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Ausgabe:

1913

Spalte:

189

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pannwitz, Rud.

Titel/Untertitel:

Zur Formenkunde der Kirche 1913

Rezensent:

Schian, Martin

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Seite 1

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Theologifche Literatur2eitung 1913 Nr. 6.

190

eine ausreichende Orientierung. Zugleich mit der hier fchon
befprochenen dritten Auflage von Th. Schäfers Gefchichte der
weiblichen Diakonie wird diefe Denkfchrift von 1911 für Jahre
hinaus das hefte Orientierungsbuch für die Diakoniffenfache bleiben
. Möge es auch dazu beitragen, die alte Liebe zum Diakoniflen-
beruf zu befeftigen und zu verbreiten!

Greifswald. Ed. von der Goltz.

Pannwitz. Rud.: Zur Formenkunde der Kirche. (Die Bücher der
Kirche. Hrsg. v. Th. Scheffer. 1. Bd.) (VII, 99 S. m. 8 Taf.)
Wittenberg, A. Ziemfen 1912. M. 2.50

,Der Gegenftand diefer Betrachtungen ift das Dafein der Kirche
: dasjenige im Räume (die Architektur), dasjenige in der Seele
(die Religion), dasjenige in der Welt (die Organifation). Ihr Unter-
fcheidendes, Befonderes aber ift, daß dies dreifache Dafein,Kirche'
nicht als befchreibbare Wirklichkeit genommen worden ift, fondern
als ,Form'; und auch diefes noch in einem neu geprägten Sinne.'
— Weitreichende, Höhen und Tiefen befchreitende, oft geiftreiche,
oft auch recht künftliche Erörterungen, die doch kaum irgendwo
wirklich den Dingen auf den Grund gehen, wohl aber ihnen
gelegentlich Gewalt antun. Der Stil ift manieriert-eigentümlich.

Gießen. M. Schian.

Blau, Gen.-Superint. Paul: Das Wort vom Kreuz. 3 Predigten,
gelegentlich der Generalkirchenvifitation in Bromberg gehalten
. (30 S.) 8U. Pofen, Evangelifche Vereinsbuchh. (1912)

M. —30

Die bei Gelegenheit der Generalkirchenvifitation in Bromberg
zur Paffionszeit vom Vifitator gehaltenen, für die Veranlaffungzweck-
dienlichen drei.Predigten über Eph. 5,25—27, Off. Joh. 2,8—11 und
Gal. 6,14 find in diefem Heft vereint, den Gemeinden Brombergszur
Erinnerung, für andere, damit fie ,in diefer ernften Zeit das Kreuz
des Herrn liebgewinnen'. Mir fcheint der erftgenannte Zweck
der zureichende Grund für die Berechtigung der Veröffentlichung
zu fein. Für den zweiten find fie zu rhetorifch aufgeputzt; es
wird auch zuviel vorausgefetzt und manches zu gefucht ausgedrückt
(einmal gradezu unfchön: Nicht der ift der Größte, der
fich durchfetzt in der Welt, fondern der fich dranfetzt für andere).
Es ift die landläufige Art der Apologetik, die auf die Fragen gar
nicht eingeht, fondern von oben herab alles als fonnenklar und
einfach beweift, höchftens durch Illuftrationen zu erläutern fucht.
Anzuerkennen ift, daß der Rednerim Ganzen fich bemüht, möglichft
undogmatifch zu bleiben. Aber um dem Kreuz neue Freunde
zu gewinnen, müßte man m. A. n. viel fachlicher bleiben, auf
Fragen und Zweifel mehr eingehen und im Gedankengang viel
gefchloffener, nicht in geiftreichen Apergus reden. Hier ift fchön
geredet, aber für fchon Gewonnene.

Ahlden a. d. Aller. E.W. Bussmann.

