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Ausgabe:

1913 Nr. 7

Spalte:

220

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marti, Karl

Titel/Untertitel:

Kurzgefaßte Grammatik der biblisch-aramäischen Sprache, Literatur, Paradigmen, Texte u. Glossar. 2. verb. Aufl 1913

Rezensent:

Rahlfs, Alfred

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219

Theologifche Literaturzeitung 1913 Nr. 7.

220

und feiner Begründung ausführlich auseinander und findet
das nQmxov tpevöog des Urteils darin, daß es die beiden
Pflichtenkreife, in denen ein landeskirchlichen Pfarrer fteht:
fein Verhältnis zu feiner Gemeinde und das zu dem Ge-
famtorganismus der verfaßten Landeskirche, völlig gleichwertig
nebeneinander ftellt und den Verluft der Achtung
der Behörde mit dem der Achtung der Gemeinde gleichfetzt
. — Das Septemberheft des Deutfchen Gefchichts-
kalenders von 1912 ift namentlich dadurch wertvoll, daß
es zahlreiche Preffeftimmen zum Fall Traub zufammen-
ftellt

Friedberg i. H. K. Eger.

Hunzinger, Prof. a, D. D. Dr. Aug. Wilh.: Theologie und

Kirche. Beiträge zum gegenwärtigen Kirchenproblem.
(V, 100 S.) 8°. Leipzig, A. Deichert Nachf. 1912. M. 2 —

Vier Auffätze: 1. Blick auf die kirchlich-theologifche
Lage (aus: Neue kirchl. Ztfchr. 1910); 2. Die theologifche
Notlage der Kirche (ebenda 1911); 3. Theologie und
Kirche (Vortrag vom Kirchl.-Soz. Kongreß 1911, aus:
Geifteskampf d. Gegenw. 1911); 4. Ein Programm für kirch-
lich-theol. Arbeitsgemeinfchaft (zur Gründung der baye-
rifchen Theol. Arbeitsgemeinfchaft 1910; aus ,Noris' 1911).
In ihnen ift nicht nur H.s theoretifche Stellung, fondern-
auch feine praktifche Stellungnahme zur modernen Kirchenfrage
, foweit fie mit der Theologie zufammenhängt,
ausgedrückt (Vorwort). Sie find Zeugniffe für den weiten
und fcharfen Blick, mit dem er die kirchlich-theologifchen
Erfcheinungen der Gegenwart beobachtet, für die Klarheit
, mit der er fie gruppiert und beurteilt, und für
die Energie, mit der er fein Programm ihnen gegenüber
ins befte Licht zu fetzen vermag. Ohne Frage eine höchft
anregende Lektüre, obwohl manche Gedankengänge aus
der Auffatzreihe ,Die religiöfe Krifis der Gegenwart' (1910)
wiederkehren und auch innerhalb diefes Heftes felbft
Wiederholungen durchaus nicht vermieden find. Die kirchlich
-theologifche Lage ift recht düfter gefchildert. H. redet
von dem ,problematifchen Charakter', aus dem die Dog-
matik nicht herauszukommen vermag (32); von der .völligen
Hilflofigkeit der proteftantifchen Kirchen gegenüber
der allgemeinen Lehrunficherheit und der Tatfäch-
lichkeit des Glaubensabfalls in ihrem Schöße (33), von einer
Krifis, die lebensgefährlich zu werden droht (32). Er ift
gerecht genug, die Schuld nicht etwa bloß bei der liberalen
Theologie zu fliehen, und klug genug, um von der
Anwendung äußerer Mittel gar nichts zu erwarten (37).
Es handelt fich hier um ,eine auch in die pofitiven Kreife
der Kirche vorgedrungene allgemeine größere oder geringere
Erweichung der Glaubensüberzeugung und Be-
kenntnisfeftigkeit' (38). Auch den immer noch vorhandenen
.Traditionalismus und Konfervatismus von der
Liasformation' (6) überfieht er nicht. Er glaubt allerdings,
auch fehr hoffnungsvolle Entwicklungsanzeichen zu erkennen
: fo in den in der pofitiven Kirchlichkeit wirkfamen
Kräften (iöff) undin der Neubegründung des altenGlaubens
auf dem Boden der Gegenwart, namentlich in Geftalt der
modernen pofitiven Theologie und der ihr verwandten
Erfcheinungen (41 ff69fr76). Er gibt allerdings zu, daß
die Arbeit diefer Theologie kaum über programma-
tifche Entwürfe hinausgediehen ift (42; vgl. 76); dennoch
erwartet er anfcheinend von ihr ganz außerordentlich
viel; ihren Vertretern ftellt er mehrfach hervorragend
günftige Zeugniffe aus (20. 44). Sachlich wählt er für fie
mannigfaltige Bezeichnungen; immer aber handelt es fich
ihm um eine ,neue Weife, alte Wahrheit zu lehren'; und
zwar in kirchlicher Art. Dabei ift es ihm nicht verborgen,
daß es unendlich fchwer ift, die Grenze zwifchen kirchlicher
und unkirchlicher Theologie zu ziehen (5); zumal
wird ihm die Anwendung feines zweigeteilten Schemas
bei manchen Theologen der Ritfchlfchen Schule fchwie-
rig (5 vgl. 63); J. Kaftan und Th. Häring ftellt er fogar
eher auf die konfervative Seite (76); dennoch gebraucht

