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Ausgabe:

1911

Spalte:

156

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kern-v. Hartmann, Bertha (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Hesiods Werke, übersetzt von Johann Heinrich Voß 1911

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1911 Nr. 5.

berichtet. Die Referate find fämtlich wertvoll, inftruktiv,
ermutigend und gewiffenfchärfend. Ich fchicke das voraus
, um nicht mißverftanden zu werden, wenn ich bekenne
, daß ich den Herren Referenten nicht überall folgen
kann. Vor allem in einem nicht: dem zu Grund gelegten
Lehrplan flehe ich weniger vorbehaltlos gegenüber
als fie.

Für Oberprima bin ich mit den Lehrplänen und dem
Referenten durchaus darin einig, daß eine fyflematifche
Erörterung der chriftlichen Welt- und Lebensanfchauung
den Abfchluß bilden muß, und habe diefen Abfchluß
immer als die Krone des ganzen Unterrichts betrachtet,
vor allem auch für den Lehrer felbft. Der elfäßifch-
lothringifche Lehrplan hält hierfür das letzte Schuljahr
frei. Schöll (S. 113) fordert zuerft .mindeftens' ein Jahr,
um dann dem genannten Lehrplan Jebhaft darin zu-
zuftimmen', daß er diefen Unterricht einheitlich und
zufammenhängend im letzten Schuljahr erledigt' wiffen
will. Ja, wenn das wenigftens ein volles Jahr wäre! Wie
die Sache tatfächlich ausfieht, hat Strohl S. 63 wohl mit
einiger, doch nicht allzu großer Übertreibung ausgeführt.
Ich bin dafür fehr dankbar, daß der württembergifche
Lehrplan diefen Unterricht mit dem Sommerfemefter der
Unterprima beginnen läßt. Weiter möchte ich zu der
gewiß richtigen Ablehnung einer auf Vollftändigkeit ausgehenden
Syftematik doch bemerken, daß eine Auflöfung
in einzelne Probleme auch gefährlich werden kann: das
von Schöll mit Recht betonte intellektualiftifche Intereffe
des in Betracht kommenden Alters erfordert, gerade auch
das zu zeigen, daß die chriftliche Welt- und Lebensanfchauung
ein gefchloffenes Ganzes ift und als folches
fich neben den verfchiedenen Philofophien recht wohl
fehen laffen kann. Es erfcheint mir daher ein Aufbau
von einem Grundgedanken aus wünfchenswert, und ich
habe es bisher auch immer nützlich gefunden, mit Kaf-
tan vom Begriff des religiöfen Lebensgutes auszugehen.
Bei der Mißlichkeit aller Berufung auf Autoritäten begrüße
ich es lebhaft, daß Schöll für die Fühlungnahme
mit dem N. T. das mehr nachträgliche Zurückgehen von
dem Bedürfnis und der Ausdrucksweife der Gegenwart
auf das N. T. befürwortet.

Was Scheer über die Darfteilung der neuteftament-
lichen und altteftamentlichen Religion, Göller über den
kirchengefchichtlichen Unterricht vorträgt, ift vortrefflich.
Aber dem Einwand (S. 91), daß Scheers Forderungen
für Sekunda zu hoch find, muß ich beipflichten. Ünd
zwar nicht nur wegen der diefe Klaffen beladenden Aspiranten
der Einjährig-Freiwilligenberechtigung. Die Anordnung
des Lehrplans (in Unterfekunda Synoptiker und
Anfänge des apoftolifchen Zeitalters, in Oberfekunda A.
T. und apoftolifche Literatur) erfcheint mir nicht glücklich
: nahezu ein ganzes Jahr bei den Synoptikern zu
verweilen, möchte dem Bedürfnis des Schülers nach Abwechslung
nicht entfprechen. Der württembergifche Plan,
der für Unterfekunda altteftamentliche Religion und das
fynoptifche Evangelium, für das erfte Trimefter von Oberfekunda
Paulus und das apoftolifche Zeitalter, dann für
die andern zwei Trimefter und für die zwei erften Trimefter
von Unterprima Kirchengefchichte vorfchreibt,
hat — trotz feines Schönheitsfehlers — feine Vorzüge.

Problematifch ift mir der elfäßifch-lothringfche Lehrplan
für Tertia. Strohls Vorfchläge für Wahl und Behandlung
der vorgefchriebenen religiöfen Lebensbilder
find wunderfchön. Aber der in der Debatte geäußerte
Zweifel (S. 58), ob in Tertia für den Unterricht in Unterprima
fo vorgearbeitet werden kann, daß dort an Bekanntes
angeknüpft wird (vgl. S. 96), ift fehr begründet:
über die beiden Jahre der Sekunda hinweg wird nicht
allzuviel gerettet werden. Auch hier fcheint mir der
württembergifche Lehrplan den Vorzug zu verdienen:
er fleht für diefe Jahre einige Bilder aus der Kirchengefchichte
vor (Landesreformation, Reformation überhaupt
, Kirchenkundliches), füllt aber nicht zwei ganze

Jahre damit aus, fondern fchreibt als Hauptgegenftand
Bibelkunde vor. Ich kann mir nicht denken, daß der
biblifche Stoff bis Quarta fo bewältigt wird, daß Bibelkunde
in Tertia die Langweilerei der konzentrifchen Kreife
bedeuten müßte. Weiterhin aber kann es der mehr
wiffenfchaftlichen Behandlung in Sekunda nur zu gut
kommen, wenn der Stoff fchon näher bekannt ift.