P riebe, Pfr. Hermann: Kirchliches Handbuch für die evangelifche
Gemeinde unter befonderer Berückfichtigung der preußifchen
Landeskirche. (VIII, 351 S.) 8°. Berlin, M. Warneck 1912-

Geb. M. 4 —

Die große Unkenntnis weiter Kreife, auch vieler kirchlich inter.
effierter Gemeindeglieder in kirchlichen Dingen hat den Verfaffer
veranlaßt, ein Buch zufammenzuftellen, das jedermann zur leichten
Orientierung dienen kann. Nach einer kurzgefaßten Bibelkunde
und einer Überficht über die Bekenntniffe und die Hauptlehren
der Reformation werden alle wichtigen Gebiete des kirchlichen
Lebens zur Darftellung gebracht. Aus der Statiitik, der Gefetz-
gebung, der neueren Gefchichte werden alle zum Verftändnis
wefentlichften Dinge mitgeteilt in befonnener Objektivität. Kurze
Literaturangaben weifen überall den Weg zu näherer Orientierung.
Natürlich läßt fich dabei weder allen Gefichtspunkten noch allen
Richtungen gerecht werden. Verfaffer ift aber überall bemüht,
ruhige, objektiv gehaltene fachliche Mitteilungen zu geben. Über
ein Zuviel oder Zuwenig läßt fich hier oder dort leicht ftreiten.
Auf das Ganze gefeiten, dürfte der Verfaffer meift das richtige
Maß getroffen haben. — Der § 51, der über ,die wiffenfchaftliche
Theologie' handelt, ift vielleicht der anfechtbarfte. Die Be-
fchreibung der ,pofitiven' Theologie wird auch diefe felbft nicht befriedigen
. Die ,Greifswalder Schule' ift nur zu Cremers Zeit eine
klar abzugrenzende Größe gewefen. Alles neuere ,Modern-Pofitive'
und ähnliches ift noch zu fehr im Fluß, um für Laienkreife
genauer definiert werden zu können. Der Satz ,die Vermittlungstheologie
fei auf den Univerfitäten kaum noch vertreten', ift min-
deftens mißverftändlich, weil es nur für eine beftimmte Richtung
der Mitte des vorigen Jahrhunderts zutrifft. Die Ritfchlfche Schule
ift der ,fog. modernen Theologie' nicht gleichzufetzen. Es wäre
vielleicht beffer gewefen, diefen § 51 wegzulaffen oder die Gruppen
ohne die Zeitungsfchlagwörter zu charakterifleren; denn die Vor-

I bemerkung zu § 52 (kirchenpolitifche Parteien): ,Das Kirchliche
; Handbuch will zu dem Streit der Parteien nicht Stellung nehmen,
fondern lediglich über fie Auskunft geben' follte auch für den
§ 51 gelten. Immerhin gibt des Verfaffers Darfteilung ein Bild
von der in Übung gekommenen Konfufion der Bezeichnungen. —
Das Buch, als Ganzes beurteilt, ift durchaus anzuerkennen; möge
es nur wirklich recht viel benutzt werden und in die Hände
derer kommen, für die es in erfter Linie beftimmt ift. Leider
wird es nicht feiten fchon von Kandidaten als Examensftoffbuch
ausgenutzt an Stelle gründlicherer Orientierung. Daran ift aber
der VerfafTer nicht fchuld, dem für feine reichhaltige und um-
faffende Zufammenftellung nur Dank gebührt.
Greifswald.___Ed. von der Goltz.

Mitteilungen.

9. Herr W. Nijhoff, Haag (Holland), arbeitet feit Jahren an
einer Bibliographie Niederländifcher Poftinkunabula (Drucke
von 1500—1540). Da er jetzt den Artikel Bibeln (Alte und Neue
Teftamente, Pfalter, Epifteln ufw.) in Bearbeitung genommen hat,
wäre er für Angabe aller Bibeln und Teile derfelben, in Holland
und Belgien zwifchen den Jahren 1500 und 1540 gedruckt, fehr
dankbar. Eventuell ftellt er gern eine gedruckte Lifte der von
ihm befchriebenen und unbefchriebenen Ausgaben zur Verfügung
. — Bibeln ufw., in holländifcher Sprache auswärts (Bafel,
Cöln ufw.) gedruckt, intereffieren ihn ebenfalls.

