intimen Kenntnis Straußens gegen
einige falfche Behauptungen Th. Zieglers (S. 9f. 26) oder zu dem
Streite zwifchen Strauß und Garns über Möhler macht u. a. Ein
Gewinn ift es endlich, das wir den immerhin recht intereffanten
Georgii durch Strauß und Maier als Menfchen und als Theologen
etwas beffer kennen lernen.
Marburg. Stephan.

15 Jahre, die Wirkfamkeit des Allg. evang.-protelt. Miffionsvereins
in China mit einiger Aufmerkfamkeit verfolgt hat, der wird lieh
die Lektüre diefer Rohrbach-Publikation fchenken können. Die
Zahl derer, die danach als InterefTenten ausfeheiden, wird nicht
allzugroß fein. Von den acht Abfchnitten der Schrift (1. Wie wir
nach China kamen; 2. Der Anfturm der Angelfachfen auf das
Mittelreich; 3. Vom Wefen der chinefifchen Kultur; 4. Die chine-
fifche Staatsidee und die Reform; 5. Die Ethik des Confucius;

6. Die Deutfche Miffion und die geiftige Umbildung Chinas;

7. Das Schulfyftem des Allg. evang.-proteft. Miffionsvereins in
Tfingtau; 8. Die Mädchenfchulen des Allg. evang.-proteft. Miffionsvereins
in Tfingtau) fei ganz befonderer Beachtung der fechfte
empfohlen, eine gerade in ihrer Kürze und Nüchternheit fehr
wirkfame Rechtfertigung der vom Allg. evang.-proteft. Miffions-
verein bei feiner Arbeit in China befolgten durchaus weifen
und gefunden, dort jedenfalls einzig richtigen Grundfätze, in die
fich zu finden felbft vielen feiner Freunde noch immer fchwer
fallen will.

Coburg. Hans Haas.

Wie ich meinen Glauben verlor! Das Bekenntnis e. Atheiftin,
v. Anna Dorothea. (47 S.) 8U. München, O. Th. Scholl 1912.

M. — 80

Sind diefe Schilderungen wirklich autobiographifch? Ob
fie es nun find oder nicht, wir erfahren jedenfalls nur von den
äußeren und inneren Nöten eines durch Menfchenfchuld und
Menfchentorheit geplagten Menfchenlebens, in dem fich das Leidvolle
in einer den Verdacht des Abfichtlichen weckenden Weife
häuft. Daß fo viel erfahrene Ungerechtigkeit einen anerzogenen
Gottesglauben vernichten kann, wiffen wir; es ftellt uns immer
wieder vor die Pflicht des Kampfes gegen die Ungerechtigkeit in
jeder Geftalt. Über den inneren Entwicklungsgang der Erzählerin
zum Atheismus — und das ift es wohl gerade, weshalb man zu
dem Heftchen greifen könnte — erfahren wir aber nichts. Er
ift nach einer Selbftmordkrifis plötzlich da. So dient das Schriftchen
nicht der ernfthaften Auseinanderfetzung: es ift eine populäre
Agitationsfchrift.
Gnadenfeld. Th. Steinmann.

Grape, Pfr. Dr. J.: Der ländliche Gottesdienft als Gemeindefeier.

(36 S.) 8'. Deffau, Verlag der Buchh. des Ev. Vereinshaufes
(1912). M. — 60

Motiv der Schrift ift der Kummer über den äußerft geringen

Kirchenbefuch auf dem Land, bei deffen Schilderung übrigens I Wichtige Rezenfionen.

ftark verallgemeinert wird. Ihre Abficht ift, zu helfen, daß die , _ •■arm m «a. in. o

Gottesdienfte wirklich Brennpunkte religiöfen Lebens in heimat- Von Ltc. theol. Paul Pape in Berlin W. 57, Blumenthalftr. 18.

Liener und volkstümlicher Geftalt werden. Ihre Ratfchläge über Bezug/. Hinweist und Sendungen sind jederzeit erwünscht.