Schönhuths intereffante und eigenartige Darlegungen
über den Elementarunterricht demonftrieren mit großer
Energie eine pfychologifche Behandlung. Dem in der
Debatte erhobenen Einwand, daß er den Wundern allzu
breiten Raum gewähre, möchte ich beitreten. Wer es
fchon erlebt hat, wie Kinder aus diefen Schuljahren die
Vorftellung mitbringen, daß Chriftus fchließlich Thauma-
turg und die ganze Religion Wunderglaube ift, wird hier
einige Vorficht wünfchen. Aber daß der Elementarunterricht
vielleicht der fchwierigfte ift, jedenfalls an Gefchmack
und Gemüt die höchften Anforderungen ftellt, macht
Schönhuth eindringlich klar.

Stuttgart. H. Holzinger.

Referate.

Sabiston, Magnus: The Biblical Account of the Creation shown to

be in Accordance with the Discoveries of Science. New York, The

Knickerbocker Press 1909. (XI, 262 p.) 8°
Wenn eine reftlofe allegorifch-fymbolifche Auslegung der getarnten,
altteftamentlichen Urgefchichte die abfolute Uberfpannung eines archai-
ftifchen Prinzips bedeutet, fo wird es verftändlich fein, daß Rez. bei
Lektüre diefes Buches bisweilen glaubte erwägen zu müffen, ob es fich
in demfelben nicht doch am Ende um eine nur allzu gut verfteckte Satirc
auf die in bibliziftifchem Intereffe unternommenen Bemühungen handle,
das gute Einvernehmen der atl. Schöpfungserzählung mit den Ergebniffen
naturwiffenfchaftlicher Forfchung darzutun. Da aber der Verf. mit keinem
Wort fich als Satiriker vorftellt, fo muß das Referat wohl oder übel fich
auf der Bahn des Emdes bewegen. Wir lernen alfo eine fubtile Unter-
fuchung von Gen. i—11 kennen, welche ,die durchgängigeUbereinftimmung'
der at.lichen AuffafiuDg mit der entwicklungstheoretifchen Naturbetrachtung
darlegt. Danach ift es biblifche Anfchauung, daß aller Materie
Leben immanent ift, daß die Seinsformen des Lebens aus unorganifchem
Gebilde zu organifchen Zellen, aus Waffertypen zu Landtypen, über die
unzähligen Geftalten bis zum intelligenten Menfchen hinauf allmählich (Tag
undNacht, Morgen und Abend find ,olamifch' gemeint) fich entwickelt haben.
Auf die einzelnen kunftfertig angefetzten Exempel kann hier nicht eingegangen
werden. Nur die Methode fei gekennzeichnet. Denn Methode
ift wirklich in der Art, wie die biblifche Urgefchichte — nicht etwa als
Mythologifierungkaldäifcher Aftralweisheit, fondern — als Mythologifierung
der modernen kosmologifch-biologifchen Kenntniffe erwiefen wird, die den
alten Autoren zu Gebote geftanden haben müffen. Die Methode ift die
Namen- und Zahlenfymbolik. Die ganze Gefchichte des Menfchen z. B.
vom erften Anfang in den Protozoen an und ,feine Exiftenz in zahllofen
tierifchen Formen, bis er aufrecht ftand und zum Herrn der Erde ward
mittels des Gedanken- und Gefühlsausdrucks in der menfchlichen Sprache'
— diefe ganze Evolution ift in den Gefchlechtsregiftern der Noahföhne
niedergelegt und ift fymbolifiert durch die Phafen des Mondes, des ,treuen
Zeugen am Plimmel'. Vorausfetzung der Methode ift die Einficht, daß
die Bibel ,das große Corpus des Zahlenfymbolismus ift und das einzige
Buch in der Welt, in welchem diefer Symbolismus in dem Aufbau der
Erzählungen zutage tritt'. Wird fo dem Verf. die Urgefchichte zur Apo-
kalypfe, fo dürfte es fich für ihn nur noch fragen, ob ihre Autoren bewußte
oder unbewußte Organe diefer verhüllten göttlichen Offenbarung
über Weltenanfang und -entwicklung waren. Die Notlage des Biblizismus
kann nicht draftifcher illuftriert werden als durch dies Buch.

Wien. Beth.

HefiodS Werke, überfetzt von Johann Heinrich Voß. Neu hrsg. durch
Bertha Kern-v. Hartmann. Tübingen, J. C. B. Mohr 1911. (V,
244 S.) kl. 8° Geb. in Pappbd. M. 3—; in Leder M. 4.50

In fchöner Ausftattung, wenn auch der Druck des Textes etwas
klein ift, wird uns hier die alte treffliche Überfetzung von Voß vorgelegt.
,Nur fehr feiten ift die Verbefferung eines offenkundigen Irrtums, die
Milderung eines Ausdrucks gewagt worden, wie man auch Voß' eigenwillige
Orthographie bis auf Fälle, wo die Deutlichkeit in Frage kam,
unberührt ließ.' Aufgenommen find außer den ,Hauslehren' (.Werke und
Tage') und der Theogonie noch ,der Schild des Herakles' und die zahlreichen
Fragmente. Sparfame Anmerkungen und eine knappe fchöne
Einleitung helfen zum Verftändnis des Textes.

Hannover. Schufter.

Mitteilungen.

14. Salzdüngung in den Evangelien. Da es Luk. 14, 34!. von
dem fade gewordenen Salz nicht heißt: ,Es ift weder für die Würze noch
für die Konfervierung gut', fondern: ,Es ift weder für den Acker noch
für den Mifthaufen [sie!] brauchbar', fo hat man früher mit Recht ge-