10. ,Quellen der Religionsgeschichte'. Unter Mitwirkung
einer Anzahl von in- und ausländischen Gelehrten und
Fachmännern foll demnächft eine Unternehmung ins Leben treten,
die auf deutfcher Sprachgrundlage, in erweiterter Weife, etwa den
englifchen ,Sacred books of the East' entfprechen wird. Die wich-
tigften Quellenfchriften der großen Religionen des Oftens, des Iflam,
der parfichen, der indifchen einfchließlich ihrer Entfaltung in die
verfchiedenen Formen des Hindutums, des Hinayana- und Mahay-
ana-Buddhatums bis in feine Verzweigungen in Tibet, China und
Japan follen in geordneten Gruppen und Reihen (aber ohne
,Serienzwang' und möglichft unter Vermeidung der Konkurrenz
mit fchon Vorhandenem) erfcheinen. Andererfeits foll das Ritual-,
Sakral-, Zauber- und Kultwefen, der Mythus und das Mythenmärchen
der noch beftehenden oder der noch erreichbaren Primitivreligionen
möglichft im Zufammenhange ihrer Gefamtkultur gebammelt
, geordnet und dem religionsgefchichtlichen Studium zur
Verfügung geftellt werden. Verwandte Forfchungsgebiete, be-
fonders die Gebiete der femitifchen, ägyptifchen, europäifchen
Volksreligionen fowie die der helleniftifchen, gnoftifchen, mani-
chäifchen Religionsentwicklung follen angefchloffen werden. Die
Anlage des Ganzen fteht feft. Die Programme der einzelnen zu
erfchließenden Gebiete werden von Sprachgelehrten des betreffenden
Gebietes ausgearbeitet. Das ganze Unternehmen foll
nach feilen Gefichtspunkten religionswiffenfchaftlicher Methode
planmäßig angelegt werden. Apologetifche, parteiliche, philofo-
phifche, äfthetifche, fubjektive Beweggründe und Maßftäbe, die
bei der Darbietung religionsgefchichtlicher Urkunden oft Hörend
mitwirken, follen ausgefchaltet, das fpeziell Philologifche dem
religionsgefchichtlichen Gefichtspunkte untergeordnet werden.
Für die Gewinnung zuverläffigen und erfchöpfenden religionsgefchichtlichen
Quellenmateriales in deutfcher Sprache foll hier
eine einheitliche Organifation, für die Sammlung des Urkunden-
materiales der Primitivreligionen follen möglichft zulängliche
Methoden gewonnen werden. Der genaue Plan des Unternehmens
wird demnächft der Öffentlichkeit vorgelegt werden. — Die buch-
händlerifche Seite des Unternehmens ift ebenfalls gefichert. Wir
hoffen, die Sammlung eröffnen zu können mit einer neuen, zeitgemäßen
Verdeutfchung des Koran, des Rigveda und einer Sammlung
gnoftifchen Quellenmateriales. — Angebote zur Mitarbeit,
von Manufkripten, zuverläffigen Überreizungen, religionsgefchicht-
lich-ethnographifchem, geordnetem Quellenmaterial, von Vor-
fchlägen leiftungsfähiger Mitarbeiter unter Sprachkundigen und
Ethnographen find fchon jetzt willkommen, da das Unternehmen
unverzüglich beginnen foll, und werden zunächft erbeten an den
Unterzeichneten, der die vorläufige Leitung der Gefchäfte übernommen
hat.

Profeffor Rudolf Otto, Dr. theol. et phil., Göttingen, Kirchweg 1 d.

Wichtige RezenNonen.

Von Lic. theol. Paul Pape in Berlin NO. 55, Belforter Str. 28.
Bezüg-l. Hinweise und Sendungen sind jederzeit erwünscht.

Lehmann-Haupt: Israel (RevBibl 1912, 1; v. Rothftein: ZEveRelUnt
23, 4, 1912; v. HJElhorft: NThTijdsch 1912, 4).