Äußeres und Inneres der Gottesdienfte lehnen fich vielfach an Niebergall: Jefus i. Unterricht (v. JBoehmer: Studft 1911, 7; v. EKIofler-

Erörterungen in der ,Dorfkirche' an; fie bieten mancherlei Be- | mann: ZWfchTh 1911, 4).

achtenswertes, freilich auch allerhand erft noch ernftlich zu Dis- ! - YraVt. Auslege. 4 X. Teft. (v. WEdie: RevofThPhil 1911, june; v.

kutierendes. Die Predigt foll nach G. zur kunftlofen Homilie- ASteinmann: LtRdfchKathDtfchl 1911, 10),

form der Urkirche zurückkehren; ganz befonders gram ift er ihrer
intellektualiftifchen Art. Die Energie, mit der der Charakter des
Gottesdienftes als Gemeindefeier betont wird, berührt wohltuend
. Das Heft eignet fich dazu, den Gegenftand der Be-
fprechung bei kleineren Konferenzen von Landpfarrern zu bilden.
Gießen. M. Schian.

Jäger, emer. Pfr. Gottfried: Am Brunnquell. Kurze Predigten.
(IV, 100 S.) 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1912. M. 1.75; geb.

M. 2.50

20 kurze Predigten hat der em. Verf. als Abfchiedsgruß für
feine Gemeinde aus einem Kirchenjahr, in dem er die 4. Reihe
der fächfifchen Perikopen behandelte, zufammengeftellt. Über
die Kürze fagt er: ,Kurz mußten die Predigten fein, wenn ich
fie überhaupt noch niederfchreiben wollte in der Zeit, wo das
immer zunehmende Erlöfchen meines Augenlichtes mich an das
Abfchiednehmen vom Amte mahnte'. Sicher hat der Prediger
ausführlicher gefprochen, dies find mehr Skizzen für die Predigt,
er wird dann auch wohl mehr auf die befonderen Verhältniffe
feiner Gemeinde und auf die Lebensumftände des Einzelnen eingegangen
fein. Der Verfaffer verwahrt fich dagegen, etwas Be-
fonderes zu bieten, der Gemeinde werden fie jedenfalls eine liebe
Erinnerung fein.

Ahlden a. d. Aller. E. W. Bussmann.

Nissen: S. Abercii vita (v. PdeLabriolle: RevCrit 1912, 33; v. VdVorst:

AnalHoll 1912, 4; v. Glücker: ZKgefch 1912, 3).
Odhner: Michael Servetus (v. KDMacmillan: PrincetThRcv 1911, 2;

AmerJournTh 1911, 3).
Oehl: Deutfche Myftiker (v. K: SchwzThZ 1911, 4; 1912, 2; v. GLoefch-
cke: ZWfchTh 1912, 3; v. CSchm: ThRev 1912, 20; ThPraktMntfchr
1913, Jan; v. Mn: IntKrchlZ 1913, 1; v. OScheel: ZWfchTh 1913, 1).
Oftwald: Moniftifche Sonntagspredigten (v. Doehring: ThLtber 1912, 3;
v. RBiedermanu: DtfchLtz 1912, 33; ZWfchTh 1912,3).

Neuefte Literatur

ausgewählt von P. Pape.

RG: Bacon, BW: The Leiden Congress for the history of religion
(AmerJournTh 1913, I, 80—89). | Cohen, M: Ceremonies et croyances
abessynes. (18) 8° Paris, Leroux '12. | Fargues, P: La religion d'apres
M. Dürkheim. I (RevChret 1913, mars, 254—270). | Grapow, H: Das
17. Kapitel des ägypt. Totenbuches u. feine religionsgefchichtl. Bedeutg
Diff. (53) Lex-8» Berk, CSkopnik (T3). 2 — | King, LW: A neo-baby-
lonian astronomical treatise in the British Museum, and its bearing on the

age of babylonian astronomy (ProcSocBiblArchaeol 1913, 1, 41_46). |

Mogensen, M: A stele of the l8th or igth dynasty with a hymn to
Ptah and Sekhmet (ibid. 37—40). | Reinach, A: Les cultes orientaux
dans l'Occident romain. (31) 8U Paris, Bur. de la ,Rev. d. Idees' '12.

AT: Balla, E: Das Ich d. Pfalmen. Diff. (64) 8°. Gießen '12. |
Breuer, R: riain tpn Die Gedankenwelt der Halacha. I.Heft. (41)
8° Frankf. a. M., Sänger u. Friedberg '13. 1 _ | The book of Daniel.
Introduction, revised Version, with notes, index and map. Ed. by RH