er die durch dies Schema nahegelegten Schlagworte. Es
liegt in der Natur der Sache, daß eine Auseinander-
fetzung mit einer derartigen Fülle von allgemeinen Urteilen
im Rahmen einer Befprechung unmöglich ift. So
begnüge ich mich denn, H. für manches offene Wort
der Kritik an der konfervativen Seite ebenfo wie für
manche wohlberechtigte Mahnung an die kritifche Theologie
zu danken. Daß nicht alle Lefer die gleichen Hoffnungen
wie er auf die neue Strömung der konfervativen
Dogmatik fetzen können, wird er felbft ihnen, gerade
nach der Art, wie er die Grenzen ihrer bisherigen Arbeit
fchildert, nicht verdenken. Überhaupt erwartet er wohl
von der Theologie, fpeziell von der Dogmatik, mehr, als
fie in der Gegenwart zu leiften imftande ift.

Gießen. M. Schian.

Referate.

John, C. H. W., Litt. D.: Ancient Assyrla. (The Cambridge
manuals of science and literature. Vol. 42.) (VII, 156 S. m.
Abbildgn. u. 2 Kartenfkizzen.) kl. 8U. Cambridge, University
Press 1912. s. 1 —

Das Büchlein enthält eine etwas trockene Aufzählung fämt-
licher affyrifcher Herrfcher, mit Angabe der wichtigften Ereigniffe,
die in ihre Regierungszeit fallen. Wer über die affyrifche Kultur
etwas zu finden hofft, ift arg enttäufcht. Er findet nicht ganz
1 4/j Seiten, die von den national characteristics handeln, und auf
ihnen unter anderm die Sätze ,Die großen Tempel und Paläfte,
Mauern und Feftungsgräben wurden von Gefangenen errichtet
(constructed). Die Skulpturen und Statuen waren möglicherweife
das Werk eingeborener Künftler, da fie einen eigenartigen Stil
(a style of their own) haben, aber die koftbareren Hausgeräte
und der Hauptreichtum des Volkes bestand aus der Beute von
anderen Nationen'. Glücklicherweife wird der eigenartige Stil'
der affyrifchen Kunftwerke wenigftens durch ein halbes Dutzend
guter Photographien veranschaulicht.

H. Ranke.

Marti, Prof. D. Karl: Kurzgefaßte Grammatik der biblirch-aramäifchen
Sprache, Literatur, Paradigmen, Texte u. Gloffar. 2. verb.
Aufl. (Porta Linguarum Orientalium XVIII.) (XIV, 117 u.
99 S.) 8". Berlin, Reuther & Reichard 1911. M. 4.50

Martis Grammatik war 1896 in 1. Aufl. erfchienen und ift
von mir in diefer Zeitung 1896, Sp. 585 angezeigt. Die neue
Aufl. hat keine großen Änderungen erfahren — die Paragraphen
find diefelben geblieben —, aber im einzelnen ift vielerlei geändert
, unter anderem die Tranfkription und Terminologie im An-
fchluß an Brockelmann modernifiert. Zuweilen erinnert allerdings
diefe Modernifierung an das Gleichnis von dem neuen Lappen
auf einem alten Kleid. Früher hieß es z. B. in § 4e: ,der aus
einem urfprünglichen kurzen Vokal reduzierte Vokalanftoß (Sewä
mobile oder medium)'; jetzt heißt es: ,der aus einem urfprünglichen
kurzen Vokal reduzierte Vokalanftoß refp. der Murmelvokal
(Seuä mobile oder medium)', fodaß man auf den Gedanken kommen
kann, der ,Voka!anftoß' fei = Seuä mobile, der ,Murmel-
vokal' = Seuä medium. Hierauf folgt ein unverändert gebliebener
Satz über die Chateflaute, aber die neue Aufl. fügt zu Ehren der
neuen Terminologie noch das Sätzchen hinzu: ,Das find alfo die gefärbten
Murmelvokale'. Die Überfichten über die Verfchiebung der
Zahn- und Zifchlaute und über die Konfonanten insgemein in
dem ganz neugeftalteten § 7 hat Marti etwas zu eilfertig aus
Brockelmanns fyrifcher Grammatik übernommen, daher erfcheint
als Vertreter des arab. . £ und des hebr. b) im Aram. nur 0 ftatt

iü und ö; daher ift von den beiden explofiven *a des Syr., dem
femitifchen und dem griechifchen, das verkehrte weggelaffen,
fodaß das femitifche e nun mit ts und p ftatt mit n und 3 auf
gleicher Stufe fteht; auch find die Ausdrücke ,Coronale, Dorfale,
fupradental' in derKonfonantentabelle zu weit nach rechts gerutfcht.
Übrigens hat Martis Werk auch viele wirkliche Befferungen
erfahren und ift auch in der neuen Auflage ein recht brauchbares
Hülfsmittel für das Studium des Biblifch-Aramäifchen.
Göttingen. A. Rahlfs.

Barge, Hermann: Aktenftücke zur Wittenberger Bewegung Anfang
1522. Hrsg. u. erläutert. (VI, 52 S.) 8". Leipzig, J. C. Hinrichs
1912. M. 1.50

Die vorliegende kleine Publikation will als eine Ergänzung

zu Nikolaus Müllers letzten Arbeiten über die Wittenberger